Heilerziehungspfleger

Heilerziehungspfleger/in – Ausbildung, Beruf, Gehalt

Fast acht Millionen Menschen in Deutschland sind schwerbehindert. Viele von ihnen sind auf die Hilfe von Fachkräften angewiesen. Als Heilerziehungspfleger(HEP) ermöglicht man es ihnen, ein weitestgehend selbstbestimmtes Leben zu führen. Doch so erfüllend der Job ist, so anstrengend kann er sein. Welche Persönlichkeitsmerkmale und Voraussetzungen der Beruf verlangt und wie Joballtag und Gehalt als Heilerziehungspfleger aussehen, wird nachfolgend näher beleuchtet.

Inhalt

Ausbildung Heilerziehungspfleger – Voraussetzungen, Inhalt, Dauer

Weil die HEP-Ausbildung landesrechtlich geregelt ist, sind Dauer, Inhalt und Voraussetzungen von Bundesland zu Bundesland verschieden. Als Zugangsvoraussetzung werden meist mindestens ein Realschulabschluss (Mittlere Reife) und einschlägige Praktika oder eine abgeschlossene Berufsausbildung verlangt. Einige Ausbildungsstätten bestehen auf die Fachhochschulreife (Abitur) oder mehrjährige Berufserfahrung. Interessentinnen sollten sich davon nicht entmutigen lassen und die landesrechtlichen Regelungen an ihrem Wohnort in jedem Fall recherchieren.

Zusätzlich können ein Mindestalter (vor allem für die Ausbildung in Teilzeit) sowie weitere Nachweise, wie ein Gesundheitszeugnis oder ein Führungszeugnis, verlangst werden. Als persönliche Voraussetzungen für den Beruf sind Motivation, Freude am Umgang mit Menschen, Geduld, Verantwortungsbewusstsein, Zuverlässigkeit, Organisationstalent und eine große Portion Einfühlungsvermögen unabdingbar. Mindestens genauso wichtig ist eine professionelle Distanz, um die Herausforderungen und Schwierigkeiten aus dem Leben der betreuten Personen nicht mit ins eigene Privatleben zu nehmen. Diese Persönlichkeitsmerkmale werden in der Regel im Rahmen eines persönlichen Vorstellungsgesprächs an der Ausbildungsstätte ausgelotet.

Je nach Bundesland dauert die grundsätzlich schulische Ausbildung zwei bis drei Jahre in Vollzeit oder vier bis fünf Jahre in Teilzeit. Sie findet an der Fachschule statt. Fachschulen können eigenständig arbeiten oder an eine größere Einrichtung, wie etwa ein Krankenhaus oder eine Pflegeeinrichtung, angegliedert sein. Ein längeres Berufspraktikum ist entweder in die Ausbildung integriert oder schließt in Form eines Jahrespraktikums an die Fachschulausbildung an. Die Aufteilung zwischen berufstheoretischen und berufspraktischen Inhalten entspricht etwa dem Verhältnis von 2:1. Folglich kann man als angehende/r HEP von mindestens 2.700 Stunden theoretischem Unterricht und weiteren 1.350 Stunden praktischen Inhalten der Heilerziehungspflege ausgehen.

Zu den berufstheoretischen Ausbildungsinhalten zählen allgemeinbildende Fächer wie Deutsch/Kommunikation, Sozialkunde/Gesellschaftslehre, Ethik und Sport. Außerdem werden Grundlagen aus den Bereichen Medizin, Psychologie und Pädagogik sowie zahlreiche praxisnahe Fächer rund um die Pflege, Bildung und Förderung von geistig und körperlich behinderten Menschen vermittelt.

Im Rahmen von Praktika in stationären, teilstationären oder ambulanten Einrichtungen werden die im Unterricht erworbenen Kenntnisse erprobt und vertieft.

Die Ausbildung schließt mit einer staatlichen Abschlussprüfung ab, die aus einem schriftlichen und einem praktischen Teil besteht.

Heilerziehungspfleger Ausbildung Gehalt

Da es sich um eine schulische Ausbildung handelt, wird meist kein Gehalt gezahlt. Erst im für die staatliche Anerkennung erforderlichen Berufspraktikum (auch Anerkennungsjahr genannt) gibt es eine Praktikumsvergütung. Sie richtet sich nach dem Tarifvertrag für Praktikanten des öffentlichen Dienstes (TVPöD) und beträgt rund 1.600 Euro pro Monat.

Aber es gibt auch Ausnahmen, bei denen während der kompletten Heilerziehungspflegerausbildung ein Gehalt gezahlt wird. Vor allem diakonische Einrichtungen zahlen ihren HEP-Azubis eine Ausbildungsvergütung, die bis zu 1.000 Euro monatlich betragen kann.

Der Beruf Heilerziehungspfleger – Tätigkeiten und Alltag

Der Beruf ist sehr abwechslungsreich, da HEP in unterschiedlichen stationären, teilstationären oder ambulanten Einrichtungen der Behindertenhilfe arbeiten und jedem körperlich, seelisch oder geistig behinderten Menschen individuell und situationsbezogen begegnen. Verständlicherweise fallen Arbeitsalltag und Tätigkeiten entsprechend dem Tätigkeitsort unterschiedlich aus. Zu den typischen Arbeitsorten zählen:

  • ambulante Dienste/mobile heilerziehungspflegerische Dienste (Betreuung selbstständig lebender Personen oder von Wohngemeinschaften)
  • familienentlastende Dienste
  • Tagesstätten, Pflege- und Wohneinrichtungen
  • Werkstätten für Menschen mit Behinderung
  • (integrative/inklusive) Schulen und Kindertageseinrichtungen
  • Einrichtungen der Sozialpsychiatrie
  • Vorsorge- und Rehabilitationskliniken

Zu den typischen Aufgaben eines Heilerziehungspflegers gehören die Pflege, Betreuung und Beratung von Menschen mit Behinderungen, das Erkennen und Fördern ihrer individuellen Fähigkeiten, sowie die Ermutigung und Anleitung zur Bewältigung ihres Alltags, sei es bei der Haushaltsführung, Freizeitgestaltung, Konfliktbewältigung oder beruflichen Eingliederung. In den meisten Bundesländern ist es möglich, sich auf einen bestimmten Bereich der Heilerziehungspflege zu fokussieren, etwa auf die Betreuung von Kindern und Jugendlichen oder auf die berufsbezogene Beratung und Begleitung von Erwachsenen.

Je nach Arbeitsort können Schichtdienste zum Arbeitsalltag gehören.

Heilerziehungspfleger Gehalt

Das mittlere Gehalt (sogenannter Median) für HEP in Deutschland beträgt laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit 3.361 Euro. Der Entgeltatlas zeigt deutliche regionale Gehaltsunterschiede. Die Gehälter in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen fallen besonders üppig aus, während das Gehalt vor allem in Sachsen deutlich niedriger liegt. Neben den regionalen Unterschieden können sich zusätzlich Gehaltsunterschiede ergeben, je nachdem, ob es sich um einen öffentlichen, kirchlichen oder privaten Arbeitgeber handelt. Öffentliche und kirchliche Arbeitgeber zahlen ein vergleichbares Gehalt von etwa 2.800 Euro brutto für Berufseinsteiger (gemäß Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) und Angaben der Diakonie). Im Tarifbereich für den öffentlichen Dienst steigt der monatliche Verdienst mit der Berufserfahrung auf etwa 4.300 Euro. Angestellte bei privaten Arbeitgebern, wie etwa ambulanten Diensten, können ihr Gehalt theoretisch frei verhandeln. Erfahrungsgemäß liegt es jedoch unter dem Niveau des TVöD.

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