Physiotherapeut

Physiotherapeut/in – Ausbildung, Beruf, Gehalt

Das Wort Physiotherapie ist wie viele medizinische Begriffe griechischen Ursprungs. Es setzt sich zusammen aus dem Alt- Griechischen „phýsis“ = „Körper“ und „therapeía“ = „Dienen, Heilung“. Physiotherapie soll der Heilung des Körpers dienen und dessen Funktionsfähigkeit nach einer Krankheit wiederherstellen.

Früher wurde häufig der Begriff Krankengymnastik verwandt. Der ist aber einengend, weil es nicht nur um Gymnastik geht. Was Physiotherapeuten leisten, wie ihre Ausbildung aussieht und welche Gehalts- bzw. Berufsperspektiven bestehen, darum soll es in diesem Beitrag gehen.

Inhalt

Ausbildung Physiotherapeut – Voraussetzungen, Inhalt, Dauer

Physiotherapeut ist in Deutschland ein anerkannter Ausbildungsberuf. Gesetzliche Grundlage bildet das Masseur- und Physiotherapeutengesetz – kurz: MPhG. Auf der Basis des MPhG ist die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Physiotherapeuten (PhysTh-APrV) erlassen worden, die die Ausbildung bundeseinheitlich regelt. Es handelt sich um eine schulische Ausbildung an entsprechend ausgerichteten staatlichen oder privaten Berufsfachschulen. Die Regelausbildungszeit beträgt drei Jahre und besteht aus Theorie- und Praxis-Teilen. Unter bestimmten Bedingungen kann die Ausbildung verkürzt oder verlängert werden.

Allgemeine Zugangsvoraussetzungen sind mittlere Reife oder ein Hauptschulabschluss mit mindestens zweijähriger Berufsausbildung. Die Berufsfachschulen definieren darüber hinaus eigene Zugangskriterien. Oft finden Bewerbungsgespräche und/oder Aufnahmeprüfungen statt, die über den Zugang entscheiden. Weitere formale Anforderungen sind ein ärztliches Attest über die gesundheitliche Eignung, manchmal auch ein polizeiliches Führungszeugnis und der Nachweis einer Hepatitis-B-Impfung.

Die Ausbildung besteht aus theoretischen und praktischen Unterrichtseinheiten an der Berufsfachschule (regulär insgesamt 2.900 Stunden) und aus Praxisstationen im Krankenhaus (regulär 1.600 Stunden). Zu den theoretischen Ausbildungsinhalten zählen Fächer wie Anatomie, Physiologie, allgemeine und spezielle Krankheitslehre, angewandte Physik und Biomechanik. Größeren Raum nehmen folgende Fächer ein: Anatomie, spezielle Krankheitslehre, krankengymnastische Behandlungstechniken und die methodische Anwendung der Physiotherapie in einzelnen medizinischen Fachgebieten. Sie machen etwa zwei Drittel der schulischen Ausbildungszeit aus. Im Krankenhaus durchlaufen angehende Physiotherapeuten verschiedene Abteilungen. Der Schwerpunkt liegt auf den Stationen Chirurgie, Innere Medizin, Orthopädie und Neurologie (zusammen rd. 60 Prozent der Krankenhauszeit).

Am Schluss der Ausbildung erfolgt eine staatliche Prüfung mit einem schriftlichen, mündlichen und praktischen Teil. Ist sie bestanden, darf die offizielle Bezeichnung „Physiotherapeut/Physiotherapeutin“ geführt werden.

Seit 2001 besteht in Deutschland die Möglichkeit, Physiotherapie zu studieren. Es gibt drei Studien-Modelle:

  • Primärqualifizierendes Studium: hier führt das Studium unmittelbar zur physiotherapeutischen Qualifikation. Eine gesonderte Physiotherapeuten-Ausbildung ist nicht gefordert.
  • Ausbildungsintegrierendes, duales Studium: begleitend zum Studium wird die Ausbildung zum Physiotherapeuten absolviert. Das Studienangebot stellt eine Erweiterung und Vertiefung der Ausbildungsinhalte mit Zusatzqualifikation dar.
  • Berufsbegleitendes Studium: dieses Angebot richtet sich an ausgebildete Physiotherapeuten mit Berufserfahrung, die sich weiter qualifizieren wollen.

Die meisten Studiengänge schließen mit dem Bachelor of Science ab. Es gibt auch ein paar Masterstudiengänge. Eine aktuelle Übersicht über die Studienangebote findet man beim Deutschen Verband für Physiotherapie e.V.

Physiotherapeut Ausbildung Gehalt

Als schulischer Ausbildungsgang wird die Physiotherapeuten-Ausbildung eigentlich nicht vergütet. Eine Ausnahme gilt für Ausbildungen an Einrichtungen des öffentlichen Dienstes (z.B. bei Krankenhäusern und Unikliniken in öffentlicher Trägerschaft). Diese sind an den Tarifvertrag für Auszubildende des öffentlichen Dienstes (TvAöD) gebunden. Danach sind folgende allgemeine Ausbildungsvergütungen vorgesehen (Geltungszeitraum: 01.03.2019 – 31.08.2020; Bund und Kommunen, Bruttobeträge).

Ausbildungsjahr Gehalt (Brutto Monat)
1. Ausbildungsjahr 1.018 Euro
2. Ausbildungsjahr 1.068 Euro
3. Ausbildungsjahr 1.114 Euro

Für private und kirchliche Einrichtungen findet der TvAöD keine Anwendung. Im Bereich der Kirchen gilt die Entgeltordnung für die kirchlichen Auszubildenden mit ähnlichen Vergütungen wie im TvAöD. Ob diese Regelungen auch angehende Physiotherapeuten betreffen, hängt davon ab, ob die Ausbildungseinrichtung unter den Anwendungsbereich fällt. Das muss nicht der Fall sein.

Für Auszubildende ohne Vergütung ist es immerhin ein Trostpflaster, dass einige Bundesländer ab dem Ausbildungsjahr 2018/2019 das Schulgeld für Therapieberufe ganz oder teilweise gestrichen haben. Bei privaten Berufsfachschulen ist ein Schuldgeld zu zahlen – bis zu 400 Euro im Monat. Diese Kosten werden jetzt komplett übernommen oder zumindest zu großen Teilen erstattet.

Der Beruf Physiotherapeut – Tätigkeiten und Alltag

Physiotherapeuten helfen Patienten bei der Erhaltung, Wiederherstellung und Verbesserung ihrer Beweglichkeit nach einer Krankheit, einem Unfall oder bei altersbedingten Beschwerden. Die Physiotherapie findet in der Regel auf der Grundlage einer ärztlichen Verordnung (Rezept) statt. Die Therapie wird eigenständig vom Physiotherapeuten geplant. Es gibt zahlreiche Therapieformen, zum Beispiel Geräteübungen, Atemtherapie, Massagen, Elektro-, Wärme-­ oder Hydrotherapie. Die Beratung von Patienten hinsichtlich Wirkungsweise und geeigneter Hilfsmittel gehört ebenso zur physiotherapeutischen Aufgabe wie Motivation und Anleitung zur selbstständigen Durchführung krankengymnastischer Übungen („Hilfe zur Selbsthilfe“).

In angestellter Beschäftigung arbeiten Physiotherapeuten bevorzugt in Einrichtungen, die sich mit Gesundheit, medizinischer Behandlung und Rehabilitation befassen. Das sind Krankenhäuser und Kliniken, Facharztpraxen, Physiotherapie-Praxen, Altenheime, Reha-Einrichtungen und Einrichtungen zur Integration und Pflege von Behinderten. Physiotherapie bietet aber auch ein „Geschäftsmodell“, um sich selbständig zu machen. Die Verdienstchancen sind oft höher, allerdings ist auch das wirtschaftliche Risiko größer. Es gibt rd. 200.000 Physiotherapeuten in Deutschland, etwa jeder fünfte davon ist selbständig.

Physiotherapeut Gehalt

Im Vergleich zu anderen medizinnahen Ausbildungsberufen bewegen sich Physiotherapeuten-Gehälter im unteren Mittelfeld. Ein großer Teil der Gehälter liegt in einer Bandbreite von 2.000 Euro bis 2.630 Euro brutto im Monat. Das bedeutet ein Jahresgehalt zwischen 24.000 Euro und knapp 32.000 Euro brutto. Das sind aber nur ungefähre Orientierungswerte. Folgendes gilt es zu beachten:

  • bei Einrichtungen mit öffentlich-rechtlicher Tarifbindung (TvöD) liegen die Gehälter meist höher. Hier erfolgt üblicherweise eine Einstufung in Entgeltgruppe 7 mit Einstieg ab knapp 2.600 Euro monatlich und fast 3.300 Euro in Stufe 6 (Basis: VKA TVöD ab April 2019);
  • bei Arbeitgebern ohne Tarifbindung sind vor allem die Einstiegsgehälter oft deutlich niedriger. Sie liegen bis zu 40 Prozent „unter Tarif“;
  • es gibt auch erhebliche regionale Unterschiede. Am besten verdienen Physiotherapeuten in Hessen, Baden-Württemberg und Bayern, am wenigsten in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Der Unterschied macht rd. 8.000 Euro im Jahr aus. Dabei sind auch unterschiedliche Lebenshaltungskosten zu berücksichtigen;
  • die Verdienstchancen als selbständiger Physiotherapeut hängen wesentlich von der wirtschaftlichen Tragfähigkeit der eigenen Praxis ab.

Passende Stellenangebote für Physiotherapeuten

Auf der Suche nach passenden Physiotherapeut Stellenangeboten? Auf unserem Medi-Karriere Stellenportal werden Sie fündig.

Hier geht es direkt zu unserer Suche mit zahlreichen Physiotherapeut Stellenangeboten.

Interesse an anderen Berufen im Gesundheitswesen? Alle Ausbildungsberufe gibt es als Übersicht auf der Seite medizinische Berufe.