
Inhaltsverzeichnis
Die Akupressur ist neben der Akupunktur eine oft angewendete alternative Heilmethode der Traditionellen Chinesischen Medizin. Laut der TCM soll sie Schmerzen, Übelkeit, Schlafstörungen oder anderen Beschwerden lindern. Die Anwendung basiert dabei auf der Ausübung von Druck auf bestimmte Akupressurpunkte am Körper, die auf Meridianen liegen. Die Aktivierung dieser Punkte führt laut TCM zur Freisetzung von Energie und zum Lösen von Blockaden.
Dieser Artikel beschreibt die Grundlagen der Akupressur und geht auf Kontraindikationen sowie verschiedene Techniken ein.
Inhaltsverzeichnis
Was ist Akupressur?
Akupressur, wörtlich übersetzt “Nadeldruck”, beschreibt eine Methode der Alternativmedizin. Hierbei stimuliert stumpfer, mechanischer Druck bestimmte Akupressurpunkte am Körper. Diese stimmen überwiegend mit den Akupunkturpunkten der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) überein und liegen laut dieser Lehrmeinung entlang von Meridianen. Sie dienen als Bahnen für das “Qi”, der Energiefluss und sollen durch die Stimulation Blockaden lösen.
Laut der TCM gibt es insgesamt 365 Punkte entlang von zwölf Meridianen, von denen einige direkten Bezug zu Organen wie Milz, Lunge oder Herz aufweisen sollen. Die Aktivierung dieser Punkte soll die Balance im Körper wieder herstellen und somit das Wohlbefinden steigern und die Gesundung fördern.
Akupressur – Wirkung
Bisher wurde die Wirksamkeit von Akupressur nicht in kontrollierten klinischen Studien nachgewiesen. Viel eher legitimiert die Erfahrungsmedizin die Erfolge der Methode. Dazu zählt die Beobachtung von individuellen Krankheitsverläufen der Patienten. Bei ernsthaften und schweren Erkrankungen ist ein Arztbesuch deshalb unerlässlich.
Die Einsatzmöglichkeiten von Akupunktur sind vielfältig. Patienten berichten nach Anwendung häufig über Erleichterung von körperlichen Beschwerden wie Übelkeit, Migräne oder Spannungskopfschmerzen. Auch bei Erkältungen soll die Methode helfen. Selbst zur Unterstützung der psychischem Gesundheit kann Akupressur Anwendung finden, etwa im Kampf gegen Müdigkeit durch das Freisetzen von Energie. Zusätzlich kann Akupressur bei der Rauchentwöhnung helfen.
Weitere mögliche Effekte der Akupressur sind die Schmerzlinderung, auch etwa von Menstruationsbeschwerden. Sie vermindert Verdauungsbeschwerden, baut Stress ab und unterstützt beim Abnehmen.
Es gibt bei dieser Methode kaum relevante Nebenwirkungen. Lediglich blaue Flecken oder Hautreizungen können durch zu starken Druck auftreten.
Akupressur – Zielgruppen und Anwendungsgebiete
Grundsätzlich kann jede Person Akupressur anwenden, abhängig von individuellen Beschwerden und Bedürfnissen. Die Methode ist weiterhin sehr gut zur Selbstbehandlung geeignet. In der Regel empfiehlt sich die Anwendung mehrmals pro Woche oder täglich.
Wichtige Akupressurpunkte
Einige Druckpunkte erweisen sich im Alltag als sehr hilfreich. He Gu (LI4) liegt zwischen Daumen und Zeigefinger auf dem Handrücken und hilft bei Schmerzen und Stress. Nei Guan (P6) befindet sich etwa drei Fingerbreit unter dem Handgelenk zwischen den Sehnen. Er lindert Übelkeit und Angst. Etwa vier Finger unterhalb der Kniescheibe liegt Zu San Li (ST36), der für Energie sorgt und das Immunsystem stärkt. Shen Men (HT7), der unterhalb des kleinen Fingers am inneren Handgelenk liegt, unterstützt bei Schlafproblemen und Nervosität. Gegen Kopfschmerzen, Wut und Menstruationsbeschwerden soll Tai Chong (LV3) helfen. Er liegt auf dem Fußrücken, zwei Finger oberhalb der großen Zehe.
Babys
Bei Babys im Alter von drei bis sechs Monaten sollte die Behandlung nur eine halbe bis maximal vier Minuten dauern. Bis zwölf Monate darf die Dauer auf maximal eine bis fünf Minuten am Tag ausgeweitet werden. Grundsätzlich erfolgt die Stimulation sehr sanft und sehr kurz, es reicht in der Regel das simple Auflegen der Hand auf die Stelle.
Wichtig ist bei Babys die Positionierung ohne Überstrecken der Wirbelsäule oder des Nackens. Strampelt das Kind, sollte man den Bewegungen folgen und es nicht einschränken. Die Behandlung sollte immer auf beiden Körperseiten durchgeführt werden.
Kinder
Ab dem ersten bis zum dritten Lebensjahr können Kinder täglich drei bis sieben Minuten Akupressurtherapie erhalten. Ältere Kinder sollten sich auf maximal fünf bis sieben Minuten am Tag beschränken.
Vor Beginn sollten Anwender ihre Hände etwas anwärmen. Das Kind kann in die Behandlung mit einbezogen werden, indem es die Druckstärke mitbestimmt. Einige empfinden die gleichzeitige Anwendung eines Hautöls oder einer Lotion als angenehm.
Osteopath/in Stellenangebote
Erwachsene
Für Erwachsene empfiehlt die TCM eine Dauer zwischen fünf und 15 Minuten am Tag. Erwachsene sollten sich grundsätzlich bewusst sein, dass Akupressur eine unterstützende Behandlung darstellt, aber bei unklaren oder anhaltenden Beschwerden keinen Arztbesuch ersetzt.
Akupressur – Kontraindikationen
Nicht jeder sollte Akupressur bedenkenlos anwenden. Da einige Druckpunkte Wehen auslösen könnten, sollten Schwangere besser auf die Anwendung verzichten. Menschen mit schwerwiegenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird eine Beratung mit dem behandelnden Arzt im Voraus empfohlen.
Des Weiteren sollten Personen, die unter Hautproblemen wie offenen Wunden, entzündlichen Hauterkrankungen oder Infektionen leiden, die betroffenen Stellen vermeiden. Weitere Einschränkungen stellen akute Knochen-, Organ- oder Muskelschäden dar, etwa Knochenbrüche oder Entzündungen sowie schwere psychische Erkrankungen mit Psychosen. Bei der Einnahme von starken Medikamenten sollten Patienten Vorsicht walten lassen.
Akupressur – Ablauf
Die Anwendung der Akupressur ist vergleichswiese einfach. Zunächst ist es ratsam, sich eine ruhige und entspannte Umgebung zu schaffen und einige tiefe Atemzüge zu nehmen. Je nachdem, wie man sich wohler fühlt, ist Sitzen oder Liegen angemessen. Bestenfalls stellt man sich noch ein Glas Wasser bereit für die Zeit nach der Akupressur.
Zunächst sucht man sich den gewünschten Punkt am Körper. Sie liegen meistens zwischen Sehnen, Muskeln und Knochen als kleine Vertiefung und sind leicht schmerz- oder berührungsempfindlich. Nun übt man sanft aber bestimmt Druck mit dem Daumen oder der Fingerkuppe aus. Wichtig ist, dass keine starken Schmerzen dabei entstehen.
Der Druck kann einfach für eine gewisse Zeit, einige Sekunden bis einige Minuten, gehalten werden. Auch leichte, kreisende Bewegungen oder ein Abklopfen mit dem Finger sind möglich. Die Kreise sollten in Uhrzeigersinn erfolgen. Es ist jedoch zu beachten, dass Akupressur keine Massagetechnik ist und deshalb auch nicht damit verwechselt werden sollte. Diese Methode kann bei akuten Beschwerden intervallartig wiederholt werden, etwa zehn Sekunden Druck und drei bis fünf Mal wiederholen.
Handelt es sich um einen Punkt, der auf beiden Körperseiten vorhanden ist, sollten auch beide behandelt werden.
Physiotherapeut/in Stellenangebote
Akupressur – Techniken
Die Anwendung der Akupressur kann an sich selbst erfolgen, aber auch an anderen. Beispielsweise palliative Patienten profitieren sehr von der Methode. Neben den Händen finden aber auch weitere Hilfsmittel Einsatz.
Ein bekanntes Mittel ist die Akupressur-Matte, die mit mehreren tausend leichten Spitzen aus Kunststoff versehen ist. Sie stimulieren viele Punkte der Haut gleichzeitig und können so zu Entspannung, Schmerzlinderung und Stressreduktion führen. Schwangeren, Epileptikern, Menschen mit Blutgerinnungsstörungen oder Personen mit Hauterkrankungen wird allerdings von der Nutzung der Matte abgeraten.
Für Akupressur an Händen, Füßen oder anderen kleineren Körperbereichen eignet sich ein Igelball. Dabei handelt es sich um einen kleinen Ball, der mit Stacheln versetzt ist. Er regt den Kreislauf und die Durchblutung an, aktiviert das Lymphsystem und reguliert Stress und Anspannung.
Ein Nadel-Roller kann zur Narbenbehandlung oder zur Massage der Beine Verwendung finden. Ziel ist eine verbesserte Durchblutung, die Linderung von Schmerzen und die Anregung der Kollagenproduktion.
Zwei weitere Methoden sind Fingerringe und Akupressur-Bänder. Erste lindern Arthrose-Schmerzen in den Fingern und unterstützen die Heilung von Narben nach Hand-Operationen oder Kapselverletzungen. Das Band soll besonders bei Reise- und Schwangerschaftsübelkeit helfen.
Ein Massageknauf besitzt abgerundete Spitzen oder Knubbel. Mit ihm kann man gezielt Druck ausüben. Noch feiner sind sogenannte Akupressurstifte, die einzelne Druckpunkte aktivieren können.
Passende Jobs im Gesundheitswesen
Auf der Suche nach einem Job im Gesundheitsweisen? Bei Medi-Karriere gibt es zahlreiche Stellen als Physiotherapeut, Jobs für Ergotherapeuten und Stellenangebote für Pflegefachkräfte.
Häufige Fragen
- Was bewirkt die Akupressur?
- Wie lange sollte man einen Akupressur-Punkt drücken?
- Kann man bei Akupressur etwas falsch machen?
- Wann sollte man Akupressur nicht anwenden?
Akupressur soll laut der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) den Energiefluss („Qi“) im Körper harmonisieren, indem durch gezielten Druck auf bestimmte Punkte entlang der Meridiane Blockaden gelöst werden. Dadurch können Beschwerden wie Schmerzen, Übelkeit, Kopfschmerzen oder Schlafstörungen gelindert und das allgemeine Wohlbefinden gesteigert werden. Wissenschaftlich ist die Wirksamkeit bisher nicht eindeutig belegt, die Methode stützt sich vor allem auf Erfahrungsberichte.
Ein Akupressur-Punkt wird in der Regel einige Sekunden bis wenige Minuten gedrückt. Wichtig ist, dass der Druck spürbar, aber nicht schmerzhaft ist. Bei akuten Beschwerden kann die Behandlung intervallartig erfolgen, also etwa zehn Sekunden Druck mit kurzen Pausen, drei bis fünf Mal wiederholt.
Grundsätzlich kann man bei der Akupressur nichts falsch machen. Fehler können vor allem dann auftreten, wenn man zu starken Druck anwendet. Dies kann zu blauen Flecken oder Hautreizungen führen. Außerdem sollte Akupressur nicht mit Massage verwechselt werden, denn sie dient der gezielten Punktstimulation, nicht der Muskelentspannung.
Nicht angewendet werden sollte Akupressur bei bestimmten Kontraindikationen: Schwangere sollten vorsichtig sein, da einige Punkte Wehen auslösen können. Menschen mit schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen, akuten Knochen- oder Muskelschäden, entzündlichen Hauterkrankungen oder offenen Wunden sollten auf die Methode verzichten. Ebenso ist Vorsicht geboten bei schweren psychischen Erkrankungen oder unter Einnahme starker Medikamente.
-
Litscher G., Akupressur, Neuropharmakologie und psychische Gesundheit, https://doi.org/...






