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Schmerztherapie kommt in den meisten medizinischen Fachdisziplinen zum Einsatz. Neben akuten Schmerzepisoden, die fast jeder Mensch gelegentlich erlebt, stellen insbesondere chronische Schmerzen eine große Herausforderung für Patienten und Behandelnde dar. Nach Angaben der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V. sind aktuell etwa 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland von chronischem Schmerz betroffen.
Dieser Artikel erklärt, ab wann Schmerzen chronisch werden, und stellt verschiedene Methoden der schmerztherapeutischen Behandlung vor.
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Schmerztherapie – Definition
Schmerztherapie umfasst sowohl medizinische Maßnahmen als auch Behandlungen durch andere Fachdisziplinen, die zur Linderung von Schmerzen zum Einsatz kommen. Streng genommen gehört bereits die einmalige Verordnung eines Schmerzmittels bei akuten Beschwerden zur Schmerztherapie. Allerdings wird der Begriff meist für komplexere Therapien verwendet, die sich über einen längeren Zeitraum erstrecken.
Hintergrund
In der humanmedizinischen Ausbildung gibt es keine eigene Facharztweiterbildung, die sich ausschließlich mit Schmerztherapie befasst. Wenn ein Arzt besondere Kenntnisse in diesem Schwerpunktbereich erwerben will, kann er im Anschluss an eine andere Facharztweiterbildung wie beispielsweise Anästhesie, Innere Medizin oder auch Orthopädie und Unfallchirurgie die Zusatzweiterbildung „Spezielle Schmerztherapie“ durchlaufen. Sie endet mit einer Fachprüfung.
Viele Ärzte kombinieren die schmerztherapeutische Ausbildung mit der Zusatzweiterbildung Palliativmedizin, da es in diesen Fachbereichen viele Überschneidungen gibt.
Ambulante Schmerztherapie
Bei der ambulanten Schmerztherapie erfolgt zunächst eine umfängliche Anamnese, Untersuchung und gegebenenfalls die Durchführung weiterer Diagnostik. Der Behandler entwickelt ein Therapiekonzept aus Medikamenten und gegebenenfalls weiteren Maßnahmen, das der Patient im häuslichen Umfeld einsetzt. Bei erneuten Terminen besprechen Arzt und Patient die Resultate der Behandlung und passen diese an, bis das getroffene Behandlungsziel erreicht ist.
Ambulante Schmerztherapie findet in Schmerzpraxen oder Schmerzambulanzen von Kliniken statt. Die Einrichtungsleiter müssen die Zusatzweiterbildung „Spezielle Schmerztherapie“ absolviert haben.
Stationäre Schmerztherapie
Wenn eine angemessene Schmerzkontrolle im ambulanten Bereich nicht möglich ist, kann eine stationäre Schmerztherapie erforderlich werden. Hierzu wird der Patient auf eine Schmerzabteilung oder in eine Klinik zur Schmerztherapie aufgenommen. Dabei findet nicht nur eine medikamentöse Behandlung statt. Die Therapeuten verbinden meist viele verschiedene Methoden zu einem ganzheitlichen Therapiekonzept, der Interdisziplinären Multimodalen Schmerztherapie (IMST).
Eine stationäre Schmerztherapie kann auch erforderlich werden, wenn beispielsweise eine operative Behandlung oder die Anlage eines Schmerzkatheters geplant ist.
Wer braucht Schmerztherapie?
Ob eine Schmerztherapie notwendig ist, hängt von vielen Faktoren ab. Nicht zuletzt besitzt jeder Mensch ein individuell ausgeprägtes Schmerzempfinden und auch die Kompensationsmechanismen bei Schmerzen sind sehr variabel.
Akute Schmerzen behandeln viele Menschen teils selbst mit frei verkäuflichen Schmerzmitteln. Eine umfassendere Schmerztherapie ist in der Regel bei operativen Eingriffen und schweren Verletzungen erforderlich, häufig auch bei chronischen Erkrankungen des Bewegungsapparates und bei Krebserkrankungen. Darüber hinaus kommt sie bei Entbindungen zum Einsatz.
Auch Nervenverletzungen machen aufgrund des Schmerzcharakters häufig eine vorübergehende oder dauerhafte Therapie erforderlich. Dies ist beispielsweise bei der Gürtelrose der Fall. Diese Erkrankung erfordert eine gute Schmerzbehandlung, da andernfalls der Schmerz chronisch werden kann.
Akuter und chronischer Schmerz
Eine klare zeitliche Abgrenzung von akuten und chronischen Schmerzen existiert nicht. Zumeist ist mit akutem Schmerz ein neu aufgetretener Schmerz durch eine frische Verletzung oder andersartigen Gewebeschädigung gemeint, der als „Warnsystem“ wirkt und nach der Behandlung der Schädigung abklingt. Von chronischem Schmerz sprechen die meisten Autoren bei einer Schmerzdauer von mindestens drei (bei Kopfschmerzen) oder sechs (bei anderen Schmerzen) Monaten, oder wenn der Schmerz nach Behebung der Ursache bestehen bleibt.
Schmerztherapie – Maßnahmen
Zu jeder Schmerztherapie gehört eine gründliche Anamnese und Untersuchung. Dabei erfasst der Arzt oder Untersucher, seit wann der Schmerz vorliegt, wie stark er ist, wo er auftritt, welchen Charakter er hat (zum Beispiel stechend, bohrend, brennend) und, was die Beschwerden auslöst oder lindert. Die Schmerzintensität wird dabei meist mit einer Schmerzskala wie der Smiley-Skala für Kinder oder der Numerischen Analogskala (NRS) für Erwachsene festgehalten. Die Werte werden etwa eine Stunde nach Einnahme der Medikamente bestimmt.
Zur Ursachensuche ist es wichtig, nicht nur körperliche Schäden zu suchen, sondern den Schmerz unter bio-psycho-sozialem Aspekt zu betrachten. Denn Schmerzen können auch durch psychische oder soziale Aspekte ausgelöst oder gefördert werden. Gleichzeitig kann chronischer Schmerz zu Einschränkungen im Alltagsleben führen, unter denen die Lebensqualität der Betroffenen massiv leidet. Psyche und Lebensumfeld des Patienten bieten vielfältige Optionen, die bei der Schmerztherapie unterstützend wirken können.
Regelmäßige Kontrollen der Behandlungserfolge und Schmerztagebücher helfen, die Therapie individuell anzupassen.
Pharmakotherapie
In der pharmakologischen Schmerztherapie wird im Wesentlichen zwischen Gewebeschmerz (nozizeptiver Schmerz) und Nervenschmerz (neuropathischer Schmerz) unterschieden.
Gewebeschmerzen sprechen auf viele Schmerzmedikamente an, die oft in Form einer Stufentherapie wie dem WHO-Stufenschema aufeinander aufbauen. Zunächst kommt ein nicht-opioides, also nicht von Morphin abgeleitetes, Medikament zum Einsatz. Beliebt sind beispielsweise sogenannte nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) oder Paracetamol.
Reichen diese nicht aus, so kann ein schwaches oder auch ein starkes Opioidpräparat zum Einsatz kommen. Ergänzend werden gelegentlich antipsychotische Medikamente, die Neuroleptika, angewandt. Diese ursprünglich zur Schizophrenie-Therapie entwickelten Präparate beeinflussen die Schmerzverarbeitung im Gehirn und können zusätzlich angst- und spannungslindernd wirken.
Nervenschmerzen sprechen meist besser auf Antikonvulsiva (Medikamente gegen Epilepsie) und Antidepressiva an. Diese reduzieren die Nervenleitung und damit die Reize am geschädigten Nerv. Opiate eignen sich bedingt zur Therapie von Nervenschmerzen.
Bei großen Krebsgeschwüren, die auf Nerven drücken, können Kortison-Präparate durch ihren abschwellenden Effekt Linderung bringen.
Wichtig ist, dass die medikamentöse Schmerztherapie nicht auf die Ausschaltung der Schmerzen, sondern eine Schmerzlinderung abzielt. Angestrebt werden Ruheschmerzen maximal im unteren Drittel der Schmerzskala, die sich bei Bewegung nicht übermäßig verschlimmern dürfen.
Anästhesie
Anästhesie kommt meist im Rahmen operativer Eingriffe und auf der Intensivstation zum Einsatz. Neben medikamentöser Therapie wenden Anästhesisten invasive Verfahren an, zum Beispiel Nervenfaserblockaden durch lokal wirksame Betäubungsmittel oder Nervenzerstörungen durch Injektionen mit alkoholhaltigen Lösungen. Auch Schmerzpumpen, bei denen der Patient sich eine voreingestellte Menge an Schmerzmitteln selbst verabreichen kann, werden von Anästhesisten angelegt.
Ausbildungsplätze als Physiotherapeut/in
Physiotherapie
Physiotherapie in der Schmerztherapie zielt auf eine Steigerung der Mobilität und Aktivität sowie mehr Sicherheit in den Bewegungsabläufen ab. Viele Schmerzpatienten nehmen aus Angst vor weiteren Beschwerden Schonhaltungen ein und erfahren dadurch zunehmende Einschränkungen. Diese können häufig durch eine gute Begleitung und Bewegungsstrategien unter adäquater medikamentöser Schmerztherapie überwunden werden. Ergänzend wenden Physiotherapeuten Behandlungen wie die Thermotherapie, Reizstromanwendung (TENS) oder Triggerpunktmassagen an.
Manuelle Therapie, osteopathische Behandlung und Biofeedback, bei dem der Behandler dem Patienten seine körperlichen Reaktionen visualisiert, können in die physiotherapeutische Therapie eingebunden werden und deren Effekte verstärken.
Akupunktur/Akupressur
Bei der Akupunktur oder Akupressur werden festgelegte Punkte am Körper entweder mit einer dünnen Nadel eingestochen oder es erfolgt Druck auf die Bereiche. Die genaue Wirkung der Verfahren ist bisher medizinisch nicht erklärt. Experten vermuten unter anderem eine vermehrte Ausschüttung von schmerzlindernden „Glückshormonen“ durch die Reize. Zudem ändert sich die Stoffwechselaktivität im Gehirn nachweislich unter Körperakupunktur, was weitere Effekte bedingen könnte.
Psychotherapie
Die körperliche Beeinträchtigung durch Schmerzen geht oft mit Niedergeschlagenheit und schlechtem Schlaf einher. Chronische Grunderkrankungen und die damit verbundenen Konsequenzen, wie auch Sorge vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, können zudem existenzielle Ängste auslösen. Gleichzeitig verstärken sich die Beschwerden bei etwaigen innerfamiliären Konflikten.
Durch kognitive Verhaltenstherapie sowie Techniken wie Entspannung, Selbsthypnose oder Schmerzakzeptanz können Betroffene motiviert werden, Alltagsaktivitäten wieder aufzunehmen – teils sogar mit Rückkehr an den Arbeitsplatz.
Psychotherapie kann in Verbindung mit Ergotherapie und Physiotherapie die Schmerztherapie sehr gut zu einem ganzheitlichen Behandlungsplan abrunden.
Kräftigung der Muskulatur
Die Kräftigung der Muskulatur durch Gymnastik oder Sport verbessert die Körperwahrnehmung der Patienten und entlastet beispielsweise das Skelett. Dies ist insbesondere angesichts der hohen Zahl an chronischen Schmerzpatienten mit Wirbelsäulenbeschwerden ein wichtiger Therapieansatz.
Passende Jobs in der Therapie
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