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Die Kardiotokografie, kurz das CTG, ermöglicht mittels verschiedener Technologien die Überwachung der Herzaktivität des Fötus. Neben der Sonografie (Ultraschall), der Auskultation mittels Stethoskop und der allgemeinen Schwangerschaftsvorsorge erlaubt die Kardiotokografie eine Beurteilung des Zustands des Fötus, insbesondere während der Geburt. Was genau hinter der Technik steckt, wie eine Untersuchung abläuft und was das CTG den behandelnden Personen sagt, ist Thema dieses Artikels.
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Was ist ein CTG (Kardiotokografie)?
Das CTG ist die Methode der Wahl zur Überwachung und gleichzeitigen Aufzeichnung der fetalen Herzaktivität. Es nimmt auch die mütterlichen Wehen auf, wodurch ein Zusammenhang dieser beiden Größen hergestellt werden kann.
Die Methode birgt den Vorteil, dass sie nicht invasiv ist, einen längeren Zeitraum kontinuierlich darstellen kann und die Aktivität des Herzens und der Wehen direkt abbildet.
Wann braucht man ein CTG?
Vor der Geburt kommt das CTG vor allem bei Risikoschwangerschaften zum Einsatz, dann spricht man vom antenatalen CTG. Insbesondere bei Verdacht auf verschiedene Erkrankungen ist die Indikation schnell gestellt. Dazu zählen folgende:
- Mehrlingsschwangerschaften
- Blutungen während der Schwangerschaft
- Auffälligkeiten bei der Doppler-Sonografie
- verfrühte Wehentätigkeit und drohende Frühgeburt
- unter tokolytischer (wehenhemmender) Therapie
- Verdacht auf Plazentainsuffizienz
Allen gemeinsam ist eine potenzielle Gefährdung des Fötus. Dennoch kann eine sinnvolle Interpretation meist erst ab der 26. bis 28. Schwangerschaftswoche erfolgen, weshalb die Technik vorher keinen routinemäßigen Einsatz findet. Bei Schwangeren ohne Risiko ist der Aussagewert auch eher gering.
Die häufigste Anwendung findet das CTG bei der Geburt, wobei man vom intrapartalen CTG spricht. Das Gerät wird bei Indikation bereits bei Kreißsaalaufnahme angelegt, ansonsten beginnt man mit der Kardiotokografie vor der Geburtseinleitung oder ab regelmäßiger Wehentätigkeit.
Interne Ableitung - eine Alternative?
Bei der internen Ableitung wird eine sogenannte Kopfschwartenelektrode, eine kleine spiralförmige Elektrode, während der Geburt direkt in die Haut der kindlichen Kopfhaut eingeschraubt, sobald die Fruchtblase geplatzt und der Muttermund ausreichend geöffnet ist. Diese Methode liefert eine exakte elektrische Erfassung der fetalen Herzfrequenz über das fetale EKG (Elektrokardiogramm), ist jedoch invasiv, also mit einem direkten Eingriff am Körper des Kindes verbunden, und wird daher nur bei bestimmten geburtshilflichen Situationen angewendet.
CTG – Medizinische Geschichte
Die Entwicklung des CTGs beginnt im 19. Jahrhundert. Dort entwickelte Adolphe Pinard ein hölzernes Stethoskop, das “Pinard Rohr”. Es findet auch heute noch Anwendung, birgt aber den Nachteil, dass damit keine kontinuierliche Überwachung möglich ist.
Darauf aufbauend entwickelte Konrad Hammacher 1964 den ersten Kardiotokographen. Ende der 1960er vereinte man das Gerät mit der Doppler-Sonographie-Technik und entwickelte es seitdem konstant weiter. Heute erfolgt die Übertragung der gemessenen Daten zudem kabellos, was es der Mutter ermöglicht, sich während der Überwachung zu bewegen. Neuere Geräte können außerdem die Kindsbewegungen registrieren, was als Kineto-Kardiogramm bezeichnet wird.
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CTG – Funktion und Technik
Technisch besteht das CTG aus zwei Sensoren, die auf dem Bauch der Schwangeren angebracht werden.
Ein Ultraschallkopf (Cardiograph) misst die fetale Herzfrequenz mithilfe des Doppler-Effekts. Er sendet Ultraschallwellen aus, die am sich bewegenden fetalen Herzen reflektiert werden. Aus der Frequenzverschiebung der reflektierten Signale lässt sich die Herzfrequenz in Beats per Minute (bpm) berechnen.
Ein Tokograph (Drucksensor) registriert die Wehentätigkeit über mechanische Veränderungen der Bauchdecke, ausgelöst durch die Kontraktion der Gebärmuttermuskulatur (Myometrium). Der Druck wird kontinuierlich gemessen und als Kurve aufgezeichnet. Die Daten beider Sensoren werden synchron auf einem Monitor angezeigt, oben die Herzfrequenz des Fetus, unten die Wehentätigkeit.
Was ist der Doppler-Effekt?
Der Doppler-Effekt beschreibt die Veränderung der Frequenz einer Schallwelle, wenn sich eine Schallquelle auf einen Empfänger zu- oder von ihm wegbewegt, wie bei einem vorbeifahrenden Krankenwagen. In der Medizin nutzt man diesen Effekt beim CTG, um die Herztöne des ungeborenen Kindes zu messen. Dabei sendet das Gerät Ultraschallwellen aus, die am sich bewegenden Herzen des Fötus reflektiert werden. Durch die Veränderung der Frequenz kann das CTG erkennen, wie schnell das Herz schlägt.
CTG-Untersuchung – Ablauf
Für die CTG-Untersuchung liegt die werdende Mutter vorzugsweise auf der linken Seite, eine halbsitzende Haltung ist aber auch möglich. Das hilft, den Komfort zu erhöhen und die Durchblutung nicht zu behindern. Der Schwangeren werden zwei Gurte um den Bauch gelegt. Der Ultraschallkopf befindet sich meist über dem Rücken des Fötus, der Tokograph liegt im Bereich des oberen Gebärmutterrandes.
Nach Beginn der Aufzeichnung registriert das Gerät kontinuierlich die fetale Herzfrequenz und die Wehentätigkeit. Über eine externe Pulsoxymetrie am Finger kann gleichzeitig der Puls und die Sauerstoffsättigung der Mutter dokumentiert werden. Die Untersuchung dauert in der Regel mindestens 40 Minuten und sollte in Ruhe ablaufen.
Während der Untersuchung erhält die Schwangere einen Taster, um Kindsbewegung anzugeben, die auf der Kurve dokumentiert werden.
CTG – Auswertung
Zur Beurteilung eines CTGs werden verschiedene Parameter interpretiert, etwa die Baseline, Wehentätigkeit oder Oszillation.
Die Basalfrequenz (Baseline) der fetalen Herzfrequenz ist der Mittelwert der Herzfrequenz über einen Zeitraum von mindestens zehn Minuten. Dieser sollte zwischen 110 und 160 Schlägen pro Minute (bpm) liegen.
Die Oszillation (Bandbreite) ist ein weiterer wichtiger Wert im CTG. Darunter versteht man den Abstand zwischen dem höchsten und tiefstem spitzen Ausschlag der Herzfrequenz während einer Minute. Akzelerationen und Dezelerationen sind davon ausgeschlossen. Eine Oszillation zwischen einer Amplitude von 5 und 25 bpm gilt als normal.
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Wehen
Der Tokograph erfasst die Wehentätigkeit, die man in der unteren Kurve ablesen kann. Wichtig für die Interpretation sind die Frequenz und Dauer der Wehen sowie ihre Form im Graphen. Sie werden immer in Verbindung mit der fetalen Herzfrequenz interpretiert.
Moderne CTG-Geräte sind sehr sensibel und können auch kleinste Kontraktionen der Gebärmutter aufnehmen. Diese Wehen nehmen Mütter meist nicht wahr. Übungswehen oder Senkwehen heben sich von diesen leichten Kontraktionen deutlich ab. Auch die Wehen der Eröffnungsphase lassen sich als regelmäßige Kurve erkennen.
Herzfrequenz
Die oben beschriebene Baseline dient als Referenz für Dezelerationen und Akzelerationen, weshalb ihr eine besonders hohe Bedeutung zukommt.
Von Akzelerationen spricht man, wenn die fetale Herzfrequenz vorübergehend über 15 bpm und länger als 15 Sekunden ansteigt. Ursache sind meistens fetale Bewegungen, sodass das Vorhandensein dieser Veränderung auf einen gesunden Fötus hindeutet. Fehlende Anstiege müssen nicht pathologisch sein und können in Schlafphasen des Fötus vorkommen.
Wichtiger für das Erkennen von Pathologien sind die Dezelerationen. Diese beschreiben einen Abfall der fetalen Herzfrequenz von über 15 bpm länger als 15 Sekunden. Man unterscheidet bei ihnen verschiedene Subtypen:
- Frühe Dezeleration: Sie treten wehenabhängig auf und beginnen und enden mit der Wehe. Ursache ist eine Kompression des kindlichen Kopfes, sie ist aber kein Zeichen einer Minderversorgung des Fötus.
- Variable Dezeleration: Sie sind variabel in der Form und treten unabhängig von Wehen auf. Zugrunde liegt eine Kompression der Nabelschnur oder Kindsbewegungen. Wenn keine weiteren negativen Befunde vorliegen, gehen sie selten mit einer Hypoxie einher.
- Späte Dezeleration: Dieser Typ tritt wehenabhängig, aber erst nach dem Maximum der Wehenkurve auf und dauert länger als 30 Sekunden. Er kann ein Hinweis auf eine Hypoxie sein und ist pathologisch, wenn er sich wiederholt.
- Prolongierte Dezeleration: Wenn die fetale Herzfrequenz über drei Minuten um mindestens 15 bpm abfällt, trifft diese Klassifizierung zu. Auch sie ist Zeichen einer fetalen Minderversorgung mit Sauerstoff.
- Terminale Bradykardie: Hierbei fällt die fetale Herzfrequenz anhaltend unter 110 bpm und es tritt keine Oszillation auf. Eine terminale Bradykardie erfordert eine zügige geburtshilfliche Intervention, etwa durch einen Notkaiserschnitt oder eine vaginal-operative Entbindung.
Kindesbewegung
Kindesbewegungen führen typischerweise zu Akzelerationen, die kurzfristig auch über 160 bpm hinausgehen können. Deshalb ist die Markierung der Bewegungen im CTG wichtig, sodass die Schwangere Bewegungen den behandelnden Personen mitteilen muss. So ist eine Einschätzung von Änderungen der Frequenz besser möglich.
Der FIGO-Score
Der FIGO-Score betrachtet die Kriterien Baseline, Oszillation und Dezelerationen. Anhand dieser kann man zwischen einem normalen, suspekten oder pathologischen CTG unterscheiden.
Ein normales CTG liegt vor, wenn die Baseline zwischen 110 und 160 Schlägen pro Minute liegt, die Oszillation der Herzfrequenz im normalen Bereich von fünf bis 25 Schlägen pro Minute schwankt und keine pathologischen Dezelerationen auftreten. Ein solches CTG spricht für ein gesundes, nicht hypoxisches Kind und erfordert keine weiteren Maßnahmen.
Ein suspektes CTG weist einzelne Auffälligkeiten auf, ohne eindeutig pathologisch zu sein. Hierbei darf jedoch kein Kriterium pathologisch sein. In solchen Fällen ist eine Überwachung angezeigt, eine Hypoxie gilt aber als unwahrscheinlich.
Ein pathologisches CTG liegt vor, wenn mehrere schwerwiegende Auffälligkeiten gleichzeitig bestehen: eine Baseline unter 100 bpm, eine Oszillation unter 5 bpm für länger als 50 Minuten oder von über 25 bpm über 30 Minuten. Das Auftreten repetitiver Dezelerationen, insbesondere späte oder prolongierte Formen, gilt ebenfalls als pathologisch. Diese Konstellation spricht für ein hohes Risiko einer fetalen Hypoxie und kann eine sofortige geburtshilfliche Intervention erforderlich machen, um eine Schädigung des Kindes zu verhindern.
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- Weyerstahl T et. al., Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe (Thieme, 4. Auflage, 2013)
- Kardiotokografie, https://next.amboss.com/... , (Abrufdatum: 12.07.2025)






