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Medi-Karriere Medipedia Senkwehen

Senkwehen: Definition, Physiologie, Klinik

Vivien Hornawsky
von Vivien Hornawsky (Medizinstudentin) Zuletzt aktualisiert: 22.10.2025
Senkwehen

Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Anatomische Grundlagen
  3. Physiologie
  4. Klinik

Senkwehen gehören zu den physiologischen Veränderungen im späten Verlauf der Schwangerschaft und kündigen die bevorstehende Geburt an. Diese Kontraktionen des Uterus treten meist einige Wochen vor dem errechneten Geburtstermin auf und dienen der Vorbereitung des Körpers auf den Geburtsvorgang. Obwohl sie oft als Vorzeichen gedeutet werden, stellen Senkwehen noch keinen unmittelbaren Geburtsbeginn dar. Dieser Artikel thematisiert neben der grundlegenden Anatomie die genauen Abläufe und die klinischen Aspekte.

Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Anatomische Grundlagen
  3. Physiologie
  4. Klinik

Senkwehen – Definition

Senkwehen bezeichnen Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur, die im letzten Schwangerschaftsmonat auftreten und eine Senkung des kindlichen Kopfes ins kleine Becken bewirken. Sie treten meist etwa drei bis vier Wochen vor der Geburt auf, variieren jedoch individuell in Intensität und Zeitpunkt. Charakteristisch ist eine spürbare Veränderung der kindlichen Lage sowie eine Verlagerung des Druckgefühls von der oberen in die untere Körperhälfte.

Im Unterschied zu Übungswehen, die bereits ab der 20. Schwangerschaftswoche auftreten können und meist unregelmäßig verlaufen, zeigen sich Senkwehen eher als unkoordinierte Wehen mittlerer Intensität. Sie lassen sich außerdem klar von den Eröffnungswehen, aber auch von den intensiveren Vorwehen, unterscheiden, welche mit dem tatsächlichen Geburtsbeginn einhergehen und den Muttermund aktiv öffnen. Senkwehen bereiten diesen Prozess vor, führen jedoch nicht zu einer Muttermundöffnung, sondern zeigen eine beginnende Zervixreifung an. Ihre Wahrnehmung ist individuell verschieden und sie können als ziehende Schmerzen im Unterbauch oder Rücken empfunden werden.

Senkwehen – Anatomische Grundlagen

Das kleine Becken bildet die knöcherne Passage für das Kind während der Geburt. Im Rahmen der Senkwehen verlagert sich der kindliche Kopf schrittweise in diesen Bereich. Dabei spielt die individuelle Form des Beckens eine Rolle. Bei Erstgebärenden senkt sich der Kopf oft früher ab, bei Mehrgebärenden meist erst kurz vor der Geburt.

Die Gebärmutter besteht aus glatter Muskulatur, die im Verlauf der Schwangerschaft zunehmend unter Spannung steht. Während Senkwehen dehnt sich das untere Uterinsegment, wodurch sich das Kind weiter nach unten verlagern kann. Die Zervix bleibt dabei noch geschlossen, wird jedoch weicher.

Kindliche Lage und Beckenboden

Die Lage des Kindes beeinflusst maßgeblich die Wirkung der Senkwehen. In den meisten Fällen nimmt das Kind eine Schädellage ein, das heißt, der Kopf liegt nach unten gerichtet. Durch die rhythmischen Kontraktionen während der Senkwehen wird der Kopf weiter ins Becken gedrückt. Der Kontakt mit dem Beckenboden trägt zur Stabilisierung dieser Position bei.

Der Beckenboden selbst besteht aus mehreren Muskelschichten, die das Becken nach unten abschließen. Während der Schwangerschaft passt sich diese muskuläre Struktur den zunehmenden Anforderungen an und wird hormonell beeinflusst weicher und elastischer. Die Senkung des kindlichen Kopfes belastet den Beckenboden zunehmend und kann Beschwerden wie ein Druckgefühl oder häufigeren Harndrang auslösen. Gleichzeitig spielt der Beckenboden eine wichtige Rolle bei der Wahrnehmung der Senkwehen, da er sensibel auf Druckveränderungen reagiert.

Senkwehen – Physiologie

Senkwehen entstehen durch koordinierte Kontraktionen der Muskulatur des Uterus, gesteuert durch hormonelle Signale. Gegen Ende der Schwangerschaft steigt die Empfindlichkeit des Myometriums gegenüber Oxytocin und Prostaglandinen. Beide Botenstoffe fördern die Kontraktionsfähigkeit der Gebärmutter. Parallel sinkt der Progesteronspiegel, der zuvor eine hemmende Wirkung auf die Wehentätigkeit hatte. Das Zusammenspiel dieser hormonellen Veränderungen schafft die Voraussetzung für regelmäßige, kräftigere Kontraktionen, wie sie bei Senkwehen auftreten.

Veränderung der Uterusmuskulatur

Das Myometrium durchläuft im Schwangerschaftsverlauf strukturelle und funktionelle Anpassungen. Muskelzellen vernetzen sich über Gap Junctions stärker miteinander, was die Weiterleitung von Kontraktionsreizen erleichtert. Diese erhöhte Synchronisation führt zu effektiveren Wehen, die in der Lage sind, das Kind nach unten zu drücken. Im Vergleich zu Übungswehen sind Senkwehen deshalb intensiver und gezielter, obwohl sie noch keine Zervixöffnung bewirken.

Kindslageveränderung

Durch die Kontraktionen wird das Kind zunehmend ins Becken gedrückt. Dabei richtet sich der Kopf tiefer in das kleine Becken ein, idealerweise mit dem Hinterkopf nach vorne (vordere Hinterhauptslage). Diese Einstellung verbessert die Ausgangsposition für die Geburt. Die Kontraktionen fördern zudem eine leichtere Rotation des Kindes entlang der Beckenachse.

Unterschiede bei Erst- und Mehrgebärenden

Bei Erstgebärenden treten Senkwehen häufig deutlicher und früher auf. Das Gewebe ist noch straffer, wodurch sich die Senkung des kindlichen Kopfes bereits vor dem eigentlichen Geburtsbeginn vollzieht. Bei Mehrgebärenden ist die Muskulatur meist nachgiebiger, was dazu führt, dass sich das Kind oft erst kurz vor der Geburt in die tiefe Beckenlage einstellt. Dadurch bleibt die Wahrnehmung der Senkwehen bei Mehrgebärenden häufig unauffälliger.

Senkwehen – Klinik

Senkwehen äußern sich in der Regel durch ziehende Schmerzen im Unterbauch oder im Rücken, die an Menstruationsbeschwerden erinnern können. Viele Schwangere berichten über ein spürbares Druckgefühl nach unten, verbunden mit einem verstärkten Harndrang oder einem Gefühl der Schwere im Beckenbereich. Gleichzeitig empfinden einige eine Entlastung im Oberbauch, da der Fundusstand, also die höchste tastbare Stelle der Gebärmutter, durch das Absinken des Kindes sinkt. Die Atemnot, die im dritten Trimenon durch den Druck auf das Zwerchfell entstehen kann, nimmt dadurch häufig ab.

Die Intensität der Wahrnehmung variiert stark. Während manche Schwangere deutliche Kontraktionen verspüren, nehmen andere die Senkwehen kaum wahr. Auch die Häufigkeit ist unterschiedlich. Sie können über Stunden verteilt auftreten oder sich über mehrere Tage wiederholen.

Klinische Bedeutung

Senkwehen gelten als physiologisches Zeichen für die bevorstehende Geburt, stellen jedoch keinen Hinweis auf deren unmittelbaren Beginn dar. Ihre Aufgabe besteht in der Vorbereitung des Geburtskanals und der optimalen Positionierung des Kindes. Da sie noch keine Muttermundöffnung bewirken, unterscheiden sie sich klar von Eröffnungswehen. Gerade bei Erstgebärenden bieten Senkwehen eine gute Gelegenheit, die körperlichen Signale der nahenden Geburt kennenzulernen.

Bedeutung im geburtshilflichen Kontext

Senkwehen markieren einen wichtigen Übergang zwischen der Spätschwangerschaft und der bevorstehenden Geburt. Sie ermöglichen eine stabile Einstellung des kindlichen Kopfes im Becken und verbessern damit die Voraussetzungen für einen physiologischen Geburtsverlauf. In der geburtshilflichen Betreuung bieten sie wertvolle Hinweise auf den Fortschritt der Schwangerschaft und helfen, zwischen normalen Veränderungen und pathologischen Zuständen zu unterscheiden. Die Wahrnehmung und Einordnung der Senkwehen stärkt zudem das Körperbewusstsein der Schwangeren und unterstützt eine aktive Auseinandersetzung mit der bevorstehenden Geburt. Für medizinisches Fachpersonal sind sie ein zentrales Beobachtungskriterium in der Betreuung am Schwangerschaftsende.

Differenzialdiagnosen

Treten Schmerzen im späten Schwangerschaftsverlauf auf, ist eine genaue Differenzierung notwendig. Neben Senkwehen kommen auch vorzeitige Wehen, eine Symphysenlockerung oder Harnwegsinfektionen infrage. Vorzeitige Wehen äußern sich meist durch häufigere, intensivere Kontraktionen, die mit einer Zervixverkürzung oder sogar -öffnung einhergehen können. Eine sorgfältige Anamnese, kombiniert mit klinischer Untersuchung, ist hier essenziell.

Diagnostik

Die Diagnose Senkwehen erfolgt primär klinisch. Eine Tastuntersuchung kann die veränderte Kindslage und den tieferen Fundusstand bestätigen. Der Muttermund bleibt bei Senkwehen in der Regel geschlossen. Ein Kardiotokogramm (CTG) wird bei Unsicherheiten eingesetzt, um regelmäßige, geburtswirksame Wehen auszuschließen. Auch eine vaginale Sonografie kann bei unklarer Befundlage zur Beurteilung der Zervixlänge beitragen.

Umgang mit Beschwerden

Senkwehen bedürfen in der Regel keiner medizinischen Behandlung. Bei stärkeren Beschwerden können Wärme, Entspannungsübungen oder sanfte Bewegung lindernd wirken. Auch der bewusste Umgang mit Körperwahrnehmung und Atmung, etwa durch Inhalte aus Geburtsvorbereitungskursen, unterstützt viele Schwangere im Umgang mit dieser Phase. Wichtig ist die ärztliche Abklärung, wenn die Beschwerden zunehmen, regelmäßig auftreten oder mit anderen Symptomen wie Blutungen oder Flüssigkeitsabgang einhergehen.

Autor
Vivien Hornawsky

Vivien Hornawsky

Medizinstudentin

Als Medizinstudentin an der Universität des Saarlandes in Homburg erlangt Vivien tiefgehende Einblicke in ärztliche Tätigkeiten und eignet sich stetig neues Wissen über medizinische Themen an. Unter anderem durch ihr Freiwilliges Soziales Jahr in der Pflege vor Studienbeginn, erlangte sie bereits ein fundiertes Grundlagenverständnis für die verschiedenen Bereiche. Diese Erfahrungen lässt sie in ihre Arbeit als Medizinredakteurin mit Leidenschaft einfließen. Mit dem Schreiben begann sie bereits während ihrer frühen Jugend und vereint so zwei Faszinationen.

Quellen

Geburtsablauf, https://next.amboss.com/... , (Abrufdatum: 03.05.2025)

Medizinische und Rechtliche Hinweise
Dieser Artikel ist nur als Hintergrundinformation bestimmt. Der Inhalt kann und darf nicht verwendet werden, um selbst Diagnosen zu stellen sowie Behandlungen anzufangen oder abzusetzen. Die Informationen können keinen Arztbesuch ersetzen. Bei medizinischen Anliegen und zur Klärung weiterer Fragen ist daher stets ein/e Arzt/Ärztin aufzusuchen.

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