Die Einarbeitung von Pflegekräften ist in den ersten Wochen im neuen Job entscheidend. In einem Berufsfeld, das von hoher Verantwortung, emotionaler Belastung und komplexen Abläufen geprägt ist, braucht es mehr als nur eine kurze Übergabe.
Dieser Artikel beleuchtet zentrale Elemente bei der Einarbeitung von Pflegekräften, die Arbeitgeber beachten sollten.
Was versteht man unter Einarbeitung?
Einarbeitung bezeichnet den geplanten und strukturierten Prozess, mit dem neue Mitarbeitende in ihre Aufgaben, Abläufe, Strukturen und das soziale Umfeld einer Einrichtung eingeführt werden. Ziel der Einarbeitung ist es, die berufliche Handlungsfähigkeit herzustellen, die Integration ins Team zu fördern und die Qualitätsanforderungen des Arbeitsbereichs zu sichern.
Was macht eine gute Einarbeitung aus?
Eine gute Einarbeitung in der Pflege ist strukturiert, klar definiert und orientiert sich an den individuellen Vorkenntnissen der neuen Mitarbeitenden. Sie fördert sowohl fachliche Sicherheit als auch eine soziale Integration ins Team. Durch gezielte Begleitung, regelmäßiges Feedback und ausreichend Zeit entsteht eine vertrauensvolle Basis für eigenverantwortliches Handeln.
Einarbeitung Pflegekräfte – Ziele
Bei der Einarbeitung in der Pflege gibt es fachliche, organisatorische, soziale und rechtliche Ziele. Auf der fachlichen Ebene sollen Pflegekräfte die pflegerischen Tätigkeiten im neuen Arbeitsumfeld erlernen. Es geht auch darum, sich mit den medizinischen Geräten vertraut zu machen und Einblicke in den Tagesablauf der Einrichtung zu bekommen. Das hat auch rechtliche Gründe, denn die sachgemäße Einarbeitung in medizinische Geräte muss in aller Regel dokumentiert werden, bevor sie von der jeweiligen Person benutzt werden dürfen.
Die organisatorischen Ziele umfassen vor allem Dokumentationen, aber auch die Einarbeitung in spezielle Programme auf den PCs. Es gibt außerdem häufig zahlreiche Dokumente, die die neuen Pflegekräfte kennenlernen sollen. Ferner ist es für neue Mitarbeiter sinnvoll, ihr soziales Arbeitsumfeld zu erkunden und Beziehungen zu den neuen Kollegen herzustellen.
Einarbeitung Pflegekräfte – 3 Schritte
Für Arbeitgeber sind vor allem drei Schritte in der Einarbeitung von Pflegefachkräften interessant: Die Vorbereitung, die Durchführung der Einarbeitung und letztendlich die Auswertung. Das ist vor allem wichtig einzuhalten, damit die Einarbeitung eine Struktur bekommt, was unter anderem die Organisation erleichtert.
Einarbeitungskonzept erstellen
Bevor man die neue Pflegekraft einarbeitet, sollten Arbeitgeber ein Konzept erstellen, um sicherzugehen, dass alle wichtigen Aspekte zum Kennenlernen des neuen Arbeitsplatzes abgedeckt werden. Der Arbeitgeber sollte in einem Einarbeitungskonzept zeitliche und inhaltliche Ziele festlegen. Zusätzlich kann er die inhaltlichen Punkte den individuellen Kenntnissen und Bedürfnissen des Mitarbeiters anpassen.
Inhaltliche Punkte der Einarbeitung können unter anderem die folgenden sein:
- Tagesablauf: Kennenlernen der pflegerischen Routine in der Einrichtung oder auf der Station. Außerdem geht es um Besonderheiten der neuen Arbeit.
- Qualitätsmanagement: Ein gutes Verständnis für Qualitätsmanagement hilft Pflegekräften, Standards einzuhalten und Pflegeprozesse nachvollziehbar zu dokumentieren. Auch die korrekte Dokumentation soll der Mitarbeiter in diesem Zusammenhang erlernen.
- Medikamente: Der sichere Umgang mit Medikamenten ist essenziell, um Fehler bei der Verabreichung zu vermeiden und die Gesundheit der Patienten nicht zu gefährden. Der Arbeitgeber sollte neue Mitarbeitende mit Dosierungen, Verabreichungswegen und Dokumentationspflichten vertraut machen.
- Notfallmanagement: Im Notfall ist es essentiell, dass Pflegekräfte wissen, wie sie richtig reagieren, wen sie informieren und wo sich Notfallequipment befindet.
- Medizinische Geräte: Die fachgerechte Bedienung von medizinischen Geräten wie Infusionspumpen, Monitoren oder Absauggeräten ist Teil des pflegerischen Alltags. Eine Einweisung in die Geräte soll vom Arbeitgeber vor der eigenständigen Nutzung erfolgen.
- Hygiene: Hygienestandards dienen dem Schutz vor Infektionen. Das gilt für Patienten und das Personal. Neue Pflegekräfte sollen die geltenden Maßnahmen sicher beherrschen, weshalb dies in die Einarbeitung vom Arbeitgeber gut integriert werden kann.
- Datenschutz/Schweigepflicht: Pflegekräfte haben Zugang zu sensiblen, persönlichen Gesundheitsdaten und sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Der Arbeitgeber kann schon in der Einarbeitungsphase den neuen Mitarbeiter darüber informieren und über mögliche rechtliche Konsequenzen aufklären.
- Ansprechpartner: Zu wissen, an wen man sich bei fachlichen, organisatorischen oder persönlichen Fragen wenden kann, gibt neuen Mitarbeitenden Sicherheit. Klare Ansprechpartner fördern die Integration ins Team und erleichtern den Einstieg erheblich. Diese kann der Arbeitgeber den neuen Mitarbeitern schon zu Beginn vorstellen.
Durchaus kann der Arbeitgeber auch noch auf Punkte zurückgreifen, die den Arbeitsplatz individuell betreffen. Das Einarbeitungskonzept kann man zusätzlich als eine Art Dokumentation nutzen, indem man den abgearbeiteten Punkt mit einer Unterschrift abhakt.
Mentoren einsetzen
Es kann sich als vorteilhaft herausstellen, direkte Ansprechpartner, also einen Mentor für die Einarbeitung des Mitarbeiters einzusetzen. Sie unterstützen gezielt beim Wissenstransfer, fördern das Verständnis für Abläufe und Standards und geben konstruktives Feedback. Darüber hinaus stärken sie durch ihre Erfahrung und persönliche Begleitung das Zugehörigkeitsgefühl und helfen, Unsicherheiten oder Anfangsängste abzubauen. Der Mentor und der neue Mitarbeiter sind gleichgestellt, was Vertrauen in der neuen Umgebung aufbaut.
Einarbeitung auswerten
Am Ende der Einarbeitung sollten Mitarbeiter und Arbeitgeber diese auswerten. Damit können beide sicherstellen, dass alle Ziele erreicht wurden oder feststellen, ob in manchen Bereichen gegebenenfalls noch Nachholbedarf besteht.
Die Einarbeitung kann als erfolgreich angesehen werden, wenn die neue Pflegekraft ihre Aufgaben fachlich sicher, selbstständig und den Qualitätsstandards entsprechend ausführen kann. Gleichzeitig sollte sie sich im Team integriert fühlen, die Abläufe und Strukturen der Einrichtung kennen und sich im Arbeitsalltag gut orientieren können.
Einarbeitung Pflegekräfte – Ablauf und Dauer
Allgemein kann die Zeit, in der die Einarbeitung stattfindet, von einigen Tagen bis zu mehreren Wochen dauern. Da man in der Pflege ein hohes Maß an Verantwortung hat und einige komplizierte Vorgänge angelernt werden müssen, dauern hier die meisten Einarbeitungsphasen mehrere Wochen.
Trainingsphase
In den ersten Wochen begleitet der Mentor den neuen Mitarbeiter in jeder Schicht. Neue Tätigkeiten werden Schritt für Schritt angelernt und der Mentor beobachtet den neuen Mitarbeiter bei der Ausführung. Beim Anlernen sollten sie sich an die inhaltlichen Angaben des Einarbeitungskonzepts halten.
Zwischengespräch
Sind alle Inhalte des Einarbeitungskonzepts abgearbeitet, kann der Arbeitgeber einen Termin mit dem Mitarbeiter und dem Mentor für ein Zwischengespräch vereinbaren. Hier sollen alle besprechen, was gut läuft und wo noch Verbesserungsbedarf besteht. Wichtig ist, dass Dinge ehrlich angesprochen werden und alle Beteiligten konstruktiv kommunizieren.
Etablierungsphase
Nach der Trainingsphase und dem Zwischengespräch sollte eine Etablierungsphase ohne ständiges Begleiten durch den Mentor erfolgen. In dieser soll der neue Mitarbeiter eigenständig das neu Gelernte umsetzten und die Aufgaben so festigen. Ab und zu kann eine Supervision durch den Mentor noch erfolgen, sollte aber nicht mehr die Regel sein. Jedoch sollte dieser für Nachfragen und bei Unsicherheiten immer noch als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.
Abschlussgespräch
Nach der Etablierung in die neuen Tätigkeiten kann der Arbeitgeber mit dem Mitarbeiter ein abschließendes Gespräch führen. Der Arbeitgeber kann nochmals überprüfen, ob letztendlich alle Punkte des Einarbeitungskonzepts erfüllt sind und die Dokumentation auch regelrecht erfolgt ist. Sollten noch Lücken bestehen, kann der Arbeitgeber die Einarbeitung verlängern.
Da sich dieses Gespräch normalerweise am Ende der Probezeit befindet, kann hier auch eine Kündigung erwogen werden, falls der Arbeitgeber nicht damit rechnet, dass der Mitarbeiter die Voraussetzungen noch in einem erwartbaren Zeitraum erfüllen kann. Auch dieses Gespräch sollten die Anwesenden anschließend protokollieren.
Einarbeitung Pflegekräfte – Protokollieren
Schon bei der Erstellung eines Einarbeitungskonzepts bietet es sich an, dass der Arbeitgeber Tabellen anlegt, in denen die inhaltlichen Ziele mit Angabe des Datums abgezeichnet werden können – sowohl vom Mentor als auch von dem neuen Mitarbeiter. Auch die Zwischengespräche und das Abschlussgespräch sollte der Arbeitgeber schriftlich festhalten.
Es bietet sich an, die Protokollierung unverzüglich nach dem Erlernen des jeweiligen Themas durchzuführen, damit keine Lücken entstehen. Außerdem sollte der Arbeitgeber die protokollierte Einarbeitung in schriftlicher Form aufbewahren. Das ist für den Fall wichtig, dass es zu rechtlichen Fragestellungen kommen könnte.
- Pro PflegeManagement, https://www.ppm-online.org/... / (Abrufdatum: 03.07.2025)
- Altenpflegemagazin, https://www.pqsg.de/... (Abrufdatum: 03.07.2025)









