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Beeinflussen überlange Arbeitszeiten die Struktur des Gehirns? Dieser Frage ist eine Forschungsgruppe aus Südkorea nachgegangen – und fand dabei Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen dauerhafter Mehrarbeit und einer Vergrößerung einzelner Gehirnregionen.
Dieser Artikel liefert die wichtigsten Informationen.
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Einfluss der Arbeitszeiten auf die Gehirnstruktur – Die Studie
Ein Forscherteam um Wonpil Jang lud im Zeitraum von 2021 bis 2023 Teilnehmer der in Südkorea laufenden GROCS-Studie ein, eine ergänzende MRT-Untersuchung vornehmen zu lassen. GROCS (Gachon Regional Occupational Cohort Study) ist eine Longitudinalstudie, die Daten zu den Auswirkungen von Arbeitsbedingungen, der Lebensweise und weiteren Faktoren auf die Gesundheit Erwerbstätiger erhebt. 137 Personen ließen sich für die zusätzliche MRT-Aufnahme rekrutieren, wobei am Ende 110 verwertbare Bilddatensätze entstanden, die zumeist von Beschäftigten im Gesundheitswesen stammen. 32 Personen arbeiteten nach eigenen Angaben mehr als die gesetzlich in Südkorea zulässigen 52 Wochenstunden, während 78 Teilnehmende diese durchschnittliche Arbeitszeit pro Woche nicht überschritten.
Unter Berücksichtigung individueller Aspekte, wie etwa des Geschlechts und des Alters der Teilnehmer, verglichen die Untersucher die Gehirne der Arbeiter. Hierzu ermittelten sie die Volumina der einzelnen Gehirnregionen mit zwei verschiedenen Messmethoden. Beim anschließenden Abgleich mit den Ergebnissen anderer Studienteilnehmer zeigten sich wiederkehrende Auffälligkeiten in umschriebenen Bereichen des Gehirns. Die Untersucher ermittelten anschließend, ob sich ein Zusammenhang dieser Veränderungen mit überlangen Arbeitszeiten nachweisen ließ.
Ihre Auswertung veröffentlichten die Autoren am 3. Mai 2025 unter dem Titel „Overwork and changes in brain structure: a pilot study“ in der Fachzeitschrift Occupational & Environmental Medicine.
Bekannte Zusammenhänge von Arbeitszeiten und gesundheitlichen Effekten
Vielfach konnten Studien bereits zeigen, dass überlange Arbeitszeiten einen Einfluss auf die Gesundheit haben. Ein erhöhtes Risiko für teils tödlich verlaufende Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen wie die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus, Infektionen und psychische Erkrankungen lassen sich mit der Wochenarbeitszeit in Verbindung bringen. Darüber hinaus scheint chronischer Stress die Gehirnalterung zu beschleunigen. Die aktuelle Studie ist nun eine der ersten Erhebungen, die strukturelle Veränderung des Gehirns als Organ in den Fokus rückt.
Ergebnisse der Arbeitszeiten-Studie
Im Vergleich der MRT-Aufnahmen zeigte sich bei den Teilnehmern mit mehr als 52 Wochenarbeitsstunden ein größeres Volumen in umschriebenen Bereichen des Frontalhirns, des Temporallappens und der Inselregion als bei denjenigen Untersuchten, deren Arbeitszeit darunter lag. Die genannten Gehirnregionen sind für die Exekutivfunktionen des Gehirns, also zielgerichtetes Denken und Handeln im Kontext von Informationsverarbeitung, Problemlösen und sozialer Interaktion zuständig.
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Wie genau die Ergebnisse zu interpretieren sind, können die Autoren nicht mit abschließender Sicherheit sagen. Einerseits könnten die Gehirnveränderungen die Folge der Mehrbelastung durch die langen Arbeitszeiten sein. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, dass ebendiese Gehirnstruktur die Arbeiter gegenüber den Vergleichspersonen zur Mehrarbeit befähigt, denn eine Wochenarbeitszahl jenseits 52 Stunden ist in Südkorea nur im Einverständnis der Arbeitenden zulässig.
Weitere Limitationen der Studie sind unter anderem die sehr kleine Anzahl an Teilnehmern, die überwiegend im Gesundheitssystem arbeiten. Die meisten von ihnen wiesen eine gehobene Bildung auf und waren aufgrund ihres Berufs einem hohen Stresslevel ausgesetzt. Auch die Nicht-Berücksichtigung von Faktoren wie etwa Sport und Suchtmittelkonsum schränkt die Aussagekraft der Studie ein.
Fazit
Diese Studie liefert Hinweise darauf, dass lange Arbeitszeiten neben der Förderung gängiger Volkskrankheiten auch in bisher unklarem Maß die Struktur des Gehirns verändern könnten. Umfassende Untersuchungen der Zusammenhänge könnten zukünftig dazu beitragen, präzisere Empfehlungen für Arbeitsbedingungen und Arbeitszeitgesetze zu formulieren und die Gesundheit der Arbeitenden zu verbessern.
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- Bach Cuadra, M., Duay, V. und Thiran, J., Atlas-based Segmentation. In: Paragios, N., Duncan, J. u. Ayache, N (Hrsg.), Handbook of Biomedical Imaging (Springer, Boston, S. 221-244).
- Cygan-Rehm, K. u. Wunder, C., Do Working Hours Affect Health? Evidence from Statutory Workweek Regulations in Germany. In: CESifo Working Papers No. 7098 (CESifo GmbH, 18.06.2018).
- Ervasti, J. et al., Long working hours and risk of 50 health conditions and mortality outcomes: a multicohort study in four European countries. In: The Lancet Regional Health – Europe (Elsevier Ltd., 06.09.2021).
- Rolls, A., Immunoception: the insular cortex perspective. In: Cellular & Molecular Immunology (Springer Nature, 29.06.2023, S. 1270–1276).
- Jang, W., Kim, S., Kim, Y., Lee, S., Choi, J. Y. u. Lee, W, Overwork and changes in brain structure: a pilot study. In: Occupational and Environmental Medicine (BMJ Journals, Ausgabe 03/2025, S. 105-111).








