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Pflegenotstand in Deutschland: Die Versorgungslage spitzt sich in vielen Regionen weiter zu. Steigende Lebenserwartung, der demografische Wandel und eine alternde Belegschaft im Gesundheitswesen führen dazu, dass der Bedarf an Pflegekräften rasant wächst – schneller, als das Angebot Schritt halten kann. Während bundesweit schon heute Fachpersonal fehlt, zeigen aktuelle Daten, dass manche Regionen besonders stark betroffen sind.
Dieser Artikel beleuchtet die aktuellen Zahlen, regionale Unterschiede und mögliche Maßnahmen gegen den drohenden Versorgungskollaps.
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Aktueller Stand der Pflegebedürftigkeit
Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass Ende 2023 insgesamt 5,7 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland lebten. Rund 86 Prozent davon, also knapp 4,9 Millionen Menschen, werden im häuslichen Umfeld gepflegt, wobei in über der Hälfte der Fälle Angehörige die Pflege übernahmen. Die Altersstruktur zeigt, dass ein Drittel der Pflegebedürftigen älter als 85 Jahre waren. Mit hohem Alter steigt auch das Risiko einer Bedürftigkeit: 87 Prozent der über 90-jährigen wurden gepflegt, während es nur elf Prozent bei Menschen zwischen 70 und 74 waren.
Ambulante Pflegekräfte und Betreuungskräfte versorgten 2023 etwa 20 Prozent (1,1 Millionen) der Pflegebedürftigen. Nur 800.000 und damit 14 Prozent lebten in vollstationären Pflegeheimen.
Was umfasst Pflegebedürftigkeit?
Die Definition der Pflegebedürftigkeit ist gesetzlich in Paragraph 14 des Sozialgesetzbuchs XI geregelt. Darunter fallen Menschen, die „gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen”. Die Feststellung, wie hoch die Bedürftigkeit ist und damit auch die Stufe des Pflegegrads, übernimmt bei gesetzlich Versicherten der Medizinische Dienst.
Pflegenotstand – Regionale Hotspots
Nicht jede Region Deutschlands ist vom Pflegenotstand gleichermaßen betroffen. Das liegt unter anderem an der variierenden Altersstruktur der Bevölkerung sowie an der Verfügbarkeit der Arbeitskräfte in der Pflege. Auch wenn die Belastung regional variiert, bleibt langfristig keine Region vom Fachkräftemangel verschont. Dennoch sind einige stärker betroffen, während anderen mehr Ressourcen zur Verfügung stehen.
Ein Indikator für den Pflegenotstand ist die sogenannte Pflegequote. Diese gibt die Anzahl an Pflegebedürftigen je 1.000 Einwohnern an. Der bundesweite Durchschnitt liegt momentan bei 60, wobei Freising (Bayern) mit 29 das untere Ende und Prignitz (Thüringen) mit 111 das obere Ende des Spektrums darstellen. Diese Zahlen verdeutlichen, dass der Versorgungsbedarf in Prignitz deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegt.
Allgemein lässt sich feststellen, dass besonders in den neuen Bundesländern, im Saarland und in großen Teilen Nordrhein-Westfalens, Hessens und Niedersachsens die Pflegequote über dem Durchschnitt liegt.
Ausbildungsplätze als Altenpfleger/in
Hintergründe des Mangels
Ursächlich für die heterogenen Bedürfnisse des Landes ist vor allem die Altersstruktur der Einwohner. Mit höherem Alter steigt auch die Gefahr einer Pflegebedürftigkeit. Deshalb sind vor allem Regionen vom Pflegenotstand betroffen, deren Bewohner einen hohen Altersdurchschnitt aufweisen.
Weitere Gründe sind der unzureichende Ausbau der pflegerischen Infrastruktur sowie die soziale Zusammensetzung der Bevölkerung sowie deren Gesundheitszustand. Soziale Faktoren sind unter anderem Bildungsniveau, finanzielle Ressourcen und familiäre Strukturen. Zudem können sich die definitionsgemäße Einstufung der Pflegebedürftigkeit und die Begutachtung unterscheiden.
Prognose für 2045
Die Prognos AG veröffentlichte im April 2025 eine Studie, welche die deutschlandweite Situation der Pflege im Jahr 2045 skizziert. Mit der steigenden Zahl Pflegebedürftiger wächst auch der Bedarf an qualifizierten Pflegekräften. Angehörige werden auch in Zukunft den Großteil der Versorgung übernehmen. Unter Annahme, dass die Versorgungsverhältnisse auf Kreisebene konstant bleiben, wächst der Bedarf an Altenpflegekräften bundesweit von 2021 bis 2045 um 40 Prozent.
In Baden-Württemberg und Bayern ist der Anteil der alternden Bewohner vergleichsweise hoch, weshalb hier die Pflegequote stärker ansteigen wird als in anderen Regionen. Im Gegensatz dazu steigt die Quote in Bundesländern wie Sachsen, in denen bereits heute die Pflegequote hoch ist, weniger stark. Der demografische Wandel zeigt sich in diesen Regionen bereits stark und führt daher zu einem geringeren Zuwachs.
Der demografische Wandel beeinflusst auch die Lage der Pflegekräfte. Momentan sind über 25 Prozent der Altenpflegekräfte älter als 55 Jahre. Diese stehen kurz vor dem Ruhestand und werden in den nächsten Jahren aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden, während gleichzeitig die Zahl der Pflegebedürftigen steigt. Insgesamt muss sich Deutschland auf einen Verlust von vier Prozent an Fachkräften einstellen. Bis 2045 wird sich der Fachkräfteengpass soweit verstärken, dass 35 Prozent der Nachfrage für die Altenpflege nicht gedeckt werden kann.
Mecklenburg-Vorpommern ist von dieser Prognose am stärksten betroffen, denn hier steigt der Mangel auf über 42 Prozent der Nachfrage. Bayern erfährt mit 14 von 20 betroffenen Landkreisen ebenso eine negative Prognose. Der Durchschnitt in Bayern liegt bei etwa 40 Prozent an unerfüllter Nachfrage.
Gleichzeitig liegen Berlin mit 24 Prozent, Hamburg mit 25 Prozent und Bremen mit 27 Prozent weit unter dem Bundesdurchschnitt, genauso wie Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Allgemein zeigt sich der Trend, dass der Personalbedarf in kreisfreien Städten langsamer steigt als in anderen Regionen.
Ausbildungsplätze als Pflegefachkraft
Maßnahmen gegen den Pflegenotstand
Dass Deutschland Maßnahmen ergreifen muss, steht außer Frage. Über die geeignetsten Maßnahmen wird jedoch kontrovers diskutiert. Ein zentraler Punkt ist die vermehrte Gewinnung und Ausbildung von Pflegekräften, welchen Bayern und Baden-Württemberg bereits erfolgreich in Angriff nehmen. Damit können sie theoretisch den Bedarf etwas abfangen.
Immer mehr Programme werben zudem Arbeitskräfte aus dem Ausland an, eins davon ist Triple Win von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV). Ziel ist es, ausländische Qualifikationen schneller anzuerkennen und die Integration zu erleichtern. Dennoch ist dieses Vorgehen nicht ohne Kritik, denn auch in den Herkunftsländern werden die Fachkräfte dringend gebraucht.
Eine weitere Ursache des zunehmenden Pflegenotstands liegt in der steigenden Teilzeitquote. Ein Großteil der Pflegekräfte ist weiblich, welcher neben ihrem Beruf die Care Arbeit zu Hause stemmen muss. Gleichzeitig ist die Kinderbetreuung nicht immer sichergestellt, wodurch Teilzeit oft die einzige realistische Option bleibt, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren. Abhilfe schaffen könnten flexible Arbeitszeitmodelle.
Passende Jobs in der Pflege
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- Pflegelandschaft Deutschland, https://www.prognos.com/... , (Abrufdatum: 17.06.2025)
- Pressemitteilung 18.12.2024, https://www.destatis.de/... , (Abrufdatum: 17.06.2025)
- Pflegebedürftige, https://www.destatis.de/... , (Abrufdatum: 17.06.2025)
- Pflegenotstand, https://www.bpb.de/... , (Abrufdatum: 17.06.2025)
- Pflegebedürftigkeit, https://www.bundesgesundheitsministerium.de/... , (Abrufdatum: 17.06.2025)






