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Rassismus ist ein gesellschaftliches Problem, das auch vor dem Gesundheitswesen nicht Halt macht. Besonders in der Pflege, einem Bereich, der auf Fürsorge, Respekt und Menschlichkeit basiert, wirken sich diskriminierende Einstellungen und Verhaltensweisen besonders gravierend aus. Ob zwischen Pflegekräften und Patienten oder im Kollegium – rassistische Erfahrungen können Vertrauen zerstören, die Qualität der Versorgung mindern und das Arbeitsklima belasten.
In diesem Artikel wird aufgezeigt, wie Rassismus in der Pflege entsteht, welche Auswirkungen er hat und welche Maßnahmen notwendig sind, um eine faire und respektvolle Pflege für alle sicherzustellen.
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Was ist Rassismus in der Pflege?
Rassismus in der Pflege bezeichnet diskriminierende Einstellungen, Verhaltensweisen oder Strukturen, die sich gegen Menschen aufgrund ihrer ethnischen Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Kultur richten. Er diskriminiert Pflegebedürftige, Angehörige oder Pflegekräfte selbst. Betroffene erleben häufig ungleiche Behandlungsweisen, Vorurteile, sprachliche Ausgrenzung oder strukturierte Benachteiligung. Rassismus hat einschneidende Auswirkungen auf die Würde und die seelische Gesundheit der Betroffenen. Er verwehrt den gleichwertigen Zugang zu Karrierechancen und Bildung. Rassimus steht einer respektvollen Pflege im Allgemeinen im Weg.
Vielfalt in der Pflege: Zahlen und Fakten
Die Integration internationaler Fachkräfte in der Pflege ist längst zentrale Stütze in der Lösungsfindung des Fachkräftemangels im Pflegeberuf in Deutschland. Der Forschungsbericht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gab für das Jahr 2023 insgesamt 1,67 Millionen sozialversicherte Pflegekräfte an. Ausländische Beschäftigte machten einen Anteil von 16,2 Prozent aus – das entspricht etwa jeder 6. Fachkraft.
Der Anteil der ausländischen Pflegekräfte folgt dabei einem deutlich aufsteigenden Trend: Insgesamt stieg die Zahl nicht-deutscher Pflegepersonen in der Gesundheits- und Krankenpflege seit 2013 von 42.000 auf 152.000 an – das entspricht einem Zuwachs von 256 Prozent. Zum Vergleich: Deutsche Beschäftigte nahmen lediglich um 8 Prozent zu. In der Altenpflege zeigt sich die Entwicklung sogar noch deutlicher, hier nahm der Anteil ausländischer Beschäftigter sogar um 273 Prozent zu. Von diesen 271.000 Kräften stammt eine deutliche Mehrheit (177.000) aus nicht-EU-Staaten. Man geht darüber hinaus von 300.000 bis 500.000 Schwarzarbeitenden in der Pflege aus – vornehmlich aus Osteuropa.
Rassismus in der Pflege – Ursachen
Der Rassismus im Sinne der gruppenbezogenen Ausgrenzung bis hin zur Vernichtung ist ein sehr altes Phänomen. Besonders eng ist seine Verbindung zu Kolonialismus und Imperialismus. Wie alt das Phänomen tatsächlich ist, lässt sich nur schwierig beschreiben. Man geht davon aus, dass sich Spuren bereits in der Antike zeigten (Systematische Unterdrückung von Sklaven etc.). Der Begriff des Rassismus wurde vor allem in den 1930er-Jahren geprägt, im Zusammenhang mit Ideologien, die Unterschiede verschiedener „Rassen“ und „Rassenkämpfe“ mit einbezogen – unter anderem der Nationalsozialismus.
Dennoch ist zu erwähnen, dass Rassismus kein exklusives Phänomen des rechten politischen Spektrums ist. Vielmehr kommt er als eigene diskriminierende Ideologie in allen politischen Lagern vor. Rassismusvorwürfe werden von äußernder Seite heute vor allem damit verteidigt, dass es Vordergründlich nicht um „Rassen“ geht, sondern um Kultur, Identität, Bevölkerung oder Heimat. Das ist insofern gefährlich, dass es nicht nur den Rassismus herunterspielt, sondern auch das Konzept “Rasse” mit den genannten Faktoren gleichsetzt. Dabei sind letztere eigentlich identitätsbildend. Insgesamt nehmen Anfeindungen und biopolitische Ausgrenzung im Sinne des Rassismus in den letzten Jahren zu.
Die Ursachen von Rassismus sind vielfältig und nicht eindeutig zuweisbar. Bei vielen Individuen kann eine Mischung aus Unwissenheit und mangelndem Kontakt, kindheitlicher und sozialer Prägung vorliegen. Dazu können wirtschaftliche oder persönliche Unsicherheit kommen. Rassistische Äußerungen in der Pflege können beispielsweise Ausdruck von Verletzlichkeit und Überforderung in schwierigen Situationen sein. Diese kommen im Pflege-Kontext besonders häufig vor. Gleichzeitig dient die Verbreitung von rassistischen Vorurteilen und Stereotypen aber auch der Begründung von bestehenden gesellschaftlichen Ungleichheiten und Machtstrukturen zu sichern: „Fremde“ Personen werden benutzt, um Probleme oder Ängste der Menschen auf sie zu projizieren.
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Internalisierter Rassismus
Menschen, die von Diskriminierung betroffen sind, laufen Gefahr, diese zu verinnerlichen und auf sich selbst zu übertragen. Betroffene entwickeln Ideen, Überzeugungen und Verhaltensweisen, die die Diskriminierung unterstützen. Dies ist häufig Äußerung eines Bedürfnisses der Zugehörigkeit, oder dem Verlangenden den Diskriminierenden „zuvorzukommen“. So kann es sein, dass eine von Rassismus in der Pflege betroffene Person, einer nicht-betroffenen mehr Kompetenzen zuspricht, rassistische Witze macht oder sogar rassistische Vorurteile gegenüber Pflegebedürftigen oder Kollegen entwickelt.
Der sogenannte internalisierte Rassismus scheint in diesem Sinne im ersten Moment die Zusammengehörigkeit zu unterstützen, ist aber in Wahrheit Teil des Systems der Unterdrückung. So kann internalisierter Rassismus dazu führen, dass mehrere unterdrückte ethnische und kulturelle Gruppen sich gegeneinander ausspielen, ohne sich als gemeinsame unterdrückte Gruppe zu sehen.
Rassismus in der Pflege – Rechtliche Grundlagen
In Deutschland verbieten mehrere rechtliche Grundlagen Rassismus. Im Zentrum stehen dabei die Artikel 1 und 3 im Grundgesetz:
- “Die Würde des Menschen ist unantastbar“ (Artikel 1)
- “Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“ (Artikel 3 (1))
- “Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.” (Artikel 3 (3))
Um die Betroffenen Menschen in Beruf und Alltag zu schützen, führte man 2006 darüber hinaus das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) ein. Es verbietet Diskriminierung aufgrund von Rasse, ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion, Weltanschauung, Behinderung, Alter oder sexueller Identität. Das ist auch im Strafgesetzbuch (§130StGB (Volksverhetzung) festgesetzt. Auch das internationale Recht stellt Menschen, die von Rassismus und Diskriminierung betroffen sind, in Schutz: Die UN-Antirassismuskonvention (ICERD) verpflichtet Deutschland, aktiv gegen rassistische Diskriminierung vorzugehen. Ergänzend schützt die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) in Artikel 14 das Recht auf Gleichbehandlung und Diskriminierungsfreiheit.
Was zählt als Diskriminierung?
Diskriminierung liegt vor, wenn Menschen aufgrund bestimmter Merkmale wie Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, Alter, Behinderung oder sexueller Identität benachteiligt, herabgewürdigt oder ungerecht behandelt werden. Sie kann offen, zum Beispiel durch Beleidigungen oder ungerechte Entscheidungen, oder subtil, etwa durch Vorurteile und Ausgrenzung, stattfinden. Diskriminierung verletzt die Würde des Einzelnen und widerspricht dem Grundrecht auf Gleichbehandlung. Sie schadet systematisch den beruflichen, persönlichen und gesundheitlichen Chancen der Betroffenen und schadet dem ganzen sozialen System.
Wie kann man sich gegen Rassismus wehren?
Den Umgang mit Rassismus zu lernen, um sich erfolgreich zur Wehr zu setzen und das System zu schwächen: das scheint für viele ein unerreichbarer Traum. Fakt ist, dass etwa die Hälfte der Fachkräfte ausländischer Herkunft Rassismus erfahren, je nach Quelle sogar 64 Prozent (Studie: Philippinsche Pflegekräfte in Deutschland). Ihre Arbeit, Wohlbefinden und sogar ihre Sicherheit werden damit eingeschränkt.
Wer sich dem entgegensetzen möchte, findet verschiedene Möglichkeiten: Wichtig ist es, diskriminierendes Verhalten klar und respektvoll anzusprechen und Vorfälle, wenn möglich, zu dokumentieren. Pflegekräfte sollten die Möglichkeit haben, sich an Vertrauenspersonen, Vorgesetzte oder Beschwerdestellen wenden zu können. Bietet ein Arbeitsumfeld diese Möglichkeit nicht, finden sich auch externe Beschwerdestellen, die entsprechende Erfahrungen sammeln und Beratung anbieten.
Die Beratungsstellensuche der Antidiskriminierungsstelle des Bundes findet sich hier. In einigen Fällen ist der Einsatz von rechtlichen Schritten angebracht, um sich gegen den Rassismus in der Pflege zur Wehr zu setzen. Typische Beispiele dafür sind:
- Beleidigungen, Bedrohungen oder körperliche Angriffe
- Benachteiligungen im Beruf
- Ungleichbehandlungen bei medizinischer Versorgung oder Dienstleistungen
- Rassistische Hetze oder Diskriminierung in öffentlichen Einrichtungen oder über Medien
Generell kann es helfen, sich unter Betroffenen oder Unterstützenden zu vernetzen.
Und was kann ich als nicht-diskriminierte Person tun? Weiße Menschen leben oft in einem rassistischen System, von dem sie privilegiert werden, ohne es zu merken. Zu den wichtigsten Schritten gehört es, sich zu informieren und sich seinen Privilegien bewusst zu werden. Neben Medien, Büchern und anderen Informationsquellen ist es dabei auch wichtig, bewusst die Meinung und Erfahrung Betroffener zu hören und anzuerkennen.
Wer Rassismus in seinem Umfeld beobachtet, sollte diesen bewusst ansprechen und beispielsweise auch diskriminierende Witze als solche sichtbar machen. Auch als außenstehende Person kann man in erlebten Rassismusfällen seine Hilfe anbieten sowie die Polizei oder den Arbeitgeber benachrichtigen.
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Rassismus in der Pflege – Auswirkungen
Die Auswirkungen von Rassismus in der Pflege sind schwerwiegend und betreffen vordergründig natürlich vor allem die von dieser Form der Diskriminierung Betroffenen selbst. Pflegebedürftige verlieren unter rassistischem Umgang ihr Vertrauen in Pflege und Medizin, fühlen sich nicht ernst genommen oder sogar gesundheitlich gefährdet. Sie kommunizieren ärztlichem und pflegerischem Personal gegenüber nicht mehr offen und ziehen sich zurück, das ernsthafte gesundheitliche Folgen mit sich führen kann. Pflegekräfte, die Rassismus erfahren, leiden unter psychischem Stress, Isolation und vermindertem beruflichen Wohlbefinden. Sie kommen beruflich und persönlich schlechter voran.
Obwohl politisch vor allem viel darüber debattiert wird, wie Migration nach Deutschland reduziert werden kann, ist die Einwanderung von Fachkräften für das Pflegesystem existentiell. Zwischen 2019 und 2023 rutschte Deutschland in seiner Attraktivität für ausländische hochqualifizierte Fachkräfte um drei Plätze nach hinten, von Platz zwölf auf lediglich Platz 15 im internationalen Vergleich. Fehlende Fachkräfte im Pflegeberuf schaden der Qualität von Pflege, des Gesundheitssystem und stellen eine ernsthafte Bedrohung für die alternde Gesellschaft dar. Darüber hinaus zerstört der Rassismus in der Pflege das Bild des humanitären und hochrespektablen Berufs.
Wie rassistisch ist die Medizin? Der Morbus Mediterraneus
Rassismus ist auch in der Medizin im Generellen ein ernstes Problem. Sie ist oft durch stereotype Denkweisen oder strukturelle Vorurteile geprägt. Neben der Herabwürdigung von Pflegekräften mit nicht-deutschen Wurzeln sind auch Pflegebedürftige immer wieder von rassistischen Stereotypen betroffen.
Ein Beispiel hierfür ist der „Morbus Mediterraneus“: Eine Scheindiagnose, die vor allem früher häufig verwendet wurde, um Schmerzäußerungen von People of Colour als weniger bedeutend oder dringlich abzuerkennen. Grundlage der Argumentation ist dabei die unterschiedliche Schmerzkommunikation verschiedener Kulturen, das Ergebnis ist häufig eine verzögerte Reaktion auf geäußerte Schmerzen oder sogar die Vergabe von weniger Schmerzmitteln bis hin zum Übersehen von Diagnosen.
Rassismus in der Pflege – Was Arbeitgeber tun können
Arbeitgeber in der Pflege tragen eine zentrale Verantwortung, Rassismus aktiv zu verhindern und ein respektvolles Arbeitsumfeld zu schaffen. Sie können klare Antidiskriminierungsrichtlinien etablieren, regelmäßige Schulungen zu Vielfalt, interkultureller Kompetenz und Antirassismus anbieten und Ansprechstellen für Beschwerden einrichten. Aufklärung ist nachgewiesen ein wichtiger Schritt in der Bekämpfung von Rassismus. Wichtig ist auch, bei Vorfällen konsequent zu handeln und betroffene Mitarbeitende oder Pflegebedürftige zu unterstützen.
Stellenanzeigen in der Pflege
Wer als Fachkraft im Gesundheitsbereich ein passendes, positives Arbeitsumfeld finden möchte, kann bei Medi-Karriere Zugang zu tausenden Stellen als Pflegefachkraft, Altenpfleger-Jobs und weitere Stellenangebote in der Pflege.
- Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland (Artikel 1 und 3), Stand: 27.04.2025
- IAB-Forschungsbericht, 2022-24, https://doku.iab.de/...
- Studie: Philippinische Pflegekräfte in Deutschland, https://gracelugert.com/... (2023)
- Sei aktiv antirassistisch, Amnesty, https://www.amnesty.de/... (Abrufdatum 27.04.2025)







