
Inhaltsverzeichnis
Gewaltprävention in der Pflege ist ein wichtiges Element für den respektvollen Umgang zwischen Pflegekräften, Pflegebedürftigen und Angehörigen. Gewalt hat ihren Ursprung neben inneren Faktoren häufig in der emotionalen Reaktion auf Frustration und äußere Belastung – im Pflegealltag ist beides kaum wegzudenken. Daher ist es besonders wichtig, dass Pflegekräfte geschult sind, mit Aggressivität umzugehen. Mehr zu den Ursprüngen der Gewalt und wie sich Gewaltprävention in der Pflege umsetzen lässt, im Artikel.
Triggerwarnung Gewalt
Der folgende Text beinhaltet das Thema Gewalt in der Pflege, einschließlich körperlicher, verbaler und psychischer Gewalt. Inhalte können belastend oder retraumatisierend wirken. Bei Bedarf stehen Hilfsangebote wie das Hilfetelefon (08000 116 016) zur Verfügung.
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Gewaltprävention – Definition
Gewaltprävention umfasst Maßnahmen zur Verhinderung von körperlicher, psychischer oder verbaler Gewalt in verschiedenen Kontexten. Im Pflegeberuf bedeutet dies, Strategien zu entwickeln, um Konflikte frühzeitig zu erkennen und deeskalierend zu handeln. Dazu gehören Schulungen in Kommunikation, Stressbewältigung und Deeskalationstechniken. So lässt sich Gewalt gegenüber Pflegekräften und Patienten vermeiden oder zumindest entschärfen. Zudem tragen ein sicheres Arbeitsumfeld und klare Verhaltensrichtlinien zur Prävention bei.
Gewalt in der Pflege – Ursachen
Pflegekräfte stehen im Gesundheitssystem an vorderster Front. Sie erleben tagtäglich die Emotionen und Reaktionen ihrer Patienten und deren Angehörigen hautnah. Diese sind neben Verarbeitung von Diagnosen, Rückschlägen im Krankheitsverlauf oder Umgang mit schweren Erkrankungen häufig ein Spiegelbild des Gesundheitssystems – denn wo Kosten und Wartezeiten steigen, während Ärzten die individuelle Behandlungszeit fehlt, kommt häufiger Frustration, Wut und Aggressivität auf.
In psychisch schwer zu verarbeitenden Kontexten ist es nicht leicht, das Aufkochen der Emotionen zu verhindern. Tatsächlich wurde aber empirisch nachgewiesen, dass gute Arbeitsbedingungen im Pflegeberuf und eine gute Ausbildung der Fachkräfte die Gewalt in der Pflege reduzieren – gegenüber Mitarbeitenden und gegenüber Behandelten. Die folgenden Faktoren können Ursache des Problems sein.
Überlastung
In der Pflege kann Überlastung zu körperlicher und emotionaler Erschöpfung führen, wodurch Stress und Frustration steigen. Wenn Pflegekräfte dauerhaft unter Zeitdruck stehen und hohe Verantwortung besteht, kann dies die Resilienz verringern. Gerade der Umgang mit Erkrankungen, die psychische Veränderungen mit sich bringen, ist herausfordernd. So können die Patienten schon aus der Krankheit heraus aggressiv werden. Das kann zu erheblichen Schwierigkeiten führen, vor allem, wenn die Fachkraft den Umgang damit nicht in ihrer Ausbildung vermittelt bekam. In angespannten Situationen steigt das Risiko für aggressive Reaktionen – sowohl seitens der Pflegekräfte als auch der Patienten.
Personalmangel
Im Allgemeinen ist Personalmangel in der Pflege die Quelle vieler Schwierigkeiten und kann auch einen auslösenden Faktor für Gewalt darstellen. Besonders in Pflegeheimen oder auf unterbesetzten Stationen ist es leider Alltag: Eine Pflegefachkraft muss sich um zu viele Pflegebedürftige auf einmal kümmern. Wünsche können nicht erfüllt werden, Menschen werden ungeduldiger. Zudem vergeht eine längere Zeit, bis sie sich einzelnen Pflegebedürftigen oder Angehörigen zuwenden kann. Häufig tragen die Fachkräfte zusätzlich die Bürde des ärztlichen Personalmangels und müssen bei einem ausstehenden Arztgespräch die Leute vertrösten. So können beide Seiten unter Stress oder Angst geraten und schnell aggressiv oder sogar gewaltbereit werden.
Mangelnde Schulung
Wenn eine Situation hochkocht und die Fronten aneinandergeraten, braucht es qualifizierte Mitarbeitende, die die Lage entschärfen, um aufkommende Gewalt in der Pflege zu verhindern. Die wenigsten Pflegekräfte und noch weniger Pflegebedürftige oder Angehörige sind dafür ausgebildet, mit einer solchen eskalierenden Situation umzugehen. Gewalt in der Pflege kann durch ein buntes Muster aus Veranlagung, ausgesetzten Reizen und Frustration entstehen. Mangelhaft geschulte Pflegekräfte laufen Gefahr, diese Muster nicht zu erkennen, oder sogar schuldlos weitere auslösende Reize zu setzen, wodurch potenziell ihre Gefahr, Gewalt zu erleben, erhöht ist.
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Gewalt in der Pflege – Formen
Gewalt kann in den unterschiedlichsten Formen auftreten und je nach Situation eine eigene Dynamik annehmen, die entweder schnell wieder verschwinden oder die Situation eskalieren lassen kann. Dass in der Pflege so viele unterschiedliche Persönlichkeiten zusammentreffen, die Gewalt ganz unterschiedlich wahrnehmen, ist eine Besonderheit. So kommt es nicht selten vor, dass Gewalt in Stresssituationen sogar versehentlich aufkommt oder nicht wahrgenommen wird. Wichtig ist eine gute Kommunikation, um gegenseitige Grenzen zu kennen und zu respektieren.
Körperliche Gewalt
Jede absichtliche körperliche Handlung, die einer Person Schaden zufügt, wie Schlagen, Stoßen oder Festhalten, kann ein Aspekt von körperlicher Gewalt sein. Sie kann in der Pflege nebenbei durch besonders festes Greifen bei versuchter Hilfestellung charakterisiert sein, aber auch die Eskalationsstufe von Aggressivität darstellen. Besonders demente oder andere psychisch erkrankte Patienten können ohne bewusste Intention zu körperlicher Gewalt neigen. Solche Fälle sollten ruhig aber gezielt unterbunden werden und am besten niemand mit den Patienten alleingelassen werden.
Sonderfall sexualisierte Gewalt
Sexualisierte Gewalt umfasst jede sexuelle Handlung, die gegen den Willen einer Person erfolgt, einschließlich Übergriffe, Nötigung und Belästigung. Die Pflege ist ein weiblich dominierter Beruf, der in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder gesellschaftlich sexualisiert wurde. Leider ist es nach wie vor keine Seltenheit, dass Pflegekräfte sexuell übergriffigen Kommentaren oder sogar übergriffige Handlungen erleben. Kommt es zu solchen Fällen der Gewalt, ist es ebenso wichtig, dass Pflege-Teams zusammenhalten, sich gegenseitig unterstützen und nicht weitere Schuldgefühle oder ähnliches hervorzurufen.
Verbale Gewalt
Die verbale Gewalt umfasst beleidigende, herabwürdigende oder bedrohende Äußerungen, die eine Person emotional verletzen oder einschüchtern können. Sie gehört zu den häufigsten Formen der Gewalt, wobei sich Ausübende häufig gar nicht bewusst sind, was sie sagen. Verbale Formen der Gewalt in der Pflege sind besonders häufig und werfen Fragen zum Umgang auf, da die Grenzen zur Handlungsnotwendigkeit verschwimmen. Wer verbaler Gewalt ausgesetzt ist, sollte aber selbst entscheiden, wo seine persönlichen Grenzen liegen und ab welchem Punkt man sich beispielsweise Hilfe suchen möchte.
Psychische Gewalt
Manipulative, erniedrigende oder einschüchternde Handlungen, die das emotionale Wohlbefinden und die Selbstachtung einer Person schädigen, bezeichnet man als psychische Form der Gewalt. Sie kann typischerweise aufkommen, wenn etwa Angehörige das Prozedere der Hilfestellung für Pflegebedürftige beschleunigen möchten. Dieses Verhalten sollten Pflegende nicht tolerieren, sich aber gleichzeitig nicht in bedrohliche Situationen bringen. Um die Bedeutung von Androhungen zu schmälern und Zeugenschaft zu ermöglichen, kann es sinnvoll sein, einen Kollegen ins Boot zu holen. So kann man die Situation zur Gewaltprävention nach dem Vier-Augen-Prinzip (sprich: Beobachtung durch mehr als eine Person) beurteilen.
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Gewaltprävention in der Pflege – Schutzmaßnahmen
Obwohl sich Gewalt in ihrer Gesamtheit wohl kaum verhindern lässt, gibt es viele Faktoren, die die Situation entspannen, deeskalieren oder sogar komplett abwenden können. So tragen sie zur Gewaltprävention in der Pflege bei.
Schulungen
Schulungen können sowohl die Gewaltprävention fördern, als auch den Umgang mit Gewaltsituationen in der Pflege verbessern. Die Art der Schulung kann dabei unterschiedlich sein: Ob Seminare, praktische oder theoretische Kurse. Besonders in Teams kann auch das Format der Multiplikatorenschulung sinnvoll sein: Dabei lässt sich eine Person im Team in einem Thema schulen und zertifizieren und bietet dann Hilfestellung oder sogar Schulungen intern in ihrem Team an.
Beratungsstellen
Eine Anlaufmöglichkeit, um mit erlebter Gewalt umzugehen, sich selbst und/oder seinen Mitmenschen zu vergeben, bieten Beratungsstellen. Manchmal reicht es auch einfach nur über die Situation zu sprechen. Hier hat man die Möglichkeit, anonyme Beratung einzuholen oder auch regelmäßige Kontakte zu finden. Wer psychisch stark von erlebter Gewalt in der Pflege belastet ist, kann auch Anspruch auf einen Platz in der Psychotherapie erheben. Viele Kliniken und Heime haben außerdem eine interne Seelsorge, die auch für die Mitarbeitenden zur Verfügung steht.
Hilfsangebote für Notfälle
In akuten Notfällen bei Gewalt in der Pflege stehen Pflegekräften in Deutschland verschiedene konkrete Anlaufstellen zur Verfügung:
- Notruftelefon für Fälle von Gewalt in der Pflege Essen: 0201 88 500 88
- Pflege in Not Berlin: 030 69 59 89 89
- Pflege in Not Brandenburg (PiN): 0800 265 55 66 (kostenfrei)
- PSU-Helpline – Kollegiale psychosoziale Unterstützung: 0800 09 11 91 2
- Rechtsmedizinische Beratungsstelle Patientenversorgung und Pflege: 0800 09 11 91 2
- Telefonseelsorge: 0800 11 10 111 (kostenfrei)
Digitale Angebote
Umgang mit Gewalt in der Pflege auf digitale Art und Weise wird attraktiver. Digitale Anlaufstellen sind schnell zu erreichen und anonym. Daher bieten viele Anlaufstellen auch digitale Alternativen zur Hilfe zur Gewaltprävention an. Beispiele für solche Hilfsstellen sind:
• BGW Podcast „Gewaltprävention in der Pflege“
• Online-Schulungen zur Deeskalation
• Hilfetelefon Chat „Gewalt gegen Frauen“
• Virtuelle Selbsthilfegruppen für Pflegekräfte
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