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Die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE) ist eine zentrale Therapieoption beim Lymphödem und eine unterstützende Maßnahme zur Linderung von Begleitsymptomen beim Lipödem. Sie kommt zum Einsatz, wenn sich aufgrund von Lymphabflussstörungen Flüssigkeit im Gewebe ansammelt und sich dieses verhärtet. Mehr Hintergrundwissen zu dem Thema gibt es in diesem Artikel.
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Komplexe Physikalische Entstauungstherapie – Definition
Die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE) ist eine mehrkomponentige Behandlung zur Reduktion und Kontrolle von Ödemen, insbesondere beim Lymphödem und verwandten Erkrankungen. Ziel ist die Verbesserung des Lymphabflusses, die Volumenreduktion und die Vermeidung von Komplikationen wie Infektionen oder Fibrosierung. Dafür setzen ausgebildete Therapeuten in zwei Phasen verschiedene Behandlungsformen ein, die von Bewegungstherapie und Hautpflege unterstützt werden.
Die KPE ist neben dem Lymphödem auch beim Lipödem zur Behandlung von begleitenden Ödemen, sowie bei Ödemen im Rahmen von chronisch-venöser Insuffizienz, dem komplexen regionalen Schmerzsyndrom (CRPS) und dem Ulcus cruris venosum indiziert. Vor Beginn der Behandlung müssen jedoch unbedingt die absoluten Kontraindikationen geprüft werden. Zu diesen zählen die akute Phlebothrombose mir erhöhtem Embolie-Risiko, eine dekompensierte Herzinsuffizienz im NYHA-Stadium III bis IV, eine schwere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) und akute entzündliche Prozesse. Liegt eine dieser Erkrankungen vor, darf die KPE unter keinen Umständen angewendet werden.
Die konkrete Auswahl und Kombination der Maßnahmen richtet sich nach der Grunderkrankung und dem Stadium des Ödems. Die KPE ist ein essenzieller Bestandteil der konservativen Therapie und muss individuell angepasst und regelmäßig evaluiert werden.
Was ist ein Lipolymphödem?
Ein Lymphödem ist eine chronische, meist die Extremitäten betreffende Schwellung infolge einer gestörten Lymphdrainage. Typisch sind Kastenzehen, ein positives Stemmer-Zeichen und eine progrediente Fibrosierung im Verlauf.
Das Lipödem ist eine fast ausschließlich bei Frauen auftretende, chronisch-fortschreitende Erkrankung des Unterhautfettgewebes mit symmetrischer Fettvermehrung der Extremitäten, wobei Hände und Füße nicht betroffen sind. Es ist keine Flüssigkeitsansammlung, sondern eine Fettverteilungsstörung mit Druckschmerz, Hämatomneigung und ausgeprägtem Leidensdruck. Die KPE dient hier vor allem der Schmerzlinderung, Reduktion begleitender Ödeme und Verbesserung der Lebensqualität.
Ein Lipolymphödem ist eine kombinierte Erkrankung, bei der ein bestehendes Lipödem im Verlauf sekundär durch ein Lymphödem überlagert wird. Dabei kommt es zusätzlich zur Fettverteilungsstörung zu einer irreversiblen lymphatischen Abflussstörung mit begleitender subkutaner Flüssigkeitsansammlung. Klinisch zeigt sich das Lipolymphödem mit Beteiligung der Füße (im Gegensatz zum reinen Lipödem), positivem Stemmer-Zeichen und zunehmender Fibrosierung. Es vereint die Symptome beider Grunderkrankungen und erfordert eine Strukturierte Physikalische Entstauungstherapie.
Komplexe Physikalische Entstauungstherapie – Formen
Die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie gliedert sich in zwei Phasen, die Entstauungsphase und die Erhaltungsphase. Behandler setzen die verschiedenen im Folgenden beschriebenen Behandlungsbausteine je nach Bedürfnis des Patienten ein.
Die Entstauungsphase setzt sich den Abtransport der angestauten Flüssigkeit zum Ziel. Dadurch verringert sich die Schwellung des Gewebes, was eine Milderung der Symptome wie die Hautspannung bedeutet. Je nach Stadium der Grunderkrankung dauert diese Phase in der Regel mehrere Wochen.
Ist die erste Phase gelungen, schließt sich die Erhaltungsphase an, welche üblicherweise dauerhaft fortgeführt werden muss. Das Ergebnis der Entstauung soll bestmöglich gehalten oder sogar noch verbessert werden. Bei einer Unterbrechung der Behandlung ist mit einer erneuten Ödem-Bildung zu rechnen.
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Manuelle Lymphdrainage
Die manuelle Lymphdrainage beschreibt eine sanfte Massageanwendung der Physiotherapie, welche die Transportkapazität des Lymphsystems erhöht und somit den Abtransport der Flüssigkeit fördert. Grundlegend nutzt der Therapeut dafür spezielle Griffe, die den Lymphtransport in funktionelle Lymphbahnen anregen und den Abfluss der interstitiellen Flüssigkeit unterstützen.
Die Ursache der Beschwerden beim Lipödem liegt nicht in einer primären Störung der Lymphbahnen. Durch die Aktivierung der Mechanorezeptoren mit nachgeschalteter Hemmung nozizeptiver (schmerzempfindlicher) Bahnen im zentralen Nervensystem sorgt die manuelle Lymphdrainage hier allerdings auch für eine Schmerzlinderung. Sie kann beim Lipödem die Schmerzempfindlichkeit so verringern, dass eine Kompressionstherapie besser toleriert wird.
Kompressionstherapie
Die Kompressionstherapie schließt sich der manuellen Lymphdrainage an. Sie soll eine erneute Ödembildung verhindern, indem sie Druck von außen auf das Gewebe auswirkt. Dieser nimmt von unten Richtung Körpermitte ab, um den Rückfluss der Lymphflüssigkeit zum zentralen Venensystem zu fördern.
Kompression wirkt über drei grundlegende Prinzipien. Der erhöhte Gewebedruck verhindert das Austreten von Flüssigkeit aus den Kapillaren und sorgt durch eine breitere Verteilung der Flüssigkeit für eine größere Resorptionsfläche. Sie führt weiterhin zur Funktionsverbesserung der Klappen in Venen und Lymphgefäßen, sodass der Rückfluss zum Herzen besser abläuft. Hier unterstützt Bewegung den Prozess zusätzlich. Nicht zuletzt intensiviert die Kompression die Mikrozirkulation der Haut, was den Stoffaustausch der Zellen steigert. Sie bekommen leichter notwendige Stoffe und können Abfallprodukte schneller abgeben.
Die Durchführung der Kompressionstherapie unterscheidet sich je nach Phase. In der Entstauungsphase setzt man Kompressionsverbände aus Kurzzugbinden ein. Diese kann man täglich an den Zustand und den Umfang des Ödems anpassen. Auch wenn der Verband Druck ausüben soll, darf er keine Schmerzen verursachen oder den Blutfluss behindern.
In der Erhaltungsphase nutzt man hingegen medizinische Kompressionsstrümpfe, die für jeden Patienten individuell angefertigt werden. Patienten können sie eigenständig an- und ausziehen und sie bieten einen höheren Tragekomfort im Alter.
Eine weitere Möglichkeit ist die dynamische Kompressionstherapie, welche mit Manschetten arbeitet. Diese bestehen aus einzelnen, überlappenden Luftkammern. Ein Gerät steuert die Füllung der Kammern von Hand oder Fuß Richtung Körper mit Luft. Anschließend werden die Kammern geleert und der Zyklus beginnt erneut. Die Manschetten gibt es beispielsweise in Hosen- oder Jackenform. Für Patienten in der Erhaltungsphase besteht die Möglichkeit zur Anschaffung eines Heimgeräts, welches die Therapie sinnvoll ergänzen kann. Die Methode ersetzt jedoch nicht die manuelle Lymphdrainage oder andere Bausteine der KPE.
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Hautpflege
Die Haut ist besonders beim Lymphödem gefährdet, denn es kann in diesem Rahmen zur Schädigung der Hautbarriere kommen. Entzündungen und Infektionen können sich leichter durchsetzen, während sie gleichzeitig nur schwer heilen. Zudem birgt die Dauernutzung der Bandagen oder Kompressionsstrümpfe die Gefahr der Hauttrockenheit. Das erleichtert Bakterien den Eintritt ins Gewebe.
Zur Prävention sollten Patienten deshalb morgens und abends die betroffenen Stellen säubern und mit pH-neutralen oder leicht sauren Pflegeprodukten eincremen. Seifen aufgrund ihrer basischen Eigenschaft nicht geeignet und sollten nicht in den Produkten enthalten sein. Öle mit rückfettenden Stoffen beugen der Austrocknung vor. Zusätzlich muss auf ein gründliches Abtrocknen nach dem Baden oder Duschen geachtet werden, da feuchte Bereiche einen hervorragenden Nährboden für Bakterien bieten.
Welche Substanzen spenden Feuchtigkeit?
Cremes und Lotionen, welche hautverwandte Fette enthalten, haben sich bisher in der Hautpflege bewährt. Dazu zählen beispielsweise Mandelöl oder Aloe-Vera-Extrakt. Bei trockener Haut können Wasser-in-Öl-Emulsionen mit geringem Wasseranteil vorteilhaft sein. Zur Erhaltung der Feuchtigkeit sollten Stoffe wie Urea (Harnstoff), Milchsäure, Allantoin oder Glycerol enthalten sein. Barriere-bildende Lipide wie Cholesterin oder Linolsäure wirken sich zudem positiv aus. Es sollte bei jedem Pflegeprodukt jedoch auf potentiell allergie-auslösende Stoffe geachtet werden.
Bewegungstherapie
Bewegung und Sport aktivieren die Muskelpumpe, welche durch den Druck der Muskulatur auf die Gefäße den Rückfluss der Gewebsflüssigkeit anregt. Die Übungen orientieren sich dabei an der betroffenen Stelle und der Ausprägung der Erkrankung. Bei der Durchführung sollten Patienten keine Schmerzen empfinden. Optimalerweise führen sie die Übungen zwei bis drei Mal am Tag durch. Die Wirkung entfaltet sich noch besser, wenn beim Sport flachgestrickte Kompressionsmaterialien getragen werden, idealerweise angepasst an die jeweilige Phase der KPE.
Allgemein eignen sich verschiedene Sportarten zur Behandlung. Diese sollten gelenkschonend und verletzungsarm sein und zusätzliches Gewicht verhindern. Damit liegt der Fokus weniger auf Kraft-, sondern vielmehr auf Ganzkörper- und Ausdauertraining. Dazu zählen zum Beispiel Schwimmen und Wassergymnastik, Nordic Walking, Wandern oder Radfahren. Auch Yoga, der Crosstrainer oder Faszientraining helfen zur Linderung der Symptome.
Schulung zur Selbsttherapie
Ohne die Aufklärung und die Mitarbeit des Patienten bewirkt auch die beste Komplexe Physikalische Entstauungstherapie wenig, besonders in Hinblick auf eine dauerhafte Anwendung. Die Therapie verlangt den Betroffenen viel Disziplin ab und erfordert Zeit. Damit die Motivation aufrecht erhalten werden kann, sind Schulungen über die Therapie, ihre Wirkweise und ihre Benefits hilfreich. Außerdem können Patienten diverse Techniken wie die Hautpflege, die Kompressionstherapie und die Gymnastik erlernen, was die Selbstwirksamkeit und somit die Therapieadhärenz steigern.
Durch die Schulung des Patienten kann dieser seine Therapie selbst besser organisieren und ist weniger auf die Verfügbarkeit der Therapeuten angewiesen, sodass er die KPE besser in den Alltag integrieren kann.
Komplexe Physikalische Entstauungstherapie – Alternativen
Die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie ist und bleibt die beste Methode zur Behandlung von Lymphödemen. In der Vergangenheit wurde versucht, weitere Maßnahmen zu etablieren, doch diese wiesen kein besseres Ergebnis als die KPE auf.
Medikamentöse Entwässerung über Diuretika ist in der Regel kontraindiziert, da sich das Gewebe bei diesen auf lange Sicht verhärtet. Das kann die ursächliche Erkrankung verschlimmern. In den USA kam die Idee einer operativen Versorgung auf, die mitunter unerwünschte kosmetische oder funktionelle Folgen hatten und daher nicht allgemein empfohlen werden. Transplantationen und mikrochirurgische Verfahren werden bislang nur in spezialisierten Zentren eingesetzt und sind nicht flächendeckend etabliert.
Als Ergänzung, jedoch keineswegs als vollständiger Ersatz, kann die Dynamische Kompressionstherapie dienen, auch Intermittierende Pneumatische Kompressionstherapie genannt. Patienten können diese selbstständig im häuslichen Umfeld nutzen.
Passende Jobs in der Therapie
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- S2k-Leitlinie Lymphödeme, https://register.awmf.org/... , (Abrufdatum: 16.06.2025)
- S2k-Leitlinie Lipödem, https://register.awmf.org/... , (Abrufdatum: 16.06.2025)
- S2k-Leitlinie Medizinische Kompressuinstherapie, https://register.awmf.org/... , (Abrufdatum: 16.06.2025)
- Ödeme, https://next.amboss.com/... , (Abrufdatum: 16.06.2025)
- Physikalische Therapie, https://next.amboss.com/... , (Abrufdatum: 16.06.2025)








