Inhaltsverzeichnis
Die Tunica muscularis ist ein zentrales funktionelles Strukturelement in zahlreichen Hohlorganen und Gefäßen des menschlichen Körpers. Als muskuläre Wandschicht übernimmt sie grundlegende Aufgaben bei der Peristaltik und organabhängigen Transportfunktionen. Die genaue anatomische und histologische Ausprägung variiert dabei je nach Organsystem. Auch in der Klinik ist die Tunica muscularis von hoher Relevanz: Sie spielt eine wichtige Rolle in der Pathogenese vaskulärer Erkrankungen und dient in der Tumorpathologie als Referenzstruktur zur Bestimmung der Tumorausdehnung, wie im TNM-Staging. Der folgende Artikel behandelt die Tunica muscularis mit der Definition, Anatomie und Histologie, funktioneller Bedeutung sowie klinischen Aspekten.
Inhaltsverzeichnis
Tunica muscularis – Definition
Die Tunica muscularis, auch Muskularis, ist die mittlere Wandschicht vieler Hohlorgane und Blutgefäße und besteht überwiegend aus glatter Muskulatur. Sie spielt eine zentrale Rolle bei der Regulation des Lumens sowie bei der Transportfunktion dieser Strukturen.
Tunica muscularis – Anatomie und Histologie
Die Tunica muscularis ist eine mittlere Gewebsschicht, die sich zwischen der Tela submucosa und und der äußeren Tunica adventitia bzw. Tunica serosa befindet und unter der Tunica mucosa (Schleimhaut) liegt. Mit Ausnahme des Ösophagus, dessen oberer Abschnitt quergestreifte Muskulatur enthält, besteht die Tunica muscularis aus glatter Muskulatur.
Meist sind die glatten Muskelzellen dieser Schicht zum Lumen hin zirkulär verlaufend und zur Außenschicht hin longitudinal verlaufend. Insgesamt ist die Tunica muscularis in zwei Schichten untergliedert. Man spricht im histologischen Organquerschnitt von:
- dem Stratum longitudinale (äußere Längsmuskelschicht)
- und dem Stratum circulare (innere Ringmuskelschicht, zum Lumen hin).
Zwischen diesen beiden Muskelschichten befindet sich der Plexus myentericus, der auch unter dem Namen Auerbach-Plexus bekannt ist. Es handelt sich dabei um ein Geflecht aus multipolaren Nervenzellen, die in kleinen Ganglien angeordnet sind und zum enterischen Teil des vegetativen Nervensystem gehört. Das enterische Nervensystem wird die Muskelkontraktion autonom gesteuert. Außerdem wirken auch sympathische und parasympathische Nervenfasern an der Innervation der Tunica muscularis mit.

Besonderheit der Muskelschicht am Magen
Die Tunica muscularis besteht im Bereich von Fundus und Korpus des Magens nicht nur aus zwei, sondern aus drei Schichten glatter Muskulatur: Dem Stratum longitudinale, Stratum circulare und den Fibrae obliquae. Die Fibrae obliquae stellen innere schräge Muskelfasern dar, die als zusätzlich Schicht so nur im Magen vorkommt.
Atemwege
Auch die Wänder der Bronchien weisen eine eigene Muskelschicht auf: Hier bildet die sogenannte Tunica fibromuscularis eine gitterartige Schicht aus glatter Muskulatur, welche zur Regulation des Lumendurchmessers beiträgt. In den Bronchiolen ist diese Muskulatur besonders stark ausgeprägt, wobei hier die Knorpel- und Drüsenelemente nicht vorkommen.
Tunica muscularis in Blutgefäßen
In Blutgefäßen entspricht die Tunica muscularis der Tunica media, also der mittleren Gefäßwand. Sie besteht hauptsächlich aus glatter Muskulatur mit eingelagerten elastischen Fasern und einer Extrazellulärmatrix, die durch Muskelzellen produziert wird, besteht. In größeren Arterien kann eine sogenannte Membrana elastica externa enthalten sein.
Eine Besonderheit ergibt sich bei der Unterscheidung von Arterien des muskulären Typs zu Arterien des elastischen Typs. Bei Arterie vom muskulären Typ kommt eine sehr muskelreiche Media vor, welche der aktiven Lumenregulation dient. In Arterien des elastischen Typs kommen wiederum viele elastische Fasern zur Windkesselfunktion vor. Venen weisen eine deutlich geringere Dichte glatter Muskulatur auf und haben eine größere Lumenweite.
Tunica muscularis – Funktion
Die Hauptaufgabe der Tunica muscularis ist das aktive Bewegen von Organinhalten, was unwillkürlich geschieht. Diese Bewegungen sind eng mit dem vegetativem Nervensystem gekoppelt. Ihre genaue histologische Ausprägung ist entscheidend für die Funktion des jeweiligen Organsystems.
Die Peristaltik dient in Form von wellenartigen Bewegungen der Fortleitung von Speisebrei, Urin oder anderen Inhalten. Eine weitere wichtige Funktion ist die Segmentation, bei der durch rhythmische Kontaktionen eine Durchmischung des Inhalts erfolgt, so zum Beispiel im Dünndarm.
Zudem ermöglicht die gezielte Kontraktion einzelner Muskelabschnitte die Speicherung von Inhalten, wie es etwa bei der Harnblase der Fall ist. Auch Kontinenz und Entleerung werden durch Sphinkteren (Schließmuskeln) reguliert und stellen somit weitere zentrale Aufgaben der Tunica muscularis dar.
Im Magen unterstützt die dreischichtige besondere Anordnung die mechanische Zerkleinerung des Speisebreis (Chymus) und am Pylorus ist die Ringmuskulatur als kräftiger Schließmuskel, dem M. sphincter pyloricus, verdickt. Dieser Muskel reguliert den Weitertransport in das Duodenum.
Tunica muscularis – Klinik
Störungen der Tunica muscularis können zu Motilitätsstörungen führen, z.B. Achalasie (fehlende Erschlaffung des unteren Ösophagussphinkters), Ileus (Darmverschluss), einem Reizdarmsydnrom oder einem Harnverhalt bei gestörter Muskulatur der Harnblase.
Bei entzündlichen Prozessen der Gefäßwand, infolge endothelialer Schädigung beispielsweise, kommt es zur Migration glatter Muskelzellen aus der Tunica media (die der Tunica muscularis entspricht) in die Intima. Diese Muskelzellen verändern dabei ihren Phänotyp von einem kontraktilen zu einem synthetisch aktiven Typ.
Innerhalb der Intima produzieren die eingewanderten Muskelzellen Extrazellulärmatrix, wodurch sich atherosklerotische Plaques bilden. Außerdem führen chronische Entzündungen und Lipidablagerungen zu strukturellen Veränderungen und einer Einengung des Gefäßlumens. Der Strömungswiderstand wird erhöht und eine Ischämie, also Minderperfusion des nachgeschalteten Gewebes kann die Folge sein. Klinisch zeigt sich dies als koronare Herzkrankheit oder periphere arterielle Verschlusskrankheit.

Bei Venen ist die Tuncia media, also die entsprechende muskuläre Wandschicht, im Vergleich zu Arterien deutlich dünner ausgeprägt. Bei einer Veneninsuffizienz ist die muskuläre Stabilität nicht mehr stark genug vorhanden, um den venösen Rückstrom zum Herzen effektiv zu unterstützen. Die Folge ist die progressive Erweiterung der Venen, also das Auftreten sogenannter Varizen, eine Insuffizienz der Venenklappen sowie das retrograde Zurückfließen des Blutes. Es kann zu einer venösen Stauung und einer Entzündung oberflächlicher Venen mit Thrombose kommen.
Klinische Bedeutung der Tunica muscularis beim Tumor-Staging
Die Tunica musuclaris spielt eine zentrale Rolle bei der Tumor-Stadieneinteilung (Staging), insbesondere im Rahmen der sogenannten TNM-Klassifikation. Die Infiltrationstiefe ist ein histopathologischer Parameter für die T-Kategorie, die für “Tumor” steht.
Ein Beispiel soll hier anhand des kolorektalen Karzinoms gezeigt werden:
- T2: Der Tumor infiltriert die Muscularis propria (Tunica muscularis)
- T3: Der Tumor durchbricht die Muscularis propria bis in die Subserosa oder perikolisches/perirektales Fettgewebe
Dies bedeutet die Infiltration der Tunica muscularis markiert hier beispielsweise den Übergang von einem Frühkarzinom (T1) zu einem lokal fortgeschritteneren Tumorstadium (T2) mit relevant anderer Therapieplanung.

Häufige Fragen
- Wo findet man die Tunica muscularis im Körper?
- Aus welchen Schichten besteht die Tunica muscularis?
- Welche Funktion hat die Tunica muscularis?
- Welche Muskulatur enthält die Tunica muscularis?
- Wie wird die Tunica muscularis innerviert?
- Was passiert bei einer Störung der Tunica muscularis?
Sie kommt typischerweise in Magen, Dünn- und Dickdarm, Speiseröhre, Harnleiter und Harnblase, Gebärmutter und Blutgefäßen (als Teil de Gefäßwand) vor.
In den meisten Hohlorganen besteht sie aus zwei Schichten: Dem Stratum circulare (innere Ringmuskelschicht) und dem Stratum longitudinale (der äußeren Längsmuskelschicht). Im Magen gibt es eine zusätzliche dritte, schräg verlaufende Muskelschicht (Fibrae obliquae).
Die Hauptfunktionen der Tunica muscularis sind die Peristaltik, dadurch also der Transport des von Nahrung und Harn, außerdem die Durchmischung zur besseren Verdauung, Sphinkterbildung und Druckaufbau, beispielsweise zur Entleerung der Blase oder Gebärmutter.
Meist enthält sie glatte Muskulatur (unwillkürlich gesteuert, z.B. im Darm). In Teilen der Speiseröhre und des Anus enthält sie auch quergestreifte Muskulatur, die willkürlich steuerbar ist.
Durch das enterische Nervensystem (v.a. Plexus myentericus/Auerbach-Plexus), welches die Muskelkontraktion autonom steuert, sowie sympathische und parasympathische Nervenfasern.
Störungen können zu Motilitätsstörungen führen, z.B. Achalasie (fehlende Erschlaffung des unteren Ösophagussphinkters), einem Ileus (Darmverschluss), einem Reizdarmsyndrom und Harnverhalt bei gestörter Blasenmuskulatur.




