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Hunger und Appetit begleiten unseren Alltag, doch sie entspringen unterschiedlichen Quellen. Hunger ist ein biologisches Warnsignal: Der Körper meldet, dass er Energie und Nährstoffe benötigt. Appetit hingegen wird stark durch äußere Reize wie Gerüche, Aussehen von Speisen oder emotionale Zustände beeinflusst. Beide Phänomene steuern unser Essverhalten, greifen ineinander und können in Balance oder auch in Dysbalance wirken. Wer ihre Mechanismen versteht, erkennt besser, warum wir essen.
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Hunger und Appetit – Definition
Hunger ist ein physiologisches Signal des Körpers, das auf einen Energiemangel hinweist und den Drang auslöst, Nahrung aufzunehmen. Er entsteht durch komplexe Regelkreise im Gehirn, insbesondere im Hypothalamus, die auf den Blutzuckerspiegel, Hormone und Energiereserven reagieren. Hunger unterscheidet sich damit vom Appetit, der stärker durch äußere Reize und psychische Faktoren bestimmt wird.
Appetit bezeichnet das subjektive Verlangen nach Nahrung, das nicht allein durch den physiologischen Hunger entsteht, sondern stark von psychischen, sensorischen und sozialen Faktoren beeinflusst wird. Er wird durch Gerüche, Geschmack, Aussehen von Speisen, Stimmung oder Gewohnheiten angeregt und kann unabhängig vom tatsächlichen Energiebedarf auftreten.
Wieso haben wir Hunger?
Der Sinn von Hunger liegt darin, den Körper auf einen Energiemangel aufmerksam zu machen und die Nahrungsaufnahme sicherzustellen. Durch hormonelle und neuronale Signale meldet er dem Gehirn, dass Glukose und Nährstoffe benötigt werden, um lebenswichtige Funktionen aufrechtzuerhalten. Hunger schützt somit vor Unterversorgung, reguliert den Energiehaushalt und trägt entscheidend zum Überleben bei.
Wie entsteht Hunger?
Der Ablauf zur Entstehung von Hunger ist hochkomplex und bis heute nicht voll verstanden. Wie genau das System reguliert ist, zeugt aber, dass ohne aktive Manipulation das Körpergewicht einer gesunden Person über Jahre weniger als 1 Prozent variiert. Die bewusste Empfindung des Hungers wird über den Hypothalamus vermittelt, genauer gesagt über den viszerosensiblen Inselkortex. Er induziert Hunger und motiviert auch die Nahrungssuche.
Der Hypothalamus bekommt seine Informationen über verschiedene Hormone im Körper. Die Ausschüttung erfolgt dabei meist abhängig von der Bindung an verschiedene Rezeptoren. Ein Hauptteil der Regulierung erfolgt über Glukose.
Ghrelin
Ghrelin ist ein hungersteigerndes Hormon, das durch Zellen ausgeschüttet wird, die sich primär in der Schleimhaut des Magens befinden. Sie kommen aber auch im oberen Dünndarm, Pankreas, Keimdrüsen, Nebennierenrinde, Plazenta und Niere vor, sowie im Gehirn. Der Körper schüttet es bei Nahrungsmangel aus. Ghrelin wiederum fördert die Ausschüttung von hungersteigernden Peptiden, wie Neuropeptid Y und Agouti-related Peptide (AgRP). Alle drei gehören zu den orexigenen („hungerstimulierenden“) Substanzen.
Leptin
Man könnte Leptin als direkten Gegenspieler von Ghrelin bezeichnen. Es wird von den Adipozyten (Fettzellen) sezerniert und zeigt einfach gesprochen deren Speicherzustand an. Werden die Fettzellen gefüllt, führen also Lipogenese durch, steigt in der Folge der Leptinspiegel. Auch dieses Hormon wirkt am Hypothalamus und bindet membranständige Rezeptoren, die sogenannten Obesety-Rezeptoren (Ob-R). Es senkt hier aber die Ausschüttung des Peptidhormons Y, wobei dafür Proopiomelanocortin (POMC) freigesetzt wird und reguliert damit den Hunger nach unten. Dadurch werden wiederum katabole Stoffwechsel angeregt, unter anderen die Lipolyse (Fettabbau) in den Zellen. So reguliert Leptin seine eigene Ausschüttung wieder nach unten.
Insulin
Hunger ist ein komplexes Zusammenspiel vieler Mechanismen, sowie mechanischer und chemischer Signale, was eine genaue Aufzählung erschwert. Ein Hormon mit relevantem Einfluss soll dennoch nicht unerwähnt bleiben: Das Insulin. Insulin ist das einzige Hormon, das aktiv den Blutzuckerspiegel senken kann. Es wird immer aus den Betazellen des Pankreas (Bauchspeicheldrüse) ausgeschüttet, seine Sekretion wird aber vor allem bei steigendem Blutglukosespiegel erhöht. Hauptaufgabe des Insulins ist nun, den Zucker aus dem Blut in die Zellen zu transportieren, dabei hat es aber eine ganze Reihe an Nebeneffekten. Unter anderem senkt das Insulin die Lipolyse und steigert die Lipogenese, was wiederum eine vermehrte Leptin-Ausschüttung und ein verstärktes Sättigungsgefühl zur Folge hat.
Wenn man ständig Hunger hat
Ständig Hunger zu haben kann unterschiedliche Ursachen haben und muss nicht immer auf hohen Energiebedarf zurückgehen. Häufig spielen hormonelle Faktoren wie ein erhöhter Ghrelinspiegel oder eine gestörte Wirkung von Leptin eine Rolle. Stress, Schlafmangel und psychische Belastungen verstärken dieses Gefühl zusätzlich. Langfristig ständig Hunger zu haben, kann eine Stoffwechselstörung anzeigen oder auch Symptom von psychischen Leiden sein.
Heißhunger
Als Heißhunger bezeichnet man das plötzliche Verlangen nach sofortiger Nahrungsaufnahme, häufig auch gepaart mit bestimmten Gelüsten, etwa nach Süßem oder Salzigem. Das kann physiologische Ursachen haben und beispielsweise durch einen tatsächlich niedrigen Blutzuckerspiegel oder Salzverlust durch immenses Schwitzen. Essen bedient aber beispielsweise auch das Dopaminsystem, wodurch ein ersehnter „Belohnungseffekt“ beim Essen auftritt. So kann Heißhunger auch psychisch bedingt sein. Treten Heißhungerattacken pathologisch häufig und ohne erkennbare Ursache auf, sollten sie unbedingt ärztlich abgeklärt werden. So kann beispielsweise ein Insulinom – also ein Tumor, der pathologisch viel Insulin ausschüttet – zu plötzlichen Blutzuckerschwankungen und damit zu Heißhunger führen.
Fressflash
Der Konsum von Cannabis führt bekanntermaßen zu Heißhungerartigen Anfällen (allgemein als „Fressflashs“ bekannt) – wieso ist das eigentlich so? THC und CBD aktivieren beide (wobei ersteres deutlich intensiver wirkt) das körpereigene Endocannabinoid-System, was vor allem neuronale Effekte hat: verzögerte Reaktionen, geminderte Schmerzreize, etc. Die CB1-Rezeptoren kommen allerdings auch auf den Schleimhäuten von Magen und Darm vor. Eine Aktivierung hier führt zu einer gesteigerten Ghrelin-Ausschüttung, das wie oben beschrieben den Appetit steigert. Gleichzeitig steigert THC (ebenfalls im Hypothalamus) die Ausschüttung von Dopamin, indem es die hemmende GABA-Ausschüttung reduziert. Das verstärkte Dopamin erhöht den Belohnungsreiz beim Essen und verstärkt das Verlangen der Nahrungsaufnahme. Das wird sich auch in der medizinischen Anwendung von Cannabis zunutze gemacht.
Kein Appetit (Inappetenz)
Appetitlosigkeit ist in vielen Fällen ein Warnsignal des Körpers und kann ernste psychische und physische Ursachen haben. Wenn man keinen Appetit hat, kann dies beispielsweise durch eine Infektion, Parasitose, eine Lebererkrankung, Magenschleimhautentzündung (Gastritis) oder eine Urämie (Vergiftung durch harnpflichtige Substanzen) verursacht sein. Auch maligne Tumoren können eine Inappetenz zur Folge haben. Gleichzeitig sollte man aber auch immer die Substanzen, die verantwortlich sein können, in Betracht ziehen. Neben einigen Medikamenten kann hier beispielsweise Kokain eine Quelle des Symptoms sein. Generell sollte man bei anhaltendem Appetitverlust oder ungewollter Gewichtsabnahme immer ärztlichen Rat einholen.
Appetit steigern
Appetit lässt sich auf natürliche Weise steigern, indem man ansprechende Düfte, Geschmäcker und eine angenehme Essumgebung nutzt. Auch regelmäßige Bewegung kann den Stoffwechsel anregen und das Hungergefühl fördern. Bitterstoffe aus Lebensmitteln wie Rucola oder Artischocken regen die Verdauungssäfte an und können bei einigen Menschen ebenfalls den Appetit erhöhen. Unter ärztlicher Kontrolle kann auch eine Appetitsteigerung durch Medikamente oder medizinisch verschriebenes Cannabis sinnvoll sein, besonders beispielsweise bei Krebserkrankten.
- Behrends et al., Duale Reihe Physiologie,Thieme (Verlag), 4. Auflage, 2021
- Pape, Silbernagl et al., Physiologie, Thieme (Verlag), 10. Auflage, 2023
- Fettgewebe: Stoffwechsel, https://viamedici.thieme.de/... (Abrufdatum 10.09.2025)
- Gewebshormone, https://viamedici.thieme.de/... (Abrufdatum 10.09.2025)
- Triebverhalten und Emotionen: Hunger und Durst, https://viamedici.thieme.de/... (Abrufdatum 10.09.2025)




