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Medi-Karriere Medipedia Leptin

Leptin: Wirkung und Definition

Jennifer.Theissen
von Jennifer Theißen (Ärztin) Zuletzt aktualisiert: 21.10.2025
Leptin

Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Wirkung und Funktion
  3. Abbau

Das Hormon Leptin als ein wichtiges Steuerungselement der Nahrungsaufnahme befindet sich bereits seit vielen Jahren im Fokus der medizinischen Forschung. Dieser Artikel erläutert, wie sich der Leptin-Spiegel im Blut auf die Ernährung auswirkt, und geht dabei auf Besonderheiten im Rahmen von Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit) ein.

Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Wirkung und Funktion
  3. Abbau

Leptin – Definition

Leptin ist ein Hormon, das im Fettgewebe produziert wird. Im Rahmen einer Rückkopplung informiert es den Hypothalamus über den Füllungszustand der Fettdepots und somit über den aktuellen Zustand der Energiezufuhr.

Bei ausbleibender Nahrungsaufnahme sinkt der Leptin-Spiegel im Blut. Dies löst, im Zusammenspiel mit weiteren hormonellen Kreisläufen, einen Reiz zur zeitnahen Zufuhr von Essen aus und sichert somit die Energieversorgung des Körpers.

Leptin – Wirkung und Funktion

Die Ausschüttung von Leptin erfolgt im Rahmen der zunehmenden Füllung von Fettzellen mit Speicherfettsäuren. Es handelt sich also nicht um einen akuten Prozess, der unmittelbar auf eine Mahlzeit folgt, sondern vielmehr um eine kontinuierliche Hormonsynthese in Abhängigkeit von der Energieversorgung des Körpers. Bei anhaltend ausbleibendem Nachschub an Fettsäuren stagniert die Leptinsynthese und die Blut-Spiegel des Hormons sinken. Dies vermittelt dem Gehirn das Signal einer akuten Bedrohung der Energieversorgung.

Problematisch wird dieser Effekt bei der sogenannten Leptinresistenz, die vor allem bei übergewichtigen Menschen beobachtet werden kann. Bei dieser Erkrankung signalisiert das Fettgewebe durch die Leptinsynthese einen hinreichenden Füllungszustand, jedoch nehmen die Leptin-Rezeptoren im Hypothalamus des Gehirns dies nicht wahr. Die Folge ist ein anhaltendes Hungergefühl trotz Nahrungsaufnahme. Die Betroffenen essen immer weiter und nehmen an Gewicht zu. Auch bei angeborenem Leptinmangel tritt dieser Effekt auf.

Eine medikamentöse Therapie mit synthetisch hergestelltem Leptin kann bei absolutem Hormonmangel den Kreislauf durchbrechen, indem sie das Hungergefühl über das Signal der Leptinrezeptor-Bindung beendet. Bei Leptinresistenz ist sie jedoch nicht erfolgreich.

Leptin Grafik

Herz-Kreislauf-System

Im Herz-Kreislauf-System bewirkt Leptin eine Steigerung von Puls und Blutdruck und somit eine Verbesserung der Leitungsfähigkeit. Es hilft dabei, die Energiezufuhr auf das erforderliche Maß zu begrenzen, und beugt somit einer übermäßigen Zucker- und Fettaufnahme vor.

Darüber hinaus besitzt das Hormon indirekte Effekte auf Herz und Blutgefäße. Durch die Förderung der Schilddrüsenhormone sowie der Geschlechtshormone kommt es zu einer Verbesserung der Durchblutung des Körpers. Außerdem haben vor allem Hormone wie Östrogen und Testosteron in regelrechter Höhe eine schützende Wirkung auf das Blutgefäßsystem und reduzieren das Risiko, Gefäßverkalkungen zu entwickeln.

Zentrales Nervensystem

Leptin gelangt über die Blut-Hirn-Schranke in den Hypothalamus, einen Teil des Zwischenhirns (Diencephalon). Dort bindet das Hormon an seine Rezeptoren, was die Unterdrückung des Hungergefühls und der damit verbundenen Hormonkreisläufe auslöst. Zudem wirkt sich das Hormon auf das Belohnungssystem des Gehirns aus. Es senkt die Aktivität im Dopamin-System, das unter anderem die Nahrungsaufnahme mit einem Belohnungsempfinden verbindet. Während hohe Leptin-Spiegel im gesunden Körper somit einer übermäßigen Nahrungsaufnahme vorbeugen, können eine Leptinresistenz oder ein Leptinmangel ein suchtartiges Verlangen nach Nahrungsmitteln zur Folge haben.

Glatte Muskulatur

Leptin scheint die Anspannung der glatten Muskulatur in den Blutgefäßwänden zu fördern, was die blutdrucksteigernde Wirkung des Hormons erklärt. Im Zusammenspiel mit einer entzündungsfördernden Komponente können erhöhte Leptin-Spiegel über längere Zeit somit das Risiko für die Entwicklung einer Arteriosklerose begünstigen.

Schlaf und Leptin

Die Blut-Spiegel von Leptin und anderen Hormonen werden unter anhaltendem Schlafdefizit gestört. Im Falle des Leptins kommt es zu einer Verringerung der Hormonproduktion, was das Sättigungsgefühl reduziert. In der Folge können länger anhaltende Schlafstörungen, beispielsweise bei Schichtdiensten, psychischen Erkrankungen oder Alltagsbelastungen die Entstehung von Übergewicht und Folgekrankheiten wie Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) fördern.

Mobilisierung von Energiereserven

Hohe Leptin-Spiegel gehen im gesunden Organismus mit einer guten Energieversorgung einher und begünstigen daher den Energieumsatz. Leptin fördert die Insulinempfindlichkeit der Gewebe und ermöglicht dem Körper eine gute Verwertung der zur Verfügung gestellten Energie. Bei dauerhaftem Überschuss kann dieses System jedoch entgleiten. Es kommt zur Leptinresistenz, bei der trotz guter Versorgung mit Nahrungsmitteln ein empfundener Hungerzustand des Körpers vorliegt und der Energieumsatz gedrosselt wird. Die Folge einer fortgesetzten unveränderten Nahrungszufuhr ist dann die Entstehung von Übergewicht.

Sonstige Effekte

Leptin fördert die Synthese weiterer Hormone im Hypothalamus und der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse). Zu diesen zählen TRH, das die Produktion der Schilddrüsenhormone anregt, und GnRH, welches für das Wachstum der Keimdrüsen die Bildung von Geschlechtshormonen benötigt wird. Somit bewirkt Leptin, dass nur im Falle einer hinreichenden Energieversorgung der Stoffwechsel sowie die Fortpflanzung in regulären Bahnen ablaufen, während ein Leptinmangel einen „Energiesparmodus“ fördert.

Leptin – Abbau

Der Abbau von Leptin erfolgt vor allem in den Zielzellen. Diese nehmen das Hormon nach Bindung an den Rezeptor auf und übermitteln es den zersetzenden Lysosomen. Auch in der Leber und Niere finden enzymatische Spaltungsprozesse statt, die dazu beitragen, den Leptin-Spiegel an die aktuelle Energieversorgung anzupassen.

Häufige Fragen

  1. Was ist die Wirkung von Leptin?
  2. Leptin übermittelt dem Hypothalamus die Information, dass die Fettspeicher im Körper gut gefüllt sind und eine adäquate Energieversorgung gewährleistet ist. Dies führt zu einer Reduktion des Hungergefühls bei gleichzeitigem Eintreten der Sättigung. Zudem werden die Stoffwechselprozesse im Körper angeregt.

  3. Was erhöht den Leptin-Spiegel?
  4. Der Leptin-Spiegel steigt an, wenn die Fettzellen hinreichend mit Fettsäuren beliefert werden und so das Depot an körpereigenen Vorräten weiter ausgebaut werden kann. Sobald der Nachschub an Energieträgern ausbleibt, fallen die Blut-Spiegel des Hormons wieder ab und signalisieren dem Körper eine mögliche Gefährdung durch Unterversorgung.

  5. Was passiert, wenn der Körper zu viel Leptin hat?
  6. Ein primärer Leptinüberschuss als eigenständige Erkrankung ist bisher in der medizinischen Forschung nicht beschrieben. Zu hohe Mengen an Leptin im Blut sind meist die Folge anderer Krankheitsbilder, zum Beispiel der Adipositas. Diese wiederum führen dann zu Krankheitssymptomen wie beispielsweise chronischen Entzündungsprozessen, Bluthochdruck, Zuckerkrankheit und Verschlüssen der arteriellen Blutgefäße.

  7. Wann wird Leptin ausgeschüttet?
  8. Leptin wird nicht unmittelbar in Abhängigkeit von äußeren Umständen gebildet und freigesetzt, sondern kontinuierlich vom Fettgewebe synthetisiert. Bei chronisch erhöhten Leptin-Spiegeln kann ein dauerhafter Hungerzustand bereits durch leicht absinkende Hormonwerte einsetzen. Um das Gewicht erfolgreich reduzieren zu können, muss das Sättigungsgefühl in diesen Fällen über schneller reagierende Hormonkreisläufe, zum Beispiel über das Zusammenspiel von Insulin und Glukose, reguliert werden. 

Autor
Jennifer.Theissen

Jennifer Theißen

Ärztin

Als Fachärztin für Innere Medizin hat sich Jennifer Theißen neben ihrer Tätigkeit in Krankenhaus und Hausarztpraxis als medizinische Autorin selbstständig gemacht und verfasst Artikel sowohl für Websites als auch für Printmedien. Dabei arbeitet sie ihr Fachwissen für Kollegen anderer Fachbereiche, Pflegepersonal und medizinische Laien auf, um die allgemeine Gesundheitskompetenz zu stärken. Zudem übt sie eine Online-Lehrtätigkeit im Bereich "Medizinische Grundlagen" an einer führenden Hochschule für Gesundheitswirtschaft aus und hilft somit künftigen Generationen von Pflegenden, komplexe medizinische Themen besser zu erfassen und dieses Wissen im Beruf anzuwenden.

Quellen
  1. Blüher, M. Pathophysiologie der Adipositas. In: Die Diabetologie (Springer Medizin, Ausgabe 8/2024, S. 312-319)
  2. Linsmayer, D., Eckert, G. P., Reiff, J., Braus, D. F. Ernährung, Stoffwechsel, Gehirn und mentale Gesundheit. In: Der Nervenarzt (Springer Medizin, Ausgabe 7/2024, S. 667-680)
  3. Fenselau, M. M., Rolle des Hypothalamus bei der Steuerung des Essverhaltens. In: Gynäkologische Endokrinologie (Springer Medizin, Ausgabe 4/2024)
  4. Roser, P. Pharmakotherapie der Adipositas. In: Die Diabetologie (Springer Medizin, Ausgabe 3/2024)
  5. Roth, C. Zentrale Regulation des Körpergewichtes. In: Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie (Springer, 2018)
  6. Wabitsch, P. D. Adipositas bei Kindern: Die Rolle des Leptin, In: UGBforum (Ausgabe 6/2022, S. 269-271)
Medizinische und Rechtliche Hinweise
Dieser Artikel ist nur als Hintergrundinformation bestimmt. Der Inhalt kann und darf nicht verwendet werden, um selbst Diagnosen zu stellen sowie Behandlungen anzufangen oder abzusetzen. Die Informationen können keinen Arztbesuch ersetzen. Bei medizinischen Anliegen und zur Klärung weiterer Fragen ist daher stets einen Arzt aufzusuchen.

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