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Die Physiotherapie ist ein vielseitiges und dynamisches Berufsfeld, das sich ständig weiterentwickelt. Um Menschen mit Beschwerden oder Erkrankungen bestmöglich zu unterstützen und aktuelle Behandlungsmethoden anwenden zu können, sind Zusatzweiterbildungen in der Physiotherapie ein zentraler Bestandteil der beruflichen Entwicklung. Sie ermöglichen es therapeutischen Fachkräften, sich auf bestimmte Fachgebiete zu spezialisieren – etwa in der Neurologie, Orthopädie oder Rehabilitation – und ihr Wissen gezielt zu vertiefen.
Gleichzeitig erweitern Zusatzqualifikationen nicht nur das therapeutische Spektrum, sondern verbessern auch Karrierechancen und Abrechnungsmöglichkeiten mit Krankenkassen. Der folgende Artikel gibt einen Überblick über die wichtigsten Weiterbildungen und ihre Bedeutung für die moderne Physiotherapie.
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Zusatzqualifikationen Physiotherapie – Definition
Zusatzqualifikationen in der Physiotherapie bezeichnen spezialisierte Weiterbildungen, mit denen therapeutische Fachkräfte ihr fachliches Wissen und ihre praktischen Fähigkeiten über die physiotherapeutische Grundausbildung hinaus vertiefen. Sie ermöglichen eine gezielte Behandlung bestimmter Patientengruppen oder Krankheitsbilder, etwa in der Neurologie, Orthopädie oder Pädiatrie.
Zu den bekannten Zusatzqualifikationen zählen beispielsweise Manuelle Therapie, Lymphdrainage, Bobath-Konzept, Krankengymnastik am Gerät oder Atemtherapie. Diese Fortbildungen erweitern nicht nur das therapeutische Spektrum, sondern steigern auch die beruflichen Perspektiven und Verdienstmöglichkeiten in der Physiotherapie.
Abrechnung mit der Krankenkasse
Wie eine Leistung, die auf Zusatzqualifikationen in der Physiotherapie beruht, sich mit der Krankenkasse abrechnen lässt, kommt auf die Art der Qualifikation an. Zu den abrechnungsfähigen Zusatzleistungen gehören etwa Manuelle Therapie, Lymphdrainage oder Krankengymnastik am Gerät. Dabei muss die Qualifikation auf einer durch die Krankenkasse zertifizierten Weiterbildung basieren.
So läuft die Abrechnung in der Physiotherapie
Die Abrechnung in der Physiotherapie erfolgt in der Regel über eine ärztliche Heilverordnung (Rezept). Hierdurch wird eine bestimmte Anzahl an Behandlungen ärztlich beantragt. Physiotherapiepraxen rechnen diese Leistungen anschließend direkt mit der Krankenkasse des Patienten ab. Grundlage dafür sind feste Vergütungssätze, die zwischen Kassen und Berufsverbänden vereinbart werden. Versicherte leisten meist eine gesetzliche Zuzahlung (zehn Prozent der Kosten plus 10 Euro Rezeptgebühr), sofern sie nicht befreit sind. Bei privat Versicherten erfolgt die Abrechnung nach der Gebührenübersicht für Therapeuten (GebüTh).
Entscheidend ist aber, ob die Anwendungen in den Heilmittelkatalog aufgenommen werden oder nicht. Andere Zusatzqualifikationen, z. B. in Prävention, Wellness oder alternativen Verfahren (z. B. Kinesio-Taping, Osteopathie ohne Kassenzulassung), sind nicht kassenfähig. Sie können privat gezahlt werden – von gesetzlich oder privat Versicherten.
Zusatzqualifikationen Physiotherapie – Die beliebtesten Möglichkeiten
Die Zusatzqualifikationen in der Physiotherapie sind vielfältig und können viele unterschiedliche Wege einschlagen. In groben Bereichen betrachtet kann man dabei zwischen Massagetechniken, Physiotherapie, Osteopathie und Naturheilverfahren unterscheiden. Die beliebtesten Zusatzqualifikationen werden im Folgenden näher betrachtet:
Manuelle Therapie (MT)
Die Manuelle Therapie ist eine der geschützten Behandlungsformen, die durch Heilmittelverordnung verordnet werden können. Diese Zusatzqualifikation setzt eine physiotherapeutische Weiterbildung über mindestens 260 Fortbildungsstunden in einer anerkannten Fortbildungsstätte voraus. Es handelt sich hierbei um eine bestimmte Variante der Griff- und Massagetechniken, die eng mit der Chirotherapie vergesellschaftet ist.
Entsprechend ist auch eine leicht abweichende Form der Manuellen Therapie, die orthopädische Manuelle Physiotherapie, als Zusatzqualifikation erlernbar. Sie konzentriert sich auf neuromuskuläre Beschwerden und wird nur in vier zertifizierten Schulen in Deutschland angeboten. Die international standardisierte Weiterbildung dauert mindestens 600, meist jedoch über 1.000 Stunden. Darüber hinaus bietet die TH Osnabrück einen Studiengang in diesem Bereich an, der mit dem Master of Science abgeschlossen werden kann.
Manuelle Lymphdrainage (ML)
Die Zusatzqualifikation Manuelle Lymphdrainage befähigt Physiotherapeuten, Betroffene von Lymphödemen (Ansammlung von Flüssigkeit im Gewebe, wenn der Abfluss über die Lymphbahnen nicht „hinterherkommt“) oder Schwellungen nach Operationen, Verletzungen oder Krebserkrankungen gezielt zu behandeln. Dabei wird durch spezielle, rhythmisch-kreisende Handgriffe der Abfluss von Lymphflüssigkeit gefördert und das Gewebe entstaut.
Die Weiterbildung umfasst in der Regel 170 bis 180 Unterrichtsstunden und schließt mit einer staatlich anerkannten Prüfung ab. Nach erfolgreichem Abschluss dürfen physiotherapeutische Fachkräfte die Leistung über eine ärztliche Verordnung gemäß Heilmittelkatalog abrechnen – sie ist somit kassenfähig, wenn die Qualifikation von einer anerkannten Schule oder zertifizierten Einrichtung erworben wurde.
Physiotherapeut/in Stellenangebote
Krankengymnastik nach Bobath
Bei der Krankengymnastik nach Bobath geht es um die Wiederherstellung oder Verbesserung der Selbstständigkeit bei Erkrankungen des neurologischen Systems. Die Fachkräfte, die über Zusatzqualifikationen verfügen, können bei Verordnung des Heilmittels „KG-ZNS“ die Leistung mit der zuständigen Krankenkasse abrechnen. Die Grundkenntnisse der Bobath-Therapie werden dabei schon in der Physiotherapie Ausbildung vermittelt, die Fortbildung vermittelt jedoch umfassende Kenntnisse.
Ziele der Therapie können beispielsweise sein, die Straße wieder sicher zu überqueren. Um zur Weiterbildung zugelassen zu werden, müssen therapeutische Fachkräfte neben dem staatlichen Abschluss auch zwei Jahre Berufserfahrung und davon mindestens zwölf Monate Arbeit mit Kindern und Jugendlichen Vorweisen. Der Lehrgang umfasst mindestens 400 Unterrichtseinheiten, die sich über maximal 30 Monate strecken dürfen.
Krankengymnastik nach Vojta
Die Vojta-Therapie ist ein neurophysiologisches Behandlungskonzept, das bei Störungen des zentralen Nervensystems eingesetzt wird. Ziel ist es, durch gezielte Reizsetzungen bestimmte Bewegungsmuster im Gehirn zu aktivieren und so die Motorik und Haltungskontrolle zu verbessern. Die Methode wird vor allem bei Säuglingen, Kindern und neurologisch erkrankten Erwachsenen angewendet. Physiotherapeuten können die Leistung über das Heilmittel „KG-ZNS“ abrechnen, sofern sie eine anerkannte Zusatzqualifikation in Vojta-Therapie besitzen.
Die Weiterbildung richtet sich an staatlich geprüfte Therapeuten mit mindestens zwei Jahren Berufserfahrung und umfasst etwa 400 Unterrichtsstunden, die in theoretische und praktische Module gegliedert sind.
Gerätegestützte Krankengymnastik (KGG)
Ein weiterer Lehrgang auf der Liste der krankengymnastischen Zusatzqualifikationen in der Physiotherapie ist die Krankengymnastik am Gerät (KGG), bei der – wie der Name sagt – medizinische Geräte und Zuggurte die aktiven, angeleiteten Übungen unterstützen. Ziel des Ansatzes können die Verbesserung der Haltung, Kraft, Schnelligkeit und Stabilität von Menschen mit chronisch degenerativen Erkrankungen, nach Traumata oder Operationen sein.
Die Weiterbildung umfasst in der Regel 40 bis 60 Unterrichtsstunden und dauert je nach Anbieter mehrere Wochen bis Monate. Die Kosten liegen meist zwischen 400 und 700 Euro. Nach erfolgreichem Abschluss der theoretischen und praktischen Prüfung erhalten die Teilnehmenden ein Zertifikat, das sie zur Abrechnung von KGG-Leistungen mit den gesetzlichen Krankenkassen berechtigt, sofern der Kurs von einer anerkannten Bildungseinrichtung durchgeführt wurde.
PNF-Therapie
PNF steht für Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation. Sie soll die Propriozeption (also das Gefühl für die Stellung und Bewegung der Gelenke) verbessern. Es handelt sich um ein Bahnungskonzept, also um die Gewöhnung des Körpers an Bewegungen und Abläufe, über die man normalerweise nicht nachdenken würde, wie beispielsweise das Aufstehen aus dem Liegen.
Die Weiterbildung richtet sich an staatlich anerkannte Therapeuten mit abgeschlossener Ausbildung und umfasst in der Regel 120 bis 180 Unterrichtsstunden, aufgeteilt in mehrere Module. Nach bestandener Prüfung erhalten Teilnehmende ein Zertifikat, das sie zur Abrechnung der Leistung „KG-ZNS“ mit den gesetzlichen Krankenkassen berechtigt. Die Kosten liegen meist zwischen 1.200 und 1.800 Euro, abhängig vom Anbieter.
Fortbildungen für Physiotherapeuten
In der Physiotherapie verpflichten sich Fachkräfte dazu, ständig auf dem neusten Stand in ihrem Fachgebiet zu bleiben, ihre Skills zu erhalten und neue Fähigkeiten zu erlernen. Zusatzqualifikationen in der Physiotherapie können gleichzeitig helfen, diese Standards zu erfüllen und neue Wissensbereiche zu ergründen, denn auch für die Teilnahme an Weiterbildungen oder sogar berufsbegleitenden Studiengängen können Fachkräfte Fortbildungspunkte sammeln. Zusatzqualifikationen und Fortbildungen können in verschiedenen Weisen ablaufen:
- Workshops
- Seminare
- Kurse
- Vorträge
- Fachkongresse
- Studiengänge
Stellenanzeigen in der Therapie
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