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Internationale Pflegekräfte sind für Krankenhäuser, Pflegeheime und ambulante Dienste unverzichtbar geworden. Doch eine erfolgreiche Anwerbung garantiert noch keine langfristige Bindung. Entscheidend ist, wie Arbeitgeber die Beschäftigten nach ihrer Einreise, während der Anerkennung und im weiteren Berufsleben unterstützen. Aber auch Kolleginnen und Kollegen können internationalen Pflegekräften helfen, in Deutschland richtig anzukommen und ihnen damit Sicherheit und Halt geben.
Aktuelle Befragungen zeigen: Internationale Pflegekräfte erwarten mehr als ein höheres Gehalt. Sie wünschen sich fachliche Anerkennung, verlässliche Arbeitsbedingungen, berufliche Perspektiven und soziale Zugehörigkeit. Integration sollte man deshalb als langfristigen Prozess verstehen, der weit über ein Willkommenspaket hinausgeht.
In diesem Beitrag bezeichnet „internationale Pflegekräfte“ Personen, die ihre Pflegequalifikation im Ausland erworben haben oder für eine Pflegetätigkeit nach Deutschland zugewandert sind. Statistische Angaben der Bundesagentur für Arbeit beziehen sich dagegen auf die Staatsangehörigkeit und bilden diese Gruppe daher nur näherungsweise ab.
Dieser Artikel beschreibt weiterhin, was sich internationale Pflegekräfte wirklich von einem Arbeitsumfeld wünschen und was Du konkret tun kannst, um sie zu unterstützen.
Das Wichtigste in Kürze
- Internationale Pflegekräfte erwarten faire und transparente Arbeitsbedingungen.
- Ihre beruflichen Erfahrungen und Qualifikationen sollten berücksichtigt werden.
- Sprachförderung und Anerkennungsmaßnahmen benötigen verbindliche Lernzeiten.
- Entwicklungsmöglichkeiten stärken die langfristige Mitarbeiterbindung.
- Unterstützung bei Wohnung, Behörden und Familiennachzug erleichtert das Ankommen.
- Führungskräfte müssen Diskriminierung und Ausgrenzung nach §§ 12 und 13 AGG konsequent verhindern.
- Stand: 07.08.2026
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Internationale Pflegekräfte gewinnen an Bedeutung
Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit haben rund 353.000 Beschäftigte in Pflegeberufen eine ausländische Staatsangehörigkeit. Das entspricht etwa einem Fünftel aller Pflegebeschäftigten. Zehn Jahre zuvor lag der Anteil noch bei rund sieben Prozent.
In der ambulanten Pflege und stationären Pflege liegt der Anteil internationaler Pflegekräfte bei vier Prozent, in Krankenhäusern und Kliniken sind es 17 Prozent.
Auch Krankenhäuser könnten ihre Personalbedarfe vielerorts ohne zugewanderte Pflegekräfte kaum noch decken. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung kommt zu dem Ergebnis, dass der Fachkräftemangel in der Pflege ohne internationale Beschäftigte deutlich größer wäre. Denn: das Beschäftigungswachstum in der Pflege wird seit 2022 ausschließlich von Beschäftigten mit ausländischer Staatsangehörigkeit getragen. Entscheidend ist aber vor allem, ob die angeworbenen Pflegekräfte auch im Unternehmen bleiben möchten.
Faire Bedingungen und fachliche Anerkennung
Das Integrationsbarometer 2026 hat internationale Pflegekräfte befragt und zeigt eine deutliche Diskrepanz. Nach ihrer beruflichen Anerkennung berichten viele Befragte von einem höheren Gehalt. Eine vergleichbar deutliche Verbesserung der Wertschätzung im Arbeitsalltag erleben jedoch deutlich weniger. Die Untersuchung umfasste Pflegekräfte aus den Philippinen, Usbekistan und Kolumbien. Ihre Ergebnisse lassen sich nicht uneingeschränkt auf alle internationalen Beschäftigten übertragen. Sie verdeutlichen jedoch, dass Anerkennung und Vergütung allein nicht ausreichen, damit sie sich in ihrem Job und auch in Deutschland wirklich wohlfühlen.
Wertschätzung zeigt sich unter anderem bei der Dienstplanung, der Aufgabenverteilung und der Kommunikation im Team. Bereits vor der Einreise müssen Arbeitgeber transparent über Arbeitsort, Aufgaben, Vergütung und Anerkennungsverfahren informieren. Das RAL-Gütezeichen „Faire Anwerbung Pflege Deutschland“ sieht außerdem das Employer-Pays-Prinzip vor. Danach trägt der Arbeitgeber die Kosten der Anwerbung. Sie dürfen nicht auf die Pflegefachkräfte übertragen werden.
Pflegefachkraft Stellenangebote
Viele internationale Pflegekräfte verfügen über mehrjährige Berufserfahrung oder einen akademischen Abschluss. Trotzdem werden sie während des Anerkennungsverfahrens häufig unterhalb ihres bisherigen Kompetenzniveaus eingesetzt. Manche Pflegekräfte erleben, dass ihre vorhandenen Fähigkeiten zunächst kaum berücksichtigt werden.
Eine pauschale Behandlung internationaler Pflegekräfte als unerfahrene Berufsanfänger ist also problematisch. Zwar unterscheiden sich Ausbildungssysteme, Zuständigkeiten und Arbeitsabläufe zwischen den Herkunftsländern. Vorhandenes Wissen sollte deshalb aber nicht grundsätzlich infrage gestellt werden. Stattdessen sollte man sich über die jeweiligen Stärken und Schwächen der internationalen Beschäftigten informieren.
Sprachförderung und Perspektiven
Auch Sprache gehört zu den ständigen Herausforderungen eines Lebens als Pflegefachkraft in einem fremden Land. Ein bestandenes Sprachzertifikat bedeutet auch nicht automatisch, dass Pflegekräfte alle beruflichen Situationen sicher bewältigen können. Übergaben, Pflegedokumentation, medizinische Fachbegriffe und Gespräche mit Patienten stellen hohe sprachliche Anforderungen.
Untersuchungen zur betrieblichen Integration weisen darauf hin, dass das formal erforderliche Sprachniveau für den Berufsalltag häufig nicht genügt. Für die Berufszulassung wird in der Regel das Niveau B2 verlangt. Die konkrete Prüfung hängt aber vom Bundesland und der dort zuständigen Stelle ab. Gleichzeitig müssen internationale Pflegekräfte Sprachkurse, Schichtdienst und Anerkennungsmaßnahmen miteinander vereinbaren. Es bleibt also wenig Zeit, um die berufsbezogende Deutschkenntnisse abseits der Arbeit zu verbessern.
Es wird empfohlen, dass Arbeitgeber fachsprachliche Kurse deshalb während bezahlter oder verbindlich freigestellter Lernzeiten ermöglichen. Hilfreich sind außerdem Sprachpatenschaften, zusätzliche Übungen für Übergaben und leicht verständliche Dokumentationshilfen.
Auch das Anerkennungsverfahren benötigt Unterstützung. Internationale Pflegekräfte müssen häufig Unterlagen übersetzen, Nachweise aus dem Herkunftsland beschaffen und Ausgleichsmaßnahmen absolvieren. Das Bundesgesundheitsministerium bezeichnet besonders die Gleichwertigkeitsprüfung von Drittstaatenabschlüssen als komplex und aufwendig.
Ein fester Ansprechpartner kann den gesamten Prozess koordinieren. Er unterstützt bei Fristen, Dokumenten und der Kommunikation mit Behörden. Dadurch sinkt das Risiko, dass sich die Anerkennung durch vermeidbare Fehler verzögert. Auch Du als Kollege oder Kollegin kannst Dich einsetzen und aktiv Deine Hilfe anbieten.
Wichtig ist auch der folgende Aspekt: Internationale Pflegekräfte kommen nicht nur nach Deutschland, um kurzfristig eine freie Stelle zu besetzen. Viele möchten sich beruflich weiterentwickeln und langfristig Verantwortung übernehmen.
86 Prozent der Teilnehmenden der zuvor erwähnten Befragung würden demnach Deutschland erneut als Arbeitsland wählen. Dauerhaft bleiben möchten jedoch nur 28 Prozent. Dies weist darauf hin, dass die Bindung nach der Anerkennung nicht automatisch gesichert ist.
Wenn keine Entwicklungsperspektiven bestehen, steigt die Gefahr eines Arbeitgeberwechsels oder einer späteren Rückkehr ins Herkunftsland. Arbeitgeber sollten deshalb frühzeitig über mögliche Karrierewege in der Pflege sprechen.
Dazu gehören etwa Fachweiterbildungen, Praxisanleitung, Wundmanagement, Qualitätsmanagement oder spätere Leitungsfunktionen. Sinnvoll ist ein strukturiertes Entwicklungsgespräch einige Monate nach der Anerkennung. Dabei können Arbeitgeber und Pflegekraft konkrete Ziele und Qualifizierungsschritte vereinbaren.
| Handlungsfeld | Verantwortung | Konkrete Maßnahme |
|---|---|---|
| Anerkennung | Personalabteilung | Fristen, Unterlagen und Behördenkontakte koordinieren |
| Fachliche Einarbeitung | Pflegedienst- und Stationsleitung | Kompetenzprofil und individueller Einarbeitungsplan |
| Sprache | Arbeitgeber und Praxisanleitung | Fachsprachtraining in planbaren Lernzeiten |
| Team | Führungskraft | Team vor Ankunft informieren und Buddy benennen |
| Diskriminierung | Arbeitgeber | AGG-Beschwerdestelle und Eskalationsweg kommunizieren |
| Soziales Ankommen | Integrationsmanagement | Unterstützung bei Wohnung, Mobilität und Familie |
| Entwicklung | Führungskraft und Personalentwicklung | Karrieregespräch nach Anerkennung |
Internationale Pflegekräfte wollen sozial ankommen
Berufliche und soziale Integration lassen sich nicht vollständig voneinander trennen. Wer keine Wohnung findet, Behördenbriefe nicht versteht oder seine Familie nicht nachholen kann, wird sich auch am Arbeitsplatz nur schwer dauerhaft einleben.
Auch das Deutsche Kompetenzzentrum für internationale Fachkräfte stimmt dem zu. Es nennt unter anderem Relocation Management, Mentoring, gesellschaftliche Teilhabe und Familiennachzug als wichtige Handlungsfelder.
Arbeitgeber und Kollegen können bei der Wohnungssuche, der Anmeldung, Behördenterminen oder der Eröffnung eines Bankkontos unterstützen. In ländlichen Regionen spielen zudem Mobilität und der Erwerb eines Führerscheins eine wichtige Rolle. Beschäftigte mit Kindern benötigen Informationen zu Schulen und Betreuungsangeboten.
Wichtig ist aber: Die Unterstützung sollte freiwillig und individuell erfolgen. Internationale Pflegekräfte bilden keine einheitliche Gruppe. Einige benötigen umfassende Hilfe, andere möchten viele Angelegenheiten selbstständig regeln.
Diskriminierungsfreie Teams
Auch unangenehme Themen müssen in diesem Zusammenhang angesprochen werden. Denn: Ein Willkommenspaket ersetzt keine gute Teamkultur. Internationale Pflegekräfte berichten teilweise von Ausgrenzung, Benachteiligung oder einer mangelnden Anerkennung ihrer Qualifikationen. Auch rassistische Äußerungen durch Kollegen, Patienten oder Angehörige können den Arbeitsalltag belasten.
Arbeitgeber müssen deshalb nicht nur die neuen Beschäftigten vorbereiten. Auch bestehende Teams benötigen Informationen und Unterstützung. Hilfreich sind interkulturelle Schulungen, klare Zuständigkeiten und ausreichend Zeit für die Einarbeitung.
Führungskräfte sollten bei diskriminierendem Verhalten unmittelbar reagieren. Zusätzlich braucht es vertrauliche Beschwerdewege und bekannte Ansprechpartner. Betroffene Beschäftigte dürfen nicht allein dafür verantwortlich sein, wiederkehrende Konflikte zu lösen.
Internationale Pflegekräfte langfristig binden
Ein nachhaltiges Integrationskonzept beginnt bereits vor der Einreise und reicht weit über die Anerkennung hinaus. Es sollte daher frühzeitig Informationen und feste Ansprechpartner für die internationalen Fachkräfte geben. Anschließend sollte man die Einarbeitung individuell gestalten.
Sprachkurse und Anerkennungsmaßnahmen müssen planbar sein. Gleichzeitig benötigen internationale Pflegekräfte Entwicklungsperspektiven und Unterstützung beim sozialen Ankommen. Entscheidend bleibt eine Unternehmenskultur, in der vorhandene Qualifikationen anerkannt und Diskriminierungen nicht toleriert werden.
Integration ist damit keine einmalige Aufgabe. Sie gehört dauerhaft in die Personalentwicklung, die Führungskultur und die strategische Personalplanung.
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Weitere Fragen zu internationalen Pflegekräften
- Was ist internationalen Pflegekräften besonders wichtig?
- Wann ist die Integration internationaler Pflegekräfte abgeschlossen?
- Wie können Arbeitgeber internationale Pflegekräfte sprachlich unterstützen?
- Reicht ein höheres Gehalt aus, um internationale Pflegekräfte zu halten?
Internationale Pflegekräfte wünschen sich faire Arbeitsbedingungen, persönliche Wertschätzung und fachliche Anerkennung. Wichtig sind außerdem Sprachförderung, verlässliche Ansprechpartner, Entwicklungsmöglichkeiten und Unterstützung beim sozialen Ankommen.
Die Integration internationaler Pflegekräfte ist nicht automatisch mit der beruflichen Anerkennung abgeschlossen. Besonders danach werden Zugehörigkeit, Karriereperspektiven und die Einbindung in das Team wichtiger.
Arbeitgeber können internationale Pflegekräfte durch Fachsprachkurse, geschützte Lernzeiten und Sprachpatenschaften unterstützen. Übungen zu Übergaben, Dokumentation und Patientengesprächen sollten sich an realen Arbeitssituationen orientieren.
Ein höheres Gehalt allein reicht meist nicht aus. Internationale Pflegekräfte achten auch auf Dienstplanung, Arbeitsbelastung, Wertschätzung, Entwicklungsmöglichkeiten und soziale Integration. Langfristige Bindung entsteht durch das Zusammenspiel dieser Faktoren.
- Carstensen, J., Seibert, H. und Wiethölter, D. (2024): Internationalisierung der Pflege: Pflegekräfte mit ausländischer Staatsangehörigkeit und ihr Beitrag zur Fachkräftesicherung. IAB-Forschungsbericht 22/2024.
- Evans-Borchers, M., Wielga, J., Enste, P. und Bräutigam, C. (2024): Pflegekräfte aus Drittstaaten: Betriebliche Integration und Arbeitsbedingungen im Fokus. Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn.
- Deutsches Kompetenzzentrum für internationale Fachkräfte in den Gesundheits- und Pflegeberufen (o. J.): Werkzeugkoffer Willkommenskultur und Integration, https://dkf-kda.de/... (letzter Zugriff: 24.07.2026)
- Die Kompetenz ist da, Integrationsbarometer 2026, Hg. Globogate, https://integrationsbarometer.globogate.de/... (letzter Zugriff: 07.08.2026)








