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Medi-Karriere Medipedia Schambein

Schambein: Aufbau und Funktion

Jennifer.Theissen
von Jennifer Theißen (Ärztin) Zuletzt aktualisiert: 02.11.2026
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Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Anatomie & Aufbau
  3. Aufgaben & Funktion
  4. Erkrankungen & Beschwerden

Das Schambein ist einer der drei knöchernen Anteile des Hüftbeins und an der Bildung der Hüftgelenkspfanne beteiligt. Sein Aufbau, seine Lage und daraus resultierende klinische Beschwerdebilder werden im folgenden Artikel besprochen.

Das Wichtigste zum Schambein in Kürze

  • Lage: Das Schambein (Os pubis) bildet den vorderen unteren Anteil des Hüftbeins.
  • Aufbau: Es besteht aus einem Schambeinkörper sowie einem oberen und einem unteren Schambeinast.
  • Funktion: Das Schambein stabilisiert den Beckenring und ist an der Bildung der Hüftgelenkspfanne beteiligt.
  • Symphyse: Die Schambeinfuge verbindet die beiden Schambeine und ermöglicht eine geringe Beweglichkeit.
  • Beschwerden: Schambeinschmerzen können beispielsweise durch Überlastung, Verletzungen oder schwangerschaftsbedingte Veränderungen entstehen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Anatomie & Aufbau
  3. Aufgaben & Funktion
  4. Erkrankungen & Beschwerden

Schambein – Definition

Os pubis, das Schambein, bildet den vorderen unteren Teil der drei ursprünglich getrennt angelegten Knochenanteile, aus denen das Hüftbein besteht. Die Schambeinknochen beider Seiten sind an der Schambeinfuge, der Symphyse (Symphysis pubica), miteinander verbunden und schließen so den Beckenring nach vorne hin ab. Gleichzeitig bildet das Schambein den vorderen Anteil der Hüftgelenkspfanne (Acetabulum).

Schambein – Anatomie und Aufbau

Das Schambein besteht aus dem Schambeinkörper (Corpus ossis pubis) sowie einem oberen und einem unteren Schambeinast. Der obere Ast (Ramus superior ossis pubis) geht in das Darmbein über, der untere Ast (Ramus inferior ossis pubis) ist mit dem Sitzbein verbunden.

Es begrenzt nach vorne hin das Foramen obturatum, eine große Öffnung des knöchernen Beckens. Über die Facies symphysialis ist es dem gegenüberliegenden Schambein zugewandt. Die Symphyse selbst besteht aus den beiden mit hyalinem Knorpel überzogenen Gelenkflächen der Schambeine und einer dazwischenliegenden Faserknorpelscheibe, dem Discus interpubicus (Fibrocartilago interpubica).

Ligamentum pubicum superius und inferius begrenzen als stabilisierende Bänder die Symphyse nach oben und unten. Die Symphyse erfährt und verteilt dabei je nach Körperposition Zug- oder Druckbelastung und stabilisiert somit die vorderen Beckenanteile. Dabei gibt es Unterschiede in Gestalt und Lage des männlichen und weiblichen Schambeinknochens.

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Am Schambein setzen sowohl die Bauchmuskeln, insbesondere der gerade Bauchmuskel (Musculus rectus abdominis), als auch die Adduktorenmuskeln an (vor allem Musculus adductur longus). Dies spielt eine Rolle bei der Entstehung von Schmerzen am Schambein.

Romberg-Kniephänomen und Knieschmerzen

Durch den Canalis obturatorius, einen Kanal am oberen Rand des Foramen obturatum, verlaufen die Arteria obturatoria, die Vena obturatoria und der Nervus obturatorius.

Letzterer versorgt motorisch den Großteil der Oberschenkeladduktoren und sensibel Teile der Oberschenkelinnenseite. Über Gelenkäste ist er zudem an der sensiblen Versorgung des Kniegelenks beteiligt Bei einer Schädigung oder Kompression des Nervs kann das Romberg-Kniephänomen (Howship-Romberg-Zeichen) auftreten: Knieschmerzen, die eine orthopädische Knieerkrankung vortäuschen können.

Schambein bei Frauen

Die Schambeinknochen der Frau sind im Durchschnitt leichter und bilden unterhalb der Symphyse einen breiteren Winkel als beim Mann, der häufig mehr als 80 Grad beträgt. der auch als Arcus pubis bezeichnet wird. Dieser Bereich wird als Arcus pubis (Schambogen) bezeichnet. Die Winkelgröße variiert individuell.

Schambein bei Männern

Beim Mann treffen die beiden Schambeine in einem Winkel von typischerweise weniger als 70 Grad aufeinander, der auch als Angulus subpubicus bezeichnet wird.

Grafik Schambein

Schambein – Aufgaben und Funktion

Das Schambein als Teil des knöchernen Beckens stabilisiert dieses und trägt somit zum aufrechten Stand und Gang bei. Dabei wirken auf die Schambeinfuge im Sitzen vor allem Druckbelastungen, im Stehen auf beiden Beinen eine Zugbelastung und im Einbeinstand oder beim Gehen wirken zusätzlich Druck- und Biegebelastungen.

Eine Symphysensprengung, also die traumatische Aufweitung oder Zerreißung der Schambeinfuge, kann je nach Verletzungsausmaß und Beteiligung des hinteren Beckenrings zu einer Instabilität des Beckens führen.

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Besonderheiten in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft weitet sich die Symphyse aufgrund hormoneller und mechanischer Veränderungen geringfügig auf. Dadurch nimmt die Beweglichkeit der Schambeinfuge zu.

Während bei nicht schwangeren Personen die Symphyse in der Regel etwa 4 Millimeter weit ist, lag ihre Breite bei früheren Untersuchungen beschwerdefreier schwangerer Frauen bei etwa 6 Millimetern. Eine Symphysenweite von mehr als einem Zentimeter gilt als pathologisch und kann auf eine übermäßige Aufweitung (Symphysendiastase) hinweisen. Die Stärke der Beschwerden lässt sich allerdings nicht allein anhand der gemessenen Weite beurteilen.

Schambein – Erkrankungen und Beschwerden

Das Schambein ist sehr starken Druck- und Zugbelastungen ausgesetzt. Hierdurch können bei längerfristiger Überlastung Schmerzzustände und Reizungen der beteiligten Muskel- und Sehnenansätze sowie nichtinfektiöse Entzündungen im Bereich der Schambeinfuge entstehen. Die Schmerzen können entlang der beteiligten Gewebe in die Umgebung ausstrahlen, sprich in die Dammregion, aber auch ins Becken, den Bauch oder die Beine.

Auch Schambeinastfrakturen können Schmerzen im Bereich des Schambeins verursachen, insbesondere bei älteren Menschen mit Osteoporose nach einem Sturz.

Schambeinentzündung

Die Schambeinentzündung (Osteitis pubis) betrifft in erster Linie den Bereich der Symphyse und der angrenzenden Sehnen und Bänder. Meist entstehen sie durch langzeitliche und wiederkehrende Überlastung.

Besonders häufig tritt eine Schambeinentzündung bei Sportarten mit wiederholten Sprints, abrupten Richtungswechseln oder Schussbewegungen auf. Dabei können das Zusammenspiel der Bauchmuskulatur und der Adduktoren, insbesondere des Musculus adductor longus, sowie wiederholte mechanische Belastungen der Symphyse eine Rolle spielen.

Hierdurch verschiebt sich das Gleichgewicht der auf die Symphyse wirkenden Kräfte. Zudem kommt es beim Sport zu wiederkehrenden Mikroverletzungen an den Ansatzstellen der Muskelsehnen. Die Konstellation der Fehlbelastung und Verletzung ergibt dann das klinische Beschwerdebild.

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Häufige Fragen zum Schambein

  1. Was tun bei Schmerzen am Schambein in der Schwangerschaft?
  2. Nach ärztlicher Abklärung können schwangerschaftsbedingte Schambeinschmerzen häufig durch angepasste Bewegung, gezielte Entlastung, Physiotherapie und gegebenenfalls einen stabilisierenden Beckengurt gelindert werden.

    Reichen diese Maßnahmen nicht aus, sollte eine geeignete Schmerztherapie ärztlich abgestimmt werden. Paracetamol gilt bei behandlungsbedürftigen leichten Schmerzen in der Schwangerschaft als Mittel der Wahl.

    Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen sollten ab der 20. Schwangerschaftswoche nur nach strenger ärztlicher Indikationsstellung eingesetzt werden. Ab der 28. Schwangerschaftswoche sind Ibuprofen und andere NSAR kontraindiziert, da sie unter anderem die Nierenfunktion und den fetalen Blutkreislauf beeinträchtigen können.

  3. Wo ist das Schambein?
  4. Das Schambein bildet den vorderen der drei Knochenanteile des Hüftknochens und schließt die Hüftpfanne nach vorne ab. Dabei sind die Schambeine beider Seiten am vordersten Punkt, der Symphyse, eine Faserknorpelscheibe und Bänder miteinander verbunden und können dort unter der Haut je nach Körperbau ertastet werden.

  5. Woher kommen Schmerzen am Schambein?
  6. Schmerzen am Schambein entstehen häufig bei zu starker mechanischer Beanspruchung. Sie können beispielsweise von der Schambeinfuge (Symphyse), den Sehnenansätzen oder den Schambeinästen ausgehen. Die Schambeinfuge ist normalerweise nur gering beweglich. Schmerzen können auch ohne eine nachweisbare Instabilität auftreten.

  7. Ist die Symphyse das Schambein?
  8. Die Symphyse ist der Bereich, in dem beide Schambeine an der Körpervorderseite über eine Faserknorpelscheibe und stabilisierende Bänder miteinander verbunden sind. Somit enthält die Symphyse knöcherne Gelenkflächen der beiden Schambeine, jedoch auch weitere Strukturen.

Autor
Jennifer.Theissen

Jennifer Theißen

Ärztin

Als Fachärztin für Innere Medizin hat sich Jennifer Theißen neben ihrer Tätigkeit in Krankenhaus und Hausarztpraxis als medizinische Autorin selbstständig gemacht und verfasst Artikel sowohl für Websites als auch für Printmedien. Dabei arbeitet sie ihr Fachwissen für Kollegen anderer Fachbereiche, Pflegepersonal und medizinische Laien auf, um die allgemeine Gesundheitskompetenz zu stärken. Zudem übt sie eine Online-Lehrtätigkeit im Bereich "Medizinische Grundlagen" an einer führenden Hochschule für Gesundheitswirtschaft aus und hilft somit künftigen Generationen von Pflegenden, komplexe medizinische Themen besser zu erfassen und dieses Wissen im Beruf anzuwenden.

Quellen
  1. Fanghänel, J., Pera, F., Anderhuber, F., & Nitsch, R. (2003). Waldeyer Anatomie des Menschen. In J. Fanghänel, F. Pera, F. Anderhuber, & R. Nitsch, Waldeyer Anatomie des Menschen (S. 1027-1030). Berlin: de Gruyter.
  2. Schoellner, C. (2001). Der schwangerschaftsassoziierte Symphysenschaden aus orthopädischer Sicht – Untersuchungen zu Veränderungen an der Symphysis pubica in der Schwangerschaft, unter der Geburt und post partum. Zeitschrift für Orthopädie und Unfallchirurgie, 485-462.
  3. Koehl, P. et. al. (2024): Symphysitis und Symphysenlockerung,  https://online-oup.de/... (letzter Zugriff am 22.10.2026)
  4. Royal College of Obstetricians & Gynaecologists: Pelvic girdle pain and pregnancy, https://www.rcog.org.uk/... (letzter Zugriff am 22.10.2026)
  5. Embyrotox: Schmerztherapie, https://www.embryotox.de/... (letzter Zugriff am 22.10.2026)
  6. National Library of Medicine (2026), Postpartum Pubic Symphysis Diastasis,  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/... (letzter Zugriff am 22.10.2026)
Medizinische und Rechtliche Hinweise
Dieser Artikel ist nur als Hintergrundinformation bestimmt. Der Inhalt kann und darf nicht verwendet werden, um selbst Diagnosen zu stellen sowie Behandlungen anzufangen oder abzusetzen. Die Informationen können keinen Arztbesuch ersetzen. Bei medizinischen Anliegen und zur
Wichtiger rechtlicher Hinweis für diesen Artikel

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