Notfallsanitäter/in

Notfallsanitäter/in – Ausbildung, Beruf, Gehalt

Etwa 30.000 Mal wird in Deutschland der Notruf gewählt – jeden Tag. Dann rücken Notfallsanitäter und ihre Teams aus. Im Notfall sind sie die ersten vor Ort, müssen die Situation schnell überblicken und richtig handeln. Der Beruf Notfallsanitäter ist der höchste nicht-akademische Berufsabschluss im Bereich Medizin in Deutschland – und nicht zu verwechseln mit dem Rettungssanitäter. Als NotSan, wie Kenner sagen, trägt man viel Verantwortung und muss in stressigen Situationen einen kühlen Kopf bewahren.

Was im Inneren des Rettungswagens vorgeht, welches Gehalt es für Notfallsanitäter gibt und wie man NotSan wird, all das wird hier beleuchtet.

Inhalt

Ausbildung Notfallsanitäter – Voraussetzungen, Inhalt, Dauer

Der Beruf Notfallsanitäter besteht seit 2014, ersetzt den Beruf des Rettungsassistenten und gehört zu den Gesundheitsfachberufen. Die Ausbildung ist im Notfallsanitätergesetz bundesweit einheitlich geregelt (§ 29 NotSanG) und dauert drei Jahre. Voraussetzung für eine Ausbildung ist der Realschulabschluss (mittlerer Schulabschluss) oder ein Hauptschulabschluss und eine abgeschlossene mindestens zweijährige Berufsausbildung. Ein Gesundheitszeugnis über die gesundheitliche Eignung für den Beruf sowie ein makelloses Führungszeugnis müssen ebenfalls vorhanden sein. In der Regel sollte zum Start der Ausbildung die Volljährigkeit erreicht sein. Ein Führerschein Klasse B oder C ist gerne gesehen. Einige Ausbildungsbetriebe machen den Besitz des Führerscheins sogar zur Bedingung für einen Ausbildungsplatz, während andere Betriebe ihren Azubis den Erwerb des Führerscheins im Rahmen der Ausbildung ermöglichen.

Viele Ausbildungsbetriebe führen Assessment-Center oder ähnliche Tests durch, um die körperlichen und persönlichen Stärken der Bewerber besser einschätzen zu können. Zum einen wird dabei die Fitness auf die Probe gestellt, denn im Berufsalltag muss man als Notfallsanitäter Schnelligkeit beweisen und kräftig zupacken können. Allein der NotSan-Rucksack, der zu jedem Einsatz aufgeschnallt werden muss, wiegt 15 Kilogramm. Und gelegentlich müssen Patienten aus ihrer Wohnung oder vom Unfallort in den Rettungswagen getragen werden.

Andererseits wird in solchen Tests auch geschaut, wie es um die Akzeptanz für Körperflüssigkeiten (Erbrochenes, Blut) und das Interesse an Medizin steht. Die Ausbilder suchen gezielt nach Bewerbern, die eine schnelle Auffassungsgabe, gute Konzentrationsfähigkeit, Sorgfalt, Teamfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein mitbringen. Wichtig sind auch Empathie und psychische Belastbarkeit. Als NotSan wird man mitunter mit krassen und unangenehmen Situationen konfrontiert, das kann belastend sein. Im Bewerbungsprozess kommen nur die weiter, die sich diese berufliche Herausforderung zutrauen.

Auszubildende absolvieren insgesamt 4.600 Stunden, wovon mehr als die Hälfte der Zeit auf eine Lehrrettungswache oder ein Krankenhaus entfällt. Die restlichen Stunden bestehen aus theoretischem und fachpraktischen Unterricht in der Berufsschule, wo insgesamt zehn Lernfelder auf dem Lehrplan stehen. Ganz wichtig ist das medizinische Wissen. Erlernt wird schnell und sicher zu erkennen, wann welche Art Notfall vorliegt und welche Maßnahmen zur Stabilisierung führen. Dafür müssen zahlreiche Arzneimittel, Rettungsmitteln und Techniken eingehend studiert werden. Durch die Praxiseinheiten im Krankenhaus erhalten Azubis Einblicke in unterschiedliche Abteilungen, wie die Anästhesie, die Geburtshilfe, die Notfallaufnahme und die Pflegeabteilung.

Die Ausbildung endet mit einer staatlichen Abschlussprüfung. Sie besteht aus einem mündlichen, einem praktischen und einem schriftlichen Teil. Erst das erfolgreiche Bestehen der Prüfung berechtigt zur Arbeit als Notfallsanitäter.

Notfallsanitäter Ausbildung Gehalt

In der Regel erhalten angehende Notfallsanitäter ein Gehalt in der Ausbildung. Die Höhe kann je nach Bundesland und Ausbildungsbetrieb variieren. Laut dem Deutschen Berufsverband Rettungsdienst (DBRD) beträgt die durchschnittliche Ausbildungsvergütung pro Monat:

Ausbildungsjahr Gehalt (Brutto Monat)
1. Ausbildungsjahr 1.040 Euro
2. Ausbildungsjahr 1.100 Euro
3. Ausbildungsjahr 1.200 Euro

Der Beruf Notfallsanitäter – Tätigkeiten und Alltag

Die Ungewissheit begleitet den Alltag. Und mit ihr die Spannung des Unerwarteten. Was kommt als nächstes, eine plötzliche Geburt, ein Herzinfarkt oder ein Verkehrsunfall? Als Notfallsanitäter muss man auf alles gefasst sein und aus dem Effeff wissen, was in jeder Situation zu tun ist. Im Einsatz muss jeder Handgriff sitzen. Das ist eine große Verantwortung. Notfallsanitäter führen am Einsatzort in eigener Verantwortung medizinische Notfallmaßnahmen, wie Beatmung, Stillen von Blutungen oder Wiederbelebungsmaßnahmen, durch und fordern situationsabhängig weitere Hilfe von Notärzten bei der Leitstelle an. In aller Regel arbeiten sie in Begleitung einer weiteren Rettungskraft.

Feste Dienstzeiten gibt es in dem Job kaum, gearbeitet wird in 24-Stunden-Schichten die ganze Wochen hindurch. Teilweise dauern die Schichten mehr als 24 Stunden, weil man nicht mitten im Einsatz Feierabend machen kann. Der Beruf ist aber auch aus anderen Gründen anstrengend. Zum einen braucht es körperliche Fitness und Kraft, um Patienten aus ihrer Wohnung in Stockwerk nach unten in den Rettungswagen zu tragen. Zum anderen arbeitet man bei schlechten Licht- und Witterungsverhältnisse, mitten im Straßenverkehr oder unter mangelhaften hygienischen Bedingungen. Und noch ein Aspekt kommt hinzu: Rettungsteams werden manchmal mit Aggression und Gewalt konfrontiert. Vor allem in Brennpunkten oder am Rande von Großveranstaltungen senkt Alkohol die Hemmschwelle und Anwesende versuchen, die Helfer am Helfen zu hindern. Auch aufgeregte Angehörige oder Gaffer können den Einsatz stören. Emotional aufreibend ist auch, wenn Patienten beim Rettungsversuch versterben.

Nach dem Einsatz sind die Dokumentation und Reinigung das Einsatzfahrzeugs an der Reihe. Auch diese Aufgaben gehören zum Beruf dazu.

Trotzdem sind die meisten Notfallsanitäter überzeugt, den tollsten Job der Welt zu haben – und lassen Interessierte am Beruf gerne bei einer Probeschicht mitfahren

Notfallsanitäter Gehalt

Das Gehalt als Notfallsanitäter ist abhängig von Region, Arbeitgeber, Berufserfahrung und Funktion. Im kommunalen Bereich unterliegt es seit 2017 einem Tarifvertrag (TVöD-P, Entgeltgruppe P 8) und beträgt zwischen 2972 Euro und 3660 Euro brutto pro Monat (Stand: 04/2019). Als Berufsanfänger bei einem öffentlichen Rettungsdienst verdient man folglich 2.972 Euro monatlich. Zuschläge für Dienste am Wochenende und nachts kommen hinzu. Mit zunehmender Berufserfahrung steigt das Gehalt auf bis zu 3.660 Euro.

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