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Medi-Karriere Magazin Schlaf und Geschlecht

Schlaf und Geschlecht: Biologische Unterschiede

Schlaf und Geschlecht: Biologische Unterschiede

Inhaltsverzeichnis

  1. Was den Schlaf beeinflusst
  2. Hormonelle Einflüsse auf den Schlaf bei Frauen
  3. Hormonelle Einflüsse auf den Schlaf bei Männern
  4. Unterschiede in Schlafqualität und Schlafarchitektur
  5. Schlafstörungen im Geschlechtsunterschied
  6. Bedeutung geschlechtsabhängiger Schlafmuster

Erholsamer Schlaf zählt zu den wichtigsten Faktoren für die körperliche und emotionale Gesundheit. Aktuelle Studien zeigen zunehmend geschlechtsspezifische Unterschiede im Ablauf und in der Qualität des Schlafs.

Dieser Artikel fasst die wesentlichen Aspekte des geschlechterspezifischen Schlafverhaltens zusammen und zeigt, wie diese Erkenntnisse künftig die nächtliche Erholung verbessern können.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was den Schlaf beeinflusst
  2. Hormonelle Einflüsse auf den Schlaf bei Frauen
  3. Hormonelle Einflüsse auf den Schlaf bei Männern
  4. Unterschiede in Schlafqualität und Schlafarchitektur
  5. Schlafstörungen im Geschlechtsunterschied
  6. Bedeutung geschlechtsabhängiger Schlafmuster

Was den Schlaf beeinflusst

Schlaf unterliegt vielfältigen biologischen sowie hormonellen Einflüssen, die sich im Laufe des Lebens verändern. Daher ist es wichtig, bei der Betrachtung des Schlafmusters und insbesondere bei Schlafstörungen immer das Alter und das Geschlecht der Betroffenen zu beachten.

Schlafverhalten bei Kindern

Studien zum Schlafverhalten junger Kinder bis etwa zum 12. Lebensjahr konnten bislang keine relevanten geschlechtsspezifischen Unterschiede nachweisen. Lediglich im Falle von Übergewicht bei Jungen zeigte sich eine leicht verkürzte Schlafdauer und Mädchen mit Autismus-Spektrum-Störung litten vermehrt unter Schlafstörungen.

In diesem Alter wirken sich externe Faktoren wie kulturelle Schlafgewohnheiten noch stark auf die nächtliche Erholung aus. Zudem sind es bei jungen Kindern meist die Eltern, die Angaben zum Schlafverhalten der Kinder machen, was das Ergebnis einer Befragung verzerren könnte.

Die hormonellen Einflüsse, die mit der Pubertät ihren Anfang nehmen, wirken sich deutlich auf den Schlaf aus. Die Jugendlichen schlafen zunehmend später ein und wachen später auf als jüngere Kinder, zudem verkürzt sich die Schlafdauer auf etwa acht bis zehn Stunden und nähert sich der von Erwachsenen an. Dabei besteht bei Jungen eine höhere nächtliche Aktivität und häufigeres Aufwachen, wenngleich Mädchen eher über Ein- und Durchschlafprobleme sowie Tagesmüdigkeit klagen. Diese Unterschiede können teilweise durch unterschiedliche Erwartungen und Wahrnehmungen des Schlafes erklärt werden.

Schlafarchitektur

Der Nachtschlaf verläuft in sich wiederholenden Zyklen, die etwa 80–110 Minuten dauern und aus zwei Phasen bestehen. Die erste, sogenannte NREM-Phase besteht aus Einschlafen, Leichtschlaf und Tiefschlaf. Darin schüttet das Gehirn Wachstumshormone aus, verarbeitet Wissen und reinigt sich von Eiweißablagerungen. In der folgenden REM-Phase verarbeitet es Ereignisse und Emotionen. In der ersten Nachthälfte dominiert der Tiefschlaf, am Ende überwiegt der REM-Schlaf.

Hormonelle Einflüsse auf den Schlaf bei Frauen

Bei Frauen spielt das Zusammenspiel der weiblichen Geschlechtshormone eine zentrale Rolle für die Schlafqualität und -architektur. Östrogen, das vor allem in der ersten Zyklushälfte vermehrt produziert wird, stabilisiert den Tag-Nacht-Rhythmus und fördert die Produktion von Melatonin. Dieses „Schlafhormon“ erhält vor allem in der zweiten Nachthälfte den Schlaf aufrecht. Progesteron, das in der zweiten Zyklushälfte dominiert, wirkt beruhigend auf das zentrale Nervensystem und hat angstlösende Effekte. Zudem unterstützt es den Atemantrieb in der Nacht und schützt vor Atemaussetzern.

Messungen der nächtlichen Hirnströme mittels EEG zeigen bei Frauen schlaffördernde Schlafspindeln vor allem in der zweiten Zyklushälfte. Diese speziellen Schwingungen in der Gehirnaktivität verbessern die Schlafqualität. In der prämenstruellen Phase und zu Beginn der Menstruation berichten Frauen vermehrt über Schlafstörungen und Alpträume. Dies könnte auf den Abfall des Progesterons am Zyklusende zurückzuführen sein.

Veränderter Schlaf durch Hormonabfall infolge der Wechseljahre

Mit Beginn der Wechseljahre nimmt die Östrogen-Produktion ab. Dadurch sinkt der Melatonin-Spiegel. Gleichzeitig verschiebt sich der Zeitpunkt des Einschlafens meist etwas nach vorne. Beides erschwert das Wiedereinschlafen vor allem nach Mitternacht. Hinzu kommen schlafstörende „vasomotorische Begleitsymptome“ wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche in der Akutphase der Hormonumstellung.

Der Verlust von Progesteron führt zu einer zunehmenden nächtlichen Erschlaffung der Muskulatur im Rachen. Die Folgen sind eine Verengung der Atemwege und vermehrtes Schnarchen. Wird der Atemfluss dabei komplett unterbrochen, so entsteht eine Weckreaktion. Der Schlaf wird zunehmend ineffizient, es kommt zu vermehrter Tagesmüdigkeit.

Viele Frauen erfahren im Rahmen der Wechseljahre eine Gewichtszunahme. Diese fördert nächtliche Atemstörungen ebenfalls.

Eine weitere Ursache für gestörten Nachtschlaf nach den Wechseljahren ist das Restless-Legs-Syndrom. Betroffene klagen über Missempfindungen der Beine wie Hitzegefühl, Kribbeln oder brennenden Schmerzen. Da die Beschwerden häufig mit einem Eisenmangel einhergehen, kann eine Eisensupplementation unter Umständen die Beschwerden lindern. Depressive Verstimmungen oder Angststörungen aufgrund der hormonellen Umstellungen stören darüber hinaus die nächtliche Erholung.

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Hormonelle Einflüsse auf den Schlaf bei Männern

Auch bei Männern beeinflussen hormonelle Prozesse und insbesondere das Hormon Testosteron den Schlaf. Ab etwa dem 40. Lebensjahr lässt die Testosteronproduktion kontinuierlich nach, was mit häufigerem nächtlichem Aufwachen und einer reduzierten Schlafdauer verbunden sein kann. Die betroffenen Männer verbringen weniger Zeit im Tiefschlaf und sind dadurch morgens unzureichend erholt.

Durch die sinkenden Sexualhormonspiegel kommt es auch bei Männern zunehmend zu nächtlichen Atemstörungen. Atemaussetzer und Phasen mit erniedrigter Sauerstoffsättigung im Blut häufen sich, was das Herz-Kreislauf-System belastet.

Unterschiede in Schlafqualität und Schlafarchitektur bei Männern und Frauen

Der Ablauf des Schlafs unterscheidet sich bei beiden Geschlechtern in einigen objektivierbaren Aspekten. Darüber hinaus unterscheidet sich die subjektive Wahrnehmung der nächtlichen Erholung.

Frauen geben bei Befragungen häufiger als Männer Ein- und Durchschlafstörungen an, die auch objektiv messbar sind. Dabei klagen sie jedoch seltener über Müdigkeit. Die Gründe hierfür sind nicht klar. Eine mögliche Erklärung findet sich in den unterschiedlichen gesellschaftlichen Erwartungen an die Betroffenen, die ihre Müdigkeit entsprechend anders bewerten oder anerkennen.

Objektive Situation

Messungen zeigen, dass Frauen im Durchschnitt etwa zehn Minuten länger in der Tiefschlafphase verweilen als Männer. Auch wenn der Tiefschlaf mit zunehmendem Alter bei beiden Geschlechtern abnimmt, fällt dieser Rückgang bei Männern stärker aus. Das könnte, wie oben beschrieben, mit dem altersbedingten Testosteronabfall zusammenhängen.

Zudem zeigen Frauen im Tiefschlaf eine bessere Synchronisation der Gehirnaktivität als Männer, was die Erholung der Nervenzellen optimiert. Die Unterschiede sind in der Hirnstrommessung (EEG) nachweisbar.

Der REM-Schlaf beginnt bei Frauen oft etwas früher als bei Männern, insbesondere in der zweiten Zyklushälfte. Männer hingegen zeigen eine Tendenz zu späterem Einschlafen, schlafen dafür aber mitunter auch etwas länger.

Schlafstörungen im Geschlechtsunterschied

Schlafstörungen zählen zu den häufigsten gesundheitlichen Problemen in der Bevölkerung. Sie betreffen Frauen und Männer gleichermaßen, äußern sich jedoch oft unterschiedlich in ihrer Symptomatik, der zugrunde liegenden Ursache und ihren Auswirkungen. Die wichtigsten Unterschiede zeigen sich bei schlafbezogenen Atmungsstörungen sowie bei REM-Schlaf-Störungen.

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Gestörter Schlaf durch Atemaussetzer

Das obstruktive Schlafapnoesyndrom zeichnet sich durch wiederholte Atemaussetzer während des Schlafs aus, die häufig eine kurze Weckreaktion auslösen.

Bei Männern sind neben den hormonellen Faktoren Übergewicht und Alkoholkonsum wichtige Auslöser der Atemstörung, die sich indirekt durch Konzentrationsstörungen, Tagesmüdigkeit und Bluthochdruck bemerkbar macht.

Bei Frauen nach den Wechseljahren steigt die Rate an Atemstörungen im Schlaf stark an, diese werden jedoch nicht immer erkannt. Das ist ein kritischer Punkt, denn im Vergleich mit betroffenen Männern erleiden Frauen oft größere Abfälle der Sauerstoffsättigung, was das Herz-Kreislauf-System besonders stark belastet. Morgendliche Kopfschmerzen oder Stimmungsschwankungen können auf die weibliche Form der Atemstörung hinweisen.

Auswirkungen von Störungen des REM-Schlafs

REM-Schlaf-Störungen äußern sich durch intensive Träume und teils ausladende körperliche Bewegungen der Betroffenen in der REM-Schlafphase. Sie treten zunehmend bei älteren Menschen, insbesondere bei Männern nach dem 60. Lebensjahr, auf. Die Betroffenen verletzen mitunter sich selbst oder den Partner/die Partnerin im Schlaf, was zur Diagnosestellung veranlasst.

REM-Schlafstörungen können Ausdruck einer Erkrankung des Nervensystems sein und unter Umständen von einer Parkinson- oder Demenzerkrankung gefolgt sein. Deshalb sollten die Betroffenen die Erkrankung abklären und zur Verbesserung ihrer Nachtruhe auch medikamentös behandeln lassen.

Bedeutung geschlechtsabhängiger Schlafmuster für Prävention und Therapie

Geschlechtsabhängige Unterschiede im Schlafverhalten verdienen eine genaue Betrachtung in der Prävention, Diagnostik und Therapie von Krankheiten. Frauen und Männer zeigen unterschiedliche Symptome, Ursachen und Risiken bei Schlafstörungen. Eine geschlechtersensible Schlafmedizin kann helfen, Beschwerden frühzeitiger zu erkennen und gezielter zu behandeln. Dadurch kann die Erholung und Gesundheit der Betroffenen maßgeblich verbessert werden.

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Quellen
  1. Efrat, B., Orna, T., Sex differences in the sustained attention of elementary school children. In: BMC Psychology (Springer Nature, 15.12.2022).
  2. Elkhatib Smidt, S., Hitt, T., Zemel, B., Mitchell, J., Sex differences in childhood sleep and health implications. In: Annals of Human Biology (Taylor &. Francis, 09/2021, S. 474-484).
  3. Lok, R., Qian, J., Chellappa, S. L., Sex differences in sleep, circadian rhythms, and metabolism: Implications for precision medicine. In: Sleep Medicine Reviews (Elsevier, 06/2024).
  4. Thanendrarajah, T., Vorster, A., Weidlinger, S., Der Einfluss einer Hormonersatztherapie auf den Schlaf postmenopausaler Frauen. In: Journal für Gynäkologische Endokrinologie/Schweiz (Springer Medizin, 22.05.2025, S. 66–73).
Medizinische und Rechtliche Hinweise
Wichtiger rechtlicher Hinweis für diesen Artikel
Autor
Jennifer Theißen
Jennifer Theißen
Ärztin
Zuletzt aktualisiert: 07.10.2026

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