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Unternehmen sind zunehmend mit den Folgen von Jobwechseln konfrontiert. Wenn qualifizierte Fachkräfte den Betrieb verlassen, bedeutet das nicht nur einen Verlust an Wissen und Expertise für den Arbeitgeber, sondern auch eine vermehrte Belastung für die verbleibenden Beschäftigten.
Eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt, wie Jobwechsel und der Fachkräftemangel zusammenhängen und mit welchen Maßnahmen Unternehmen qualifizierte Mitarbeiter halten können.
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Jobwechsel als strukturelle Herausforderung
Jobwechsel betreffen alle Berufssparten, finden jedoch vorrangig in den Engpassberufen statt. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Fachkräfte gewinnen und halten. Wie Engpassberufe attraktiver werden“, die das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI Essen) erarbeitet hat.
In den Jahren 2022-2023 verloren die Engpassberufe etwa 191.000 Beschäftigte, während nur etwa 167.000 Menschen eine Arbeit in diesen Bereichen aufnahmen – ein Minus von etwa 24.000 Arbeitskräften. Besonders betroffen davon waren die Kranken- und Altenpflege, Bau- und Handwerksberufe sowie die IT-Branche, deren Beschäftige zu mehr als 70 Prozent Fachkräfte sind.
Engpassberufe
Engpassberufe zeichnen sich durch ein Ungleichgewicht zwischen einer hohen Nachfrage nach Fachkräften und einem unzureichenden Angebot an Arbeitern aus. Erfasst werden diese kritischen Berufsfelder jährlich durch die „Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit“, die sich auf Berufsfelder mit hoher Qualifikation der Arbeitenden konzentriert. Dabei spielen unter anderem die „Vakanzzeit“ bis zur Neubesetzung der Stelle, das Verhältnis von Arbeitslosen und Arbeitssuchenden und die Lohnentwicklung eine Rolle. Aktuell bestehen Engpässe in 185 der 525 untersuchten Berufe.
Engpassberufe verlieren vor allem die Jüngeren
In Mangelberufen finden sich häufiger jüngere Beschäftigte als in anderen Berufsfeldern. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der digitalen Transformation stellen gerade die jungen, qualifizierten Fachkräfte eine wichtige Personengruppe dar. Sie können über viele Jahrzehnte eine stabile Basis für den Arbeitsmarkt bilden.
Junge Beschäftigte sind jedoch auch häufiger als die Älteren bereit, den Beruf zu wechseln. Dabei verschlägt es mehr als jeden Dritten sogar in ein gänzlich anderes Berufsfeld. Die Fachkräfte streben meist Anstellungen in den Sektoren an, die nicht vom Engpass betroffen sind, und erfahren zeitgleich häufig eine Verbesserung ihrer beruflichen Position.
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Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel
Unternehmen versuchen häufig, Mitarbeiter durch akute Maßnahmen wie Bonuszahlungen zu gewinnen und zu halten. Die Gründe für Jobwechsel sind jedoch sehr vielschichtig. Die Studie zeigt, dass es komplexere Interventionen und Strategien braucht, um dem Fachkräftemangel langfristig entgegenzuwirken.
Lohnniveau und berufliche Aufstiegsmöglichkeiten als Anreiz
Die durchschnittlichen Löhne für Fachkräfte lagen entsprechend der Studienergebnisse in den Engpassberufen niedriger als in anderen Tätigkeitsfeldern. Höhere Löhne und attraktive berufliche Entwicklungsperspektiven steigern die Zufriedenheit der Mitarbeiter und führen zu einer erhöhten Bindung an den Arbeitsplatz.
Arbeitsplatzsicherheit auch in Engpassberufen entscheidend
In Zeiten der wirtschaftlichen Unruhe reichen freie Stellen im Unternehmen nicht aus, um Angestellten Arbeitsplatzsicherheit zu vermitteln. Arbeitgeber, die sich klar zukunftsorientiert präsentieren und in berufliche Weiterbildungen und Zusatzqualifikationen investieren, erweitern ihren Bestand an Fachkräften und erhöhen ihre Chancen, die Mitarbeiter dauerhaft an sich zu binden.
Anreize durch familienfreundliche Arbeitsplatzstrukturen
Ein weiterer Grund für den Verlust von qualifizierten Mitarbeitern liegt in einer schlechten Vereinbarkeit von Job und Familie. Dies betrifft vorrangig jene Berufszweige, in denen eine hohe Frauenquote vorliegt, zum Beispiel den Pflege- und Gesundheitssektor. Eine verlässliche Kinderbetreuung und flexible Arbeitszeitmodelle, die sich den Lebensphasen der Angestellten anpassen lassen, sind attraktiv für junge Angestellte.
Gesundheitsförderung mildert Belastung in Engpassbereichen
Mitarbeitende in Engpassbereichen haben häufig eine hohe Verantwortung und erleben sowohl physische als auch psychische Belastung durch ihren Beruf. Hier können sinnvolle Maßnahmen zur langfristigen Gesundheitsförderung und eine angemessene Gestaltung der Arbeitszeit die Weichen für den Erhalt der Beschäftigung bis zur Regelaltersgrenze stellen.
Fachkräftemangel in der Pflege
Ein besonders vom Fachkräftemangel betroffener Bereich ist die Pflege. Hier arbeiten knapp 85 Prozent aller Beschäftigten im Engpassbereich – ein Wert, der das Verhältnis in anderen Branchen deutlich übersteigt. Weitere Besonderheiten des Pflegesektors sind der hohe Frauenanteil von etwa 80 Prozent und eine Teilzeitquote, die fast doppelt so hoch liegt wie in anderen Engpassbranchen.
Während in anderen Branchen etwa ein Drittel der Jobwechsler eine neue berufliche Orientierung anstrebt, sind es in der Pflege sogar zwei von drei Angestellten, die sich einem neuen Berufsfeld zuwenden. Dabei spielt die Kombination aus hoher Arbeitsbelastung, niedrigem Lohn und fehlender beruflicher Perspektive im ursprünglichen Beruf eine wesentliche Rolle.
Um zukünftig Fachkräfte in der Pflege zu halten oder sogar neue Mitarbeiter zu gewinnen, muss die Attraktivität des Pflegeberufs deutlich steigen. Immerhin ließen sich unter optimalen Bedingungen derzeit allein aus dem Pool der ausgestiegenen Pflegefachkräfte etwa 300.000 bis 660.000 Pflegefachkräfte zurückgewinnen, wie die Arbeitnehmerkammer-Studie „Ich pflege wieder, wenn…“ aus dem Jahr 2021 zeigen konnte.
Fazit
Unternehmen sollten Jobwechsel nicht als unabwendbare Gegebenheit akzeptieren, sondern vielmehr versuchen, der Neuorientierung der Fachkräfte durch berufliche Perspektiven zu begegnen. So kann auch eine verstärkte Aktivierung und Einbindung potenzieller Mitarbeiter gelingen, zu denen beispielsweise Teilzeitbeschäftigte oder Ältere zählen.
Berufliche Nach- und Umqualifizierungen bilden die Grundlage für eine erfolgreiche gesellschaftliche Transformation und digitale Innovation. Ein zukunftsfähiger Arbeitsmarkt und eine gesundheitsorientierte Gestaltung der Arbeitsplätze tragen wesentlich dazu bei, die Fachkräfte bis zur Regelaltersgrenze im Beruf zu halten.
Passende Jobs in der Pflege
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- „Ich pflege wieder, wenn…“, https://www.boeckler.de/... (Abrufdatum: 10.11.2025)
- “Weil Beschäftigte sich abwenden, verschärft sich der Fachkräftemangel“, https://www.bertelsmann-stiftung.de/... (Abrufdatum: 06.11.2025)








