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In der KW 43 vom 19. bis 25. Oktober 2026 standen Arbeitsbedingungen und Qualifizierung in der Pflege im Mittelpunkt. Neben einem neuen Verordnungsentwurf wurden ein Strukturmodell für Pflegeweiterbildungen und zwei deutsche Untersuchungen zum Gewaltschutz und zur interprofessionellen Zusammenarbeit veröffentlicht.
Das Wichtigste der KW 43 in Kürze
- Die Pflegepersonaluntergrenzen sollen technisch an das Fallpauschalensystem 2026 angepasst werden.
- Ein neues Strukturmodell soll Pflegeweiterbildungen vergleichbarer und leichter anrechenbar machen.
- Eine qualitative Studie zeigt erhebliche Lücken bei der Dokumentation von Gewalt in Pflege- und Behinderteneinrichtungen.
- Sechs deutsche Experten identifizierten acht besonders wichtige Schnittstellen der interprofessionellen Wundversorgung.
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Entwurf schreibt Pflegepersonaluntergrenzen technisch fort
Das Bundesgesundheitsministerium veröffentlichte am 21. Oktober den Referentenentwurf zur siebten Änderung der Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung. Die Verordnung legt für pflegesensitive Krankenhausbereiche fest, wie viele Patienten eine Pflegekraft je Schicht höchstens versorgen darf.
Der Entwurf aktualisiert die sogenannten Indikatoren-DRGs. DRGs sind diagnosebezogene Fallgruppen, mit denen stationäre Behandlungen klassifiziert werden. Anhand dieser Gruppen ermittelt das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus, welche Stationen den pflegesensitiven Bereichen zugeordnet werden.
Vorgesehen ist der Wechsel auf das Fallpauschalensystem 2026. Der Umfang der erfassten pflegesensitiven Bereiche soll weder erweitert noch reduziert werden. Neue Personalverhältniszahlen oder zusätzliche Fachbereiche enthält der Entwurf nicht. Es handelt sich damit um eine jährlich notwendige technische Fortschreibung und noch nicht um geltendes Recht.
Für Gesundheits- und Krankenpfleger entstehen zunächst keine neuen Besetzungsansprüche. Pflegedienstleitungen, Medizincontrolling und Personalplanung müssen nach Inkrafttreten jedoch prüfen, welche Stationen aufgrund der aktualisierten Fallgruppen unter die Verordnung fallen. Die Untergrenzen bleiben eine verbindliche Mindestabsicherung, bilden aber nicht automatisch den individuellen Pflegebedarf sämtlicher Patienten ab.
BAPID IV soll Pflegeweiterbildungen vergleichbarer machen
Der Deutsche Pflegerat stellte am 19. Oktober mit BAPID IV ein Strukturmodell für spezielle Pflegebildung vor. Es soll die bislang sehr unterschiedlichen Fachweiterbildungen, Zusatzqualifikationen, Hochschulzertifikate und kürzeren Bildungsbausteine nach gemeinsamen Kriterien beschreibbar machen.
Das Modell verbindet Qualifikationsstufen mit fünf Spezialisierungsgraden von S0 bis S4. Hinzu kommen eine Bausteinlogik für gemeinsame und fachspezifische Inhalte sowie Vorgaben zur praktischen Ausbildung, Kompetenzprüfung, Anerkennung und Qualitätssicherung. Einzelne geprüfte Module könnten dadurch leichter auf weitere Bildungswege angerechnet werden, sofern ihre Gleichwertigkeit nachgewiesen ist.
Grundlage ist eine strukturierende Analyse deutscher und internationaler Regelungs- und Referenzdokumente. In einem anschließenden Review wurden 14 Stellungnahmen mit 155 Einzelhinweisen aus Selbstverwaltung, Berufsverbänden, Wissenschaft, Weiterbildung und Versorgungspraxis ausgewertet.
BAPID IV ist keine bundesweit verbindliche Weiterbildungsordnung. Die Dokumentenauswahl erfasst weder sämtliche Angebote noch deren tatsächliche Umsetzung. Auch die genannten Arbeits- und Leistungspunkte sind keine gesetzlich vorgeschriebenen Mindestwerte. Wirkungen auf Versorgung, Personalentwicklung und Vergütung wurden nicht untersucht.
Für angehende Fachkrankenpfleger könnte das Modell langfristig mehr Transparenz bei Zugangsvoraussetzungen, Praxisanteilen und Anschlussqualifikationen schaffen. Ob bereits absolvierte Module leichter anerkannt werden, hängt jedoch davon ab, ob Länder, Kammern, Kliniken und Bildungsträger die vorgeschlagene Systematik übernehmen.
Gewaltvorfälle werden häufig uneinheitlich dokumentiert
Eine am 21. Oktober veröffentlichte Studie der Hochschule Neu-Ulm untersuchte den organisatorischen Umgang mit Gewalt in der Alten- und Behindertenhilfe. Befragt wurden 18 Verantwortliche aus 16 Einrichtungen in Süddeutschland: sieben aus der Altenpflege, zehn aus der Behindertenhilfe und ein Vertreter eines bereichsübergreifenden Verbandes.
Elf Einrichtungen verfügten nach Angaben der Interviewpartner über ein Gewaltschutzkonzept. Häufig genannte Maßnahmen waren Schulungen zur Deeskalation, gewaltfreien Kommunikation und Selbstverteidigung. Sechs Einrichtungen hatten eigens geschulte Deeskalationsmitarbeiter.
Bei der Erfassung von Vorfällen zeigte sich dagegen ein uneinheitliches Bild. In den meisten untersuchten Einrichtungen fehlte eine standardisierte Dokumentation. Verwendet wurden Papierformulare, PDF- oder Word-Dateien und Einträge in dezentralen Klientenakten. Teilweise wurden nur als schwer eingestufte Ereignisse gesondert gemeldet, obwohl klare Kriterien für diese Einstufung fehlten.
Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ. Die gezielt ausgewählte regionale Stichprobe umfasste vorwiegend Führungskräfte und Gewaltschutzbeauftragte, nicht die unmittelbar betroffenen Beschäftigten oder Bewohner. Selbstauskünfte können zudem sozial erwünschte Antworten enthalten. Die Untersuchung misst deshalb weder die Häufigkeit noch die bundesweite Verteilung von Gewalt.
Für Altenpfleger und Heilerziehungspfleger folgt daraus vor allem organisatorischer Handlungsbedarf. Klare Definitionen, leicht erreichbare Meldesysteme, festgelegte Ansprechpartner und eine verlässliche Nachsorge können Vorfälle sichtbarer machen und die Prävention verbessern. Digitale Formulare allein reichen ohne Schulung und Unterstützung durch die Leitung nicht aus.
Wundversorgung braucht klar definierte Schnittstellen
Eine am 23. Oktober erschienene Originalstudie der Ludwig-Maximilians-Universität München und zweier bayerischer Hochschulen untersuchte die Zusammenarbeit bei komplexen Wundbehandlungen.
Zwei Ärzte, zwei Pflegeexperten und zwei klinische Pharmazeuten bearbeiteten jeweils drei simulierte Fälle zu Dekubitus, Ulcus cruris und diabetischem Fußsyndrom. Aus den insgesamt 18 schriftlichen und mündlichen Fallanalysen leiteten die Forscher acht besonders wichtige Kooperationspunkte ab. Dazu gehören Vorbesprechung, Schmerzmanagement, Lagerung, Wundbeurteilung und -reinigung, Auswahl der Wundauflage, Dokumentation, Patientenschulung sowie Nachbesprechung und Weiterbehandlung.
Als wiederkehrende Aufgaben nennt die Studie den Austausch klinischer Informationen, gemeinsame Behandlungsentscheidungen, klare Rollen und die Koordination der weiteren Versorgung. Diese Punkte können in Simulationen, Praxisanleitungen und interprofessionellen Fortbildungen als konkrete Lernziele dienen.
Die Untersuchung beschreibt allerdings Einschätzungen einer sehr kleinen Expertengruppe und keine beobachteten Arbeitsabläufe. Die papierbasierten Fallszenarien bildeten weder Zeitdruck noch Unterbrechungen oder reale Teamkonflikte ab. Die Ergebnisse sind daher nicht verallgemeinerbar und belegen keine Verbesserung der Versorgungsqualität.
Für Pflegekräfte und Wundmanager bietet das Modell dennoch einen praktischen Ansatz: Übergaben und Vorbesprechungen sollten Befund, Schmerz, Materialwahl, Zuständigkeiten und Eskalationswege ausdrücklich abdecken. Das kann paralleles Arbeiten durch tatsächlich abgestimmte Entscheidungen ersetzen.
- Bundesministerium für Gesundheit, „Siebte Verordnung zur Änderung der Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung – Referentenentwurf“, 21.10.2026, https://www.bundesgesundheitsministerium.de/... (letzter Zugriff am 26.10.2026)
- Deutscher Pflegerat, „BAPID IV: Strukturmodell Spezieller Pflegebildung – Langfassung“, September 2026, veröffentlicht am 19.10.2026, https://deutscher-pflegerat.de/... (letzter Zugriff am 26.10.2026)
- Miriam Kappe/Johannes Schobel, „Violence prevention and incident documentation in elderly and special needs care institutions in southern Germany“, 21.10.2026, https://www.frontiersin.org/... (letzter Zugriff am 26.10.2026)
- Matthias J. Witti et al., „Making collaboration explicit through collaborative, diagnostic, and intervention activities“, 23.10.2026, https://www.frontiersin.org/... (letzter Zugriff am 26.10.2026)





