
Inhaltsverzeichnis
Das Arbeiten mit Diabetes stellt viele Betroffene vor besondere Herausforderungen: von der Stabilisierung der Blutzuckerwerte über die Vermeidung von Unter- oder Überzuckerungen bis hin zu Arbeitszeiten und körperlicher Belastung.
Welche Herausforderungen können entstehen? Sind Menschen mit Diabetes in ihren Berufsmöglichkeiten eingeschränkt? Wie kann man mit der gesundheitsbedingten Zusatzbelastung umgehen? All das und mehr in der folgenden Übersicht.
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Diabetes – Definition
Beim Diabetes mellitus handelt es sich um eine Stoffwechselerkrankung, die durch einen funktionellen oder absoluten Mangel an Insulin hervorgerufen wird. Charakteristisch sind bei nicht-Behandlung hohe Blutzuckerwerte, die ernste Folgeerkrankungen mit sich bringen können.
Dazu gehören vor allem Erkrankungen der großen Gefäße (makrovaskulär – darunter Schlaganfall oder Herzinfarkt) sowie der kleinen Gefäße (Mikroangiopathien mit möglichen Schäden von Niere, Augen (Sehschwäche bis zur Erblindung) oder in der Peripherie). Auch Nerven können Schäden nehmen und chronische Schmerzen, Missempfindungen oder Gefühlslosigkeit hervorrufen.
Trotz dieser schweren Folgen bleibt die Krankheit zunächst häufig unentdeckt, da sich die Symptome nicht oder sehr allgemein äußern (Müdigkeit, Leistungsabfall, Abgeschlagenheit).
Wie relevant der Diabetes gesamtgesellschaftlich ist, zeigt sich an den Fallzahlen: etwa einer von sechs Erwachsenen in Europa leidet statistisch betrachtet an Diabetes mellitus – Tendenz steigend. Bei über 90 Prozent der Erkrankungen handelt es sich um Diabetes Typ 2.
Diabetes Typ I
Der Typ 1 Diabetes ist die zweithäufigste Diabetes-Form und in seiner Symptomatik häufig typischer. Erkrankte fallen durch Leistungsminderung, ungewollte Gewichtsabnahme, ständiges Durstgefühl trotz hoher Trinkmenge und häufigem Wasserlassen auf – oft nach kürzlich vergangenen Infekten, Stressphasen oder ähnlichen Auslösen.
Seltener können die hohen Blutzuckerwerte auch zu Bewusstseinsveränderungen bis hin zum Koma führen. Grund für diese deutlicheren Symptome ist die rasche Art der Krankheitsentwicklung. Hierbei kommt es durch Autoimmunprozesse zu einer Zerstörung der Betazellen, die für die Immunproduktion im Pankreas (Bauchspeicheldrüse) verantwortlich sind.
Treten die Symptome auf, sind häufig bereits 50 bis 80 Prozent der Zellen zerstört. Die meisten Menschen mit Typ 1 Diabetes sind bei der Entwicklung sehr jung (Kindheit bis junges Erwachsenenalter). Nahezu alle Betroffenen sind auf lebenslange Insulintherapie angewiesen.
Diabetes Typ II
Der Typ-2-Diabetes ist die weltweit häufigste Form der „Zuckerkrankheit“ und entwickelt sich meist schleichend über viele Jahre hinweg. Häufig fallen zu Beginn dieser Erkrankung überhaupt keine Symptome auf und es handelt sich um Zufallsbefunde bei Laboruntersuchungen oder die Diagnosestellung gliedert sich einer langen Suche bei unklaren Beschwerdebildern an.
Hierbei entsteht die Erkrankung aus einer Insulinresistenz im peripheren Gewebe – das Hormon kann seine Wirkung also nicht mehr ausführen, obwohl es eigentlich in ausreichender Menge vorhanden ist. Die Bauchspeicheldrüse versucht zunächst, dies durch erhöhte Insulinproduktion auszugleichen. Erst, wenn diese kompensatorische Leistung nachlässt, steigen die Blutzuckerwerte deutlich an.
Typ-2-Diabetes tritt überwiegend im Erwachsenenalter auf und ist eng mit Lebensstilfaktoren wie Bewegungsmangel, Übergewicht und familiärer Veranlagung verknüpft. Die Behandlung umfasst Ernährung, Bewegung, Medikamente und bei fortschreitender Erkrankung auch Insulin.
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Arbeiten mit Diabetes – Herausforderungen im Berufsleben
Die Diagnose des Diabetes mellitus wird häufig dann gestellt, wenn Menschen bereits mitten in ihrem beruflichen Leben stehen. Prinzipiell bedeutet ein Diabetes dabei erstmal nicht den Zwang zum Berufswechsel. Im Gegenteil – die meisten Berufe können auch mit der Erkrankung problemlos weiterverfolgt werden.
Allerdings bringt sie einige Herausforderungen mit, die Betroffene beachten sollten. So sollten Menschen mit Diabetes immer ihren Blutzuckerspiegel im Auge behalten. Vor allem Stress, Schichtdienste und die Organisation von Essens- und Pausenzeiten können die Kontrolle des Blutzuckers erschweren. Besonders schwerwiegend ist die Herausforderung der ständigen Hypoglykämie-Gefahr (also das Risiko des Unterzuckers). Dieser kann im schlimmsten Fall zu Bewusstseinseintrübungen und sogar zum Koma führen.
Eine weitere Herausforderung für Menschen mit Diabetes ist die starke Stigmatisierung und Unwissenheit, die mit der „Zuckerkrankheit“ einhergeht. So können im Team Missverständnisse entstehen, die den Arbeitsalltag erschweren.
Umgang mit Herausforderungen bei Diabetes
Moderne Technologien wie Continuous-Glucose-Monitoring (CGM) und Insulinpumpen erleichtern den Berufsalltag für Menschen mit Diabetes erheblich. CGM liefert kontinuierliche Echtzeitwerte und Warnt vor Hypo- oder Hyperglykämien, sodass rechtzeitig gegengesteuert werden kann.
Insulinpumpen ermöglichen eine flexible und präzise Insulinzufuhr, die sich an Arbeitszeiten, Pausen und körperliche Aktivität anpassen lässt. Zusammen unterstützen diese Hilfsmittel stabile Blutzuckerwerte, reduzieren Unterzuckerungen im Job und erhöhen Sicherheit, Leistungsfähigkeit und Selbstständigkeit am Arbeitsplatz.
Zusätzliche Faktoren im Pflegeberuf
Der Pflegeberuf vereint einige Faktoren, die an sich schon im Berufsleben Herausforderungen bergen. So handelt es sich um einen sehr körperlichen Beruf, der damit schon ein höheres Risiko der Unterzuckerung mit sich bringt: Körperliche Betätigung kann schnell zu einem Absturz des Blutzuckers führen, auch in den Stunden danach. Das gleiche gilt für schwierige Stressphasen im Beruf.
Gleichzeitig können Mitarbeitende in der Pflege nur sehr selten Pausenzeiten nehmen wie sie möchten und das regelmäßige Messen der eigenen Werte mitsamt dem Entgegensteuern (etwa durch Einnahme von Zucker bei drohender Hypoglykämie) ist nur erschwert möglich. Dazu kommen Schichtdienste.
Gleichzeitig ist der Pflegeberuf ein Job, in dem man viel Verantwortung übernimmt und kurze Ausfälle direkte Auswirkungen auf die Gepflegten haben können – besonders wenn es zu Stürzen oder Pflegefehlern kommt. Auch Pflegekräfte mit Diabetes sind in ihrem Job stärker gefährdet, denn hier kommen sie mit vielen Infektionen und deren Erregern in Kontakt.
Bei der Bewerbung
Bei einer Bewerbung müssen Menschen mit Diabetes ihre Erkrankung grundsätzlich nicht angeben, da sie als persönliche Gesundheitsinformation gilt und unter den Datenschutz und das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) fällt.
Eine Offenlegung ist nur dann erforderlich, wenn die Erkrankung die sichere Ausübung der konkreten Tätigkeit beeinflussen könnte (z. B. Arbeiten mit Absturzgefahr, Führen schwerer Fahrzeuge, regelmäßige Bewusstseinsrisiken bei schwer einstellbarem Diabetes). Dabei sollte man auch die Komplikationen mit im Auge behalten, etwa Sehschwäche oder Einschränkungen der Sensibilität.
Im Pflegeberuf oder anderen körperlich fordernden Tätigkeiten kann es sinnvoll sein, Diabetes proaktiv und sachlich zu erwähnen, wenn z. B. regelmäßige Pausen zur Blutzuckerkontrolle oder Hypoglykämieprävention nötig sind. Gut kann es sein, sich zuvor mit Fachkräften aus der Allgemeinmedizin oder Diabetologie abzusprechen und sich auf mögliche Herausforderungen, aber auch auf Fragen der einstellenden Person vorzubereiten.
Beschäftigte haben das Recht auf angemessene Arbeitsanpassungen (z. B. Pausen, sicherer Zugang zu Nahrung/Messgeräten), sofern dies den Arbeitsablauf nicht unverhältnismäßig beeinträchtigt.
Arbeiten mit Diabetes – Diese Berufe sind verboten
Für Menschen mit gut eingestelltem Diabetes gibt es kein Berufsverbot. Sie können die meisten Berufe ohne Einschränkung ausführen. Insbesondere wenn die Erkrankung nicht gut eingestellt ist oder bestimmte Komplikationen vorliegen, gibt es aber einige Berufsgruppen, in denen die Gesundheit und Leistungsfähigkeit kritisch für die Sicherheit anderer Menschen ist.
Dazu zählen beispielsweise Tätigkeiten in der Luftfahrt, Berufskraftfahrer oder in bestimmten Bereichen der Polizei, Feuerwehr oder im Rettungsdienst, wenn Hypoglykämien das Risiko erhöhen könnten. Entscheidend ist dabei immer die individuelle Beurteilung des Gesundheitszustandes durch ärztliche Atteste und die Berücksichtigung der gesetzlichen Vorgaben.
Gefeuert wegen Diabetes?
Menschen mit Diabetes dürfen nicht allein wegen ihrer Erkrankung gekündigt werden. Ist Diabetes als Behinderung anerkannt, genießt die betroffene Person besonderen Kündigungsschutz nach dem Schwerbehindertenrecht.
Kann der aktuelle Beruf aufgrund von Folgeerkrankungen oder Einschränkungen nicht mehr ausgeübt werden, bestehen außerdem Möglichkeiten zur Umschulung oder Anpassung der Arbeitsaufgaben, sodass die Betroffenen weiterhin erwerbstätig bleiben können. In der Pflege kann dies beispielsweise bedeuten, vom Krankenbett ins Management zu wechseln, Stations- oder Praxisorganisation zu übernehmen oder Lehrkraft zu werden.
Arbeiten mit Diabetes – Mögliche Folgeerkrankungen
Folgeerkrankungen von Diabetes können die Arbeitsfähigkeit erheblich beeinflussen, je nach Art und Schwere der Komplikation. So können Neuropathien etwa Schmerzen oder Taubheiten auslösen, die vor allem langes Stehen und Gehen erschweren – im Pflegeberuf eine Herausforderung.
Auch Sehstörungen können den Berufsalltag zum Gegner machen, etwa wenn das Lesen von Dokumenten schwieriger wird. Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems oder der Niere können die körperliche Leistungsfähigkeit einschränken. Solche Folgeerkrankungen sollten zu Bedenken geben, ob eine Umschulung oder eine Reduktion von Stunden angebracht wäre.
Fazit
Der Diabetes mellitus ist eine Erkrankung, die durch ihre vielen Beschwerden schnell zur Herausforderung im Berufsleben werden kann. Gleichzeitig ist eine Diabetes-Diagnose aber kein Aus für die eigene Karriere. Eine besonders gute Zusammenarbeit mit Fachpersonal aus der Diabetologie und Allgemeinmedizin, detaillierte Absprachen mit dem Arbeitgeber und die exakte Überwachung der eigenen Blutzuckerwerte können den Umgang erleichtern und auch ein normales Arbeitsleben ermöglichen.
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- International Diabetes Federation, IDF Diabetes Atlas, 11. Ausgabe, Belgium: International Diabetes Federation, 2025.








