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Die Anamnese ist oft der erste Moment, in dem aus einzelnen Beschwerden ein klinisch verwertbares Bild entsteht. Gerade MFA und Pflegekräfte sind dabei häufig die ersten professionellen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner. Sei es am Telefon, am Empfang, in der Aufnahme, im Behandlungszimmer oder auf Station.
Dabei unterscheiden sich ihre Kompetenzen: MFA können im Rahmen der Anamnesevorbereitung standardisierte Angaben erheben. Diese werden anschließend durch Ärzte überprüft und gegebenenfalls ergänzt. Pflegefachpersonen erheben eigenverantwortlich pflegebezogene Daten und den individuellen Pflegebedarf. Im Rahmen entsprechend erworbener Kompetenzen können sie zudem eigenverantwortlich heilkundliche Aufgaben übernehmen.
Dabei gibt es fünf zentrale Punkte: ausreden lassen, strukturiert nachfragen, beschwerdebezogene Red Flags konsequent abfragen, trotz Technik beim Menschen bleiben und am Ende zusammenfassen. Dieser Artikel gibt Dir fünf Tipps, wie Du die Informationsaufnahme und Patientengespräche in Deinem Aufgabenbereich strukturiert und sicher gestaltest.
Das Wichtigste zur Anamnese in Kürze
- Eine gute Anamnese beginnt mit aufmerksamem Zuhören, folgt dann einer klaren Struktur und endet mit einer kurzen Zusammenfassung.
- Für MFA ist dabei die standardisierte Anamnesevorbereitung delegierbar, während die eigentliche ärztliche Anamnese ärztliche Kernleistung bleibt.
- Pflegefachpersonen erheben im Rahmen ihrer eigenen Berufsverantwortung unter anderem den individuellen Pflegebedarf.
- Wichtiger Beitrag zu Patientensicherheit, Teamkommunikation und effizienter Versorgung.
- Besonders wichtig: Patienten nicht zu früh unterbrechen, Leitfragen nutzen, Red Flags ernst nehmen, sauber dokumentieren und am Ende prüfen, ob man alles richtig verstanden hat.
- Stand: 18.08.2026
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Anamnese-Tipp 1 – Erst zuhören
Im Alltag ist Zeit knapp. Trotzdem lohnt es sich, die erste Schilderung nicht sofort in Einzelfragen zu zerlegen. Wer zu früh unterbricht, riskiert, dass wichtige Hinweise verloren gehen: zeitlicher Verlauf, Begleitsymptome, Auslöser, Medikamente, Vorerkrankungen oder Sorgen der Patientin. Eine offene Einstiegsfrage reicht oft: „Was führt Sie heute zu uns?“ Danach helfen kurze Signale wie Nicken, Blickkontakt oder „Erzählen Sie weiter“.
Für MFA und Pflegefachkräfte bedeutet das: Erst Raum geben, dann fokussieren. Sobald das Hauptanliegen klar ist, dürfen und sollen gezielte Fragen folgen. Der Leitfaden der Ärztekammer Nordrhein nennt unter anderem Warten, Wiederholen, Spiegeln und Zusammenfassen als Gesprächstechniken, die helfen, Informationen zu klären und korrekt zu verstehen.
Anamnese-Tipp 2 – Struktur schafft Sicherheit
Eine strukturierte Anamnese spart am Ende Zeit. Sie verhindert, dass Du unter Stress zentrale Punkte vergisst. Je nach Beschwerde und Setting kann ein kurzes Schema helfen: aktuelles Problem, Beginn, Verlauf, Stärke, Begleitsymptome, relevante Vorerkrankungen, Allergien, aktuelle Medikation, Schwangerschaft, Infektionszeichen, Sturzereignis oder Schmerzen.
Bei Schmerz eignet sich beispielsweise eine strukturierte Abfrage nach Ort, Beginn, Charakter, Intensität, Auslösern und lindernden Faktoren. In der Notfallaufnahme können außerdem Vitalparameter, Bewusstseinslage, Atemnot, Brustschmerz, neurologische Auffälligkeiten und akute Verschlechterungen entscheidend sein. Am Telefon können Vitalwerte nur berücksichtigt werden, wenn sie bereits vorliegen oder vom Patienten zuverlässig gemessen und mitgeteilt werden.
Wichtig ist: Das Schema dient der Sicherheit und nicht dem mechanischen Abarbeiten. Bei einer guten Anamnese bleibt man stets aufmerksam für Zwischentöne.
Ausbildungsplätze als
Anamnese-Tipp 3 – Red Flags aktiv abfragen
Patienten berichten Warnzeichen nicht immer von selbst. Je nach Beschwerdebild können beispielsweise Fieber, Gewichtsverlust, Nachtschweiß, Luftnot, neurologische Ausfälle oder Blut im Stuhl relevante Warnzeichen sein. Manche schämen sich oder wissen nicht, welche Information relevant ist. Deshalb sollten sogenannte beschwerdebezogene Red Flags aktiv und klar abgefragt werden.
Für MFA heißt das: Auffällige Angaben dokumentieren, nach den festgelegten Abläufen weitergeben und bei Warnzeichen entsprechend dem internen Standard eskalieren. Pflegefachpersonen nehmen darüber hinaus im Rahmen ihrer eigenen Fachkompetenz pflegebezogene Einschätzungen vor und handeln bei Warnzeichen nach den vorgesehenen medizinischen beziehungsweise notfallbezogenen Abläufen.
Anamnese-Tipp 4 – Dokumentieren
Eine zeitnahe und vollständige Dokumentation ist unverzichtbar. Digitale Dokumentation kann dabei den Gesprächsfluss stören. Wer während der Anamnese dauerhaft auf den Bildschirm schaut, verpasst Mimik, Zögern, Unsicherheit oder Schmerzverhalten. Sinnvoll ist ein Wechsel: kurz zuhören, Kerndaten notieren, Blickkontakt wieder aufnehmen, dann gezielt ergänzen.
Praktisch helfen Textbausteine, standardisierte Aufnahmebögen und klare Teamabsprachen. Dokumentiert werden sollten nicht nur Symptome, sondern auch relevante Negativangaben: „keine Atemnot“, „kein Thoraxschmerz“, „keine bekannte Allergie“. Solche Einträge sind für die weitere Versorgung oft genauso wichtig wie positive Befunde. Eine schlechte Teamkommunikation und unzuverlässige Prozesse können hingegen diagnostische Fehler begünstigen.
Anamnese-Tipp 5 – Zusammenfassen und Verständnis sichern
Am Ende solltest Du die erhobenen Angaben in wenigen Sätzen im Beisein des Patienten zusammenfassen: „Die Beschwerden bestehen seit gestern, der Schmerz sitzt rechts unten, Fieber besteht nicht, Medikamente nehmen Sie aktuell keine. Habe ich etwas Wichtiges vergessen?“ Diese Schleife gibt Patienten die Chance zur Korrektur und zeigt Wertschätzung.
Besonders bei weiteren Schritten, etwa Labor, EKG, Wundversorgung, Medikamenteneinnahme oder Beobachtung, eignet sich zusätzlich ein sogenanntes Teach Back: Der Patient gibt in eigenen Worten wieder, was er wissen oder tun soll. Es handelt sich dabei um eine evidenzbasierte Methode, um Verständnis, Patientensicherheit und Adhärenz zu fördern.
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Weiterführende Fragen zur Anamnese
- Welche Anamnese darf ich als MFA oder Pflegekraft erheben?
- Was gehört in eine kurze Anamnese am Telefon?
- Was mache ich, wenn Red Flags in der Anamnese auftauchen?
- Wie wird die Anamnese im Team besser?
MFA dürfen im Rahmen der Anamnesevorbereitung standardisierte Angaben erheben. Diese müssen anschließend vom Arzt überprüft und gegebenenfalls ergänzt werden. Die eigentliche ärztliche Anamnese gehört zu den nicht delegierbaren Leistungen. Pflegefachpersonen erheben dagegen eigenverantwortlich pflegebezogene Daten und den individuellen Pflegebedarf und können im Umfang entsprechend erworbener Kompetenzen auch heilkundliche Aufgaben eigenverantwortlich ausüben.
Hauptbeschwerde, Beginn, Verlauf, Hinweise auf Dringlichkeit, relevante Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien und beschwerdebezogene Red Flags. Bei Unsicherheit lieber ärztlich oder pflegerisch rückfragen.
Nicht abwarten. Dokumentiere die Aussage klar, informiere die zuständige Fachperson sofort und folge dem internen Notfall- oder Eskalationsstandard.
Durch einheitliche Fragen, klare Dokumentationsfelder, regelmäßige Fallbesprechungen und kurze Rückmeldungen: Welche Information hat geholfen, welche hat gefehlt?
- The diagnostic process, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/... (letzter Zugriff: 18.08.2026)
- Kommunikation im medizinischen Alltag, https://www.aekno.de/... (letzter Zugriff: 18.08.2026)
- Schutz vor Über- und Unterversorgung, https://www.degam.de/... (letzter Zugriff: 18.08.2026)
- KBV: Vereinbarung über die Delegation ärztlicher Leistungen an nichtärztliches Personal, Anlage 24 BMV-Ä
- Pflegeberufegesetz, insbesondere §§ 4 und 4a
- Bürgerliches Gesetzbuch, § 630f Dokumentation der Behandlung
- Agency for Healthcare Research and Quality: Use the Teach-Back Method, https://www.ahrq.gov/... (letzter Zugriff: 18.08.2026)









