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Ein interdisziplinäres Expertenbündnis fordert, School Nurses als verbindlichen Bestandteil jeder Schule zu etablieren. Bisher bleibt das Versorgen von Verletzungen und anderen medizinischen Bedürfnissen im Schulalltag an Lehrkräften oder Eltern hängen. In schlimmeren Fällen müssen Schulsekretariate den Rettungsdienst rufen.
Der Handlungsdruck ist beträchtlich: Nach Angaben des neuen Expertenberichts haben rund 3,5 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland einen besonderen gesundheitlichen Versorgungsbedarf. Dazu zählen beispielsweise Grunderkrankungen wie Asthma oder Diabetes. Gleichzeitig arbeiten an öffentlichen Schulen bundesweit nur etwa 150 Schulgesundheitsfachkräfte. Die Folge ist ein föderaler Flickenteppich aus Modellprojekten, befristeten Stellen und regional sehr unterschiedlichen Zuständigkeiten.
Dieser Artikel beschreibt die aktuellen Forderungen im Bereich School Nursing noch einmal im Detail.
Das Wichtigste in Kürze
- School Nurses versorgen akute Beschwerden, begleiten chronisch kranke Kinder und stärken Prävention sowie Gesundheitskompetenz.
- Das Expertenbündnis fordert mindestens eine qualifizierte Fachkraft an jeder Schule, gesetzlich verankert und dauerhaft finanziert.
- Modellprojekte berichten von weniger Rettungswageneinsätzen, besserer Früherkennung und einer Entlastung von Lehrkräften und Eltern.
- Offen bleiben vor allem Finanzierung, Zuständigkeiten, einheitliche Qualifikationen und die praktische Umsetzung im föderalen System.
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School Nurses – Versorgungslücken schließen
School Nurses bezeichnet auf Deutsch meist als Schulgesundheitsfachkräfte. Sie sind Pflegefachpersonen mit zusätzlichen Kompetenzen für Pädiatrie, Prävention, Beratung und Public Health. Ihr Aufgabenfeld reicht von der Erstversorgung bei Verletzungen über die Betreuung von Kindern mit Diabetes, Asthma oder Allergien bis zur Früherkennung von psychischer Belastungen. Sie beraten Familien, stimmen sich mit Arztpraxen und Beratungsstellen ab und können Schülerinnen und Schüler niedrigschwellig an weitere Hilfsangebote vermitteln.
Damit werden sie zur ersten Anlaufstelle zu gesundheitlichen Problemen an deutschen Schulen. Somit sind sie nicht einfach eine bessere Variante des Schulsanitätsdienstes. Sondern sie bilden eine professionelle Schnittstelle zwischen Bildungs-, Gesundheits- und Sozialsystem. Eine aktuelle deutsche Mixed-Methods-Studie beschreibt ihre Rolle entsprechend als eine Kombination aus Pflege, Gesundheitsbildung und Beratung. 92 Prozent der befragten School Nurses waren in Gesundheitsförderung, Prävention und Beratung tätig. 85 Prozent verfolgten das Ziel, die Gesundheitskompetenz von Kindern, Eltern und Schulpersonal zu stärken.
Ausbildungsplätze als Pflegefachkraft
School Nurses – Mehr als Modellprojekte
Der Expertenbericht verlangt eine flächendeckende Einführung, eine rechtliche Verankerung im Schul- und Gesundheitsrecht sowie bundesweit vergleichbare Qualifikationsstandards. Vorgesehen ist perspektivisch eine pflegefachliche Qualifikation mindestens auf Bachelorniveau, ergänzt durch Weiterbildungen etwa in Pädiatrie, School Nursing, Public Health und sozialmedizinischer Assistenz. Organisatorisch sollen die Fachkräfte eng mit dem Kinder- und Jugendgesundheitsdienst im Öffentlichen Gesundheitsdienst verbunden werden.
Diese Forderung ist nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass sonst unklar bleibt, welche medizinischen und pflegerischen Maßnahmen School Nurses selbstständig übernehmen dürfen. Ohne Standards drohen je nach Bundesland unterschiedliche Berufsprofile und Versorgungsqualitäten. Und ohne Dauerfinanzierung bleiben Schulen von Förderprogrammen oder kommunalen Einzelentscheidungen abhängig. Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen, dass Aufgaben, Beschäftigungsverhältnisse, Finanzierung und Qualifikationen derzeit stark variieren.
Eine gesetzliche Pflicht allein löst das Problem jedoch nicht. Sie muss mit einem realistischen Stufenplan, zusätzlichen Qualifizierungsangeboten und einer verlässlichen Personalbemessung verbunden werden. Angesichts der derzeit geringen Zahl an Fachkräften wäre eine sofortige Vollversorgung kaum umsetzbar. Priorität könnten zunächst Schulen mit hoher sozialer Belastung, vielen inklusiv beschulten Kindern oder einem besonders hohen medizinischen Unterstützungsbedarf erhalten.
School Nurses – Verbindung von Gesundheit und Bildung
Die internationale Forschung und deutsche Modellprojekte liefern positive Signale. Der Expertenbericht verweist unter anderem auf deutlich weniger Rettungswageneinsätze an beteiligten hessischen Schulen. Eine Evaluation in Rheinland-Pfalz berichtete zudem von Verbesserungen bei Gesundheitskompetenz, Früherkennung, Versorgung chronisch kranker Kinder und Unterrichtsteilnahme. Die Weltgesundheitsorganisation sieht Schulen als eine zentrale Möglichkeit, um Gesundheitsdienste für Kinder und Jugendliche in großer Reichweite anzubieten.
Trotzdem sollte die Politik das Nutzenversprechen von School Nurses nicht einfach unkritisch voraussetzen. Eine Fachpublikation von 2025 weist darauf hin, dass die Evidenz zu einzelnen Maßnahmen in Deutschland noch begrenzt ist. Gerade deshalb gehören eine einheitliche Dokumentation, wissenschaftliche Evaluation und transparente Qualitätsindikatoren in jedes Einführungsgesetz.
School Nurses – Dauerhafte Finanzierung
Als Finanzierungsmodell schlägt das Bündnis eine Mischfinanzierung von Bund, Ländern, Kommunen, Kranken- und Unfallkassen vor. Diskutiert wird auch ein „GesundheitsPakt Schule“ nach dem Vorbild des Digitalpakts. Politisch ist das plausibel, denn die möglichen Einsparungen und Entlastungen entstehen nicht nur in einem Ressort: Schulen gewinnen Zeit, Familien vermeiden Arbeitsausfälle, Rettungsdienste werden seltener gerufen und gesundheitliche Probleme können früher erkannt werden.
Der entscheidende Schritt besteht deshalb darin, School Nurses aus dem Projektmodus zu holen. Gesundheitliche Sicherheit im Schulalltag darf weder vom Wohnort noch vom Engagement einzelner Kommunen abhängen.
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Häufige Fragen
- Was ist eine School Nurse?
- Ersetzen School Nurses Ärztinnen und Ärzte?
- Gibt es bereits eine gesetzliche Pflicht?
- Warum reichen geschulte Lehrkräfte nicht aus?
Eine School Nurse ist eine qualifizierte Pflegefachperson, die an einer Schule für die akute Versorgung, Prävention, Beratung, Gesundheitsbildung und die Begleitung chronisch kranker Kinder zuständig ist.
Nein. Sie übernehmen pflegerische und koordinierende Aufgaben, erkennen Risiken frühzeitig und vermitteln bei Bedarf an Arztpraxen, Psychotherapie, Beratungsstellen oder den Rettungsdienst.
Nein. Deutschland verfügt bislang über keine bundesweit einheitliche gesetzliche Regelung. Der neue Expertenbericht fordert genau diese Verankerung auf Bundes- und Landesebene.
Lehrkräfte können Erste Hilfe leisten, sind aber weder für komplexe pflegerische Aufgaben noch für ein kontinuierliches Gesundheitsmanagement ausgebildet. School Nurses ergänzen das multiprofessionelle Team und ermöglichen, dass Lehrkräfte sich auf Unterricht und Pädagogik konzentrieren können.
- Schulgesundheitspflege, https://www.dbfk.de/... (Abrufdatum: 21.07.2026)
- Schulgesundheitsfachkräfte in Deutschland, https://www.springermedizin.de/... (Abrufdatum: 21.07.2026)
- School Nursing in Germany, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/... (Abrufdatum: 21.07.2026)








