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Medi-Karriere Magazin Hormonersatztherapie

Hormonersatztherapie Wechseljahre: Wirkung und Risiken

Hormonersatztherapie Wechseljahre: Wirkung und Risiken

Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Präparate und Wirkung
  3. Vorteile und Nutzen
  4. Risiken und Nebenwirkungen
  5. Alternativen
  6. Passende Stellenanzeigen

Die Hormonersatztherapie bietet in den Wechseljahren eine Möglichkeit, typische Beschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen und Osteoporose vorzubeugen. Doch die Anwendung ist umstritten: Nutzen und Risiken dieser Behandlung sollten individuell abgewogen werden.

Alle wichtigen Details zur Hormonersatztherapie finden sich in diesem Artikel.

Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Präparate und Wirkung
  3. Vorteile und Nutzen
  4. Risiken und Nebenwirkungen
  5. Alternativen
  6. Passende Stellenanzeigen

Hormonersatztherapie – Definition

Die Hormonersatztherapie (HET oder HRT nach dem Englischen “Hormone Replacement Therapy”) ist eine medizinische Behandlung, die eingesetzt wird, um hormonelle Ungleichgewichte oder Hormonmangel auszugleichen.

Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig: Die meisten kennen die HET vermutlich im gynäkologischen Zusammenhang, zur Verminderung der Symptome der Wechseljahre oder bei Ovarektomie (Entfernung der Eierstöcke). Tatsächlich kann sie aber beispielsweise auch im Rahmen der geschlechtsangleichenden Therapie bei Inter- oder Transgenderpersonen eingesetzt werden.

Außerdem gibt es auch eine Hormonersatztherapie, die bei Abfall der Androgenkonzentration im Alter von Personen mit männlichen Geschlechtsorganen und Hormonen eingesetzt wird – die folgenden Absätze beziehen sich allerdings auf die Anwendung von weiblichen Hormonersatzpräparaten.

Symptome der Wechseljahre

Die Wechseljahre (oder Klimakterium) gehen mit verschiedenen typischen Symptomen einher, bei denen man als Verursacher vor allem den schwankenden Östrogenspiegel vermutet.

Dieser verursacht bei vielen Personen Ein- und Durchschlafstörungen, Erschöpfung am Tag und Hitzewallungen im Sinne von starken Schweißausbrüchen mit anschließendem Frösteln. Außerdem kann es zu Konzentrationsschwierigkeiten oder auch psychischen Symptomen wie Depression oder Ängsten kommen.

Durch den Abfall von Testosteron im Alter können ebenfalls Symptome im Sinne von Leistungsminderung und verminderter Libido auftreten – von Wechseljahren spricht man hier allerdings nicht.

Hormonersatztherapie – Präparate und Wirkung

Sinn der Hormonersatztherapie ist, die natürliche Konzentration der Geschlechtshormone aufrecht zu erhalten. Da Östrogen (bzw. die Gruppe Estrogene) für die meisten Symptome verantwortlich ist, liegt der Fokus der Therapie vor allem darauf (Mittel der Wahl ist Estradiolvalerat).

Sie werden in der Regel bei erhaltenem Uterus mit einem Gestagenpräparat ergänzt, das die Schleimhauthypertrophie durch Östrogen und das damit zusammenhängende Risiko von Endometriumkarzinomen senken soll. Entsprechend werden die Präparate sequentiell verabreicht – ähnlich wie bei hormonellen Verhütungsmitteln (beispielsweise der Minipille).

  • Bei der Zyklisch-sequentiellen Kombination verabreicht man zwei Wochen Estrogene, gefolgt von einer Woche Gestagenen und einer Woche Therapiepause, in der es zu einer Abbruchblutung kommt.
  • Bei der kontinuierlichen Hormongabe gibt man entweder vier Wochen lang Estrogene und Gestagene zusammen oder letztere nur die letzten 14 Tage. Zwischenblutungen können vor allem bei der gemeinsamen Gabe auftreten.
  • Nach Hysterektomie (Entfernung des Uterus) bevorzugt man die reine Gabe von Estradiolvalerat.

Zusätzlich zu diesen Anwendungen mit systemischer Auswirkung, kann man Estrogene (vor allem Estradiol) auch topisch (lokal auf der (Schleim-)Haut) direkt im Genitalbereich anwenden. Das kommt typischerweise bei Personen zum Einsatz, die im oder nach Klimakterium unter vaginaler Trockenheit oder rezidivierenden vaginalen Entzündungen oder anderen urigenitalen Symptomen leiden.

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Hormonersatztherapie – Vorteile und Nutzen

Die Vorteile der Hormonersatztherapie sind vielfältig und gehen über die alleinige Symptomreduzierung hinaus. Sie kann beispielsweise die Behandlung von postmenopausaler Osteoporose begünstigen oder bei vorzeitiger Ovarialinsuffizienz (Symptomausfall) zum Einsatz kommen. Neben diesen offiziellen Indikationen gibt es aber noch weitere Einsatzgebiete in der Behandlung und Prävention, die die folgende Tabelle beschreibt:

Kategorie Indikation/Anwendung
derzeitige offizielle Indikationen (Beipackzettel)
  • klimakterische und urogenitale Beschwerden
  • postmenopausale Osteoporose
  • vorzeitige Ovarialinsuffizienz
kurative Anwendungsgebiete
  • Blutungsstörungen
  • klimakterische Beschwerden (vasomotorische und psychonervöse Symptome)
  • urogenitale Atrophie
  • urologische Beschwerden (Dysurie, Schmerzen)
  • spezielle Formen der Dyslipoproteinämie
präventive Anwendungsgebiete
  • urogenitale Atrophie
  • (Primärprävention) postmenopausale Osteoporose
  • vorzeitige Ovarialinsuffizienz, Diabetes mellitus
  • kolorektale Karzinome
Vermutlich präventive Anwendung
  • metabolisches Syndrom
  • koronare Herzerkrankungen
  • kolorektale Karzinome, Alzheimer
  • verschiedene degenerative Erkrankungen, Rheumaformenkreis
  • bestimmte Formen schizophrener Psychosen

Quelle: Checkliste Gynäkologie (Thieme, 2022)

Estrogene erzeugen einen besseren Erhalt der Endothelfunktion (innere Auskleidung der Blutgefäße), senken das LDL Cholesterin und können damit das Risiko einer koronaren Herzkrankheit (KHK) reduzieren. In der Kombination mit Gestagenen kann diese präventive Wirkung aber wieder umgekehrt werden.

Insgesamt gilt die Hormonersatztherapie als effektivste Methode in der Behandlung der Wechseljahre – die aber schlicht nicht jeder benötigt. Man geht davon aus, dass bei etwa 20 bis 30 Prozent der Personen mit Klimakterium ein behandlungswürdiger Leidensdruck besteht.

Hormonersatztherapie – Risiken und Nebenwirkungen

Auch bei der Hormonersatztherapie können natürlich viele unerwünschte Nebenwirkungen auftreten. Die meisten sind dabei – wie bei den gewünschten Effekten auch – auf die Östrogenwirkung zurückzuführen. Hormone dieser Klasse führen unter anderem zu:

  • vaginalen Zwischenblutungen
  • Amenorrhoe (Ausbleiben der Menstruation)
  • Gewichtszunahme und Ödeme (Wassereinlagerung) durch Wasserretention
  • Kopfschmerzen
  • depressive Verstimmungen
  • Spannungsgefühl der Brüste

Darüber hinaus haben Estrogene eine thromboembolische Wirkung, können also vor allem venöser Thrombenbildung führen. Um das Risiko und die Belastung der Leber zu minimieren, wendet man sie heutzutage vor allem transdermal (mit Pflaster oder Gels) an. Dadurch wird der „First-Pass-Effekt“ (Passage der Leber vor systemischer Verteilung) umgangen.

Dennoch ist das Thromboserisiko vor allem im ersten Jahr der HET vermutlich erhöht. Gestagene werden nicht durch die Haut, sondern oral oder per intrauteriner Spirale appliziert.

Hormonersatz und Brustkrebsrisiko

Der vermutete Zusammenhang zwischen Brustkrebs und Hormonersatztherapie wurde vor allem zum Thema, nachdem 2002 eine Studie der Woman health initiative (WHI) veröffentlicht wurde, die bei Kombination von konjugierten equinen Östrogenen (CEE) und Medroxyprogesteronacetat (MPA) eine Risikoerhöhung für Brustkrebs um fast 25 Prozent feststellte.

In den Jahren danach wurde die Studie zunehmend kritisiert – wegen fehleranfälliger Analyseansätze und einer Kohorte bestehend aus älteren, asymptomatischen Frauen. Außerdem erbrachten europäische Studien über Hormonersatztherapie mit Östradiol und natürlichem Progesteron andere Ergenbnisse, die Nationwide Finnish Comparative Study sogar das gegenteilige Ergebnis der Risikosenkung.

Heißt das, dass HET Brustkrebs auslösen kann? Die Berechnung der Kausalität ist schwer, da Mamma-Karzinome etwa zehn bis 15 Jahre brauchen, um auf einen Zentimeter zu wachsen. Eine kombinierte Hormonersatztherapie kann das Risiko wohl leicht erhöhen, wobei der Wert hier bei 0,8 von 1.000 Fällen gesehen wird.

Etwa in der gleichen Größenordnung senkt die Therapie die Inzidenz von kolorektalen Karzinomen. Die alleinige Estrogentherapie ist laut S3-Leitlinie von 2020 sicher. Insgesamt scheint das erhöhte Brustkrebsrisiko von der Einnahmedauer abzuhängen.

Der aktuelle Konsens zur Hormonersatztherapie ist, dass die positiven Effekte (Senkung der Fälle von Darmkrebs, Diabetes und Knochenbrüchen) die negativen (Risikoerhöhung von Brustkrebs, Endometriumkarzinomen und Thromboembolien) aufwiegen.

Abzuwägen ist, dass die Lebensqualität durch die verminderten Symptome deutlich steigt. Eine individualisierte Therapie für Therapiebedürftige mit sorgfältiger Abwägung von Indikationen und Kontraindikationen steht im Mittelpunkt. Insgesamt gilt, dass sie mehr Nutzen als Risiken bringt.

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Hormonersatztherapie – Alternativen

Neben der klassischen Hormonersatztherapie gibt es verschiedene Alternativen, um Symptome hormoneller Veränderungen, wie in der Menopause, zu lindern. Medikamentös kann man Beschwerden auch symptomatisch behandeln, beispielsweise nicht-hormonelle Medikamente wie Antidepressiva (z. B. SSRIs oder SNRIs) oder Clonidin bei Hitzewallungen oder Schlafstörungen.

Die postmenopausale Osteoporose soll sogar zunächst mit Antiosteoporotika behandelt werden. In gynäkologischer Absprache können auch Alternative Ansätze zur Symptommilderung angewandt werden. Pflanzliche Präparate, insbesondere solche mit Phytoöstrogenen wie Soja-Isoflavonen oder Rotklee, können bei leichten bis moderaten Beschwerden hilfreich sein.

Auch pflanzliche Arzneimittel wie Traubensilberkerze (Cimicifuga) werden häufig eingesetzt. Lebensstiländerungen, einschließlich regelmäßiger körperlicher Aktivität, einer ausgewogenen Ernährung und Stressmanagement, spielen eine wesentliche Rolle bei der Verbesserung der Lebensqualität.

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Häufige Fragen

  1. Wie lange braucht eine Hormonersatztherapie, bis sie wirkt?
  2. Die Wirkung einer Hormonersatztherapie setzt meist innerhalb weniger Wochen ein. Viele Personen spüren eine deutliche Besserung nach etwa zwei bis vier Wochen. Für die vollständige Wirkung, etwa bei Knochenschutz, kann es jedoch Monate dauern.

  3. Welche Nebenwirkungen hat Hormonersatztherapie?
  4. Die Hormonersatztherapie kann Nebenwirkungen wie Brustspannen, Kopfschmerzen, Übelkeit und Gewichtszunahme verursachen. Es besteht auch ein erhöhtes Risiko für Thrombosen, Schlaganfälle und möglicherweise Brustkrebs, abhängig von Hormonart, Dosis und Dauer der Anwendung. Individuelle Risiken sollten vor Beginn der Therapie ärztlich abgeklärt werden.

  5. Was ist eine bioidentische Hormonersatztherapie?
  6. Die bioidentische Hormonersatztherapie verwendet Hormone, die in ihrer chemischen Struktur den natürlichen, körpereigenen Hormonen entsprechen. Diese Hormone, wie bioidentisches Östrogen oder Progesteron, werden meist aus pflanzlichen Quellen wie Soja oder Yamswurzel hergestellt und so verarbeitet, dass sie identisch mit den menschlichen Hormonen sind. Ziel ist es, eine bessere Verträglichkeit und geringere Nebenwirkungen im Vergleich zu synthetischen Hormonen zu bieten. Bioidentische Hormone können in verschiedenen Formen verabreicht werden, z. B. als Cremes, Gele, Pflaster oder Kapseln, und die Therapie wird oft individuell angepasst.

  7. Verhindert eine Hormonersatztherapie Osteoporose?
  8. Ja, eine Hormonersatztherapie kann Osteoporose verhindern oder verlangsamen. Insbesondere Östrogene wirken knochenschützend, da sie den Abbau von Knochensubstanz hemmen und die Knochendichte erhalten. Menschen in den Wechseljahren, deren Östrogenspiegel sinkt, profitieren davon, da das Risiko für Knochenbrüche, insbesondere an Hüfte, Wirbelsäule und Handgelenk, reduziert wird. Die Wirkung ist jedoch meist auf die Dauer der HET begrenzt, und nach dem Absetzen kann der Knochenschutz nachlassen. Sie sollte daher sorgfältig abgewogen und auf individuelle Risikofaktoren abgestimmt werden.

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Quellen
  1. Rahn et al.: Vaginal estrogen for genitourinary syn- drome of menopause: a systematic review, erschien in: Obstetrics & Gynecology, 2014
  2. Fehn et al., Checkliste Gynäkologie, Thieme (Verlag), 1. Auflage, 2022
  3. Harper-Harrison et al., Hormone Replacement Therapy, StatPearls Publishing, 2024
  4. Herdegen et al., Kurzlehrbuch Pharmakologie und Toxikologie, Thieme (Verlag), 5. Auflage, 2024
    Medizinische und Rechtliche Hinweise
    Dieser Artikel ist nur als Hintergrundinformation bestimmt. Der Inhalt kann und darf nicht verwendet werden, um selbst Diagnosen zu stellen sowie Behandlungen anzufangen oder abzusetzen. Die Informationen können keinen Arztbesuch ersetzen. Bei medizinischen Anliegen und zur Klärung weiterer Fragen ist daher stets ein/e Arzt/Ärztin aufzusuchen.
    Wichtiger rechtlicher Hinweis für diesen Artikel
    Redaktion
    Lilli Abstein
    Lilli Abstein
    Medizinstudentin
    Zuletzt aktualisiert: 03.02.2026

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