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Deutschland diskutiert die Einführung eines Familienpflegegeldes, um Angehörige in der häuslichen Pflege stärker zu entlasten. Millionen Menschen kümmern sich täglich um pflegebedürftige Familienmitglieder – oft unbezahlt, unter hohem Druck und mit wenig Unterstützung. Die Bundesregierung reagiert nun auf den wachsenden Fachkräftemangel und will pflegende Angehörige finanziell stärken.
Der folgende Artikel zeigt, wer vom geplanten Familienpflegegeld profitieren soll, welche Ziele es verfolgt und welche Kritik es bereits jetzt auslöst.
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Familienpflegegeld – Was ist das?
Das Familienpflegegeld ist eine finanzielle Unterstützungsleistung, die pflegende Angehörige entlasten und die häusliche Pflege fördern soll. Es richtet sich meist an Familienmitglieder, die sich regelmäßig und in erheblichem Umfang um die Betreuung und Versorgung pflegebedürftiger Personen kümmern. Ziel ist es, den Verbleib im vertrauten häuslichen Umfeld zu ermöglichen und gleichzeitig die Pflegenden für ihren zeitlichen und körperlichen Einsatz zumindest teilweise zu entschädigen. Die genaue Ausgestaltung, Höhe und Anspruchsvoraussetzungen können Länder oder Regionen unterschiedlich regeln.
Aktueller Stand und Pläne der Bundesregierung
Zuletzt sprach sich Bundesfamilienministerin Karin Prien (SPD) für die Einführung eines Familienpflegegelds aus. Durch die demographische Entwicklung wird die Pflege nicht mehr durch die Pflege von Pflegefachkräften allein leistbar sein, so die SPD-Ministerin. Das Familienpflegegeld solle dabei als eine Art „Lohnersatz“ dienen, genauere Umsetzungspläne scheint es allerdings noch nicht zu geben. Im Allgemeinen sinkt die Wahrscheinlichkeit einer zeitnahen Einführung.
Prien betonte, dass zunächst die wirtschaftliche Lage verbessert werden müsse: „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass sich die wirtschaftliche Lage verbessert. Aber auch wenn das klappt, wird man Schwerpunkte setzen müssen. Und oberste Priorität hat für mich mehr Chancengerechtigkeit für Kinder und Jugendliche.“ Der Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD beinhaltet lediglich eine Prüfung der Förderung, die bereits Vorhaben der alten Bundesregierung war. Bisher war die Überbrückung als Teil des Pflegegeldes für Pflegebedürftige geregelt – allerdings nur in Teilen und kurzfristig.
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Familienpflegegeld – Hintergrund
Die Idee der Einführung des Familienpflegegeldes in Deutschland entstand vor dem Hintergrund eines ernsten Pflegekräftemangels und dem wachsenden Versorgungsbedarf im häuslichen Bereich. Rund 4,9 Millionen der etwa 5,7 Millionen Pflegebedürftigen erhalten eine Betreuung zu Hause, davon etwa 3,1 Millionen ausschließlich durch Angehörige. Da die professionelle Pflege nicht ausreicht, übernehmen Informelle – meist Familienmitglieder – oft mit hohem Zeitaufwand die Versorgung. Das Familienpflegegeld soll sie finanziell unterstützen und entlasten, damit die heimische Pflege im bestehenden System stabil bleibt.
Familienpflegegeld – Lob
Positiv zum Familiengeld äußerten sich unter anderem Sozialverbände. Sie verknüpfen ihr Lob mit diversen Forderungen zu Höhe und Ausgestaltung. So sprach sich Michaela Engelmeier (Vorstand Sozialverband Deutschland) für eine Mindesthöhe auf Elterngeld-Niveau aus. Im ähnlichen Rahmen befürwortete Joachim Rock (Geschäftsführung Paritätischer Wohlfahrtsverband) die Mindesthöhe von 65 Prozent des vorherigen Gehalts.
Die Caritas konkretisierte Vorstellungen zu einer entsprechenden Entlastung der Pflege noch. Sie fordern eine Anpassung des Pflegesystems um die Angehörigen-Pflege insgesamt alltagstauglicher zu machen. Ein Budget von bis zu 4,7 Milliarden Euro für die Umstellung wäre realistisch. Insgesamt sprechen sich Sozialverbände vor allem für ein sozial gestaffeltes Modell aus.
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Familienpflegegeld – Kritik
Das Familienpflegegeld wird zwar als Anerkennung für pflegende Angehörige begrüßt, steht jedoch auch in der Kritik. So wird aus der Expertise heraus bemängelt, dass es die strukturellen Probleme im Pflegesystem nicht löst, sondern vielmehr private Pflege weiter voraussetzt und zementiert. Gerade auch aus wirtschaftlicher Sicht sei ein Anreiz, aus dem Job teilweise oder ganz herauszutreten, selbst wenn eine andere Form der Pflege möglich wäre, in Zeiten von Fachkräftemangel als schwierig zu betrachten. Kritisiert wird zudem, dass finanzielle Entlastung allein nicht ausreiche, solange pflegende Angehörige keine ausreichende professionelle Unterstützung, flexible Arbeitsbedingungen oder psychosoziale Begleitung erhalten.
Im Zentrum der Kritik steht zudem die ungleiche Verteilung der Pflegearbeit: Generell würde das ungleiche Verhältnis von durch Frauen und Männer geleistete Care-Arbeit bestehen bleiben. Schon jetzt sind etwa die Hälfte der berufstätigen Frauen wegen Care-Arbeit in Teilzeit – was wiederum unter anderem zu Lasten der frauendominierten Pflegeberufe geht. Ein Anreiz zum Verlassen des Arbeitsmarktes würde diese Situation im Zweifel noch bestärken.
So müsse noch eine Lösung gefunden werden, wie eine Pflege möglich ist, ohne das Verlassen des eigenen Berufs, der nun mal auch geregelte Arbeitszeiten, Krankentage und Urlaub möglich macht.
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- Pflegebedürftige in Deutschland, https://www.tagesschau.de/... (Abrufdatum 04.07.2025)
- Pflegegeld, https://www.tagesschau.de/... (Abrufdatum 04.07.2025)
- Familienpflegegeld, https://www.dgb.de/... (Abrufdatum 04.07.2025)







