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Medi-Karriere Medipedia Vitamin B6

Vitamin B6: Definition, Funktionen und klinische Relevanz

Nicolas Simon
von Nicolas Simon (Medizinstudent) Zuletzt aktualisiert: 04.01.2026
Natural,Sources,Of,Vitamin,B6,(pyridoxine).,Healthy,Food,Concept.

Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Funktion und Bedeutung
  3. Verstoffwechselung
  4. Vorkommen und Bedarf
  5. Klinische Relevanz
 

Vitamin B6, auch bekannt als Pyridoxin, ist eines der wichtigsten Vitamine des menschlichen Stoffwechsels. Es übernimmt bedeutende Aufgaben im Aminosäure- und Proteinstoffwechsel, ist für die Bildung von Neurotransmittern unentbehrlich und spielt eine tragende Rolle bei der Energiegewinnung. Trotz seiner Bedeutung wird es im Alltag häufig übersehen, da Mangelzustände selten sind. Dennoch kann ein Defizit gravierende Folgen für das Nervensystem, die Blutbildung und das Immunsystem haben. Welche Funktionen Vitamin B6 genau hat und bei welchen Erkrankungen es relevant wird, beschreibt der folgende Artikel.

Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Funktion und Bedeutung
  3. Verstoffwechselung
  4. Vorkommen und Bedarf
  5. Klinische Relevanz

 

Vitamin B6 – Definition

Vitamin B6 ist ein Sammelbegriff für eine Gruppe chemisch verwandter, wasserlöslicher Verbindungen: Pyridoxin, Pyridoxal und Pyridoxamin. Diese drei Formen sind strukturell Derivate des Pyridins, unterscheiden sich jedoch durch ihre funktionellen Gruppen: Alkohol, Aldehyd oder Amin. Im Organismus werden sie zu ihrer biologisch aktiven Form, dem Pyridoxal-5’-phosphat (PALP), umgewandelt. PALP wirkt als Coenzym in zahlreichen enzymatischen Reaktionen, insbesondere solchen, die den Aminosäurestoffwechsel betreffen.

Chemisch betrachtet handelt es sich bei Pyridoxin um 3-Hydroxy-5-hydroxymethyl-2-methylpyridin. Die Coenzymfunktion von PALP beruht auf der Fähigkeit seiner Aldehydgruppe, mit Aminogruppen von Aminosäuren reversible Schiff’sche Basen zu bilden. Hierbei handelt es sich um einen Mechanismus, der die Umlagerung und den Umbau von Aminosäuren überhaupt erst ermöglicht.

Ubiquitär im menschlichen Körper

Vitamin B6 ist an mehr als 140 enzymatischen Reaktionen im menschlichen Körper beteiligt. Damit zählt es zu den vielseitigsten Mikronährstoffen überhaupt.

Chemische Struktur Der Vitamine Grafik

Vitamin B6 – Funktion und Bedeutung

Vitamin B6 ist unverzichtbar für zahlreiche Stoffwechselwege, vor allem für die Verarbeitung von Aminosäuren, Lipiden, Kohlenhydraten und Neurotransmittern. Darüber hinaus spielt es eine Rolle in der Hämsynthese, im Homocystein-Stoffwechsel und bei der Bildung von Antikörpern und Hormonen.

Aminosäurestoffwechsel

Im Zentrum der biochemischen Aktivität von PALP steht die Beteiligung an Transaminierungen, Decarboxylierungen und Eliminierungsreaktionen von Aminosäuren. In diesen Reaktionen fungiert PALP als Coenzym, das durch Bildung einer Schiff’schen Base mit der Aminogruppe einer Aminosäure eine Umlagerung oder Abspaltung bestimmter Gruppen ermöglicht.

  • Transaminierungen: Dabei wird die Aminogruppe einer Aminosäure auf eine Ketosäure übertragen. So können Aminosäuren in andere umgewandelt oder zu Substraten des Energiestoffwechsels (beispielsweise Pyruvat oder α-Ketoglutarat) abgebaut werden. Enzyme wie die Alanin-Aminotransferase (ALAT) und Aspartat-Aminotransferase (ASAT) sind klassische Vertreter dieser Reaktionen.

  • Decarboxylierungen: PALP-abhängige Decarboxylasen entfernen Carboxylgruppen aus Aminosäuren und erzeugen daraus biogene Amine. Viele davon sind Neurotransmitter. Beispiele sind die Bildung von GABA aus Glutamat (durch Glutamatdecarboxylase), Serotonin aus 5-Hydroxytryptophan oder Dopamin aus DOPA.

  • Eliminierungs- und Kondensationsreaktionen: In weiteren PALP-abhängigen Reaktionen werden funktionelle Gruppen entfernt oder verknüpft, etwa in der Synthese von Cystathionin aus Homocystein.

Durch diese vielfältigen Reaktionen wirkt Vitamin B6 also nicht nur im Eiweißstoffwechsel, sondern auch in der Regulation zahlreicher Signalmoleküle und Hormone.

Bedeutung für das Nervensystem

Eine der bekanntesten Aufgaben von Vitamin B6 liegt in der Synthese von Neurotransmittern. Ohne PALP könnten Dopamin, Serotonin, Noradrenalin, GABA und Histamin nicht gebildet werden. Diese Botenstoffe steuern Emotion, Schlaf, Appetit, Motivation und motorische Kontrolle. Ein Mangel an Vitamin B6 kann daher zu depressiven Verstimmungen, Nervosität, Reizbarkeit und Schlafstörungen führen. Dies sind Symptome, die oft mit neurologischen Erkrankungen verwechselt werden.

Hämatopoese und Hämstoffwechsel

PALP ist essenziell für die Aktivität der δ-Aminolävulinat-Synthase, dem Schrittmacherenzym der Hämsynthese. Ein Mangel an Vitamin B6 kann deshalb zu einer hypochromen mikrozytären Anämie führen, da weniger Hämoglobin gebildet wird. Besonders gefährdet sind Menschen mit unzureichender Eiweißzufuhr oder chronischem Alkoholkonsum.

Lipid- und Kohlenhydratstoffwechsel

Im Kohlenhydratstoffwechsel ist PALP Bestandteil der Glykogenphosphorylase, die für den Abbau von Glykogen zu Glukose-1-phosphat notwendig ist. Dadurch trägt Vitamin B6 indirekt zur Energieversorgung, vor allem bei körperlicher Belastung, bei. Im Lipidstoffwechsel unterstützt es die Bildung von Sphingolipiden, wichtigen Bestandteilen der Zellmembran und Myelinscheide.

Homocystein- und Methioninstoffwechsel

Gemeinsam mit Folsäure (B9) und Cobalamin (B12) wirkt Vitamin B6 im Abbau des potenziell gefäßschädigenden Homocysteins. Es ist Coenzym der Cystathionin-β-Synthase und der Cystathionin-γ-Lyase, die Homocystein zu Cystein weiterverarbeiten. Ein Mangel an einem dieser Vitamine kann zu erhöhten Homocysteinspiegeln führen, was das Risiko für Arteriosklerose und kardiovaskuläre Erkrankungen steigert.

Vitamin B6 – Verstoffwechselung

Nach der Nahrungsaufnahme wird Vitamin B6 überwiegend in Form von Phosphatestern aufgenommen. Im Dünndarm, vor allem im Jejunum, werden diese durch Phosphatasen hydrolysiert, sodass freies Pyridoxin, Pyridoxal oder Pyridoxamin in die Enterozyten gelangen kann. Dort werden sie erneut phosphoryliert, wobei Pyridoxal-5’-phosphat als Hauptspeicher- und Transportform fungiert.

Das Vitamin wird über das Blut vor allem an Albumin gebunden transportiert. In der Leber erfolgt ein Großteil der Umwandlung und Speicherung. Überschüssiges Vitamin B6 wird nach Oxidation zu 4-Pyridoxalsäure über die Nieren ausgeschieden.

Da Vitamin B6 wasserlöslich ist, kann der Körper keine großen Reserven anlegen. Schon nach wenigen Wochen unzureichender Zufuhr kann daher ein Mangel auftreten. Dies passiert vor allem bei gleichzeitig erhöhtem Verbrauch, wie etwa während Schwangerschaft oder bei chronischem Stress.

Vitamin B6 – Vorkommen und Bedarf

Vitamin B6 ist in zahlreichen tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln enthalten. Besonders reichhaltig sind:

  • Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte
  • Grünes Gemüse (beispielsweise Brokkoli, Spinat oder grüne Bohnen)
  • Fleisch, vor allem Leber und Geflügel
  • Fisch, Eigelb und Milchprodukte
  • Nüsse, Hefe und Bananen

Allerdings reagiert Pyridoxin empfindlich auf Hitze und Licht. Beim Kochen, Braten oder längeren Warmhalten von Speisen kann ein erheblicher Anteil des Vitamins verloren gehen. Rohkost und schonende Garmethoden tragen daher wesentlich zur Erhaltung des Vitamingehalts bei.

Der tägliche Bedarf an Vitamin B6 hängt eng mit der Eiweißzufuhr zusammen, da es vor allem im Aminosäurestoffwechsel gebraucht wird. Erwachsene Männer benötigen etwa 1,5 Milligramm täglich, Frauen rund 1,2 Milligramm.

Erhöhter Bedarf besteht bei:

  • Schwangeren und Stillenden (durch gesteigerten Stoffwechsel und Fetusversorgung)
  • Menschen mit hohem Eiweißkonsum
  • Alkoholikern und Rauchern (erhöhter Abbau im Stoffwechsel)
  • Personen, die hormonelle Kontrazeptiva oder bestimmte Medikamente wie Isoniazid, Antiepileptika oder Antidepressiva einnehmen

Bei einer ausgewogenen Ernährung wird der Tagesbedarf jedoch in der Regel problemlos gedeckt.

Vitamin B6 – Klinische Relevanz

Vitamin-B6-Mangelzustände sind in Industrieländern selten, können jedoch durch einseitige Ernährung, Alkoholismus, Malabsorption oder medikamentöse Einflüsse entstehen. Die Symptome sind vielfältig und betreffen vor allem Haut, Blut und Nervensystem.

Symptome des Mangels

Zu den typischen klinischen Zeichen gehören:

  • Appetitverlust, Übelkeit und Erbrechen
  • Entzündliche Hautveränderungen (seborrhoische Dermatitis, insbesondere im Gesicht)
  • Stomatitis, Glossitis und Risse in den Mundwinkeln
  • Mikrozytäre, hypochrome Anämie aufgrund gestörter Hämbildung
  • Depression, Reizbarkeit, Nervosität und Parästhesien
  • Schlafstörungen und Konzentrationsprobleme

Bei Säuglingen kann ein schwerer Mangel zu Krampfanfällen führen, die durch eine gestörte GABA-Synthese ausgelöst werden. Dieses Krankheitsbild, auch als Limer-Krankheit bekannt, tritt vor allem bei Säuglingen auf, die mit erhitzter Pulvermilch ernährt werden, da Vitamin B6 durch Hitze zerstört wird.

Bedeutung in der Schwangerschaft

Ein unzureichender Vitamin-B6-Spiegel während der Schwangerschaft kann mit einem erhöhten Risiko für Komplikationen wie Eklampsie oder Gestationsdiabetes assoziiert sein. Zudem wird Pyridoxin gelegentlich therapeutisch gegen Schwangerschaftsübelkeit eingesetzt, da es die Neurotransmitterbalance im Gehirn stabilisiert.

Überdosierung

Hypervitaminosen sind äußerst selten, da überschüssiges Vitamin B6 über die Nieren ausgeschieden wird. Erst bei extrem hohen Dosen (über 1 Gramm täglich über längere Zeit) kann es zu sensorischen Neuropathien, Parästhesien und erhöhter Lichtempfindlichkeit kommen.

Therapeutische Anwendung

Vitamin B6 wird zur Behandlung verschiedener Zustände eingesetzt, etwa bei prämenstruellem Syndrom (PMS), bestimmten Formen der Epilepsie oder Medikamentennebenwirkungen (beispielsweise bei Isoniazid-Therapie). Dabei kommen meist Dosierungen zwischen 50 und 200 Milligramm täglich zum Einsatz. Das ist deutlich über dem physiologischen Bedarf, aber weit unterhalb toxischer Schwellen.

Autor
Nicolas Simon

Nicolas Simon

Medizinstudent

Nicolas studiert Humanmedizin im klinischen Abschnitt an der Universität des Saarlandes in Homburg. Bereits seit seiner Kindheit zählt das Schreiben von Texten aller Art zu seinen größten Hobbies. Deshalb freut er sich umso mehr, diese Leidenschaft mit seiner Faszination für alle möglichen Themen rund um die Medizin zu verbinden und die Leser/-innen durch sorgfältig recherchierte Texte für die Welt der Medizin zu begeistern.

Quellen
  1. Vitamine, https://next.amboss.com/... , (Abrufdatum: 03.11.2025)
Medizinische und Rechtliche Hinweise
Dieser Artikel ist nur zur Information bestimmt. Der Inhalt kann und darf nicht verwendet werden, um selbst Diagnosen zu stellen sowie Behandlungen anzufangen oder abzusetzen. Die Informationen können keinen Arztbesuch ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen ist leider nicht möglich.

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