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Der Begriff Divergenz hat viele verschiedene Bedeutungen, die je nach Zusammenhang unterschiedlich verwendet werden. In diesem Artikel werden diese verschiedenen Bedeutungen erklärt, es soll sich aber vor allem auf den medizinischen Bereich beziehen.
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Divergenz – Definition
Divergenz bedeutet in der Biologie im Allgemeinen das Auseinanderentwickeln von Strukturen, Genen oder Verhaltensweisen bei ursprünglich ähnlichen Organismen, oft durch Anpassung an unterschiedliche Umweltbedingungen. Das Gegenteil wird als Konvergenz bezeichnet.
Evolutionsbiologie
Divergenz beschreibt in der Evolution die Auseinanderentwicklung von Merkmalen bei ursprünglich ähnlichen Arten oder Populationen. Ein prominentes Beispiel stellen die Darwin-Finken dar, die auf den Galapagos-Inseln unterschiedliche Schnabelformen je nach Nahrung entwickelten. Wichtig für diese Divergenz ist eine Art Konkurrenz, wodurch sich ökologische Nischen bilden.
Genetik und Molekularbiologie
Genetische Divergenz bezeichnet die Akkumulation von Mutationen in den DNA-Sequenzen zweier Populationen oder Arten, die von einem gemeinsamen Vorfahren abstammen. Dies betrifft insbesondere: Nukleotidsequenzen in kodierenden oder nicht-kodierenden Bereichen, Aminosäuresequenzen von Proteinen und auch regulatorische Elemente, wie beispielsweise Promotoren oder Enhancer.
Physiologie und Anatomie
Besonders in den Bereichen Physiologie und Medizin wird der Begriff Divergenz häufiger verwendet. Auch hier meint er eine Bewegung voneinander weg, das kann im anatomischen Sinne, als auch im neurophysiologischen Sinne sein.
Neurophysiologie
Divergenz bezeichnet, wenn ein Nervenzell-Signal auf mehrere Zielzellen übertragen wird. Dabei bildet ein präsynaptisches Neuron Synapsen mit mehreren postsynaptischen Neuronen. Dadurch kann eine Verstärkung des Signals erfolgen und Informationen können parallel verarbeitet werden. Auch die Koordination komplexer Reaktionen wird durch die divergente Verschaltung erleichtert. Etwa 99,9 Prozent aller Neurone sind entweder über Divergenz oder Konvergenz verschaltet. Nur ein Bruchteil der Neurone sind simpel über Afferenz und Efferenz verschaltet, ohne dass weitere Nervenzellen an der Synapse beteiligt sind.
Beispielsweise leitet ein Schmerzrezeptor (Nozizeptor) aus der Haut ein Signal zum Rückenmark, wo es auf mehrere verschiedenen postsynaptische Neurone weitergeleitet wird. Zum einen werden motorische Neurone aktiviert, die eine schnelle Rückziehbewegung veranlassen. Diese Umschaltung kann direkt auf das Motoneuron oder indirekt über ein Interneuron erfolgen. Zusätzlich werden natürlich auch Projektionsfasern aktiv, die das Signal über den Schmerz zum Gehirn weiterleiten, wo er überhaupt erst als solcher wahrgenommen wird.
In der Sinnesphysiologie stehen Divergenz und Konvergenz im Zusammenhang mit den sogenannten rezeptiven Feldern. Ein rezeptives Feld ist dabei das Areal, das genau eine sensorische Sinneszelle aktiviert. Hier ist vor allem die Ausprägung der Konvergenz ausschlaggebend.
Große und kleine rezeptive Felder
Ein kleines rezeptives Feld zeichnet sich durch eine hohe Auflösung aus. Im Gegensatz dazu haben große rezeptive Felder ein schlechteres Auflösungsvermögen. Wenn also viele Neurone auf ein zentrales Neuron treffen, werden die rezeptiven Felder größer und die Auflösung schlechter. Treffen wenige sensorische Nervenzellen auf das zentrale Neuron, steigt die Auflösung und das rezeptive Feld wird kleiner. Maßgeblich hierfür ist nicht der Grad der Divergenz sondern Konvergenz.
Augenbewegung
Divergenzbewegung ist das Auseinanderbewegen beider Augen beim Fokussieren entfernter Objekte. Somit ist die Divergenzbewegung ein zentraler Mechanismus bei der Fernakkommodation. Bei der Fernakkommodation kommt es außerdem zu einer Erweiterung der Pupillen, der sogenannten Mydriasis. Zusätzlich muss die Brechkraft abnehmen, was über ein Abflachen der Linse erreicht wird.
Die Divergenzbewegung der Augen wird vor allem durch den Musculus rectus lateralis beider Seiten ermöglicht. Diese Muskeln sind Teil der äußeren Augenmuskulatur.
Häufige Fragen
- Was bedeutet Divergenz im Nervensystem?
- Wofür ist Divergenz im Nervensystem funktionell wichtig?
- Wie unterscheidet sich Divergenz von Konvergenz?
- Was ist eine Divergenzbewegung der Augen?
- Wann tritt eine Divergenzbewegung auf?
Divergenz beschreibt, wie ein einzelnes Neuron Informationen an mehrere nachgeschaltete Neuronen weiterleitet. Das dient der Signalverbreitung, Koordination und parallelisierten Informationsverarbeitung.
Divergenz ist in der Neurophysiologie wichtig für eine Signalverstärkung, in der ein Reiz auf viele Ebenen wirkt. Außerdem wird so eine Parallelverarbeitung möglich. Auch die Integration komplexer Reaktionen, wie Fluchtverhalten und Bewegungsplanung werden so koordiniert.
Bei der Divergenz wird ein Neurotransmittersignal an mehrere Zielneurone weitergeleitet. Zweck ist die Verbreitung, Verstärkung oder Verzweigung des Signals.
Bei der Konvergenz übertragen mehrere Eingangsneurone Signale auf ein gemeinsames Zielneuron. Dies dient der Integration unterschiedlicher Reize oder räumliche/zeitliche Summation.
Eine Divergenzbewegung ist eine disjugierte Augenbewegung, bei der sich beide Augen nach lateral (nach außen) bewegen – also in entgegengesetzte Richtungen, um ein weiter entferntes Objekt zu fixieren.
Eine Divergenzbewegung tritt beim Blickwechsel von nahen zu entfernten Objekten auf. Dies wird als Fernakkommodation bezeichnet.
Die Divergenzbewegung ist Teil der Akkommodations-Trias bei der Fernakkomodation und beinhaltet die Divergenz, Pupillenerweiterung (Mydriasis) und eine Abnahme der Brechkraft durch Abflachen der Linse.
- Silbernagel et. al.: Physiologie, Thieme, 8. Auflage, 2018
- Divergenz, https://www.spektrum.de/... (Abrufdatum: 23.07.2025)
- Grundlagen der Sensorik, https://next.amboss.com/... (Abrufdatum: 23.07.2025)
- Visuelles System, https://next.amboss.com/... (Abrufdatum: 23.07.2025)




