
Die ERAS Nurse ist eine wichtige Begleiterin für Patienten, denen ein operativer Eingriff bevorsteht. Durch ihre Erfahrung und ihre kommunikativen sowie koordinativen Fähigkeiten sorgt sie im gesamten Prozess für optimale Voraussetzungen, die eine schnellere Genesung ermöglichen können.
Dieser Artikel stellt die Aufgaben einer ERAS Nurse und die Weiterbildung in diesem zukunftsorientierten Berufszweig vor.
ERAS Nurse – Definition
Eine ERAS Nurse plant und überwacht die Umsetzung des ERAS-Konzeptes bei chirurgischen Eingriffen. ERAS, die „Enhanced Recovery After Surgery“ (schnellere Erholung nach Operationen) richtet sich nicht nur an das Pflegepersonal, sondern an alle Fachbereiche, die in die Behandlung der Patienten involviert sind. Die ERAS Nurse steht dabei als Bindeglied an der Seite der Patienten und somit im Zentrum der Versorgung.
ERAS – Konzept
Das ERAS-Konzept, das der Arbeit der ERAS Nurse zugrunde liegt, entstand um die Jahrtausendwende und wurde seither von der ERAS Society stetig weiterentwickelt. Es zielt darauf ab, einen allgemeingültigen Leitfaden für die Abläufe in der evidenzbasierten und modernen Chirurgie zu erschaffen.
Dabei liegt der Fokus nicht auf der Operationsmethode und der Nachsorge allein, sondern umfasst auch die gewissenhafte Operationsvorbereitung und die Begleitung des Patienten durch den gesamten Prozess.
ERAS Effekte
Studienanalysen zeigen, dass die Befolgung der ERAS Protokolle die Komplikationsrate bei chirurgischen Eingriffen um etwa 30 bis 50 Prozent reduzieren kann und auch die stationäre Aufenthaltsdauer der Patienten entsprechend verkürzt ist. Dies führt neben besseren Operationsergebnissen zu einer deutlichen Ressourceneinsparung, was insbesondere angesichts des Strukturwandels in der Gesellschaft das Ziel vieler Kliniken ist.
Häufig entwickeln Kliniken ihre ERAS Strategien mit Fokus auf die besonderen Aspekte des geplanten Eingriffs, da sich Operationsabläufe, die Regenerationsphase und die zu erwartenden Komplikationen je nach betroffenem Organ unterscheiden können. Diese Details berücksichtigt die ERAS Nurse bei ihrer Planung.
Patientenindividuelle Risiken und Komplikationen bei Operationen
Um postoperative Probleme wie Wundheilungsstörungen, Blutarmut, Einschränkungen der Nierenfunktion und Störungen der Orientierung zu umgehen oder abzumildern, sollten bereits bei der Operationsplanung Risikofaktoren wie Mangelernährung, schlecht eingestellte Blutdruck- oder Blutzuckerwerte erkannt und behandelt werden.
Aspekte des Eingriffs und der Nachsorge
Eine zu lange Nüchtern-Periode vor der Operation und groß angelegte Eingriffe anstelle von „Schlüsselloch-Operationen“ belasten den Körper massiv. Nach der Operation sollte man den Patienten zügig mobilisieren bei möglichst geringen Bewegungseinschränkungen durch Katheter und Zugänge. So kann medizinisches Personal Lungenentzündungen, Druckgeschwüre und Harnwegsinfekte häufig verhindern.
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ERAS Nurse – Aufgaben und Funktion
Die ERAS Nurse setzt sich mit dem geplanten Eingriff und den damit verbundenen Herausforderungen auseinander. Beim Vorgespräch lernt sie den Patienten kennen, erkundigt sich über Vorerkrankungen und individuelle Risikofaktoren. Sie spricht Themen wie die optimale Ernährung und körperliche Vorbereitung auf die Operation an und weist auf mögliche Schwierigkeiten hin.
Gemeinsam mit dem Patienten entwickelt sie das Behandlungskonzept. Während des stationären Aufenthalts sorgt sie dann dafür, dass die geplanten Maßnahmen zeitgerecht umgesetzt werden. Sie kommuniziert Probleme oder notwendige Anpassungen des Behandlungsplans mit allen betreffenden Abteilungen.
Die ERAS Nurse beantwortet die Fragen des Patienten und ist auch im Anschluss an die stationäre Behandlung seine Ansprechpartnerin, wenn Probleme auftreten.
ERAS Nurses tauschen sich regelmäßig mit den übrigen Fachbereichen aus und besprechen, ob die ERAS Maßnahmen adäquat umgesetzt werden und wo es Verbesserungsmöglichkeiten gibt.
Wie wird man ERAS Nurse?
Aktuell existiert keine eigenständige ERAS Nurse Weiterbildung in Deutschland. Vielmehr können Pflegefachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung von den Kliniken als ERAS Nurse eingesetzt werden und sich durch Fortbildungen innerhalb ihres Berufsfeldes spezialisieren. Oftmals übernehmen sie auch anteilig die allgemeine Stationsversorgung. Sie sind also nicht ausschließlich für die ERAS Maßnahmen zuständig.
Voraussetzungen
Kliniken setzen für die Beschäftigung als ERAS Nurse meist eine Ausbildung zur Pflegefachkraft oder ein Pflegestudium mit Bachelorabschluss voraus. Berufserfahrung in chirurgischen Abteilungen ist vorteilhaft für den Einstieg in die ERAS Versorgung.
Weiterbildung
Für eine ERAS Nurse kann es sinnvoll sein, durch Fort- und Weiterbildungen ihr Wissen in Themenfeldern wie Wundheilung und -versorgung, Ernährungsberatung oder Kommunikation zu vertiefen. Damit kann sie die Umsetzung der Maßnahmen und deren Effekte gut überwachen und das Therapiekonzept bewusst anpassen, wenn sich eine Maßnahme als unzureichend oder ungeeignet für den individuellen Heilungsverlauf erweist.
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- Ljungqvist, O., Scott., M., Fearon, K.C., Enhanced Recovery After Surgery: A Review. In: JAMA Surgery (Ausgabe 03/2017, S. 292-298)







