Ab dem Jahr 2026 droht vielen Arzt- und Zahnarztpraxen ein unerwarteter Digital-Stillstand: Zahlreiche Komponenten der Telematikinfrastruktur (TI) erreichen das Ende ihrer technischen Lebensdauer oder verlieren ihre Zulassung. Besonders betroffen sind ältere Konnektoren und Kartenterminals, die für zentrale Anwendungen wie eRezept, eAU oder das Versichertenstammdatenmanagement unverzichtbar sind.
Expertinnen und Experten warnen bereits, dass ohne rechtzeitige Modernisierung der Praxis-IT nicht nur Abläufe ins Stocken geraten könnten, sondern im schlimmsten Fall die komplette digitale Arbeitsfähigkeit einer Praxis gefährdet ist. Dieser Artikel erklärt alle Details zur Entwicklung.
Was gehört zur TI?
Die Telematikinfrastruktur (TI) ist eine sichere Vernetzung innerhalb des deutschen Gesundheitswesens, über die Daten übertragen werden. Sie verbindet Praxen, Kliniken, Apotheken und Krankenkassen. Durch sie wird der sichere Austausch von Gesundheitsdaten ermöglicht. Es handelt sich dabei nicht um das normale Internet, sondern ein abgeschottetes und besonders gesichertes Netz.
Der Betrieb, die Regeln und Zulassungen werden von der gematik (Nationale Agentur für digitale Medizin) und dem BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) festgelegt.
Wenn von TI-Komponenten in der Praxis die Rede ist, meint man im Alltag vor allem die Hardware und Software, die die Arztpraxis mit der Telematikinfrastruktur verbinden. Sobald TI-Komponenten ausfallen, ablaufen oder nicht mehr zugelassen sind, kann es passieren, dass die Praxis plötzlich keinen TI-Zugang mehr hat und dadurch zentrale digitale Prozesse stehenbleiben. Ein normaler Betrieb ist dann kaum noch möglich.
Was ist der aktuelle Stand?
Die gematik geht nun davon aus, dass rund 10.000 Arzt- und Zahnarztpraxen betroffen sind, bei denen ältere Konnektor- und TI-Komponenten eingesetzt werden. Diese werden ab dem Jahr 2026 nicht mehr funktionsfähig oder zugelassen sein.
Es handelt sich dabei insbesondere um Geräte zur Anbindung an die digitale Infrastruktur im Gesundheitswesen, die veraltet sind und nicht mehr den technischen sowie rechtlichen Anforderungen entsprechen. Ab Januar 2026 könnten damit Konsequenzen eintreten, wenn Praxisinhaber nicht rechtzeitig handeln.
Der Grund für den notwendigen Austausch liegt vor allem in den technischen und sicherheitsrelevanten Vorgaben der Telematikinfrastruktur. Viele ältere TI-Komponenten besitzen Sicherheitszertifikate, die nur für einen begrenzten Zeitraum gültig sind. Sobald diese Zertifikate ablaufen, verlieren die Geräte automatisch ihre Zulassung und dürfen aus Sicherheitsgründen nicht mehr am Netz betrieben werden.
Hinzu kommt, dass zahlreiche Altgeräte nur ältere Verschlüsselungsverfahren wie RSA unterstützen, die den aktuellen Sicherheitsstandards nicht mehr genügen. Die TI stellt schrittweise auf modernere kryptographische Verfahren um, die von alten Komponenten technisch nicht mehr bewältigt werden können.
Moderne Verschlüsselungsverfahren
Ältere TI-Komponenten verwenden oft veraltete Verschlüsselungsverfahren wie RSA 2048, die heutigen Sicherheitsanforderungen nicht mehr genügen. Die TI stellt deshalb auf modernere, deutlich sicherere Algorithmen wie Elliptic Curve Cryptography (ECC) um.
Geräte, die diese neuen Verfahren technisch nicht unterstützen können, müssen ersetzt werden, weil sie sonst ein Sicherheitsrisiko für die gesamte Infrastruktur darstellen.
Anwendungen wie das eRezept, die eAU oder ePA setzen Funktionen voraus, die von der alten Hardware nur unzureichend oder gar nicht mehr unterstützt werden.
Um eine stabile und sichere digitale Infrastruktur im Gesundheitswesen zu gewährleisten, schreibt die gematik vor, dass nicht mehr kompatible Geräte aus dem Betrieb genommen werden müssen.
Was bedeutet das für Arztpraxen?
Praxen, die veraltete Komponenten weiter nutzen und nicht bis 2026 umrüsten, riskieren einen Ausfall der TI-Anbindung. Dadurch könnten wichtige digitale Dienste nicht mehr funktionieren. Das erhöht das Risiko von Betriebsunterbrechungen.
Ein unterbrochener TI-Anschluss kann zum Beispiel die Abrechnung mit den Kassen verzögern. Auch die digitale Kommunikation oder der Zugriff auf elektronische Patientenakten kann dann eingeschränkt sein.
Außerdem könnte es sein, dass bei Nutzungen veralteter, nicht zugelassener Komponenten Haftungs- oder Regressfragen auftreten, wenn beispielsweise Datenverarbeitung nicht mehr den Anforderungen entspricht oder Systeme nicht mehr sicher betrieben werden können.
Eine Praxis, die früh modernisiert, kann Vorteile haben, indem sie schneller digital weiterarbeiten kann und weniger von Störungen betroffen ist.
Was jetzt zu tun ist
Es wird empfohlen, die eigene Ausstattung früh zu prüfen. Praxen sollten Ersatz oder Updates planen, um nicht plötzlich ohne digitale Arbeitsfähigkeit dazustehen. Für Arzt- und Zahnarztpraxen bedeutet das, mehr Planungssicherheit zu schaffen. Daher sollten Praxisinhaber prüfen, ob ihre TI-Geräte noch zukunftssicher sind oder bereits auf der Liste auslaufender Modelle stehen.
So wird eine solide Kosten- und Investitionsplanung wichtig. Der Austausch oder das Upgrade von Hardware und Software benötigen Zeit und verursachen Kosten. Deshalb sollten Praxen früh Angebote einholen, Dienstleister beauftragen und Updates oder Ersatzgeräte rechtzeitig installieren.
- TI, https://www.bsi.bund.de/... (Abrufdatum: 19.11.2025)
- Medscape, https://deutsch.medscape.com/... (Abrufdatum: 19.11.2025)
- gematik, https://www.gematik.de/... (Abrufdatum: 19.11.2025)









