Die hohe Abbruchquote unter Pflege-Azubis stellt angesichts des demografischen Wandels ein ernstzunehmendes Problem für die zukünftige Versorgung pflegebedürftiger Menschen in Deutschland dar. Immerhin ist aktuell knapp jede dritte Berufspflegekraft älter als 55 Jahre und Nachwuchs im Pflegesektor wird dringend benötigt. Ausbilder sollten den aktuellen Aufschwung bei den Neuausbildungsverträgen nutzen und vor allem auf eine gute und individuell zugeschnittene Betreuung der Azubis in der Pflege setzen.
In diesem News-Artikel gibt es alle Informationen zu den aktuellen Abbruchraten bei der Pflege-Ausbildung.
Abbruchraten bei Pflege-Azubis höher als in anderen Berufssparten
Pflege-Azubis in Deutschland schließen seltener als Menschen in anderen dualen Ausbildungsberufen ihre Ausbildung erfolgreich ab. Während im Durchschnitt üblicherweise etwa ein Viertel der Verträge vorzeitig aufgelöst werden, haben 2023 nur rund 33.600 und damit etwa 60 Prozent der ursprünglich knapp 57.000 Pflege-Azubis, die 2020 in die Ausbildung gestartet waren, den Ausbildungsweg erfolgreich beendet.
Wenngleich personenbezogene Dienstleistungsberufe generell zu den kritischen Berufsfeldern im Hinblick auf die Abbruchquoten zu zählen sind, sticht die Pflege in diesem Bereich besonders hervor.
Warum gehäufte Ausbildungsabbrüche bei Pflege-Azubis besonders problematisch sind
Seit Langem warnen Verbände wie die Pflegekammern vor einer zunehmenden Kluft zwischen der Anzahl der langfristig benötigten Pflegekräften und aktuell bestehenden Personalständen.
Während derzeit etwa 30 Prozent aller berufstätigen Pflegekräfte ihrer Rente entgegensehen, sind gerade einmal 15 Prozent ihrer Kollegen jünger als 30 Jahre. Darüber hinaus üben viele Pflegekräfte ihren Beruf gar nicht bis zum regulären Rentenalter aus, sondern beenden ihre berufliche Laufbahn verfrüht.
Unter den neuen Pflege-Azubis ist wiederum bereits jeder fünfte älter als 30 Jahre. Zudem bleibt der Anteil an Frauen in der Pflegeausbildung schon seit Langem konstant bei etwa 75 Prozent. Und nach wie vor arbeiten in Deutschland Frauen häufiger in Teilzeit als ihre männlichen Kollegen – oft, weil sie die Pflege und Betreuung von Angehörigen übernehmen.
Was Pflege-Azubis zum Aufhören bewegt
Die neuen Pflege-Azubis im Jahr 2020 traten erstmals zur generalisierten Pflegeausbildung an, welche die bisher getrennten Ausbildungswege in der Pflege vereint. Dabei klagen die Auszubildenden nach wie vor häufig über unzureichende Praxisanleitung, die fehlende lokale Verfügbarkeit praktischer Ausbildungsstätten – vor allem in der Kinderkrankenpflege – und eine inhaltliche Überfrachtung der Ausbildung.
Zudem erlebten die Azubis und Berufsanfänger vor allem in 2019 und 2020 die Auswirkungen der Corona-Pandemie hautnah mit, welche den Pflegesektor massiv gefordert und viele Pflegende traumatisiert hat. Schwerkranke Patienten trafen auf hohe Krankenstände bei Mitarbeitenden in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Die pflegerische Versorgung und zwischenmenschliche Kontakte mussten häufig auf ein Mindestmaß reduziert werden. Unzureichende intensivmedizinische Betreuungskapazitäten hatten vielfach ethisch komplexe Abwägungen zur Folge, was bei allen Beteiligten zu großer Frustration führte. Und Personal, das während dieser Zeit ausfiel, wurde aus vielfältigen Gründen oftmals nicht mehr nachbesetzt.
Ein häufiges Problem fasst die „Analyse von Maßnahmen zur Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen in der Pflege“, ein Projekt des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) aus den Jahren 2021-2024, unter dem Begriff des „Praxisschocks“ zusammen. Diesen erleben die Pflege-Azubis, wenn ihre erlebte Ausbildungs- und Arbeitssituation in vielen Punkten und Situationen von der Vorstellung des Pflegeberufs abweicht.
Dies ist angesichts verbreiteter personeller Engpässe in Pflegeeinrichtungen, unzuverlässiger Dienstplanung und einer generell hohen emotionalen und körperlichen Arbeitsbelastung keine Seltenheit im Pflegealltag. Damit verbunden kann auch ein Missverhältnis zwischen den individuellen Fähigkeiten und Ressourcen der Auszubildenden und den allgemeinen Anforderungen des Pflegeberufs die Gedanken an einen Ausbildungsabbruch fördern – Gedanken, mit denen sich laut der Studie immerhin nahezu jeder zweite Pflege-Azubi zumindest gelegentlich auseinandersetzt.
Wie Ausbilder ihre Pflege-Azubis unterstützen können
Damit Pflege-Azubis motiviert bleiben, ihre Ausbildung erfolgreich abzuschließen und den Beruf auch im Anschluss zu ergreifen, ist vor allem eine gute Unterstützung und Begleitung während der Ausbildung erforderlich.
Aktuelle Projekte wie das „Haus der guten Ausbildung“, das im Rahmen der Untersuchungen des BIBB eine erste Pilotphase durchlief, sollen ein möglichst detailliertes Bild der allgemeinen sowie individuellen Risikofaktoren für einen Ausbildungsabbruch vermitteln. Damit könnten Ausbilder sowohl die Ausbildungsstätte und den Ablauf der Pflegeausbildung optimieren als auch individuelle Beratungs- und Hilfsangebote entwickeln, um besonders abbruchgefährdete Auszubildende frühzeitig zu unterstützten. Dazu zählen auch Kurse zur Sprachförderung, die einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen der Ausbildung für Menschen mit sprachlichen Barrieren leisten.
Nicht zuletzt sollte auch die Work-Life-Balance stärker berücksichtigt werden, insbesondere vor dem Hintergrund der wachsenden Nachfrage nach Teilzeitarbeit.
Checkliste
Hier sind alle wichtigen Tipps, mit denen Arbeitgeber ihre Pflege-Azubis besser unterstützen können, noch einmal als Checkliste zusammengefasst.
Besserer Start
- Klarer Erwartungsaustausch vor Ausbildungsbeginn.
- Fester Mentor plus Buddy aus höherem Lehrjahr.
- Strukturierter Einarbeitungsplan für die ersten 12 Wochen.
-
Kontinuierliche Betreuung
- Monatliche Feedback-Termine zwischen Azubi und Praxisanleitung.
- Schulung der Praxisanleiter in Anleitung, Feedback und Konfliktlösung.
- Regelmäßiges Belastungsmonitoring und anpassbare Dienstpläne.
Motivation und Perspektive stärken
- Jährliche Karriere-Workshops (Weiterbildung, Spezialisierungen, Karriereschritte).
- Eigenverantwortliche Projektarbeit im zweiten Ausbildungsjahr.
- Intensive Begleitung vor Prüfungen und frühzeitige Übernahme-Perspektive.
Organisation & Rahmenbedingungen
- Dienstplanung, die Überbelastung vermeidet (Ruhezeiten, Rotation verringern).
- Team- und Führungskräfteschulungen für eine konstruktive Lernkultur.
- Regelmäßige Analyse von Kennzahlen (Abbruchquote, Feedbackwerte).
Ziel / Erfolgsmessung
- Abbruchquote innerhalb von 12–24 Monaten sichtbar reduzieren.
- Zufriedenheit der Azubis und Übernahmequote steigen.
Ausblick
Seit 2023 steigt die Zahl der Pflege-Azubis kontinuierlich an. Während damals noch etwa 54.500 Menschen mit der generalisierten Pflegeausbildung begannen, ließen sich 2024 schon knapp 60.000 neue Ausbildungsverträge verzeichnen. Wenn es gelingt, die Ausbildungsbedingungen und die Bedürfnisse der Pflege-Azubis besser in Einklang zu bringen, könnte der Pflegeberuf wieder an Attraktivität gewinnen. Damit könnten dem Arbeitsmarkt in wenigen Jahren dringend benötigte Fachkräfte zur Verfügung stehen.
- Fuchs, P., Mielenz, M. O., Seidel, K., Brantzko, M., Pöschel, A. S., Beuthner, D., & Herten, B., Analyse von Maßnahmen zur Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen in der Pflege: Erfahrungen aus Pilotprojekten zur Abbruchprävention. Herausgegeben vom Bundesinstitut für Berufsbildung (Bonn, 2025)
- 33 600 Pflegefachfrauen und -männer im Jahr 2023 erfolgreich ausgebildet – Statistisches Bundesamt. https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/07/PD24_284_212.html?templateQueryString=pflegeausbildungsstatistik (Abrufdatum: 10.08.2025)
- 37 400 erfolgreich ausgebildete Pflegefachfrauen und -männer im Jahr 2024 – Statistisches Bundesamt. https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/07/PD25_276_212.html?templateQueryString=pflegeausbildungsstatistik (Abrufdatum: 10.08.2025)









