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Medi-Karriere Medipedia Proteasen

Proteasen: Definition, Funktion und Beispiele

Nicolas Simon
von Nicolas Simon (Medizinstudent) Zuletzt aktualisiert: 20.11.2025
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Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Funktion
  3. Beispiele

Proteasen gehören zu den grundlegenden Enzymen des Lebens, da sie den Abbau und Umbau von Proteinen ermöglichen. Dies ist einer der wichtigsten Vorgänge in jeder Zelle. Durch das Spalten von Peptidbindungen regulieren sie zahlreiche physiologische Prozesse wie Verdauung, Zellzyklus, Immunantwort und Apoptose. Ohne die kontrollierte Aktivität von Proteasen wäre weder die Proteinverdauung noch der Abbau fehlgefalteter oder beschädigter Proteine möglich, was schwerwiegende Folgen für den Organismus hätte. Zugleich ist ihre Aktivität fein reguliert, da eine unkontrollierte Proteolyse zelluläre Strukturen zerstören könnte. Welche wichtigen Vertreter es innerhalb der Gruppe der Proteasen gibt und welche Aufgaben diese genau erfüllen, beschreibt der folgende Artikel.

Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Funktion
  3. Beispiele

Proteasen – Definition

Proteasen, auch als Peptidasen oder Eiweiß-spaltende Enzyme bezeichnet, sind Enzyme, die Peptidbindungen zwischen Aminosäuren hydrolytisch spalten. Sie gehören zur Gruppe der Hydrolasen und werden nach der Enzymklassifikation unter der EC-Nummer 3.4 geführt. Der Mechanismus beruht auf einer katalysierten Hydrolyse, bei der ein Wassermolekül die Peptidbindung aufbricht und die Polypeptidkette in kleinere Fragmente zerlegt.

Diese Enzyme sind in allen Lebewesen vorhanden (von Bakterien bis hin zu Menschen) und erfüllen vielfältige Aufgaben. In tierischen Organismen sind sie sowohl im Verdauungstrakt als auch intrazellulär in Lysosomen, im Zytoplasma oder im Blutplasma aktiv. Einige Proteasen arbeiten sehr spezifisch und erkennen nur bestimmte Aminosäuresequenzen, während andere unspezifisch nahezu jede Peptidbindung spalten können.

Proteasen bei Viren

Manche Viren, darunter HIV und SARS-CoV-2, besitzen eigene Proteasen, die für ihre Vermehrung unentbehrlich sind. Diese viralen Proteasen spalten große Polyproteine des Virus in funktionelle Einzelbestandteile. Genau hier setzen antivirale Medikamente an, indem sie diese spezifischen Proteasen blockieren und so die Virusvermehrung stoppen.

Proteasen – Funktion

Die Hauptfunktion der Proteasen besteht in der Spaltung von Proteinen zur Gewinnung einzelner Aminosäuren oder kleiner Peptide. Diese Produkte dienen dann entweder dem Aufbau neuer Proteine oder als Energiequelle. Darüber hinaus spielen Proteasen eine entscheidende Rolle bei der Regulation zellulärer Prozesse, da sie in der Lage sind, Enzyme, Hormone, Wachstumsfaktoren oder Rezeptoren gezielt zu aktivieren oder zu inaktivieren.

Proteinabbau und Verdauung

Eine der bekanntesten Aufgaben der Proteasen ist die Verdauung von Nahrungsproteinen. Im Magen beginnt dieser Prozess durch die Endopeptidase Pepsin, die lange Polypeptidketten in kürzere Bruchstücke zerlegt. Im Dünndarm übernehmen dann Trypsin, Chymotrypsin, Elastase und verschiedene Carboxypeptidasen die weitere Zerkleinerung, bis schließlich freie Aminosäuren entstehen, die resorbiert werden können.

Durch diesen abgestuften Prozess wird sichergestellt, dass die Eiweiße aus der Nahrung effizient verwertet werden können. Jede Protease arbeitet dabei in einem spezifischen pH-Bereich und ist auf bestimmte Aminosäuren spezialisiert, was ein fein abgestimmtes System der Proteolyse ermöglicht.

Zelluläre Regulation und Signaltransduktion

Proteasen wirken auch als molekulare Schalter in der Zelle, indem sie bestimmte Proteine spalten und damit biochemische Signalwege aktivieren oder deaktivieren. Ein bekanntes Beispiel ist die Caspase-Familie, die beim programmierten Zelltod (Apoptose) eine wichtige Rolle spielt. Durch die gezielte Spaltung zellulärer Strukturen sorgen Caspasen für die geordnete Selbstzerstörung der Zelle.

Auch in der Blutgerinnung und Fibrinolyse sind Proteasen unverzichtbar. Hier sorgen Serinproteasen wie Thrombin oder Plasmin für die Aktivierung in einer Kaskade, die bei Bedarf sehr schnell ablaufen kann. Dieses Prinzip einer enzymatischen Verstärkung ist typisch für biologische Systeme, die präzise und dennoch dynamisch reagieren müssen.

Abwehrmechanismen und Immunsystem

Im Immunsystem sind Proteasen ebenfalls von großer Bedeutung. Sie sind an der Antigenprozessierung beteiligt, also der Zerkleinerung körperfremder Proteine, damit diese den T-Zellen präsentiert werden können. In Neutrophilen und anderen Immunzellen dienen Proteasen zudem als Waffen gegen Mikroorganismen, indem sie bakterielle Proteine zerstören und so zur unspezifischen Immunabwehr beitragen.

Damit sich diese Aktivität nicht gegen körpereigene Strukturen richtet, existieren im Organismus zahlreiche Proteaseinhibitoren, die eine übermäßige oder fehlerhafte Proteolyse verhindern.

Proteasen – Beispiele

Proteasen sind äußerst vielfältig, sowohl hinsichtlich ihrer Struktur als auch ihrer Funktion. Im Folgenden werden einige der wichtigsten Vertreter und ihre biologischen Rollen näher beschrieben.

Pepsin

Pepsin ist die bedeutendste Verdauungsprotease des Magens und wird von den Hauptzellen der Magenschleimhaut als inaktive Vorstufe Pepsinogen gebildet. Erst im sauren Milieu des Magens (pH-Wert zwischen eins und zwei) wird Pepsinogen durch Autokatalyse zu aktivem Pepsin umgewandelt.

Pepsin gehört zur Gruppe der Aspartatproteasen und spaltet bevorzugt Peptidbindungen, hinter denen aromatische Aminosäuren wie Phenylalanin, Tryptophan oder Tyrosin stehen. Seine Aktivität ist essenziell für die Zerkleinerung der Nahrungsproteine, wodurch die Oberfläche für die nachfolgenden Enzyme im Dünndarm vergrößert wird. Da Pepsin im stark sauren Umfeld optimal arbeitet, wird es beim Übergang in den neutraleren Dünndarm rasch inaktiviert.

Trypsin

Trypsin ist eine Serinprotease, die im Dünndarm aktiv ist. Sie wird in der Bauchspeicheldrüse als inaktive Vorstufe Trypsinogen produziert und durch das Enzym Enteropeptidase (früher Enterokinase genannt) im Duodenum aktiviert.

Trypsin spaltet Peptidbindungen hinter den basischen Aminosäuren Lysin und Arginin, wodurch kleinere Peptide entstehen. Darüber hinaus besitzt Trypsin eine wichtige Rolle in der Aktivierung anderer Verdauungsenzyme. Es kann Proenzyme wie Chymotrypsinogen oder Proelastase aktivieren, was eine koordinierte Proteolyse im Dünndarm gewährleistet.

Um eine Selbstverdauung der Bauchspeicheldrüse zu verhindern, wird Trypsin durch körpereigene Proteaseinhibitoren wie den Pancreas-Trypsin-Inhibitor kontrolliert. Kommt es zu einem Defekt dieser Regulation, kann eine Pankreatitis entstehen. Hierbei handelt es sich um eine gefährliche Entzündung des Pankreas.

Chymotrypsin

Chymotrypsin ist eine weitere Serinprotease, die ebenfalls im Dünndarm wirkt. Sie wird als Chymotrypsinogen in der Bauchspeicheldrüse gebildet und durch Trypsin aktiviert. Ihr aktives Zentrum enthält eine sogenannte katalytische Triade aus Serin, Histidin und Asparaginsäure, die zusammen den Hydrolysemechanismus ermöglichen.

Chymotrypsin spaltet bevorzugt nach aromatischen Aminosäuren wie Phenylalanin, Tyrosin und Tryptophan. Durch diese Spezifität ergänzt es die Aktivität von Trypsin und Elastase und sorgt so für die vollständige Zerkleinerung der Nahrungsproteine in kleinere Peptide.

Seine hohe Reaktionsgeschwindigkeit und Substratspezifität machen Chymotrypsin auch zu einem beliebten Modellenzym in der Enzymkinetik und Biochemie.

Elastase

Elastase ist eine Serinprotease, die Peptidbindungen hinter kleinen, neutralen Aminosäuren wie Glycin, Alanin oder Valin spaltet. Ihr Name leitet sich von ihrem natürlichen Substrat Elastin ab, einem Strukturprotein des Bindegewebes, das für Elastizität sorgt.

Es existieren verschiedene Elastaseformen: die pankreatische Elastase im Verdauungstrakt und die neutrophile Elastase in Immunzellen. Während die pankreatische Form der Verdauung dient, wird die neutrophile Elastase zur Abwehr von Krankheitserregern freigesetzt. Eine übermäßige Aktivität kann jedoch Gewebeschäden verursachen, wie sie beispielsweise bei der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) beobachtet werden. Hier ist das Gleichgewicht zwischen Elastase und ihrem Inhibitor α1-Antitrypsin gestört, was zum Abbau von Lungengewebe führt.

Carboxypeptidase

Carboxypeptidasen gehören zu den Exopeptidasen und spalten Aminosäuren am C-terminalen Ende einer Polypeptidkette ab. Sie sind metallabhängig, meist mit Zink als Kofaktor, und gehören zur Klasse der Metalloproteasen.

Im Verdauungstrakt entstehen sie in der Bauchspeicheldrüse als inaktive Vorstufen (Procarboxypeptidase) und werden im Dünndarm durch Trypsin aktiviert. Sie arbeiten komplementär zu Aminopeptidasen, die am N-Terminus wirken, und vervollständigen damit den vollständigen Abbau von Proteinen zu freien Aminosäuren.

Caspasen

Caspasen bilden eine besondere Gruppe von Cysteinproteasen, die eine Schlüsselrolle bei der Apoptose (programmierter Zelltod) spielen. Sie werden als inaktive Proenzyme synthetisiert und nach Aktivierung durch andere Caspasen in einer Kaskade aktiviert.

Sobald aktiv, spalten Caspasen spezifische Zielproteine im Zytoplasma und Zellkern, darunter Strukturproteine des Zytoskeletts und Enzyme der DNA-Reparatur. Dies führt zum kontrollierten Abbau der Zelle, ohne dass Entzündungen entstehen.

Caspasen sind auch an Entzündungsprozessen beteiligt. Dies gilt vor allem für die Caspase-1, die die Reifung der proinflammatorischen Zytokine IL-1β und IL-18 vermittelt. Aufgrund dieser Funktionen sind Caspasen sowohl in der Krebsforschung als auch in der Entwicklung neuer Medikamente gegen neurodegenerative Erkrankungen von großem Interesse.

Plasmin

Plasmin ist eine Serinprotease, die im Blutplasma vorkommt und in der Fibrinolyse eine große Rolle spielt. Sie entsteht aus der inaktiven Vorstufe Plasminogen, die durch den tissue-type Plasminogen Activator (tPA) oder den urokinase-type Plasminogen Activator (uPA) aktiviert wird.

Plasmin spaltet Fibrin, was der Hauptbestandteil von Blutgerinnseln ist, und löst so Thromben auf. Dieses System wird durch verschiedene Proteaseinhibitoren reguliert, darunter der Plasminogen-Aktivator-Inhibitor Typ 1 (PAI-1) und α2-Antiplasmin, die eine überschießende Fibrinolyse verhindern.

Das Gleichgewicht zwischen Gerinnung und Fibrinolyse ist lebenswichtig, da sowohl ein Überwiegen der Gerinnung (Thrombosen) als auch eine übermäßige Fibrinolyse (Blutungsneigung) schwerwiegende Folgen haben können.

Autor
Nicolas Simon

Nicolas Simon

Medizinstudent

Nicolas studiert Humanmedizin im klinischen Abschnitt an der Universität des Saarlandes in Homburg. Bereits seit seiner Kindheit zählt das Schreiben von Texten aller Art zu seinen größten Hobbies. Deshalb freut er sich umso mehr, diese Leidenschaft mit seiner Faszination für alle möglichen Themen rund um die Medizin zu verbinden und die Leser/-innen durch sorgfältig recherchierte Texte für die Welt der Medizin zu begeistern.

Quellen
  1. Aminosäuren und Proteine, https://next.amboss.com/...  (Abrufdatum: 12.11.2025)
Medizinische und Rechtliche Hinweise
Dieser Artikel ist nur zur Information bestimmt. Der Inhalt kann und darf nicht verwendet werden, um selbst Diagnosen zu stellen sowie Behandlungen anzufangen oder abzusetzen. Die Informationen können keinen Arztbesuch ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen ist leider nicht möglich.

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