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Die Miktion, also die Fähigkeit die Blase zu entleeren ist ein gewöhnlicher Bestandteil des Alltags. Und doch handelt es sich um einen präzise regulierten Vorgang, bei dem zentrale und periphere Nerven, glatte und quergestreifte Muskulatur sowie mechanische Haltestrukturen zusammenwirken. Störungen dieses Mechanismus des bewussten Wasserlassens können erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität haben und zu Inkontinzenzformen oder Miktionsstörungen wie Harnverhalt führen. Der folgende Artikel erklärt die Definition, den physiologischen Ablauf sowie die klinische Relevanz der Miktion.
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Miktion – Definition
Die Miktion beschreibt die physiologische, willkürliche Blasenentleerung, also die Entleerung der Harnblase durch die Harnröhre. Die Miktion ist ein regulierter Prozess, bei dem vegetative Nervenbahnen sowie verschiedene Muskelgruppen beteiligt sind und zusammenwirken, sodass letztlich eine kontrollierte Blasenentleerung erfolgen kann.
Miktion – Physiologie und Ablauf
Um eine normale Miktion zu gewähren ist von Bedeutung, dass der innere und äußere Blasenschließmuskel funktionieren, der Harnblasenmuskel (Musculus detrusor vesicae) intakt ist. Die Harnröhre (Urethra) sollte durchgängig sein und die Kommunikation und Abläufe von Nervenimpulsen zwischen Harnblase und Gehirn sollten funktionieren.
Normalerweise entleert ein gesunder Erwachsener die Blase etwa vier bis sieben Mal am Tag. Dies ist abhängig von Flüssigkeitszufuhr, Außentemperatur und Blasenkapazität.
Die Miktion kann in zwei Phasen eingeteilt werden: Die Füllungsphase und die Entleerungsphase. In der Füllungsphase füllt sich die Harnblase kontinuierlich mit dem aus den Nieren kommenden und über den Harnleiter (Ureter) weitergeleiteten Urin. Dehnungsrezeptoren der Blasenwand registrieren den zunehmenden Füllungszustand und die Speicherung wird durch folgende Mechanismen ermöglicht:
- Der M. detrusor vesicae bleibt entspannt
- Der M. sphincter vesicae internus (innerer Blasenschließmuskel), der glattmuskulär und sympathisch innerviert ist, kontrahiert
- Der M. sphincter urethrae externus (äußerer Blasenschließmuskel), der quergestreift und willkürlich kontrollierbar ist, bleibt angespannt.
In der Entleerungsphase erfolgt die eigentliche Miktion. Dafür senden die Dehnungsrezeptoren Signale und Afferenzen an das sakrale Miktionszentrum (S2 bis S4) sowie das pontine Miktionszentrum im Hirnstamm. Dies geschieht ab einem kritischen Blasenvolumen.
Harnblasenfüllmenge
Die Harnblase ist in der Lage etwa 500 ml Flüssigkeit zu speichern, wobei die Dehnungsrezeptoren der Blasenwand bereits bei halber Füllung der Blase eine zunehmende Wandspannung wahrnehmen. Das maximale Fassungsvermögen der Harnblase variiert je nach Körpergröße und kann zwischen 500 und 1000 ml liegen.
Efferenzen ziehen dann zur Harnblase und bewirken eine Aktivierung des Parasympathikus über die Nervi splanchnici pelvici. Dadurch kommt es zur Kontraktion des M. detrusor vesicae, was zu einem erhöhten Blaseninnendruck führt. Die Muskulatur des Trigonum vesicae kontrahiert und sorgt so für den Verschluss der Harnleiteröffnungen. Der M. sphincter vesicae internus erschlafft und der M. dilatator urethrae und der M. pubovesicalis kontrahieren. Letzteres sorgt für die Erweiterung der Harnröhrenöffnung.
Letztlich kommt es zur willkürlichen Erschlaffung des M. sphincter urethrae externus und der Urin tritt aus.

Miktion – Klinik
Ein häufiges Krankheitsbild, welches die Miktion betrifft ist die sogenannte Harninkontinenz. Es wird bestimmt durch einen unkontrollierten Harnverlust und kann als Belastungsinkontinenz durch Stress oder als Dranginkontinenz auftreten. Bei der Belastungsinkontinenz kommt es zu Urinverlust bei intraabdominellen Druckerhöhungen wie Husten oder Lachen.
Ursächlich sind meist Schädigungen der kontinenzerhaltenden Muskeln oder eine Überdehnung des Halteapparates. Bei der Dranginkontinenz steht eher eine Blasenspeicherstörung im Vordergrund, die meist durch eine Überaktivität des M. detrusor vesicae bedingt ist und häufig mit imperativem Harndrang einhergeht.
Haltestrukturen der Harnblase und Harnröhre
Es sind verschiedene Strukturen an der Haltemechanik des Harnblase und -röhre funktionell bedeutend. Neben dem M. sphincter vesicae internus und dem M. sphincter urethrae externus ist die Beckenbodenmuskulatur sehr wichtig für den Harnröhrenverschluss. Der ventrale vesikourethrale Suspensionsapparat ist ein muskulär-bindegewebiger Halteapparat, der den Blasenhals stabilisiert und der hintere vesikourethrale Winkel beschreibt den Winkel zwischen Blase und Urethra, der bei Kompression durch Druckerhöhung den Blasenhals stabilisiert und eine Inkontinenz vorbeugt.
Das Bild eines postoperativen Harnverhaltes beschreibt das Ausbleiben der Miktion nach operativen Eingriffen. Symptome sind Druckgefühl, Schmerzen und eine Blasentastbarkeit. Risikofaktoren für dieses klinische Bild sind Alter, Spinalanästhesie, die Einnahme von Opioiden und anatomische Engstellen.
Häufiges Wasserlassen und Nykturie
Bei der sogenannten Reizblase, Harnwegsinfekten oder Diabetes mellitus kann es zu häufigerem Wasserlassen kommen. Hierbei spielen auch psychische Faktoren und eine überaktive Blase eine Rolle. Bei Männern kann auch eine gutartige Prostatavergrößerung (BPH, Benigne Prostatahyperplasie) die Blasenentleerung erschweren und zu häufigerem Harndrang führen. Eine weitere Ursache für häufiges Wasserlassen ist die Schwangerschaft.
Die Nykturie bezeichnet den mehrmaligen nächtlichen Harndrang, der für die Unterbrechung des Nachtschlafes sorgt. Ein bis zweimaliges Wasserlassen in der Nacht sind normal. Kommt es zu häufigerem nächtlichen Wasserlassen, kann dies auf Blasen- oder Nierenerkrankungen zurückzuführen sein.
Häufige Fragen
- Wie oft ist Miktion pro Tag normal?
- Wie viel urin gibt man durchschnittlich pro Miktion ab?
- Was steuert die Miktion?
- Was ist eine gestörte Miktion?
- Was kann häufiges Wasserlassen verursachen?
Normalerweise entleert ein gesunder Erwachsener die Blase etwa vier bis sieben Mal täglich. Dies hängt jedoch ab von der Flüssigkeitsaufnahme, der Außentemperatur und der individuellen Blasenkapazität.
Im Durchschnitt werden pro Miktion etwa 250-400 ml Urin ausgeschieden. Die Harnblase kann etwa 500 ml fassen und in Ausnahmen auch bis zu 1000 ml.
Die Miktion wird durch das Zusammenspiel des zentralen Nervensystems (vor allem dem Hirnstamm und Rückenmark), des vegetativen Nervensystems (Sympathikus und Parasympathikus) und der willkürlichen Kontrolle über die Beckenbodenmuskulatur gesteuert.
Bei einer gestörten Miktion kommt es entweder zu unkontrolliertem Harnabgang (Inkontinenz), erschwerter Entleerung (Harnverhalt), häufigem Harndrang oder anderen Blasenfunktionsstörungen.
Mögliche Ursachen für das häufige Wasserlassen sind die Reizblase, Harnwegsinfekte, Diabetes mellitus, vermehrte Flüssigkeitsaufnahme oder eine überaktive Blase. Auch psychische Faktoren können eine Rolle spielen.
- Harnblase, https://next.amboss.com/... (Abrufdatum 10.05.2025)
- Belastungsinkontinenz, https://next.amboss.com/... (Abrufdatum 10.05.2025)
- Dranginkontinenz, https://next.amboss.com/... (Abrufdatum 10.05.2025)




