Inhaltsverzeichnis
Gallensäure ist unerlässlich für die Verdauung und Aufnahme von Nahrungsfetten. Darüber hinaus hat sie weitere Effekte, die teilweise Gegenstand aktueller Forschung sind.
Dieser Artikel erklärt die Synthese und Funktion der Gallensäure und erläutert die Symptome eines gestörten Gallensäurestoffwechsels.
Inhaltsverzeichnis
Gallensäure – Definition
Gallensäure ist eine chemische Verbindung, die in der Leber aus Cholesterin entsteht. In der Regel synthetisieren die Leberzellen mehrere verschiedene Gallensäuren, die sie in gelöster Form als sogenannte Gallensalze in die Gallenblase ableiten. Dort liegen sie gespeichert, bis sie im Rahmen der Nahrungsaufnahme über den Gallengang in den Dünndarm gelangen und sich mit dem Speisebrei vermischen.
Gallensäure – Wirkung und Funktion
Eine wichtige Aufgabe der Gallensäure ist die Emulsion der Fette aus der aufgenommenen Nahrung.
Da sich Fette in wässriger Umgebung wie dem Speisebrei aneinanderlagern, können die körpereigenen Enzyme zur Fettspaltung, die Lipasen, sie nur schwer zersetzen. Gallensäure sorgt dafür, dass sich die Fetttröpfchen voneinander lösen. Dadurch haben die Lipasen eine größere Angriffsfläche und können die Nahrungsfette gut in ihre Bestandteile aufspalten.
Darüber hinaus hat die Gallensäure noch weitere Funktionen. Sie löst Cholesterin, das die Leber direkt in die Gallenflüssigkeit abgibt, und verhindert so, dass sich Cholesterinsteine in den Gallenwegen bilden. Außerdem scheidet der Körper täglich eine kleine Menge der Gallensäure und damit auch Cholesterin mit dem Stuhl aus, wodurch der Gesamtcholesterinspiegel geringfügig absinkt.
Gallensäure in der medizinischen Forschung
Eine Studie der Medizinischen Universität Wien konnte zeigen, dass synthetisch hergestellte Gallensäuren eine Gruppe von Immunzellen, die CD-8-T-Zellen, beeinflussen können. Ein chinesisches Forscherteam fand darüber hinaus Hinweise, dass die Gabe der sekundären Gallensäure Lithocholsäure bei Nagetieren zu einer besseren Wirkung von Insulin, einer Zunahme der Muskelkraft und einer gesteigerten Ausdauer führen kann. Wie sich diese Erkenntnisse medizinisch nutzen lassen, müssen zukünftige Untersuchungen zeigen.
Zu wenig Gallensäure – Symptome
Ein Gallensäuremangel äußert sich durch eine Reihe von Symptomen, die sich je nach zugrunde liegender Erkrankung unterscheiden können.
Liegt eine Erkrankung des letzten Dünndarmabschnitts vor, besteht ein Gendefekt oder eine Störung des Darmmikrobioms, so scheidet der Körper zu viel Gallensäure über den Darm aus. Es resultiert das „Gallensäureverlustsyndrom“. Da Gallensäuren Wasser im Dickdarm binden, wird der Stuhl flüssig, es kommt zur „chologenen Diarrhö“, einer besonderen Form des chronischen Durchfalls. Diese wird behandelt durch die Gabe von Gallensäurebindern, die Komplexe mit der Gallensäure bilden und sie somit inaktivieren.
Kann die Leber genügend Gallensäuren neu bilden, so bleibt Durchfall oft das einzige Symptom. Gelingt die Synthese jedoch nicht in ausreichender Menge, so kommt es darüber hinaus zu einer Störung der Fettverdauung. Dies äußert sich durch fettige Stühle, einen Gewichtsverlust und einen Mangel an fettlöslichen Vitaminen. Außerdem ist das Risiko für die Bildung von Cholesterin-Gallensteinen und Nierensteinen erhöht – letztere entstehen durch eine Beeinträchtigung des Oxalsäurekreislaufs im Darm, welche indirekt auf die gestörte Fettspaltung zurückzuführen ist.
Gallenblasen-Operation und Gallensäure
Wird die Gallenblase operativ entfernt, so kann die Gallenflüssigkeit hiernach nicht mehr gespeichert werden. Sie fließt damit kontinuierlich in den Dünndarm, wo sie die Darmschleimhaut reizen kann. Außerdem kann es durch die Wasserbindung der Gallensäuren, wie beim Gallensäureverlustsyndrom, zu anhaltenden wässrigen Durchfällen auch in der Nacht kommen. Die Behandlung besteht, wie oben beschrieben, in der medikamentösen Bindung der Gallensäuren.
Gallensäure – Bildung und Vorkommen
Durch Cholesterinspaltung entstehen in der Leber die primären Gallensäuren Cholsäure und Chenodesoxycholsäure, die stark wasserabweisend sind. Damit sie sich besser in der Gallenflüssigkeit lösen, verknüpft die Leber sie mit den Aminosäuren Glycin und Taurin. Hiernach können sie mit der Gallenflüssigkeit in die Gallenwege gelangen, wo sie bis zur Nahrungsaufnahme lagern.
Sobald der Magen-Darm-Trakt das entsprechende Signal vermittelt, gibt die Gallenblase die Gallenflüssigkeit über den Gallengang an den Dünndarm ab. Dessen peristaltische Verdauungsbewegung vermischt den Nahrungsbrei mit der Gallenflüssigkeit, und die Gallensäure kann die Fettspaltung vorbereiten.
Darmbakterien im Dünndarm spalten Glycin und Taurin wieder ab, wodurch die sekundären Gallensäuren Desoxycholsäure und Lithocholsäure entstehen. Sie werden im letzten Dünndarmabschnitt, dem Terminalen Ileum, wieder in den Blutkreislauf der Bauchorgane, das enterohepatische System, aufgenommen und der Leber zur erneuten Verwendung zugeführt.
Häufige Fragen
- Was passiert bei zu viel Gallensäure?
- Wie äußert sich zu wenig Gallensäure?
- Was neutralisiert Gallensäure im Magen?
- Welche Symptome treten bei zu wenig Gallenflüssigkeit auf?
Ein Überschuss an Gallensäuren ist selten, da die Gallensäurebildung im Körper streng reguliert ist und täglich ein kleiner Teil der Gallensäuren ausgeschieden wird. Problematisch ist ein Übermaß an Gallensäure im Dickdarm, da sie Wasser bindet und damit den Stuhlgang verflüssigt.
Zu wenig Gallensäure führt zu einer gestörten Fettverdauung. Es kommt zum „Fettstuhl“, sowie zu einer gestörten Aufnahme fettlöslicher Vitamine. Außerdem können Gallen- und Nierensteine auftreten.
Gallensäure gelangt normalerweise erst im Dünndarm in den Verdauungstrakt. Bei einem Reflux kann es aber sein, dass sie in den Magen zurückfließt. Dort herrscht ein saures Milieu, das die Gallensäure nicht abmildern kann. Durch ihren reizenden Effekt kann sie die Magenschleimhaut schädigen und Magengeschwüre verursachen.
Bei einem Mangel an Gallenflüssigkeit und Gallensäuren kann es zu unangenehm riechenden Stuhlgängen und Durchfall kommen. Schwere Mangelzustände der fettlöslichen Vitamine A, D, E und K äußern sich durch Nachtblindheit, einen gestörten Knochenstoffwechsel, Immunschwäche und eine Störung der Bildung von Blutgerinnungsfaktoren. Diese Symptome treten allerdings erst bei schweren Mangelzuständen auf.
- K. Beckh, H. Koop, I. Koop, P. Lankisch und G. Pommer, „Gastroenterologische Krankheitsbilder: 4.7 Gallensäureverlustsyndrom,“ in I. Koop (Hrsg.), Gastroenterologie compact (Stuttgart, Thieme Verlag, 2009, p. 149).




