Das Klinikum am Weissenhof in Weinsberg ist ein akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Heidelberg und eine Facheinrichtung für die psychotherapeutische und psychosomatische Behandlung und Betreuung psychisch kranker Menschen.
Auf welche Qualitäten kommt es speziell im Bereich Pflege in einer solchen Einrichtung an und wie gestaltet sich der Arbeitsalltag der Pflegekräfte? Das erklärt Birgit Karl, Geschäftsleitung, Pflegedirektorin und Mitglied der Medizindirektion im Klinikum am Weissenhof im Medi-Karriere-Interview mit Sebastian Ofer.
Frau Karl, wie gestaltet sich Ihr Arbeitsalltag als Pflegedirektorin?
Birgit Karl: Mein Arbeitsalltag ist nicht allzu alltäglich. Es gibt auch keine klassischen Routinen. Eine wichtige Aufgabe ist es, mir pflegefachliche Themen anzusehen und gemeinsam mit Pflegedienstleitungskollegen und Stationsleitungen zu überlegen, wie wir hier im Klinikum am Weissenhof behandeln wollen. Also beispielsweise nach welchen Pflegemodellen wir das tun wollen oder wie der Pflegeprozess aussieht.
Dann natürlich als Mitglied er Medizindirektion: Multiprofessionalität, bzw. die medizinisch-fachliche Strategie für das Gesamthaus sowie als Mitglied der Geschäftsleitung die Strategie das Hauses. Da spielen natürlich auch wirtschaftliche Aspekte eine Rolle.
Es sin also viele Themen, die in meinen Arbeitsbereich fallen. Das macht das Ganze auch interessant. Ich habe viele Besprechungen und bin viel in Gesprächen mit Menschen. Das gefällt mir gut und so kommen wir auch voran.
Welche Eigenschaften sollten Pflegefachpersonen mitbringen, um bei Ihnen im Haus zu arbeiten?
Karl: Voraussetzung ist erst einmal eine Pflegefachlichkeit, also eine fundierte Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpflegerin oder nach dem neuen Gesetz als Pflegefachfrau/Pflegefachmann sowie das Interesse an Menschen. Auch eine gewisse Introspektionsfähigkeit. Wenn man mit Patientinnen und Patienten zu tun hat, die psychisch krank sind, ist das auch immer eine gewisse Auseinandersetzung mit sich selbst. Außerdem sind Belastbarkeit und Flexibilität neben der Fachlichkeit wichtige Eigenschaften – und ein bisschen Humor braucht man auch.
Umgekehrt gefragt: Warum sollte sich eine Pflegefachkraft für Ihre Einrichtung entscheiden und was zeichnet Sie aus?
Karl: Uns zeichnet aus, dass wir tatsächlich – ich wiederhole mich da – einen großen Schwerpunkt auf Pflegefachlichkeit legen. Also, wenn jemand an dem Fach Psychiatrie und psychiatrischer Pflege Interesse hat, dann ist er bei uns gut aufgehoben.
Wir haben hier außerdem sieben verschiedene Kliniken. Das heißt, wenn jemand in Richtung Psychiatrie gehen will, aber noch nicht genau weiß, wohin genau, haben wir hier eine Klinik für Suchttherapie, die Psychosomatik, den Maßregelvollzug, die Allgemeinpsychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie und die Klinik für Gerontopsychiatrie – wir decken also das gesamte Spektrum ab und ich denke, dass das interessant ist.
Unser Einarbeitungskonzept ist sehr gut. Man wird hier also nicht ins kalte Wasser geworfen, wenn man bei uns neu anfängt. Wir haben uns das Konzept gut überlegt. Das fängt beim Onboarding an und ist dann ein strukturiertes Einarbeiten auf den Stationen oder in den Bereichen, in denen man arbeitet.
Station ist ein gutes Stichwort. Bei uns gibt es nämlich nicht nur Stationen, sondern man hat auch die Möglichkeit, tagesklinisch ambulant zu arbeiten im ambulanten psychiatrischen Pflegedienst oder STÄB – das ist stationsäquivalente Behandlung. Also auch da bieten wir für verschiedene Interessen und fachliche Kompetenzen gute Arbeitsplätze an.
Könnten Sie uns einmal den idealtypischen Werdegang in Ihren Häusern skizzieren?
Karl: Wenn man bei uns schon in der Ausbildung anfängt, kann man das in der Pflegefachschule direkt am Haus tun. Das ist ein großes Plus – zum einen für die Auszubildenden, zum anderen aber auch für uns als Haus, da wir dort unseren Nachwuchs generieren können. Sie durchlaufen eine Pflegeausbildung. Sie sammeln Erfahrungen auf Station oder tagesklinisch und danach gibt es die Option, sich wirklich weiterzuentwickeln: etwa auf der fachlichen Schiene mit einer Fachweiterbildung oder einem Studium, denn wir haben ein Nachwuchsförderprogramm für Leute, die studieren wollen.
Wenn jemand gerne in der Leitung eines Krankenhauses arbeiten möchte, haben wir ein Trainee-Programm für angehende Leitungskräfte oder man kann Pflegemanagement studieren und die Führungsschiene weitergehen. Aber auch ganz spezifisch fachliche Themen wie Wundmanagement, Praxisanleitungen, Aromapflege – es gibt viele Möglichkeiten, um sich weiterzubilden und zu spezialisieren.
Welche Arbeitszeitmodelle und Weiterbildungsmöglichkeiten bieten Sie an?
Karl: Bei den Weiterbildungsmöglichkeiten – ich hatte es ja schon gesagt – unterstützen wir, indem wir beispielsweise eine Kooperation mit der evangelischen Hochschule in Ludwigsburg haben. Wir sind ein Verbund von Kliniken, die die Fachweiterbildungen auch selbst durchführen. Das findet dann zwar in Wiesloch statt, aber unsere Leute können dort hingehen. Man kann aber auch in Bielefeld oder einer anderen Fachhochschule psychiatrische Pflege studieren. Da wir eine Pflegefachschule haben, gibt es auch die Möglichkeit, Pflegepädagogik zu studieren sowie die Leitungsschiene mit der Weiterbildung zur Stationsleitung oder das Trainee-Programm für Stationsleitungen zu absolvieren. Da haben wir viele Möglichkeiten.
Zu den Arbeitszeitmodellen: Wir haben natürlich Schichtarbeit. Die Patienten sind bei uns rund um die Uhr da, sofern sie nicht tagesklinisch sind. Das heißt drei Schichten: Früh-, Spät- und Nachtdienst werden bei uns abgeleistet. Aber diese Schichtmodelle sind nicht starr. Wir haben sehr verschiedene Möglichkeiten, das zu gestalten. Zum einen den Anteil der Stunden. Es gibt quasi jede Teilzeitmöglichkeit, ob das jetzt 0,2 VK (Vollkräfte) sind oder 0,8. Man kann die Stundenanzahl auch variieren. Man kann, wenn man das aus familiären oder sonstigen Gründen möchte, auch mal die Arbeitszeit reduzieren und dann wieder aufstocken.
Wir versuchen sehr, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu berücksichtigen und da Modelle zu finden, die passen, sodass die Patientenversorgung noch gelingt und dass wir den Bedarfen der Mitarbeitenden auch entgegenkommen können.
Vielen Dank Frau Karl für den umfassenden Einblick in die Pflege im Klinikum am Weissenhof!








