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In deutschen Pflegeheimen wird das Thema Ernährung nach Einschätzung von Fachleuten häufig unterschätzt – mit teils gravierenden Folgen für Gesundheit und Heilungsverläufe. Darauf weist ein Bericht der Frankfurter Rundschau hin, der anhand eines Speiseplans ein Problem sichtbar macht, das im Alltag leicht übersehen werde: mangelnde Eiweiß- und Nährstoffversorgung bei pflegebedürftigen Menschen.
Alle aktuellen Infos zum Thema “Essen im Pflegeheim” beschreibt der folgende Artikel.
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Essen im Pflegeheim – Speiseplan als Warnsignal
Ausgangspunkt ist ein Fallbeispiel, das Ronny Kunze, Küchenchef der Universitären Altersmedizin Felix Platter in der Schweiz, öffentlich schildert: Eine Bewohnerin leidet an einem Dekubitus (Druckgeschwür), die Wunde am Steißbein heilt trotz aufwendiger Versorgung nicht. Auf ihrem Tablett steht jedoch lediglich eine Scheibe Graubrot mit etwas Margarine und Konfitüre – dazu Tee. Kunze beziffert die Proteinzufuhr dieser Mahlzeit auf etwa sechs Gramm und spricht von einer „pflegerischen Bankrotterklärung“, wenn Hightech-Wundmaterial eingesetzt werde, der Körper aber „hungern“ müsse.
Die Debatte berührt einen zentralen Punkt in der Wundversorgung: Neben Druckentlastung braucht der Körper „Baustoffe“ für neue Zellen. Auch medizinische Berichte betonen, dass gezielte protein- und nährstoffreiche Ergänzungen – etwa mit Arginin, Zink und Antioxidantien – die Heilung von Dekubitus bei mangelernährten Patientinnen und Patienten unterstützen können.
Essen im Pflegeheim – Mangelernährung oft unsichtbar
Dass Mangelernährung in Pflegeheimen „meist im Verborgenen“ bleibe, bestätigt im Bericht Dorothee Volkert, Professorin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Ein Problem ist, dass nicht alle Betroffenen nach außen auffällig wirken. Kunze verweist darauf, dass ein „unauffälliger“ BMI täuschen kann, wenn über längere Zeit zu wenig Eiweiß aufgenommen wird und Muskelmasse schwindet.
Zahlen liefert der 15. DGE-Ernährungsbericht, der Daten aus dem internationalen „nutritionDay“-Projekt auswertet: In teilnehmenden Pflegeheimen wurde bei 23 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner Untergewicht festgestellt. 13 Prozent hatten im vergangenen Jahr einen unbeabsichtigten Gewichtsverlust von mehr als fünf Kilogramm, und acht Prozent wurden vom Pflegepersonal als mangelernährt eingeschätzt.
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Essen im Pflegeheim – Standards und Reformideen
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat Qualitätsstandards für die Verpflegung in Gemeinschaftseinrichtungen – darunter Senioreneinrichtungen – entwickelt. Sie sollen den Verantwortlichen Orientierung für eine bedarfs- und bedürfnisgerechte Verpflegung geben. Doch laut Volkert würden diese Standards nicht überall umgesetzt. Kunze sieht einen „Systemfehler“: Während Hilfsmittel wie Anti-Dekubitus-Matratzen als medizinische Investitionen gelten, werde Essen oft als reiner Kostenblock behandelt.
Als zusätzliche Verschärfung nennt er das „Abendbrot-Dilemma“: Brotmahlzeiten am frühen Abend und ein spätes Frühstück führten teils zu sehr langen Essenspausen – mit dem Risiko, dass der Körper nachts Muskelmasse abbaut. Zudem erschweren Kaubeschwerden, Appetitlosigkeit, unattraktive Speisen oder Essen allein im Zimmer die ausreichende Aufnahme.
Der DGE-Ernährungsbericht beschreibt für nachhaltige Verbesserungen unter anderem einheitlichere Rahmenbedingungen, mehr Ressourcen und verpflichtende Standards als politisch notwendig. Für Angehörige lautet ein praktischer Hinweis aus dem Bericht: vor Ort mitessen, auf Geschmack und Unterstützung bei Kau- und Schluckproblemen achten – und unbeabsichtigten Gewichtsverlust als Warnsignal ernst nehmen.
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