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Ruffini-Körperchen gehören zu den spezialisierten Mechanorezeptoren der Haut und spielen eine wichtige Rolle im taktilen System des Menschen. Als langsam adaptierende Drucksensoren vom sogenannten SA-II-Typ erfassen sie kontinuierlich mechanische Reize wie Dehnung und Scherkräfte im Gewebe. Damit tragen sie zur Wahrnehmung von Hautspannung, Propriozeption und Gelenkstellung bei. Die anatomischen und funktionellen Eigenschaften sowie die klinische Relevanz machen sie zu einem bedeutenden Bestandteil der sensorischen Wahrnehmung und werden im folgenden Artikel genauer dargestellt.
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Ruffini-Körperchen – Definition
Ruffini-Körperchen sind spezialisierte Mechanorezeptoren der Haut, die zu den Drucksensoren gehören. Sie sind Proportionalsensoren, welche vor allem auf mechanische Reize wie Gewebedehnung und Scherkräfte reagieren.
Ruffini-Körperchen – Anatomie und Histologie
Bei Ruffini-Körperchen handelt es sich um Bindegewebskapseln, die als zylinderförmiger Komplex aus einem verzweigten Axon aufgebaut sind und in Kollagenfasern eingebettet sind. Umgeben sind sie von einer Perineuralkapsel.
Die Ruffini-Körperchen weisen eine Faserqualität afferenter Nervenfasern auf, die zu Klasse der Aβ-Fasern gehören. Das heißt sie sind myelinisiert und verfügen über eine schnelle Reizleitung.
Faserklassen
Nervenfasern werden nach Myelinisierung, Durchmesser und Leitungsgeschwindigkeit klassifiziert. Zwei gängige Systeme sind Erlanger und Gasser (für somatische Fasern): z.B. Aα-, Aβ-, Aδ-, B- und C-Fasern oder nach Lloyd und Hunt (für afferente Fasern): Typ I-IV. Es gilt je stärker und dicker die Faser, desto schneller die Reizleitung - z.B. leiten Aα-Fasern bis zu 120 m/s, während unmyelinisierte C-Fasern nur 0,5–2 m/s erreichen.
Die Mechanorezeptoren sind insbesondere in den tiefen Schichten der Dermis lokalisiert, dem Stratum reticulare und kommen sowohl in unbehaarter als auch behaarter Haut vor. Zudem findet man die Ruffini-Körperchen in der Subkutis sowie auch Gelenkkapseln oder Bändern und Gefäßwänden.

Ruffini-Körperchen – Funktion
Bei den Mechanorezeptoren handelt es sich um langsam adaptierende Mechanosensoren bzw. Proportionalsensoren vom Typ SA-II (slowly-adapting, Typ II). Sie sind auf langanhaltende Dehnungsreize spezialisiert, insbesondere Scherkräfte, also Zugbelastungen, die parallel zur Hautoberfläche wirken.
Ihre Aktivierung erfolgt durch die Verformung des umliegenden Bindegewebes, wodurch Spannung auf die mit dem Axon verbundenen Kollagenfasern ausgeübt wird. Durch diese Reizung, kommt es zur tonischen Entladungsfrequenz, welche proportional zur Intensität des Dehnungsreizes bleibet.
Die Aβ-Fasern gewährleisten eine schnelle und kontinuierliche Übertragung der Information über Hautspannung und Stellungsänderungen, was sie zu wichtigen Sensoren für Propriozeption macht. Die Rezeptoren tragen so zur Wahrnehmung von Hautspannung, Propriozeption (Wahrnehmung der Körperstellung) und der Fingerstellung bei.
Ruffini-Körperchen – Klinische Relevanz
Durch die Fähigkeit kontinuierlich mechanische Reize zu erfassen, sind Ruffini-Körperchen entscheidend für die Propriozeption. Kommt es zu einem Ausfall dieser Sensoren, kann die feinmotorische Kontrolle beeinträchtigt werden. Außerdem kann die Verteilung und Funktion der Ruffini-Körperchen auch für die plastische Chirurgie und das Verständnis von Schmerzwahrnehmung relevant sein.
Durch Schädigungen der Nerven, die zu den Ruffini-Körperchen führen, können sensorische Störungen, sogenannte Neuropathien, auftreten. Physiotherapeuten nutzen das Wissen zu den Ruffini-Körperchen, um Bewegungsmuster zu optimieren und Schmerzen zu vermindern.
Insgesamt haben die Ruffini-Körperchen also eine klinische Bedeutung durch ihre Beteiligung an Erkrankungen des Bewegungsapparates und der Schmerzempfindung.
Häufige Fragen
- Wo befinden sich Ruffini-Körperchen im Körper?
- Wie unterscheiden sich Ruffini-Körperchen von anderen Rezeptoren?
- Sind Ruffini-Körperchen wichtig für den Tastsinn?
- Wer hat die Ruffini-Körperchen entdeckt?
Sie kommen hauptsächlich in der Dermis (Lederhaut) und im Bindegewebe von Gelenkkapseln vor. Besonders zahlreich sind sie in den Handflächen, Fußsohlen und Fingern zu finden.
Ruffini-Körperchen reagieren langsam adaptierend auf Hautdehnungen und Spannung, während davon Meissner-Tastkörperchen beispielsweise schnell adaptierend auf Berührung und Vibration reagieren. Die Vater-Pacini-Körperchen reagieren sehr schnell adaptierend auf Reize wie Vibration und tiefen Druck und die Merkel-Zellen reagieren auf Reize wie Druck und Form langsam adaptierend. Sie unterschieden sich also in Reaktionszeit und der Reizart.
Ja, besonders für die propriozeptive Wahrnehmung (Körperwahrnehmung, Gelenkstellung, Bewegung). Sie spielen jedoch eine geringere Rolle bei feinen Berührungen als beispielsweise Meissner-Körperchen.
Sie wurden nach dem italienischen Anatomen Angelo Ruffini benannt, der sie um 1890 erstmal beschrieb.
- Nervengewebe, Synpasen und Transmitter, https://next.amboss.com/... (Abrufdatum 22.06.2025)
- Taktiles System, https://next.amboss.com/... (Abrufdatum 23.06.2025)
- Klinke, Silbernagl: Lehrbuch der Physiologie. 4. Auflage Thieme 2005




