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Medi-Karriere Medipedia NAD

NAD: Definition, Funktion und klinische Relevanz

Nicolas Simon
von Nicolas Simon (Medizinstudent) Zuletzt aktualisiert: 20.11.2025
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Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Funktion
  3. Klinische Relevanz

Das Nicotinamidadenindinukleotid (NAD) zählt zu den wichtigsten Molekülen des zellulären Stoffwechsels und spielt eine fundamentale Rolle in nahezu allen lebenden Organismen. Es wirkt als Redox-Coenzym, das Elektronen überträgt und damit zahlreiche enzymatische Reaktionen ermöglicht. Neben seiner klassischen Funktion als Elektronenträger in katabolen Prozessen wie dem Citratzyklus oder der Atmungskette erfüllt NAD auch weitere bedeutende Aufgaben in der Regulation von Signalwegen, der DNA-Reparatur und der Zellalterung. Aufgrund dieser Vielseitigkeit ist NAD nicht nur für die Energiegewinnung essenziell, sondern auch für die Aufrechterhaltung der zellulären Homöostase und Genomstabilität. Mehr Informationen über NAD liefert der folgende Artikel.

Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Funktion
  3. Klinische Relevanz

NAD – Definition

NAD (Nicotinamidadenindinukleotid) ist ein Coenzym, das aus der Verbindung zweier Nukleotide besteht: einem Adenin- und einem Nicotinamid-haltigen Nukleotid. Es leitet sich vom Vitamin Niacin (Vitamin B₃) ab, das entweder als Nicotinsäure oder als Nicotinamid über die Nahrung aufgenommen wird. Chemisch gesehen besitzt NAD die Summenformel C₂₁H₂₇N₇O₁₄P₂ und eine molare Masse von etwa 663 Gramm pro mol.

In seiner oxidierten Form wird es als NAD⁺ bezeichnet, während die reduzierte Form NADH (oder genauer NADH + H⁺) genannt wird. Die Umwandlung zwischen diesen beiden Formen ist ein essentieller Bestandteil des Energiestoffwechsels. NAD⁺ kann zwei Elektronen und ein Proton aufnehmen, wodurch NADH entsteht. In der Folge wird NADH in der mitochondrialen Atmungskette oxidiert, wobei die frei werdende Energie zur Bildung von ATP dient. Bei diesem handelt es sich um die universelle Energiewährung der Zelle.

NAD – Funktion

NAD erfüllt im Organismus mehrere verschiedene, aber miteinander verknüpfte Aufgaben. Seine wichtigste Funktion besteht in der Übertragung von Elektronen in Redoxreaktionen, wodurch es die Grundlage für die Energieproduktion in der Zelle bildet. Darüber hinaus ist NAD auch ein Substrat für bestimmte Enzyme, die an der Regulation von Genexpression und DNA-Reparatur beteiligt sind. Diese Doppelfunktion macht NAD zu einem unverzichtbaren Bestandteil zahlreicher biochemischer Prozesse.

NAD als Redox-Coenzym

NAD fungiert als Coenzym vieler Dehydrogenasen, also Enzyme, die Oxidations- und Reduktionsreaktionen katalysieren. In katabolen Prozessen, wie dem Abbau von Glukose, Fettsäuren oder Aminosäuren, nimmt NAD⁺ Elektronen in Form von Hydridionen (H⁻) auf und wird dadurch zu NADH reduziert. Diese Elektronen werden später in der Atmungskette auf Sauerstoff übertragen. Dabei entsteht ein Protonengradient, der die ATP-Synthese in den Mitochondrien antreibt.

Im Citratzyklus beispielsweise katalysieren NAD-abhängige Enzyme wie die Isocitrat-Dehydrogenase, die α-Ketoglutarat-Dehydrogenase und die Malat-Dehydrogenase die Übertragung von Elektronen auf NAD⁺. Das entstehende NADH dient anschließend als Reduktionsäquivalent in der Atmungskette.

Durch diese stufenweise Abgabe und Aufnahme von Elektronen wird die im Abbau von Nährstoffen enthaltene chemische Energie kontrolliert freigesetzt. Im Gegensatz zu einer Verbrennung, bei der Energie explosionsartig frei wird, ermöglicht NAD eine schrittweise und regulierte Energieübertragung, die biochemisch nutzbar bleibt.

NAD als Substrat und Regulator

Neben seiner klassischen Rolle als Redoxpartner dient NAD⁺ auch als Substrat bestimmter Enzyme, die sogenannte ADP-Ribosylierungsreaktionen durchführen. Dabei wird das NAD-Molekül gespalten, wobei der Nicotinamid-Anteil freigesetzt wird und die ADP-Ribose auf Zielproteine übertragen wird. Diese Reaktionen spielen eine wichtige Rolle bei der Regulation von Signaltransduktion, DNA-Reparatur und Apoptose.

Ein Beispiel sind die sogenannten PARP-Enzyme (Poly-ADP-Ribose-Polymerasen), die bei DNA-Schäden aktiviert werden. Sie nutzen NAD⁺, um ADP-Ribose-Einheiten an bestimmte Proteine anzuhängen, was die Rekrutierung von DNA-Reparaturkomplexen ermöglicht. Ein anderer Enzymtyp, die Sirtuine, sind NAD⁺-abhängige Deacetylasen, die Acetylgruppen von Histonen und anderen Proteinen entfernen. Durch diesen Mechanismus beeinflussen sie Genexpression, Zellstoffwechsel und Lebensspanne.

Auch in Prokaryonten hat NAD eine regulatorische Bedeutung: Es dient dort beispielsweise DNA-Ligasen als AMP-Donor bei der DNA-Replikation und -Reparatur. Damit ist NAD nicht nur ein Energiemolekül, sondern auch ein Schlüsselfaktor der genetischen Stabilität.

Zelluläre Verteilung von NAD

In Zellen liegt NAD in unterschiedlichen Redoxzuständen vor, abhängig vom Kompartiment. Im Zytosol überwiegt die oxidierte Form NAD⁺, während im Mitochondrium die reduzierte Form NADH vorherrscht. Dieses Verhältnis ist essenziell für die Steuerung zahlreicher Stoffwechselprozesse. Das hohe NAD⁺/NADH-Verhältnis im Zytosol begünstigt oxidative Reaktionen wie die Glykolyse, während ein niedrigeres Verhältnis in den Mitochondrien reduktive Reaktionen, beispielsweise die ATP-Synthese, unterstützt.

Die feine Balance zwischen NAD⁺ und NADH dient somit als Indikator für den Redoxstatus einer Zelle und beeinflusst den Fluss metabolischer Wege.

NAD in der analytischen Chemie

Die unterschiedlichen Absorptionseigenschaften von NAD⁺ und NADH werden in der Biochemie für photometrische Messungen genutzt. NAD⁺ absorbiert ultraviolettes Licht mit einem Maximum bei 260 Nanometer, während NADH zusätzlich bei 340 Nanometer absorbiert. Dieser Unterschied erlaubt es, die Konzentration von NADH in einer Lösung direkt zu bestimmen.

In der enzymatischen Diagnostik wird dieses Prinzip häufig eingesetzt: Wenn ein Enzym eine Reaktion katalysiert, bei der NAD⁺ reduziert oder NADH oxidiert wird, kann die Reaktionsgeschwindigkeit durch Messung der Absorption bei 340 nm bestimmt werden. Dies ermöglicht eine indirekte Quantifizierung der Enzymaktivität oder des umgesetzten Substrats, da Redoxreaktionen einer festen stöchiometrischen Beziehung folgen.

NAD – Klinische Relevanz

NAD ist für die Gesundheit des Menschen von wichtiger Bedeutung. Da der Körper es nur begrenzt selbst herstellen kann, ist eine ausreichende Versorgung mit seinen Vorstufen Niacin und Tryptophan lebenswichtig. Ein Mangel an NAD⁺ oder dessen Vorläufern kann schwerwiegende klinische Symptome verursachen und zahlreiche physiologische Prozesse beeinträchtigen.

Bakterielle Toxine

Einige bakterielle Toxine, darunter das Diphtherie-, Cholera- und Pertussistoxin, nutzen NAD⁺ als Substrat, um ihre pathogenen Effekte auszuüben. Diese Toxine katalysieren ADP-Ribosylierungen an Wirtsproteinen, wodurch intrazelluläre Signalwege manipuliert werden. So hemmt beispielsweise das Diphtherietoxin die Proteinsynthese, indem es einen Elongationsfaktor ADP-ribosyliert und damit inaktiviert.

Pellagra

Ein chronischer Mangel an Niacin oder Tryptophan führt zu einem Defizit in der NAD⁺-Synthese. Das daraus resultierende Krankheitsbild wird Pellagra genannt. Typisch sind die sogenannten „drei D’s“: Dermatitis, Diarrhö und Demenz.

Die Hautveränderungen betreffen vor allem sonnenexponierte Bereiche und äußern sich in schuppigen, entzündlichen Läsionen. Gastrointestinale Symptome wie Durchfall entstehen durch degenerative Veränderungen der Schleimhäute, während neurologische Symptome von Reizbarkeit bis hin zu Demenz durch die Beeinträchtigung neuronaler Energieversorgung bedingt sind.

Pellagra trat historisch häufig in Regionen mit einseitiger Ernährung auf, beispielsweise in Mais-basierten Diäten, die wenig Niacin und Tryptophan enthalten. Heute ist die Erkrankung in Industrieländern selten, kann aber bei Alkoholabhängigkeit, Malabsorptionssyndromen oder bestimmten genetischen Störungen vorkommen.

Zelluläre Alterung

In den letzten Jahren wurde NAD⁺ zunehmend mit dem Prozess des Alterns und altersassoziierten Erkrankungen in Verbindung gebracht. Mit zunehmendem Alter sinken die zellulären NAD⁺-Spiegel, was zu einer verminderten Aktivität der NAD-abhängigen Enzyme wie Sirtuinen führt. Diese Enzyme regulieren unter anderem DNA-Reparatur, Stoffwechsel und Stressantworten.

Ein Mangel an NAD⁺ kann daher die Genomstabilität beeinträchtigen, oxidativen Stress fördern und den Energiestoffwechsel stören. Therapeutisch werden derzeit Substanzen wie Nicotinamidmononukleotid (NMN) oder Nicotinamidribosid (NR) erforscht, um die NAD⁺-Spiegel zu erhöhen und Alterungsprozesse zu verlangsamen.

Rolle für medizinische Diagnostik

Aufgrund seiner messbaren Redox-Eigenschaften wird NAD in der medizinischen Diagnostik häufig indirekt genutzt. In vielen Enzymtests, etwa zur Bestimmung der Glukose- oder Laktatkonzentration im Blut, wird die Bildung oder der Verbrauch von NADH photometrisch verfolgt. Damit ist NAD ein unsichtbarer, aber unverzichtbarer Bestandteil moderner Labormedizin.

Autor
Nicolas Simon

Nicolas Simon

Medizinstudent

Nicolas studiert Humanmedizin im klinischen Abschnitt an der Universität des Saarlandes in Homburg. Bereits seit seiner Kindheit zählt das Schreiben von Texten aller Art zu seinen größten Hobbies. Deshalb freut er sich umso mehr, diese Leidenschaft mit seiner Faszination für alle möglichen Themen rund um die Medizin zu verbinden und die Leser/-innen durch sorgfältig recherchierte Texte für die Welt der Medizin zu begeistern.

Quellen
  1. Vitamine, https://next.amboss.com/...  (Abrufdatum: 12.11.2025)
Medizinische und Rechtliche Hinweise
Dieser Artikel ist nur zur Information bestimmt. Der Inhalt kann und darf nicht verwendet werden, um selbst Diagnosen zu stellen sowie Behandlungen anzufangen oder abzusetzen. Die Informationen können keinen Arztbesuch ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen ist leider nicht möglich.

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