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Medi-Karriere Medipedia Lipoprotein A

Lipoprotein A: Wirkung, Abbau und klinische Relevanz

Sudenur Tamer
von Sudenur Tamer (Medizinstudentin) Zuletzt aktualisiert: 06.11.2025
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Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Wirkung und Funktion
  3. Abbau
  4. Klinische Relevanz

Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen weltweit zu den häufigsten Todesursachen. Neben klassischen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen oder einem erhöhten LDL-Cholesterin spielt auch Lipoprotein(a), kurz Lp(a), eine bedeutende Rolle. Dieses spezielle Lipoprotein wird genetisch bestimmt und ist weitgehend unabhängig von Lebensstilfaktoren. Erhöhte Lp(a)-Spiegel sind in der Allgemeinbevölkerung weit verbreitet, werden aber selten routinemäßig bestimmt. Die genaue Wirkung von Lp(a) ist noch nicht im Detail geklärt, und eine gezielte Therapie zur Senkung erhöhter Lp(a)-Spiegel befindet sich derzeit noch in der Erforschung. Dabei gilt Lp(a) heute als unabhängiger Risikofaktor für Atherosklerose, koronare Herzkrankheit und Aortenklappenstenose. Der folgende Artikel erklärt die Wirkung, Funktion, den Abbau sowie die klinische Relevanz des speziellen Lipoproteins.

Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Wirkung und Funktion
  3. Abbau
  4. Klinische Relevanz

Lipoprotein A – Definition

Lipoprotein(a), kurz Lp(a), ist ein spezielles Plasma-Lipoprotein, das strukturell dem Low-Density-Lipoprotein (LDL) ähnelt, aber zusätzlich das Apolipoprotein(a) enthält. Erhöhte Lp(a)-Spiegel sind weitgehend genetisch determiniert und gelten als unabhängiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen.

Lipoprotein A – Wirkung und Funktion

Lp(a) ähnelt dem LDL, also dem “schlechten” Cholesterin. Durch das Protein Apolipoprotein(a) was es jedoch zusätzlich enthält, ist es sozusagen “klebriger” und erhöht das Risiko für Gefäßablagerungen und Blutgerinnung. Die physiologische Funktion von Lp(a) ist noch nicht vollständig geklärt. Wichtige Eigenschaften sind jedoch:

  • Transport von Cholesterin im Blut, ähnlich wie LDL
  • Atherogene Wirkung: Lp(a) lagert sich in der Gefäßwand ab und fördert die Entstehung von Arteriosklerose
  • Thrombogene Wirkung: durch strukturelle Ähnlichkeit zu Plasminogen kann Lp(a) an Fibrin binden und die Auflösung von Blutgerinnseln hemmen
  • Proinflammatorische Wirkung: Lp(a) ist ein Träger von oxidierten Phospholipiden, die Gefäßentzündungen verstärken

Lipoprotein (a)-Konzentration im Blut

Eine Lipoprotein (a)-Konzentration über 30 mg/dl gilt als problematisch bezüglich des kardiovaskulären Risikos. Ein Lipoprotein (a)-Wert ist in verschiedenen ethnischen Gruppen stark unterschiedlich. Es ist aber auch die Herkunft des Patienten zu beachten, da die Werte je nach ethnischer Gruppe variieren können.

Durch Bindung an Fibrin, kann Lipoprotein(a) mit der Blutgerinnung interagieren. Dies lässt sich auf die Ähnlichkeit des Apolipoproteins(a) mit dem Gerinnungsprotein Plasminogen zurückführen. Lipoprotein(a) blockiert jedoch die normale Auflösung von Gerinnseln. Lp(a) trägt zudem zu Gefäßentzündungen bei, da es am Transport von oxidierten Phospholipiden beteiligt ist.

Lipoprotein A – Abbau

Aufgrund der strukturellen Ähnlichkeit zu LDL wird vermutet, dass Lp(a) zumindest teilweise über vergleichbare Mechanismen, wie die Bindung an LDL-Rezeptoren, abgebaut wird. Im Gegensatz zu LDL ist der genaue Abbauweg von Lp(a) jedoch bislang nicht eindeutig geklärt. Es gibt Hinweise darauf, dass neben LDL-Rezeptoren auch alternative Mechanismen, wie Scavenger-Rezeptoren oder eine renale Clearance, eine Rolle spielen könnten. Scavenger-Rezeptoren sind eine Gruppe von Rezeptoren auf der Oberfläche bestimmter Zellen, vor allem Makrophagen, die bestimmte Moleküle aus dem Blut oder Gewebe aufnehmen und abbauen.

Die unzureichende Kenntnis über den Abbauweg trägt dazu bei, dass die Plasmaspiegel von Lp(a) durch Ernährung oder konventionelle lipidsenkende Therapien, wie Statine, nur geringfügig beeinflusst werden.

Lipoprotein A – Klinische Relevanz

Erhöhte Lp(a)-Spiegel stellen einen unabhängigen Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen dar und sind Teil bestimmter Dyslipidämien, also Fettstoffwechselstörungen. Die Lp(a)-Werte sind durch Ernährung oder Lebensstil kaum beeinflussbar.

Zu den mit Lp(a)-Erhöhungen assoziierten Erkrankungen zählen:

  • Atherosklerotische kardiovaskuläre Erkrankungen
  • Koronare Herzkrankheit (KHK), insbesondere früh auftretende Herzinfarkte
  • Kalzifizierte Aortenklappenstenosen

Eine gezielte Senkung von Lp(a) ist derzeit noch begrenzt. Klassische Lipidsenker wie Statine wirken nur unwesentlich auf Lp(a). Vielversprechende Ansätze sind unter anderem PCSK9-Inhibitoren, die Lp(a) um etwa 20 bis 30 Prozent senken können. Sie blockieren das Enzym PCSK9, sodass die LDL-Rezeptoren auf der Zelloberfläche nicht abgebaut werden. Dadurch stehen mehr Rezeptoren zur Verfügung, um LDL-Cholesterin aus dem Blut aufzunehmen, was nicht nur die LDL-Werte senkt, sondern auch eine moderate Reduktion von Lp(a) bewirkt.

Cholesterin Grafik 2

Darüber hinaus werden RNA-basierte Therapien derzeit in klinischen Studien getestet. Eine weitere Möglichkeit ist die Lipidapherese, eine spezielle Form der Blutwäsche, bei der gezielt krankhafte Blutfette wie LDL-Cholesterin und Lp(a) entfernt werden, um schwere Fettstoffwechselstörungen zu behandeln.

In der folgenden Tabelle sind LDL und Lp(a) vergleichend aufgeführt:

Funktion Inhalt Klinische Relevanz
Lp(a)
  • Unbekannt
  • Hauptsächlich Cholesterin, LDL-ähnlich
  • Spiegel genetisch determiniert
  • Erhöhung des kardiovaskulären Risikos
  • Ähnlich Atherogen wie LDL, aber nur in geringer Menge im Blut vorhanden
LDL
  • Transport von Cholesterin in extrahepatische Zellen
  • Hauptsächlich Cholesterin
  • Ist atherogen
  • Wichtigster Vorhersagewert für kardiovaskuläres Risiko
  • Wahrscheinlich Voraussetzung für Atherosklerose
  • Primärer Angriffspunkt für lipidsenkende Behandlungen

LowDensityLipoprotein Grafik
Bis zur Verfügbarkeit gezielter Therapien liegt der Schwerpunkt der Behandlung auf der Optimierung anderer kardiovaskulärer Risikofaktoren, insbesondere der Senkung von LDL-Cholesterin, Blutdruckkontrolle und Lebensstilmaßnahmen.

Häufige Fragen

  1. Was ist Lipoprotein(a) bzw. Lp(a)?
  2. Lp(a) ist ein Lipoprotein, das LDL (das „schlechte“ Cholesterin) ähnelt, aber zusätzlich das Protein Apo(a) enthält, was es „klebriger“ macht und das Risiko für Gefäßablagerungen und Blutgerinnung erhöht.

  3. Wie häufig ist ein erhöhter Lp(a)-Wert?
  4. Weltweit haben etwa 20 bis 25 Prozent der Menschen erhöhte Lp(a)-Werte.

  5. Warum ist Lp(a) ein Gesundheitsrisiko?
  6. Hohe Lp(a)-Werte gelten als unabhängiger genetischer Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, einschließlich Herzinfarkt, Schlaganfall, Aortenklappen-Stenose und periphere Gefäßerkrankung.

  7. Ist Lp(a) genetisch bedingt?
  8. Ja, Lp(a) wird überwiegend genetisch bestimmt und bleibt meist konstant nach dem frühen Kindesalter.

  9. Ab wann gilt Lp(a) als erhöht?
  10. Ab Werten von etwa 50 mg/dL spricht man von erhöhten Lp(a)-Werten. Grenzwertige Werte sind im Bereich von etwa 30 bis 50 mg/dl.

Autor
Sudenur Tamer

Sudenur Tamer

Medizinstudentin

Sude studiert Humanmedizin an der Medizinischen Fakultät der Universität des Saarlandes. Schon seit ihrer Kindheit hegt sie den Traum, ihre medizinische Tätigkeit mit ihrer Leidenschaft für Journalismus zu verbinden. Diesen Traum kann sie bereits während ihrer Tätigkeit bei praktischArzt verwirklichen. Durch vorherige Praktika im Rundfunk und Fernsehen, das Schreiben von Blogs während ihres Auslandsjahres sowie ihr Fachwissen aus dem Studium kann sie ihre Fähigkeiten und Kenntnisse in ihren Texten gekonnt vereinen.

Quellen
  1. Dyslipidämien, https://next.amboss.com/... (Abrufdatum 29.08.2025)
  2. Nordestgaard, Børge G.; Varbo, Anette: Triglycerides and cardiovascular disease. The Lancet. 2014
Medizinische und Rechtliche Hinweise
Dieser Artikel ist nur als Hintergrundinformation bestimmt. Der Inhalt kann und darf nicht verwendet werden, um selbst Diagnosen zu stellen sowie Behandlungen anzufangen oder abzusetzen. Die Informationen können keinen Arztbesuch ersetzen. Bei medizinischen Anliegen und zur Klärung weiterer Fragen ist daher stets ein/e Arzt/Ärztin aufzusuchen.

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