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Die Laktatdehydrogenase (LDH) gehört zu den häufigsten Laborwerten, weil sie bei sehr vielen Erkrankungen Hinweise auf Zellschäden liefert. LDH katalysiert die reversible Umwandlung von Pyruvat und L-Laktat und koppelt diese Reaktion an das Redoxpaar NAD⁺/NADH. Das ist ein zentraler Schritt, der die Glykolyse auch bei Sauerstoffmangel stützt. Da nahezu alle Gewebe LDH enthalten, signalisiert ein erhöhter Blutwert vor allem, dass irgendwo Zellen zugrunde gehen, nicht wo. Dieser Artikel ordnet LDH biochemisch ein, erklärt die Messung und zeigt eine sinnvolle Interpretation der Befunde.
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Laktatdehydrogenase (LDH) – Definition und Biochemie
LDH gehört zu den Oxidoreduktasen (EC 1.1.1.27). Sie katalysiert die Reaktion Pyruvat + NADH + H⁺ ⇄ Laktat + NAD⁺. Damit regeneriert die Zelle NAD⁺, das sie für die Glykolyse benötigt. Unter Belastung oder Sauerstoffmangel verschiebt LDH das Gleichgewicht Richtung Laktat. Bei guter Sauerstoffversorgung läuft die Reaktion in Gegenrichtung, und Pyruvat fließt in den Citratzyklus. Das Zusammenspiel zwischen Muskulatur und Leber beschreibt der Cori-Zyklus. Die Muskulatur gibt Laktat ab, die Leber oxidiert es zu Pyruvat und stellt Bausteine für die Energiegewinnung bereit.
LDH findet sich nahezu überall im Körper. Besonders hohe Aktivitäten liegen in Erythrozyten, Leber- und Skelettmuskel sowie im Herz vor. Geht Gewebe zugrunde oder entzündet sich stark, tritt LDH aus Zellen aus und reichert sich im Blut an. Das macht LDH zu einem unspezifischen Marker für Zellschaden. Der Wert beantwortet die Ob-Frage, nicht die Wo-Frage. Zur Einordnung werden daher immer der klinische Kontext und passende Begleitwerte benötigt.
Laktatdehydrogenase (LDH) – Isozyme und Gewebeverteilung
LDH besteht aus vier Untereinheiten der Typen H (Gen LDHB) und M (Gen LDHA). Aus ihrer Kombination entstehen fünf Isoenzyme: LDH-1 (H₄), LDH-2 (H₃M), LDH-3 (H₂M₂), LDH-4 (HM₃) und LDH-5 (M₄). Typisch ist folgende Verteilung: LDH-1 und -2 überwiegen in Herz und Erythrozyten, LDH-3 findet sich vermehrt in der Lunge und im lymphatischen System, LDH-5 dominiert in Leber und Skelettmuskel. Diese Muster erklären, warum die Gesamt-LDH im Serum keine Organlokalisation erlaubt. Kliniken nutzen Isoenzym-Analysen heute selektiv, etwa wenn eine unklare, persistierende LDH-Erhöhung genauer eingegrenzt werden soll. Für die meisten Fragestellungen genügt die Gesamt-LDH zusammen mit zielgerichteten Zusatzwerten.
Laktatdehydrogenase (LDH) – Labordiagnostik
Labore messen LDH meist nach IFCC-Standard. Sie verfolgen bei 37 Grad die Änderung der Absorption von NADH bei 340 Nanometern und berechnen daraus die Enzymaktivität in U/L. Standardisierung verbessert die Vergleichbarkeit, ersetzt aber nicht den Blick auf das konkrete Labor, denn Reagenzien und Geräte variieren. Daher gilt: Verläufe möglichst im selben Labor verfolgen und stets den angegebenen Referenzbereich verwenden.
Für die Probe genügen Serum oder Heparin-Plasma. Hämolyse ist der wichtigste Stolperstein: Gehen rote Blutkörperchen bei der Abnahme oder beim Transport kaputt, setzen sie viel LDH frei, wodurch der Messwert dann artefiziell steigt. Bei Verdacht wiederholt man die Abnahme. Zusätzlich helfen zügige Verarbeitung und Kühlung, Messfehler zu vermeiden.
Referenzbereiche unterscheiden sich je nach Methode und Kollektiv. Häufig liegen Obergrenzen im Bereich von etwa 200 bis 250 U/L (IFCC-bezogen), wobei einzelne Labore leicht abweichen. Deshalb zählt immer der auf dem Befund ausgewiesene Bereich. Neugeborene und Kinder zeigen häufig höhere LDH-Aktivitäten als Erwachsene, weil sich ihr Stoffwechsel und die Enzymausstattung noch umstellen. Bei Kindern müssen deshalb konsequent alters- und methodenspezifische Referenzintervalle des Labors benutzt werden.
Laktatdehydrogenase (LDH) – Klinische Interpretation
Intensive körperliche Belastung kann LDH vorübergehend anheben. Studien zeigen messbare Anstiege nach Ausdauer- und Kraftbelastungen, die Werte normalisieren sich oft innerhalb von ein bis drei Tagen. Nachfragen vor der Blutentnahme nach Training und entsprechende Dokumentation verhindern Fehlinterpretationen.
Ein erhöhter LDH-Wert zeigt Zellschaden an, lokalisiert ihn aber nicht. Die Kombination mit Klinik und Zusatzwerten liefert die Aussage. Steigen LDH und Transaminasen gemeinsam, spricht das für eine Leberbeteiligung, während ein Anstieg mit erhöhter Kreatinkinase eher auf Skelettmuskel hindeutet. Erniedrigtes Haptoglobin plus LDH-Anstieg passt zur Hämolyse. Auch Lunge, Niere und einzelne Herzsituationen kommen in Betracht. Für akute Herzerkrankungen nutzt die Routine heute Troponin, LDH spielt dort höchstens ergänzend eine Rolle.
Trias bei Hämolyse
Für die Laborkonstellation der Hämolyse gilt eine einfache Merkhilfe: LDH erhöht, Haptoglobin erniedrigt, unkonjugiertes (indirektes) Bilirubin erhöht. Je nach Dynamik kommen Retikulozytenanstieg und typische Blutausstrich-Befunde dazu. Diese Kombination hilft, echten Hämolyse-bedingten LDH-Anstieg von Präanalytik-Artefakten zu unterscheiden.
Wichtiger als der Einzelwert ist oft der Verlauf. LDH bleibt nach Ereignissen mit Zelluntergang noch Tage erhöht. Eine fallende Tendenz spricht eher für Besserung, ein weiterer Anstieg für fortbestehenden Schaden. Niedrige LDH-Werte sind selten klinisch bedeutsam und tauchen eher als Randbefund auf.
In der Onkologie korreliert LDH häufig mit Tumorlast und Zellumsatz. Hohe Serum-LDH-Spiegel bei soliden Tumoren gehen eher mit ungünstigerem Überleben einher. Beim International Prognostic Index (IPI) für aggressive Lymphome zählt ein erhöhter LDH-Wert zu den fünf Kernvariablen. LDH dient hier also als prognostischer und Verlaufsmarker, ersetzt aber keine organspezifische Diagnostik oder Bildgebung. Bei Tumorlyse-Syndrom gehört LDH zu den Laborparametern für Risiko- und Verlaufsbeurteilung. LDH liefert jedoch keine Lokalisation, aber eine robuste Zusatzinformation zur Risikostratifikation.
Laktatdehydrogenase (LDH) – Spezielle Anwendungen und Grenzen
Bei Pleuraergüssen helfen die Light-Kriterien bei der Einordnung in Exsudat oder Transsudat. Ein Erguss gilt als Exsudat, wenn eines der folgenden Kriterien erfüllt ist:
- Protein-Quotient Pleura/Serum > 0,5
- LDH-Quotient Pleura/Serum > 0,6
- Pleura-LDH > zwei Drittel der oberen Serum-LDH-Normgrenze
Die Kriterien zeigen eine hohe Sensitivität für Exsudate, ersetzen aber nicht die klinische Abklärung der Ursache.
Die Grenzen des Markers sind klar: LDH ist nicht organspezifisch und reagiert empfindlich auf Präanalytik. Eine hämolysierte Probe kann den Wert deutlich verfälschen. Körperliche Belastung vor der Abnahme und Verzögerungen in der Verarbeitung beeinflussen die Aktivität ebenfalls. Deshalb interpretieren Teams LDH immer zusammen mit Anamnese, Befunden und gezielten Zusatztests. Für spezielle Fragestellungen – etwa unklare, anhaltende Erhöhungen – kann die Isoenzym-Analyse zusätzliche Hinweise geben, bleibt aber eine Einzelfall-Entscheidung.
- IFCC primary reference procedures, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/... , (Abrufdatum: 06.09.2025)
- Light’s Criteria, https://reference.medscape.com/... , (Abrufdatum: 06.09.2025)
- Prognostic role of LDH in solid tumors, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/... , (Abrufdatum: 06.09.2025)




