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Medi-Karriere Medipedia Lactase

Lactase: Wirkung, Abbau und Klinik

Sudenur Tamer
von Sudenur Tamer (Medizinstudentin) Zuletzt aktualisiert: 08.01.2026
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Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Wirkung und Funktion
  3. Abbau und Regulation
  4. Klinik

Die Lactase ist ein Enzym im Bürstensaum des Dünndarms, das aus Lactose Glucose und Galactose spaltet. Somit sorgt es für die Spaltung und Resorption des Milchzuckers und ist essenziell für dessen Verdauung. Klinisch ist es vor allem relevant bei der Lactoseintoleranz, die viele Menschen betrifft. Liegt ein Mangel der Lactase vor, so wird Lactose nicht vertragen und es kann zu Durchfall und Blähungen kommen. Der folgende Artikel schildert die Wirkung, Funktion, den Abbau, die Regulation sowie die klinische Relevanz des Verdauungsenzyms.

Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Wirkung und Funktion
  3. Abbau und Regulation
  4. Klinik

Lactase – Definition

Lactase ist ein Verdauungsenzym, das im Bürstensaumepithel des Dünndarms vorkommt. Sie ist ein integrales Membranprotein und eine Hydrolase, das die hydrolytische Spaltung des Disaccharids Lactose in die Monosaccharide Glucose und Galactose katalysiert.

Lactase – Wirkung und Funktion

Die Hauptaufgabe der Lactase besteht darin, Lactose in resorbierbare Monosaccharide zu spalten. Lactose ist ein Disaccharid, das aus einem Molekül Glucose und einem Molekül Galactose besteht, die durch eine β-1,4-glykosidische Bindung verknüpft ist. Sie ist das einzige Enzym des menschlichen Körpers, die diese Bindung der Lactose spalten kann. Sie übt ihre Wirkung und Funktion in der Bürstensaummembran der Enterozyten im Dünndarm aus.

Die Lactase katalysiert die Hydrolyse von Lactose, wodurch Glucose und Galactose freigesetzt werden. Diese beiden Monosaccharide können im Anschluss über spezifische Transportmechanismen, wie den SGLT1-Transporter durch die Dünndarmwand und das Blut aufgenommen werden. Damit spielt die Lactase also eine zentrale Rolle in der Verdauung der Kohlenhydrate und vor allem bei der Verwertung von Milchprodukten. Ohne die Wirkung der Lactase gelangt die Lactose ungespalten in den Dickdarm und kann nicht verdaut werden.

Lactase Grafik

SGLT1

Der SGLT1 beziehungsweise Sodium-dependent (Sodium englisch für Natrium) glucose transporter 1, ist ein natriumabhängiger Glucostransporter (Na+/Glucose-Symporter), der hauptsächlich in den Epithelzellen des Dünndarms sowie im späten proximalen Nierentubulus vorkommt. Er transportiert sekundär-aktiv ein Molekül Glucose gemeinsam mit zwei Natrium-Ionen vom Lumen in die Zelle.

Lactase – Abbau und Regulation

Die Aktivität der Lactase unterliegt einer entwicklungsabhängigen Regulation. Bei Neugeborenen ist die Enzymaktivität sehr hoch, da Milch die Hauptnahrungsquelle ist. Im Kindes- und Jugendalter nimmt sie ab, während bei anderen die Enzymaktivität lebenslang erhalten bleibt, was man als Lactasepersistenz bezeichnet. Dies ist genetisch bedingt und tritt in Mitteleuropa, Nordamerika und einigen afrikanischen Populationen auf.

Die Regulation erfolgt auf genetische Ebene durch Polymorphismen des LCT-Gens. Bestimmte Varianten ermöglichen eine kontinuierliche Expression des Enzyms, andere führen zum physiologischen Rückgang der Enzymproduktion.

Beim natürlichen Zellumsatz des Darmepithels wird die Lactase mit den alten Enterozyten, in denen sie eingebaut ist, abgest0ßen und durch neu synthetisierte ersetzt. Die Monosaccharide, die die Lactase aus der Lactose spaltet, werden in der Leber und den Zellen des Körpers zur Energiegewinnung verwendet.

Lactase – Klinik

Ein Mangel an Lactase führt dazu, dass Lactose im Dünndarm nicht gespalten werden kann. Die unverdaute Lactose gelangt in den Dickdarm, wo sie von Bakterien fermentiert wird. Pathophysiologisch läuft dies wie folgt ab: Durch die osmotische Bindung von Wasser im Kolon, kommt es zu Durchfall (Diarrhö). Die Gasbildung durch bakterielle Fermentation führt zu Blähungen, Gasansammlungen im Bauchbereich und Bauchschmerzen. Außerdem führt die Bildung kurzkettiger Fettsäuren zu verstärkter Darmperistaltik. Klinisch zeigen sich also Blähungen, Bauchschmerzen und Krämpfe, Durchfall und ein Völlegefühl oder Übelkeit.

Ursachen für den Mangel sind ein primärer, sekundärer oder angeborener Lactasemangel. Der primäre Lactasemangel ist genetisch bedingt, wobei es zur physiologischen Abnahme der Enzymaktivität nach der Stillzeit kommt.  Der sekundäre Lactasemangel ist die Folge von Dünndarmerkrankungen wie Zöliakie (Unverträglichkeit von Gluten), Morbus Crohn, Infektionen oder Gastroenteritiden. Der angeborene Lactasemangel ist eine sehr seltene genetische Störung durch Mutation im LCT-Gen mit kompletter Abwesenheit des Enzyms. Diese Form führt schon im Säuglingsalter zu schweren Durchfällen.

Diagnostisch kann die Intoleranz über den H2-Atemtest nach Lactosebelastung festgestellt werden, bei dem der Wasserstoffgehalt in der Ausatemluft gemessen wird. Die Therapie besteht im Verzicht auf lactosehaltige Produkte oder der Einnahme von Lactase-Präparaten. Die Lactoseintoleranz ist in den meisten afrikanischen und asiatischen Ländern am weitesten verbreitet.

Häufige Fragen

  1. Warum ist Lactase wichtig?
  2. Ist das Enzym nicht oder nicht ausreichend vorhanden, kann die Lactose nicht vollständig verdaut werden. Sie gelangt dann ungespalten in den Dickdarm, wo Bakterien sie verarbeiten. Dabei können Gase entstehen und Verdauungsbeschwerden auftreten.

  3. Was bedeutet Lactasemangel oder Lactaseintoleranz?
  4. Ein Lactasemangel bedeutet der Körper produziert wenig oder keine Lactase mehr. Bei der Lactoseintoleranz handelt es sich um die typische Folge des Lactasemangels, wodurch es zu Beschwerden nach Verzehr des Milchzuckers kommt. Man unterscheidet verschiedene Formen des Mangels: Primär (genetisch bedingt), sekundär (beispielsweise durch eine Darmerkrankung) oder angeboren.

  5. Wie häufig ist ein Lactasemangel bzw. eine -intoleranz?
  6. In Deutschland vertragen viele Erwachsene Milchzucker nur noch eingeschränkt. Schätzungsweise liegt der Anteil der Personen mit einem Lactasemangel bei 10 bis 20 Prozent oder höher. Je nach Bevölkerungsgruppe variieren die Zahlen stark. In den meisten Ländern Asiens und Afrikas liegt der Anteil der Lactoseintoleranz deutlich höher, schätzungsweise bei etwa 90 Prozent der Erwachsenen.

  7. Wie erkennt man, ob man Lactasemangel hat?
  8. Typische Hinweise sind die auftretenden Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall und Völlegefühl, die gezielt nach dem Verzehr von Milch oder Milchprodukten auftreten. Diagnostisch kann der Mangel durch de H2-Atemtest festgestellt werden.

Autor
Sudenur Tamer

Sudenur Tamer

Medizinstudentin

Sude studiert Humanmedizin an der Medizinischen Fakultät der Universität des Saarlandes. Schon seit ihrer Kindheit hegt sie den Traum, ihre medizinische Tätigkeit mit ihrer Leidenschaft für Journalismus zu verbinden. Diesen Traum kann sie bereits während ihrer Tätigkeit bei praktischArzt verwirklichen. Durch vorherige Praktika im Rundfunk und Fernsehen, das Schreiben von Blogs während ihres Auslandsjahres sowie ihr Fachwissen aus dem Studium kann sie ihre Fähigkeiten und Kenntnisse in ihren Texten gekonnt vereinen.

Quellen
  1. Kohlenhydrate, https://next.amboss.com/... (Abrufdatum 09.11.2025)
  2. Lactoseintoleranz, https://next.amboss.com/... (Abrufdatum 11.11.2025)
Medizinische und Rechtliche Hinweise
Dieser Artikel ist nur als Hintergrundinformation bestimmt. Der Inhalt kann und darf nicht verwendet werden, um selbst Diagnosen zu stellen sowie Behandlungen anzufangen oder abzusetzen. Die Informationen können keinen Arztbesuch ersetzen. Bei medizinischen Anliegen und zur Klärung weiterer Fragen ist daher stets ein/e Arzt/Ärztin aufzusuchen.

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