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Medi-Karriere Medipedia IGF-1

IGF-1: Wirkung, Regulation und klinische Bedeutung

Sudenur Tamer
von Sudenur Tamer (Medizinstudentin) Zuletzt aktualisiert: 06.02.2026
Igf 1,Acronym.insulin,Like,Growth,Factor,1,Concept.igf 1,(insulin Like,Growth,Factor

Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Wirkung und Funktion
  3. Regulation und Abbau
  4. Klinische Bedeutung

Der Insulin-like Growth Factor 1 (IGF-1) ist ein zentraler Wachstumsfaktor des menschlichen Organismus und nimmt eine Schlüsselrolle in der Regulation von Wachstum, Entwicklung und Stoffwechselprozessen ein. Als wichtiger Vermittler der Wirkung des Wachstumshormons beeinflusst IGF-1 zahlreiche physiologische Vorgänge auf zellulärer und systemischer Ebene. Aufgrund seiner vielfältigen Funktionen besitzt IGF-1 nicht nur große Bedeutung für die normale körperliche Entwicklung, sondern auch für verschiedene pathophysiologische Prozesse und Krankheitsbilder. Im Folgenden werden Definition, Wirkmechanismen, Regulation, Abbau sowie die klinische Bedeutung von IGF-1 dargestellt.

Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Wirkung und Funktion
  3. Regulation und Abbau
  4. Klinische Bedeutung

IGF-1 – Definition

IGF-1 (Insulin-like Growth Factor 1) ist ein polypeptidischer Wachstumsfaktor, der aufgrund struktureller Ähnlichkeiten dem Insulin zugeordnet wird. Er zählt zur Familie der insulinähnlichen Wachstumsfaktoren und spielt eine zentrale Rolle bei Wachstum, Entwicklung und Zellregulation. IGF-1 wird überwiegend in der Leber synthetisiert. Seine Produktion wird primär durch das Wachstumshormon Somatotropin (GH) aus der Hypophyse stimuliert. Die biologische Wirkung von IGF-1 erfolgt sowohl endokrin über den Blutkreislauf als auch lokal parakrin und autokrin.

IGF-1 – Wirkung und Funktion

Die Synthese von IGF-1 stimuliert überwiegend das Wachstumshormon (Somatotropin, GH). Es vermittelt viele der anabolen und wachstumsfördernden Effekte von GH. IGF-1 stimuliert die Zellproliferation und Differenzierung und damit das Wachstum und die Teilung zahlreicher Zelltypen. Dabei erfolgt die Wirkung über den membranständigen IGF-1-Rezeptor, der auf den meisten Zelltypen nachweisbar ist.

Die insulinartige Funktion der Insulin-like Growth Factors wird unter anderem durch die Strukturähnlichkeit des IGF-1-Rezeptors zum Insulin-Rezeptor erklärt. Wie bei den meisten Wachstumsfaktoren und anabolen Hormonen gehört der IGF-Rezeptor zur Klasse der Rezeptortyrosinkinasen.

Adipozyten (Fettzellen) können IGF-1 nicht nur als systemisch wirksames Hormon, sondern auch lokal im eigenen Gewebe produzieren, was die parakrine und autokrine Wirkung erklärt.

Physiologie

Die Synthese des Insulin-like growth factor 1 findet hauptsächlich in der Leber statt. Die Nahrungsaufnahme, die Somatotropin-Ausschüttung, Schilddrüsenhormone sowie adrenale und ovarielle Steroide bewirken die Ausschüttung des Hormons. Über eine negative Rückkopplung hemmt IGF-1 selbst wiederum die Ausschüttung von GHRH im Hypothalamus und Somatotropin in der Hypophyse.

IGF-1 fördert zudem die Proteinsynthese, hemmt den programmierten Zelltod (Apoptose) und unterstützt das Muskel- und Organwachstum. Es ist zudem wichtig für das Längenwachstum der Knochen während der Kindheit und Pubertät. Besonders im Knorpel- und Knochengewebe entfaltet IGF-1 seine wachstumsfördernde Wirkung. Dabei vermittelt es in vielen Geweben die Effekte des Wachstumshormons.

Aufgrund der strukturellen Ähnlichkeit zu Insulin, kann der Insulin-like Growth Factor 1 auch an Insulinrezeptoren binden und glukosesenkende Effekte auslösen, auch wenn in geringerem Ausmaß als Insulin. Im Rahmen der Regeneration fördert es zudem die Gewebeheilung nach Verletzungen.

IGF-1 – Regulation und Abbau

Die Synthese und Sekretion von IGF-1 wird durch mehrere Faktoren reguliert:

  • Das Wachstumshormon (GH) stimuliert die IGF-1-Synthese in der Leber
  • Insulin unterstützt die IGF-1-Produktion
  • Mangelernährung oder Erkrankungen der Leber führen zur Erniedrigung der IGF-1-Spiegel
  • Androgene & Östrogene erhöhen die IGF-1-Produktion
  • Somatostatin hemmt indirekt durch GH-Hemmung IGF-1
  • Alter spielt eine Rolle, da IGF-1-Spiegel physiologisch abnehmen

IGF-1 bindet im Blut an IGF-Bindungsproteine (IGFBP), die seine Halbwertszeit verlängern und die biologische Aktivität modulieren.

Der Abbau von IGF-1 erfolgt überwiegend über proteolytische Enzyme in Leber und Niere. Gebundenes IGF-1 (über IGF-Bindungsproteine) wird langsamer abgebaut, während freies IGF-1 eine kurze Halbwertszeit besitzt.

IGF-1 – Klinische Bedeutung

Erhöhte IGF-1-Spiegel spielen eine Rolle im Rahmen der Akromegalie, bei der es sich um eine seltene endokrinologische Erkrankung handelt, die durch eine Überproduktion des Wachstumshormons Somatotropin (GH) gekennzeichnet ist. Durch einen chronisch erhöhten GH-Spiegel kommt es folglich auch zu erhöhter IGF-1-Produktion und übermäßigem Wachstum von Knochen und Weichteilen.

Erniedrigte IGF-1-Spiegel kommen bei einem hypophysären Minderwuchs durch GH-Mangel vor und auch bei Leberinsuffizienz. Außerdem spielen Mangelernährung oder chronische Erkrankungen eine Rolle. Ein Mangel führt zu Wachstumsstörungen, verminderter Muskelmasse und Osteoporose bei Erwachsenen.

Diagnostisch dient IGF-1 als stabiler Surrogatmarker für die GH-Aktivität, da seine Konzentration im Gegensatz zu GH weniger stark tageszeitlich schwankt.

Häufige Fragen

  1. Wo wird IGF-1 gebildet?
  2. IGF-1 wird hauptsächlich in der Leber produziert. Zusätzlich kann es in vielen Geweben (z.B. Muskel, Fettgewebe, Knochen) lokal gebildet werden und dort parakrin oder autokrin wirken.

  3. Welche Funktion hat IGF-1 im Körper?
  4. IGF-1 fördert Zellwachstum und Zellteilung, Proteinsynthese, Muskel- und Organwachstum sowie Knochenwachstum (vor allem in Kindheit und Pubertät) und Geweberegenartion. Es vermittelt dabei viele Effekte des Wachstumshormons (GH).

  5. Was ist der Zusammenhang zwischen IGF-1 und Wachstumshormon (GH)?
  6. Das Wachstumshormon stimuliert die Bildung von IGF-1. IGF-1 ist der wichtigste Vermittler der wachstumsfördernden Effekte von GH. Ein Großteil der GH-Wirkung entfaltet sich indirekt über IGF-1.

  7. Ist IGF-1 gut für den Muskelaufbau?
  8. Ja, IGF-1 unterstützt Muskelwachstum und Regeneration. Es fördert die Proteinsynthese und die Aktivierung von Muskelstammzellen, Allerdings ist eine künstliche Erhöhung (z.B. Doping) gesundheitlich riskant und verboten.

Autor
Sudenur Tamer

Sudenur Tamer

Medizinstudentin

Sude studiert Humanmedizin an der Medizinischen Fakultät der Universität des Saarlandes. Schon seit ihrer Kindheit hegt sie den Traum, ihre medizinische Tätigkeit mit ihrer Leidenschaft für Journalismus zu verbinden. Diesen Traum kann sie bereits während ihrer Tätigkeit bei praktischArzt verwirklichen. Durch vorherige Praktika im Rundfunk und Fernsehen, das Schreiben von Blogs während ihres Auslandsjahres sowie ihr Fachwissen aus dem Studium kann sie ihre Fähigkeiten und Kenntnisse in ihren Texten gekonnt vereinen.

Quellen
  1. Gewebshormone, https://next.amboss.com/... (Abrufdatum 23.01.2026)
  2. Heinrich et al. (Hrsg.): Löffler/Petrides: Biochemie und Pathobiochemie. 9. Auflage Springer 2014
  3. Akromegalie, https://next.amboss.com/... (Abrufdatum 23.01.2026)
Medizinische und Rechtliche Hinweise
Wichtiger rechtlicher Hinweis für diesen Artikel

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