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Citrullin ist eine nicht-proteinogene Aminosäure, die im menschlichen Stoffwechsel eine wichtige, aber häufig wenig beachtete Rolle spielt. Besonders im Zusammenhang mit dem Stickstoffhaushalt, der Entgiftung von Ammoniak und der Regulation der Gefäßfunktion ist Citrullin von großer Bedeutung. Genauere Informationen über die Funktionen sowie die klinische Relevanz von Citrullin liefert der folgende Artikel.
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Citrullin – Definition
Citrullin lässt sich biochemisch klar von proteinogenen Aminosäuren abgrenzen, erfüllt jedoch essenzielle Funktionen im intermediären Stoffwechsel. Seine Bedeutung ergibt sich weniger aus strukturellen Aufgaben als aus seiner Rolle als Stoffwechselzwischenprodukt.
Citrullin – Eigenschaften
Citrullin ist eine α-Aminosäure mit der chemischen Bezeichnung 2-Amino-5-ureidovaleriansäure. Strukturell ähnelt sie Arginin, unterscheidet sich jedoch durch das Fehlen der terminalen Guanidinogruppe. Stattdessen besitzt Citrullin eine Ureidogruppe, die für seine chemischen Eigenschaften entscheidend ist.
Diese Struktur macht Citrullin elektrisch neutral und relativ gut wasserlöslich. Im Gegensatz zu basischen Aminosäuren wie Arginin trägt Citrullin bei physiologischem pH-Wert keine Nettoladung, was seinen Transport und seine Verteilung im Körper beeinflusst.
Citrullin gehört zu den nicht-proteinogenen Aminosäuren, da es nicht direkt während der Translation in Proteine eingebaut wird. Es besitzt kein eigenes Codon im genetischen Code und liegt im Körper ausschließlich in freier Form vor.
Trotzdem ist Citrullin kein Randprodukt des Stoffwechsels, sondern ein zentraler Metabolit, der mehrere biochemische Kreisläufe miteinander verbindet. Besonders eng ist seine Beziehung zu Arginin und Ornithin.
Citrullin – Synthese
Die Synthese von Citrullin erfolgt über mehrere Stoffwechselwege und ist eng an zentrale Entgiftungs- und Regulationsmechanismen gekoppelt. Dabei spielt sowohl die Leber als auch der Darm eine entscheidende Rolle.
Entstehung im Harnstoffzyklus
Der wichtigste Syntheseweg von Citrullin ist der Harnstoffzyklus, der hauptsächlich in den Hepatozyten der Leber abläuft. In den Mitochondrien reagiert Ornithin mit Carbamoylphosphat unter Katalyse der Ornithin-Transcarbamylase zu Citrullin.
Das gebildete Citrullin wird anschließend aus den Mitochondrien ins Zytosol transportiert, wo es in weiteren Reaktionsschritten des Harnstoffzyklus verarbeitet wird. Dort dient es als Vorstufe für die Synthese von Arginin.
Synthese im Dünndarm
Neben der Leber ist auch der Dünndarm ein bedeutender Ort der Citrullinbildung. Enterozyten synthetisieren Citrullin aus Glutamin und Glutamat, unabhängig vom Harnstoffzyklus. Dieses intestinal gebildete Citrullin gelangt über den Blutkreislauf in andere Gewebe.
Interessanterweise wird Citrullin aus dem Darm kaum in der Leber abgebaut, sondern bevorzugt von den Nieren aufgenommen. Dort dient es als Substrat für die Argininsynthese, was eine funktionelle Darm-Niere-Achse im Stickstoffstoffwechsel etabliert.
Abgrenzung zu Arginin und Ornithin
Citrullin steht in einem engen metabolischen Verhältnis zu Arginin und Ornithin. Während Ornithin und Arginin direkt im Harnstoffzyklus miteinander verknüpft sind, fungiert Citrullin als intermediäres Bindeglied. Diese Stellung erlaubt es dem Körper, flexibel auf unterschiedliche Stoffwechsellagen zu reagieren, etwa bei erhöhtem Ammoniakanfall oder gesteigertem Bedarf an Stickstoffmonoxid.
Citrullin – Funktionen
Die Funktionen von Citrullin sind vielfältig und betreffen mehrere physiologische Systeme. Besonders relevant sind seine Rolle im Stickstoffmetabolismus und seine indirekte Wirkung auf die Gefäßfunktion.
Bedeutung im Harnstoffzyklus
Im Harnstoffzyklus ist Citrullin ein wichtiges Zwischenprodukt. Nach seiner Bildung aus Ornithin wird Citrullin im Zytosol mit Aspartat zu Argininosuccinat verknüpft, aus dem schließlich Arginin entsteht. Über diesen Weg trägt Citrullin indirekt zur Bildung von Harnstoff bei, der das wichtigste Ausscheidungsprodukt für überschüssigen Stickstoff darstellt. Eine ausreichende Citrullinverfügbarkeit ist daher essenziell für die Entgiftung von Ammoniak.
Vorstufe von Arginin
Eine der wichtigsten Funktionen von Citrullin ist seine Rolle als Vorstufe von Arginin. Im Gegensatz zu oral aufgenommenem Arginin wird Citrullin kaum in der Leber metabolisiert und steht daher systemisch effizienter zur Verfügung. In den Nieren wird Citrullin zu Arginin umgewandelt, das anschließend für verschiedene biologische Prozesse genutzt wird. Dies ist unter anderem für die Proteinsynthese und die Bildung von Stickstoffmonoxid der Fall.
Zusammenhang mit der Stickstoffmonoxid-Synthese
Arginin ist das direkte Substrat der Stickstoffmonoxid-Synthasen, die Stickstoffmonoxid bilden. Citrullin beeinflusst diesen Prozess indirekt, indem es die Argininverfügbarkeit erhöht. Stickstoffmonoxid ist ein essentieller vasodilatierender Botenstoff, der den Gefäßtonus reguliert, die Durchblutung verbessert und zahlreiche Signalwege beeinflusst. Über diesen Mechanismus trägt Citrullin zur kardiovaskulären Regulation bei.
Entdeckung von Citrullin
Citrullin wurde erstmals aus Wassermelonen isoliert, deren lateinischer Name Citrullus lanatus der Aminosäure ihren Namen gab. Bis heute zählt die Wassermelone zu den citrullinreichsten natürlichen Lebensmitteln.
Bedeutung für den Energiestoffwechsel
Indirekt beeinflusst Citrullin auch den Energiestoffwechsel. Durch die Verbesserung der Durchblutung und den effizienteren Abtransport von Ammoniak kann es zur Optimierung metabolischer Prozesse beitragen.
Vor allem in Situationen erhöhter körperlicher Belastung kann Citrullin dazu beitragen, die Anhäufung stickstoffhaltiger Abbauprodukte zu begrenzen.
Citrullin – Klinische Relevanz
Die klinische Bedeutung von Citrullin ergibt sich aus seiner Rolle im Stickstoffstoffwechsel sowie aus seiner diagnostischen und therapeutischen Nutzung. Veränderungen der Citrullinkonzentration können wichtige Hinweise auf pathologische Prozesse liefern.
Citrullin als Marker der Darmfunktion
In der klinischen Diagnostik wird Citrullin als Marker für die funktionelle Masse der Enterozyten genutzt. Da Citrullin überwiegend im Dünndarm gebildet wird, spiegeln niedrige Citrullinspiegel eine eingeschränkte Darmfunktion wider.
Dies ist insbesondere bei Kurzdarmsyndrom, schweren Enteropathien oder nach ausgedehnten Darmresektionen von Bedeutung. Citrullin erlaubt hier eine nicht-invasive Einschätzung der intestinalen Leistungsfähigkeit.
Bedeutung bei Harnstoffzyklusdefekten
Bei angeborenen Störungen des Harnstoffzyklus können die Citrullinspiegel im Blut deutlich verändert sein. Je nach Enzymdefekt finden sich erhöhte oder erniedrigte Konzentrationen, die diagnostisch genutzt werden. So ist beispielsweise eine Citrullinämie durch einen Defekt der Argininosuccinat-Synthetase gekennzeichnet. Diese Erkrankung führt zu einer schweren Hyperammonämie und erfordert eine frühzeitige Therapie.
Therapeutische Anwendung
Citrullin wird therapeutisch eingesetzt, um die Argininverfügbarkeit zu erhöhen, zum Beispiel bei kardiovaskulären Erkrankungen oder bestimmten Stoffwechselstörungen. Aufgrund seiner guten Verträglichkeit gilt es als sinnvolle Alternative zur direkten Argininsupplementierung. Auch bei Lebererkrankungen und Zuständen mit gestörter Ammoniakentgiftung wird Citrullin diskutiert, da es indirekt den Harnstoffzyklus unterstützen kann.
Rolle in der Sport- und Ernährungsmedizin
In der Sportmedizin wird Citrullin häufig zur Verbesserung der Durchblutung und zur Unterstützung der Regeneration eingesetzt. Die zugrunde liegenden Mechanismen basieren vor allem auf der gesteigerten Stickstoffmonoxidbildung. Die klinische Evidenz ist jedoch heterogen, und viele Effekte sind abhängig von Dosierung, Trainingszustand und individueller Stoffwechsellage.
- Aminosäuren und Proteine, https://next.amboss.com/... (Abrufdatum: 17.12.2025)




