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Kunsttherapie aktiviert Kreativität und öffnet Türen zu inneren Erfahrungen. Sie lässt Menschen Gefühle ausdrücken, Konflikte verarbeiten und Ressourcen entdecken. Sie ermöglicht eine therapeutische Begleitung des Prozesses, professionelle Anregung und Reflexion und Unterstützung beim Finden neuer Perspektiven. Therapierte gestalten aktiv, experimentieren mit Farben, Formen und Materialien und erleben so unmittelbare Wirkung auf Körper, Geist und Emotionen. Durch das kreative Tun fördern sie Selbstwahrnehmung, Stabilität und persönliche Entwicklung.
Dieser Artikel fasst die Grundsätze und Wirkweise der Kunsttherapie kompakt zusammen.
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Was ist Kunsttherapie?
Bei der Kunsttherapie handelt es sich um ein psychotherapeutisches Verfahren, bei dem kreative Ausdrucksformen wie Malen, Zeichnen, Modellieren oder Gestalten gezielt eingesetzt werden. Sie bietet Menschen die Möglichkeit, Gefühle, Konflikte oder Erfahrungen auszudrücken, für die manchmal die Worte fehlen. Dabei steht nicht das künstlerische Ergebnis im Vordergrund, sondern der therapeutische Prozess: Durch das kreative Tun können Selbstwahrnehmung, emotionale Stabilität und persönliche Ressourcen gestärkt werden.
Zielsetzung
Die Kunsttherapie findet Anwendung in der Psychotherapie, in der Rehabilitation, in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen sowie in der Begleitung chronisch Erkrankter. Ziel ist, durch die Kunst den Behandelten zu ermöglichen, einen Bezug zu ihrer Gefühlswelt oder ihren Emotionen zu bekommen. Gleichzeitig kann sie auch ein Halt sein, etwa bei der Verarbeitung von Traumata. Eine andere Form der Kunsttherapie ist eine Möglichkeit des Ausdrucks von Erfahrungen, inneren Konflikten und Weiterem.
Kunsttherapie – Entwicklung
Die Ursprünge der Kunsttherapie liegen im 20. Jahrhundert, wobei sich fast parallel im englischsprachigen Raum sowie in Mitteleuropa zwei leicht verschiedene Ansätze entwickelten: In den USA und in Großbritannien lagen die Ursprünge vor allem in der Kunsterziehung und der Entwicklungspsychologie. Während sich dort die Kunsttherapie erst recht spät (in den 1970ern) davon abspaltete, entstand der Ansatz unabhängiger im europäischen Raum, vornehmlich in der Schweiz.
Hier prägten drei Frauen die Entwicklung: Die Ärztin Maria Ita Wegmann gründete 1921 eine anthroposophische Klinik, in der sie gemeinsam mit Margarethe Hauschka und Liane Collot d’Herbois künstlerische Gestaltung in der Behandlung integrierte. Etwa zur gleichen Zeit wurden erste Manifeste zu den Zusammenhängen zwischen Kunst und psychiatrischer Therapie in Deutschland und der Schweiz veröffentlicht:
- Bildnerei der Geisteskranken (1922), Hans Prinzhorn
- Ein Geisteskranker als Künstler (1921), Walter Morgenthaler über Adolf Wölfli
In den folgenden Jahren gab es mehr und mehr Theorien zur Symbolik der Kunsttherapie, auch unter Einfluss der Psychoanalyse – etwa durch Jung oder Freud. Ab den 1950er-Jahren entstanden in Großbritannien erste professionelle Vereinigungen für Kunsttherapie, die den Beruf allmählich etablierten. In den 1960er- und 1970er-Jahren verbreitete sich die Methode in Europa, besonders in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden, wo auch die ersten Ausbildungsprogramme und Fachgesellschaften gegründet wurden. Zu Zeiten der 1980er wurde Kunsttherapie zunehmend theoretisch fundiert und in psychiatrischen sowie pädagogischen Einrichtungen fest verankert.
Und wie geht es weiter?
Seit den 2000er-Jahren arbeiten Fachkräfte in der Kunsttherapie vor allem an der empirischen Festigung und wissenschaftlichen Begründung von Kunsttherapie. Dabei kann es beispielsweise darum gehen, welche kunsttherapeutischen Ansätze bei welchen Erkrankungen indiziert sein können. Darüber hinaus vernetzen sich immer mehr professionelle Fachkräfte in der Kunsttherapie, wodurch etwa auch die wissenschaftliche Fachgesellschaft für Künstlerische Therapien (WFKT) entstanden ist.
Kunsttherapie – Grundsätze
Die Kunsttherapie stützt sich auf Leitgedanken, die das gemeinsame Arbeiten prägen und Orientierung bieten. Im Zentrum steht die Idee, dass schöpferisches Tun eine Brücke zu inneren Erlebnissen darstellt und dadurch Entwicklung, Stabilität und Heilung unterstützen kann. Entscheidend ist weniger das fertige Werk als vielmehr der Prozess, der in einer vertrauensvollen und respektvollen Umgebung stattfindet. Zentrale Grundsätze sind:
- Ausdruck über künstlerische Mittel statt über Sprache
- Offenheit und Freiheit im Gestalten ohne Leistungsdruck
- Achtung der individuellen Fähigkeiten und Grenzen
- Förderung von Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen
- Unterstützung bei der Bewältigung von Belastungen und Krisen
Kunsttherapie – Formen
Je nach Zielsetzung und Indikation sowie Tätigkeitsschwerpunkten der therapeutischen Praxis kann es verschiedene Formen der Kunsttherapie geben. Dabei können die Anwendungen gewisse Überschneidungspunkte haben.
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Rezeptive Kunsttherapie
Die rezeptive Kunsttherapie konzentriert sich nicht auf das eigene Gestalten, sondern auf das bewusste Wahrnehmen und Erleben von Kunstwerken. Behandelte betrachten dabei Bilder, Skulpturen oder andere künstlerische Ausdrucksformen und setzen sich im Gespräch oder in Reflexion mit deren Wirkung auseinander. Ziel ist es, innere Resonanzen, Erinnerungen oder Gefühle anzuregen und so Zugang zu unbewussten Themen zu schaffen. Diese Form ermöglicht eine intensive Auseinandersetzung mit seelischen Prozessen, auch, ohne selbst tätig werden zu müssen. Das eignet sich besonders für Menschen, die Hemmungen vor eigenem Schaffen haben.
Aktive Kunsttherapie
Bei der aktiven Kunsttherapie steht das eigene kreative Tun im Vordergrund. Behandelte nutzen verschiedene Materialien wie Farben, Ton, Holz oder Collagen, um innere Zustände sichtbar und erlebbar zu machen. Im Prozess des Gestaltens können Emotionen, Konflikte und Probleme, die oft schwer in Worte zu fassen sind, einen Ausdruck finden. Dadurch wird ein Zugang zu unbewussten Inhalten ermöglicht, der neue Perspektiven eröffnet und Veränderung anstoßen kann.
Die entstandenen Arbeiten dienen als Grundlage für Gespräche, Reflexion und therapeutische Vertiefung. Wichtig ist dabei, dass es nicht um künstlerische Leistung oder ästhetische Qualität geht, sondern um den individuellen Ausdruck. Aktive Kunsttherapie kann so helfen, Spannungen abzubauen, Selbstvertrauen zu stärken und Ressourcen für die Bewältigung von Belastungen zu aktivieren.
Kunsttherapie – Methoden
Je nach persönlichem Ermessen und Ziel können die Methoden der Kunsttherapie unterschiedlich sein. Die folgenden Absätze zählen die gängigsten Methoden in der Kunsttherapie auf.
Zeichentests
Zeichentests sind eher nicht die klassischen Methoden in der Kunsttherapie und finden ausschließlich Anwendung, wenn psychologische Qualifikationen auf therapeutischer Seite bestehen. Zeichentests können Aussagen über Entwicklung, Reife, Leistung und Persönlichkeit treffen, wobei sie häufig entweder zur Anfangsdiagnose oder in der Verlaufsdiagnostik Anwendung finden. Obwohl ihre Validität (Belastbarkeit) umstritten ist, gewinnen sie zunehmend an Bedeutung.
Ein berühmtes Beispiel: der Rorschachtest
Einer der unter Laien wohl bekanntesten Zeichentests ist der sogenannte Rorschachtest (auch: Tintenklecks-Test). Hierbei werden zehn (im besten Falle unbekannte) Bilder von speziell geformten Tintenkleksen gezeigt. Die Reihenfolge ist dabei streng festgelegt, allerdings mit der Anweisung, dass die Bilder beliebig gedreht werden dürfen. Dazu stellt man die Frage: „Was könnte das sein?“. In der Analyse geht es nicht um richtig oder falsch, sondern um den Umgang, die Reaktionszeit und die Handhabung (wie häufig gedreht wird, etc.). Hauptaugenmerk der Auswertung liegt auf Lokalisierung, Determinanten, Inhalten, Häufigkeiten.
Messpainting
Das Messpainting ist eine Methode der Kunsttherapie, bei der das freie, oft großformatige Malen im Vordergrund steht und keine Vorgaben hinsichtlich Motiv oder Technik bestehen. Charakteristisch ist der Einsatz großer Flächen, kräftiger Farben und spontaner Bewegungen, wodurch ein unmittelbarer, körpernaher Ausdruck möglich wird. Die Methodik betont das Tun selbst, nicht das fertige Bild.
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Ausdrucksmalerei
Bei der Ausdrucksmalerei steht das „intuitive“ Malen aus dem Gefühl und dem inneren Befinden heraus im Fokus. Diese wird im Stehen durchgeführt und ist in der Regel eine Gruppenaktivität, die in vor Außeneinflüssen geschützten Räumen stattfindet.
Begleitetes Malen
Anders als der Name vielleicht vermuten mag, gibt das begleitete Malen keine Vorgaben, sondern ist eine freie Form der Kunsttherapie, bei der lediglich eine Betreuungsperson anwesend ist und den Prozess psychologisch begleitet. Anders als im Unterricht gibt es keine Bewertung oder Vorgaben, sondern eine respektvolle Begleitung, die Anregungen gibt, Fragen stellt oder beim Entfalten des kreativen Prozesses hilft. Ziel ist es, innere Bilder sichtbar zu machen, Gefühle und Erfahrungen auszudrücken und dabei Sicherheit und Orientierung zu erfahren.
Lösungsorientiertes Malen
Die Methodik des lösungsorientierten Malens in der Kunsttherapie richtet den Blick nicht auf Probleme, sondern auf Ressourcen und mögliche Wege zur Veränderung. Beim Malen entstehen Bilder, die Lösungen, Stärken oder gewünschte Zustände sichtbar machen und so neue Handlungsspielräume eröffnen. Dieser Ansatz unterstützt Betroffene dabei, Hoffnung zu entwickeln, Selbstwirksamkeit zu erleben und konkrete Schritte in Richtung ihrer Ziele zu finden.
Formenzeichnen
Das Formenzeichnen stammt aus der Waldorfpädagogik und wird auch in der Kunsttherapie genutzt. Durch das Zeichnen von Linien, Schwüngen und geometrischen Mustern fördert es Konzentration, Motorik und Raumwahrnehmung. Das rhythmische Arbeiten bringt innere Ruhe und unterstützt seelische Stabilität.
Arbeit am Tonfeld
Ton in der Kunsttherapie bringt mehrere zusätzliche Ebenen in das Schaffen. Der Ton ergänzt die Therapie um das Gefühl auf der Haut und die Haptik der entstehenden Kreationen sowie um die Möglichkeit der dreidimensionalen Betrachtungsweise.
Dialogisches Malen
Als dialogisches Malen bezeichnet man eine Methode der Kunsttherapie, bei der zwei oder mehrere Personen gemeinsam an demselben Bild arbeiten. Die Personen können dabei beide behandelt werden oder zum Teil die Behandelnden sein. Ohne feste Absprachen entsteht ein visueller „Dialog“ aus Farben, Formen und Symbolen, der wie ein Gespräch nonverbal abläuft. Dabei geht es nicht um künstlerische Leistung, sondern um Begegnung, Austausch und das Erleben von Beziehung. Das Verfahren fördert Kommunikation, Empathie und das gemeinsame Entwickeln neuer Ausdrucksformen.
Kunsttherapie – Einsatzbereiche
In den unterschiedlichsten Disziplinen kann die Kunsttherapie Einsatz finden:
- Psychiatrie und Psychotherapie: Unterstützung bei Angst, Depression, Traumata und anderen psychischen Erkrankungen durch nonverbale Ausdrucksmöglichkeiten.
- Pädiatrie: Förderung von Entwicklung, Kreativität und emotionaler Ausdrucksfähigkeit bei Kindern und Jugendlichen.
- Geriatrie und Demenzbetreuung: Aktivierung von Erinnerungen, Stärkung von Selbstwahrnehmung und Lebensqualität älterer Menschen.
- Onkologie: Verarbeitung von Krankheit, Stressabbau und emotionale Stabilisierung während Krebstherapien.
- Rehabilitation: Unterstützung der körperlichen, emotionalen und sozialen Genesung nach Unfällen oder Operationen.
- Suchttherapie: Förderung von Selbstreflexion, Ausdruck von Gefühlen und Entwicklung neuer Bewältigungsstrategien.
- Soziale Arbeit / Gemeinschaftseinrichtungen: Stärkung von Selbstvertrauen, Kommunikation und sozialer Interaktion in Gruppen.
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Häufige Fragen
- Für wen ist Kunsttherapie geeignet?
- Wie viel verdient man mit Kunsttherapie?
- Wird eine Kunsttherapie von der Krankenkasse bezahlt?
- Was ist der Unterschied zwischen Ergotherapie und Kunsttherapie?
Kunsttherapie eignet sich für Menschen jeden Alters, die emotionale, psychische oder körperliche Herausforderungen bewältigen möchten. Sie unterstützt Personen mit psychischen Erkrankungen, chronischen Krankheiten, Traumata oder Entwicklungsstörungen. Auch gesunde Menschen können von Kunsttherapie profitieren, um Selbstwahrnehmung, Kreativität und persönliche Ressourcen zu stärken.
In Deutschland liegt das durchschnittliche Bruttomonatsgehalt für Kunsttherapeuten bei etwa 3.500 bis 4.400 Euro, was einem Jahresgehalt von 42.000 bis 52.800 Euro entspricht. Das Einstiegsgehalt liegt bei rund 2.900 Euro monatlich. Mit zunehmender Berufserfahrung, insbesondere über neun Jahre, kann das Gehalt auf etwa 4.850 Euro monatlich steigen, was einem Jahresgehalt von rund 60.100 Euro entspricht.
In Deutschland gehört die Kunsttherapie nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen und wird daher in der Regel nicht übernommen. Einige gesetzliche Krankenkassen, wie die SECURVITA BKK, Bahn BKK und Hanseatische Krankenkasse HEK, erstatten die Kosten für anthroposophische Kunsttherapie, wenn diese ärztlich verordnet und von einem qualifizierten Therapeuten durchgeführt wird. Die BAHN-BKK beispielsweise übernimmt pro Jahr die Kosten für bis zu zehn Einheiten zu je 47,50 Euro.
Ergotherapie konzentriert sich darauf, Alltagsfähigkeiten und Handlungsfähigkeit zu erhalten oder wiederherzustellen, oft durch gezielte Übungen und praktische Aktivitäten. Kunsttherapie nutzt kreative Prozesse wie Malen, Gestalten oder Formenzeichnen, um emotionale, psychische und soziale Themen auszudrücken und zu bearbeiten. Während Ergotherapie primär funktional und handlungsorientiert ist, steht bei der Kunsttherapie der therapeutische Ausdruck und die Verarbeitung innerer Erfahrungen im Vordergrund.
- Kunsttherapie, https://econtent.hogrefe.com/... (Abrufdatum 08.09.2025)
- Ausdrucksmalerei, https://de.wikipedia.org/... (Abrufdatum 08.09.2025)
- Intuitive Arbeit mit Ton, https://www.kunsttherapie-praxis.de/... (Abrufdatum 08.09.2025)








