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Medi-Karriere Medipedia Proteinogene Aminosäuren

Proteinogene Aminosäuren: Wirkung und Funktion

Sudenur Tamer
von Sudenur Tamer (Medizinstudentin) Zuletzt aktualisiert: 01.01.2026
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Proteinogene Aminosäuren sind die Bausteine aller körpereigenen Proteine und bestehen aus 21 verschiedenen L-Aminosäuren, darunter das seltene Selenocystein. Sie übernehmen vielfältige Funktionen wie den Aufbau von Enzymen, Strukturproteinen und Hormonen sowie die Regulation des Stoffwechsels. Ihr Abbau erfolgt über Transaminierung und Desaminierung, wobei die entstehenden Zwischenprodukte zur Energiegewinnung oder Gluconeogenese genutzt werden können. Störungen im Aminosäurestoffwechsel, wie etwa die Phenylketonurie oder die Ahornsirupkrankheit, können durch toxische Stoffwechselprodukte zu schweren klinischen Symptomen führen. Der folgende Artikel bringt eine Übersicht der proteinogenen Aminosäuren und erklärt die Wirkung und Funktion, den Abbau sowie die Klinik.

Proteinogene Aminosäuren – Definition

Proteinogene Aminosäuren sind Aminosäuren, die im menschlichen Organismus als Bausteine der Proteine dienen. Beim Menschen existieren 21 proteinogene Aminosäuren, die während der Translation anhand des genetischen Codes in Proteine eingebaut werden. Sie sind durch Tripletts (Codons) der mRNA codiert.

Proteinogene Aminosäuren lassen sich nach chemischen Eigenschaften ihrer Seitenkette (apolar, polar, sauer oder basisch), ihrer Essenzialität und ihrem Abbauweg (glukogen, ketogen, gemischt gluko-/ketogen) einteilen. Aminosäuren wie Leucin oder Isoleucin sind apolare Aminosäuren, während Serin und Threonin polar, also ungeladen, sind. Glutamat und Aspartat sind saure Aminosäuren und Lysin, Arginin und Histidin gehören zu den basischen Aminosäuren. Essenzielle Aminosäuren müssen über die Nahrung aufgenommen werden, da der Körper sie nicht selbst synthetisieren kann. Dazu gehören beispielsweise Leucin, Methionin und Tryptophan. Die Abbauprodukte glukogener Aminosäuren können zur Glukoneogenese genutzt werden, während der Abbau ketogener Aminosäuren zur Bildung von Ketonkörpern führt.

Proteinogene Aminosäuren – Übersicht

Die proteinogenen Aminosäuren umfassen insgesamt 21 verschiedene L-Aminosäuren, darunter das seltene Selenocystein. Sie unterscheiden sich in ihren chemischen Eigenschaften, ihrer Essenzialität sowie ihrem Stoffwechselweg. L-Aminosäuren sind die in Proteinen vorkommenden Aminosäuren, die in der L-Konfiguration vorliegen und für den Aufbau von Peptiden und Proteinen in lebenden Organismen biologisch aktiv sind.

Abhängig von der Fähigkeit des menschlichen Organismus zur endogenen Synthese unterscheidet man essenzielle Aminosäuren, die mit der Nahrung aufgenommen werden müssen und nicht-essenzielle Aminosäuren, die endogen gebildet werden können.

Zu den essenziellen Aminosäuren gehören:

  • Histidin
  • Isoleucin
  • Leucin
  • Lysin
  • Methionin
  • Phenylalanin
  • Threonin
  • Tryptophan
  • Valin

Die nicht-essenziellen Aminosäuren sind:

  • Alanin
  • Asparagin
  • Asparaginsäure
  • Glutaminsäure
  • Glutamin
  • Glycin
  • Prolin
  • Serin
  • Tyrosin
  • Cystein

Proteinogene Aminosäuren – Wirkung und Funktion

Proteinogene Aminosäuren erfüllen zahlreiche lebenswichtige Funktionen. Sie sind die Grundbausteine aller Proteine, zu denen unter anderem Enzyme, Strukturproteine wie Kollagen oder Keratin, Transportproteine (z.B. Hämoglobin) sowie Rezeptoren und Signalproteine gehören.

Strukturmerkmale proteinogener Aminosäuren

Proteinogene Aminosäuren besitzen ein zentrales α-Kohlenstoffatom, an das eine Aminogruppe, eine Carboxylgruppe, ein Wasserstoffatom und eine variable Seitenkette gebunden sind. Die chemischen Eigenschaften, wie Polarität, Ladung und Wasserlöslichkeit, werden durch diese Seitenkette bestimmt.

Proteinstruktur Grafik

Einige Aminosäuren wirken zudem als Neurotransmitter. Beispiele hierfür sind Glutamat als wichtiger exzitatorischer Neurotransmitter sowie Glycin, das vor allem inhibitorisch wirkt. Tyrosin dient als Vorstufe des Schilddrüsenhormons Thyroxin und ist damit eine bedeutende Hormonvorstufe. Andere Aminosäuren fungieren als Regulatoren des Energiestoffwechsels, etwa Leucin, das den mTOR-Signalweg aktiviert und somit Zellwachstum und Zellzyklus beeinflusst.

Aminosäuren wie Glutamin und Arginin sind wichtig für die Proliferation von Immunzellen, die Wundheilung sowie die Aufrechterhaltung der Stickstoffbilanz.

Weitere zentrale Funktionen proteinogener Aminosäuren sind:

  • Vorstufen für Biomoleküle: z.B. Serotonin aus Tryptophan oder Histamin aus Histidin
  • Säure-Basen-Haushalt: Aminosäuren wirken als Ampholyte, die Protonen aufnehmen oder abgeben können
  • Energiequelle: Nach Desaminierung oder Transaminierung werden die Kohlenstoffgerüste der Aminosäuren in den Citratzyklus, die Gluconeogenese oder die Ketonkörpersynthese eingeschleust und so zur Energiegewinnung genutzt

    Proteinogene Aminosäuren – Abbau

    Der Abbau proteinogener Aminosäuren beginnt meist mit Transaminierung, wobei die Aminogruppe auf α-Ketoglutarat übertragen wird und Glutamat entsteht. Daraufhin wird durch oxidative Desaminierung Ammoniak freigesetzt, das in der Leber über den Harnstoffzyklus entgiftet wird. Die verbleibenden Kohlenstoffskelette werden in den Energiestoffwechsel eingeschleust. Glukogene Aminosäuren dienen der Glukoneogenese, also Glukoseneubildung (z.B. Alanin), während ketogene (z.B. Leucin) zur Bildung von Ketonkörpern beitragen. Gluko-ketogene Aminosäuren können beide Stoffwechselwege nutzen.

    Proteinogene Aminosäuren – Klinik

    Störungen im Aminosäurestoffwechsel können zu schweren Erkrankungen führen. Bei der Phenylketonurie kommt es durch den Defekt der Phenylalaninhydroxylase zur Anhäufung von Phenylalanin, welches neurotoxisch wirkt.

    Ein Defekt im Abbau verzweigtkettiger Aminosäuren wie Leucin, Isoleucin und Valin führt zur Ahornsirupkrankheit. Hierbei riecht der Urin ahornsirupartig und toxische Metabolite können zu ZNS-Schäden führen.

    Bei der Homocystinurie liegt eine Störung im Methioninabbau vor, was zu Gefäß- und Bindegewebsschäden führen kann. Bei der sogenannten Cystinurie liegt eine Transportstörung in der Niere vor, wodurch vermehrt Cystin ausgeschieden wird und es zur Bildung von Cystinsteinen kommt. Angeborene Stoffwechselstörungen erfordern meist eine lebenslange diätetische Therapie.

    Ein Mangel an proteinogenen Aminosäuren kann durch unzureichende Proteinzufuhr, Malabsorption oder chronische Erkrankungen auftreten. Mögliche Folgen sind Muskelabbau, Immunschwäche sowie Wachstumsstörungen.

    Häufige Fragen

    1. Wie viele proteinogene Aminosäuren gibt es?
    2. Beim Menschen gibt es 21 proteinogene Aminosäuren, darunter die 20 kanonischen Aminosäuren sowie das seltene Selenocystein.

    3. Was ist der Unterschied zwischen proteinogenen und nicht proteinogenen Aminosäuren?
    4. Proteinogene Aminosäuren werden direkt in Proteine eingebaut. Nicht proteinogene Aminosäuren kommen zwar im Stoffwechsel vor, werden jedoch nicht in Proteine integriert, so beispielsweise Ornithin oder Citrullin.

    5. Was bedeutet essenziell und nicht essenziell?
    6. Essenzielle Aminosäuren müssen über die Nahrung aufgenommen werden, da der Körper sie nicht selbst synthetisieren kann. Nicht-essenzielle Aminosäuren kann der Körper selbst herstellen. Bedingt essenzielle Aminosäuren sind in bestimmten Lebenssituationen (z.B. Wachstum, Krankheit) notwendig.

    7. Welche Funktionen haben proteinogene Aminosäuren?
    8. Proteinogene Aminosäuren sind unter anderem verantwortlich für den Aufbau von Proteinen, enzymatische Reaktionen, Signalübertragung und die Immunfunktion. Außerdem spielen sie eine Rolle in der Hormon- und Neurotransmittersynthese und Energiegewinnung.

    Autor
    Sudenur Tamer

    Sudenur Tamer

    Medizinstudentin

    Sude studiert Humanmedizin an der Medizinischen Fakultät der Universität des Saarlandes. Schon seit ihrer Kindheit hegt sie den Traum, ihre medizinische Tätigkeit mit ihrer Leidenschaft für Journalismus zu verbinden. Diesen Traum kann sie bereits während ihrer Tätigkeit bei praktischArzt verwirklichen. Durch vorherige Praktika im Rundfunk und Fernsehen, das Schreiben von Blogs während ihres Auslandsjahres sowie ihr Fachwissen aus dem Studium kann sie ihre Fähigkeiten und Kenntnisse in ihren Texten gekonnt vereinen.

    Quellen
    1. Aminosäuren und Proteine, https://next.amboss.com/... S (Abrufdatum 30.12.2025)
    2. Rassow et al.: Duale Reihe Biochemie. 5. Auflage Thieme 2022
    3. Das neugeborene Kind, https://next.amboss.com/... (Abrufdatum 31.12.2025)
    Medizinische und Rechtliche Hinweise
    Dieser Artikel ist nur zur Information bestimmt. Der Inhalt kann und darf nicht verwendet werden, um selbst Diagnosen zu stellen sowie Behandlungen anzufangen oder abzusetzen. Die Informationen können keinen Arztbesuch ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen ist leider nicht möglich.

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