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Humanes Choriongonadotropin (hCG) gehört zu den frühen Markerhormonen einer Schwangerschaft. Es entsteht aus dem trophoblastischen Gewebe des Embryos und wird in der sich entwickelnden Plazenta produziert. Bereits wenige Tage nach der Implantation kann man hCG im Blut und Urin nachweisen, womit es die Grundlage für moderne Schwangerschaftstests bildet. In der Medizin nutzt man das Hormon darüber hinaus zur Verlaufskontrolle verschiedener Zustände, etwa als Tumormarker bei bestimmten Krebserkrankungen. Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Grundlagen und der Funktion des Hormons.
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hCG – Definition
Humanes Choriongonadotropin ist ein heterodimeres Glykopeptidhormon. Während der Schwangerschaft wird es primär vom Synzytiotrophoblasten gebildet, in geringen Mengen können aber auch Hypophyse und andere Gewebe hCG‑ähnliche Substanzen freisetzen. Die Beta‑Untereinheit ist einzigartig für hCG und dient diagnostisch als Nachweisziel. Nach Befruchtung steigt der hCG‑Spiegel rasch an und signalisiert dem mütterlichen Organismus, dass eine Schwangerschaft besteht.
Biochemische Grundlagen
Humanes Choriongonadotropin umfasst ein Molekulargewicht von etwa 37 Kilodalton. Es besteht aus zwei ungleich großen Untereinheiten, die nicht kovalent miteinander verbunden sind:
- Alpha‑Untereinheit: Sie umfasst 92 Aminosäuren und ist strukturell identisch mit der Alpha‑Kette anderer hypophysärer Glykoproteinhormone wie follikelstimulierendem Hormon (FSH), luteinisierendem Hormon (LH) und thyreoideastimulierendem Hormon (TSH). Diese Gemeinsamkeit erklärt die LH‑ähnlichen Effekte von hCG auf ovariale und testikuläre Zelltypen.
- Beta‑Untereinheit: Die 145 Aminosäuren umfassende Beta‑Kette verleiht hCG seine biologische Spezifität. Sie unterscheidet sich strukturell von den Beta‑Ketten der anderen Gonadotropine und ermöglicht die gezielte Bindung an den hCG/LH‑Rezeptor. Diagnostische Tests messen diese Untereinheit.
Beide Untereinheiten sind glykosyliert. Die Zuckerketten beeinflussen Stabilität und Halbwertszeit des Hormons. Primär wird hCG vom Synzytiotrophoblasten der Plazenta produziert, geringe Mengen stammen aus jedoch auch aus der Hypophyse, dem Kolon und der Leber. Sobald hCG in den mütterlichen Kreislauf gelangt, bindet es an spezifische Rezeptoren, löst intrazelluläre Signalwege aus und übernimmt die Rolle eines Signals für die erfolgreiche Einnistung des Embryos.
Isoformen
Laut neueren Erkenntnissen umfasst der Begriff hCG vier verschiedene Isoformen. Neben dem „intakten“ hCG bilden Zytotrophoblasten hyperglykosylierte Formen in frühen Schwangerschaftswochen. Diese Varianten fördern das invasive Wachstum des Trophoblasten. In der pathologischen Form spielen sie bei der Entstehung von Chorionkarzinomen eine Rolle. Außerdem existieren freie Alpha‑ und Beta‑Untereinheiten. Nichttrophoblastischen Tumoren wie Blasen‑ oder Bronchialkarzinomen können letztere produzieren. Die Detektion der freien Beta‑Untereinheit im Serum gilt als Hinweis auf eine maligne Erkrankung.
hCG – Wirkung und Funktion
hCG spielt eine Schlüsselrolle bei der Stabilisierung der Schwangerschaft. Es bindet an den luteinisierenden Hormon‑/hCG‑Rezeptor im Gelbkörper und verhindert dessen Degeneration. Durch diese Stimulation bleiben Progesteron und Östrogen erhalten, die für eine verdickte Gebärmutterschleimhaut, eine entspannte Uterusmuskulatur und eine optimale Durchblutung der Plazenta sorgen. Sobald die Plazenta selbst zur Hauptquelle dieser Steroidhormone wird (ab der neunten bis zehnten Woche), nimmt die Bedeutung von hCG für die Hormonproduktion ab.

Regulation des Plazentawachstums und des Immunsystems
Während der Embryonalentwicklung fördert hCG das Wachstum des Trophoblasten und stimuliert die Angiogenese, um eine ausreichende maternale Blutversorgung zu gewährleisten. Der Serumspiegel verdoppelt sich in den ersten Schwangerschaftswochen alle zwei bis drei Tage und erreicht zwischen der sechsten und achten Woche sein Maximum. Fällt die hCG‑Produktion aus, degeneriert das Corpus luteum. Die Hormonproduktion bricht ein und es kommt zum menstruationsähnlichen Abgang.
Studien zeigen, dass das Hormon auch immunologische Aufgaben übernimmt. Es induziert eine lokale Immunsuppression im Uterus, hemmt die Phagozytose von Trophoblasten durch mütterliche Makrophagen und unterstützt so die Toleranz des maternalen Immunsystems gegenüber dem Fetus. Die Freisetzung von anti‑makrophagen Inhibitoren und die direkte Dämpfung immunologischer Aktivitäten vermitteln diesen immunmodulatorischen Effekt.
Diagnostische und onkologische Bedeutung
Die Bestimmung des hCG‑Spiegels dient nicht nur dem Nachweis einer Schwangerschaft, sondern auch der Differenzierung zwischen normwertigem und pathologischem Verlauf. Persistierend hohe oder stark ansteigende hCG‑Werte bei Nichtschwangeren können auf trophoblastische Tumoren, Keimzelltumoren oder selten auf andere Malignome hinweisen. Insbesondere die isolierte freie Beta‑Untereinheit gilt als Tumormarker für verschiedene Karzinome. Umgekehrt deuten ungewöhnlich niedrige Anstiege in der Frühschwangerschaft auf eine drohende Fehlgeburt oder eine extrauterine Schwangerschaft hin. Eine serielle Messung hilft daher, die Dynamik der Schwangerschaft zu beurteilen und bei Bedarf therapeutisch einzugreifen.
Pränatales Screening
In der ersten Schwangerschafts‑Trimenon misst man hCG im Rahmen eines Kombi‑Screenings gemeinsam mit dem Schwangerschaftsprotein PAPP‑A im mütterlichen Blut. Abnorm hohe oder niedrige Konzentrationen können auf chromosomale Störungen wie Trisomie 21 hinweisen. Im zweiten Trimester bildet hCG einen Bestandteil des sogenannten Triple‑ oder Quadruple‑Screens: Die Serumkonzentrationen von AFP, hCG, Estriol und Inhibin A werden bestimmt, um das Risiko für Neuralrohrdefekte und weitere Fehlbildungen einzuschätzen.
Therapeutische Anwendungen
Exogen verabreichtes hCG wird in der Reproduktionsmedizin eingesetzt, um den Eisprung auszulösen oder die Lutealphase zu unterstützen. Bei männlicher Hypogonadotropie stimuliert es über seinen LH‑ähnlichen Wirkmechanismus die Testosteron- und Spermatogenese, weshalb man es bei entsprechenden Indikationen therapeutisch nutzt. Darüber hinaus verwendet man hCG als Marker, um den Erfolg einer Tumortherapie zu überwachen oder ein Rezidiv frühzeitig zu erkennen.
Missbrauch von hCG
Humanes Choriongonadotropin wird außerhalb der zugelassenen medizinischen Anwendungen immer wieder missbräuchlich eingesetzt, beispielsweise im Rahmen der sogenannten hCG‑Diät oder im Dopingbereich. Die US‑amerikanische Arzneimittelbehörde (FDA) warnt, dass frei verkäufliche hCG‑Produkte für Gewichtsreduktion nicht zugelassen sind und Versprechen wie „Stoffwechsel-Reset“ wissenschaftlich unbelegt bleiben. Die Kombination aus Hormonpräparat und sehr kalorienarmer Diät ist gesundheitsgefährdend. Im Spitzensport greifen manche männliche Athleten verbotenerweise zu pharmazeutischem hCG, um die Testosteronproduktion zu steigern oder einen Steroid‑bedingten Hodenabbau zu vermeiden. Da die Verabreichung von hCG den Testosteron‑ und Epitestosteronspiegel gleichzeitig erhöht, ohne das Verhältnis im Urin zu verändern, arbeiten Anti‑Doping‑Labore an sensibleren Nachweismethoden, um solche Manipulationen aufzudecken.
hCG – Abbau und Ausscheidung
Nach Beendigung der Produktion fällt der hCG‑Spiegel relativ rasch ab, denn die biologische Halbwertszeit beträgt etwa 12 bis 36 Stunden. Der Hauptabbau findet in der Leber statt, wo Enzyme das Hormon in kleinere Peptidfragmente spalten. Etwa 20 Prozent der Gesamtmenge werden über die Nieren ausgeschieden. Insbesondere die Beta‑Untereinheit wird zu einem renalen Kernfragment abgebaut, das als Nachweisziel in Urin‑Schwangerschaftstests dient. Nach einer normalen Schwangerschaft oder nach Abbruch sinken die hCG‑Werte innerhalb von wenigen Wochen auf undetektierbare Werte. Persistierende oder erneut ansteigende Werte nach einer Schwangerschaft weisen auf pathologische trophoblastische Aktivität hin und erfordern eine weiterführende Diagnostik.
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