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Die Tawara-Schenkel sind entscheidende Komponenten des elektrischen Leitungssystems des Herzens. Sie spielen eine zentrale Rolle bei der Weiterleitung elektrischer Impulse vom atrioventrikulären (AV)-Knoten zu den Herzkammern. Diese präzise Erregungsleitung ist unerlässlich für die koordinierte Kontraktion des Herzmuskels und somit für die effektive Pumpfunktion des Herzens. Benannt nach dem japanischen Pathologen Sunao Tawara, der diese Strukturen erstmals im frühen 20. Jahrhundert beschrieb, gewährleisten die Tawara-Schenkel die zeitlich abgestimmte Kontraktion der Ventrikel nach den Vorhöfen. Ein Verständnis ihrer Anatomie und Funktion ist grundlegend für die Diagnose und Behandlung von Herzrhythmusstörungen.
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Tawara Schenkel – Definition
Tawara-Schenkel (Crus dextrum und Crus sinistrum) auch Kammerschenkel oder Tawara-Schlinge sind Begriffe aus der medizinischen Terminologie und beziehen sich auf spezifische anatomische Strukturen im Herzen. Genauer gesagt handelt es sich um das atrioventrikuläre (AV)-Knoten-Bündel, das eine wichtige Rolle bei der elektrischen Erregungsleitung im Herzen spielt.
Tawara Schenkel – Anatomie und Lage
Nachdem es durch die Klappenebene gelangt ist, teilt sich das His-Bündel in die drei Schenkel auf, beziehungsweise in den rechten und linken Tawara Schenkel, wobei letzterer aus einem kürzeren kräftigen Faszikel posterior und einem längeren dünnen Faszikel anterior besteht. Sie liegen im Septum interventriculare, der Trennwand zwischen den Herzkammern (Ventrikeln) und verlaufen zunächst als einzelne Stränge nebeneinander Richtung Herzspitze (Apex cordis).
Das Crus sinistrum, der linke Tawara Schenkel, zweigt sich als erstes vom His-Bündel ab. Seine Faszikel verlaufen in der Wand der linken Ventrikels und ziehen zu den Papillarmuskeln. Manchmal wird ein dritter, mittlerer Faszikel beschrieben, der lediglich grade zur Herzspitze strebt. So entsteht eine fächerförmige Ausbreitung des linken Schenkels. Der rechte Tawara Schenkel – das Crus dextrum – läuft hingegen auf Höhe der Aufzweigung noch als ein Strang weiter vorne. Schließlich erreichen die Fasern über das „Moderatorenband“ den M. papillaris anterior.
Alle Teile der Tawara-Schenkel enden in Verzweigungen. Ein Teil der Zellen gehen dabei direkt im Apex-Bereich in das Arbeitsmyokard über, andere verlaufen im Bereich der Herzwand wieder ein Stück in die Richtung der Herzbasis.
Tawara Schenkel – Aufgabe und Funktion
Die Impulse der Tawara Schenkel sorgen dafür, dass die Ventrikel (Herzkammern) sich nach den Vorhöfen kontrahieren, was eine koordinierte und synchronisierte Herzmuskelkontraktion ermöglicht. Das Crus dextrum leitet die Erregung an die rechte Herzkammer weiter, während der linke Schenkel die Erregung an die linke Herzkammer übermittelt. Diese präzise und gut koordinierte Erregungsleitung ist entscheidend für die Aufrechterhaltung eines effektiven und rhythmischen Herzschlags, der den Blutfluss durch den Körper sicherstellt.
Eigenfrequenz der Kammerschenkel
Wie alle Teile des Erregungsleitungssystems im Herzen haben auch die Tawara Schenkel eine Eigenfrequenz. Diese Entspricht der Frequenz des His-Bündels und liegt bei etwa 40 bis 50 Schlägen pro Minute. Der deutlich schnellere Rhythmus des Sinusknotens überlagert als Taktgeber im Normalfall diese Frequenz.
Tawara Schenkel – Klinik und Beschwerden
Störungen oder Blockaden der Tawara-Schenkel können zu ernsthaften Herzrhythmusstörungen führen. Klassische Symptome können hierbei Schwindel, Ohnmachtsanfälle und Herzrasen sein.
AV-Block
Ein AV-Block beschreibt die verzögerte oder unterbrochene Weiterleitung der elektrischen Impulse im AV-Knoten. Ein Block in der kompakten und Transitionszone wird als Supra-His-Block bezeichnet, während ein Block unterhalb des Knotens als Infra-His-Block bekannt ist. Die Diagnose erfolgt mittels EKG. Man unterscheidet drei Schweregrade:
| Schweregrad | Beschreibung | Auswirkung im EKG |
| Grad 1 | Verzögerte Erregungsleitung, trotzdem wird jeder atriale Impuls Weitergeleitet | Verlängerte PQ-Strecke |
| Grad 2 | Die Erregungsleitung ist nicht nur verzögert, sondern fällt intermittierend aus | Verlängerte PQ-Strecke, nicht jede P-Welle resultiert in einem QRS-Komplex |
| Grad 3 | Blockierte Überleitung (AV-Dissoziation), die Vorhof und Kammerkontraktion ist völlig unabhängig voneinander | Je nach Lokalisation AV-Ersatzrhythmus (40 bis 60 pro Minute) oder Kammerersatzrhythmus (unter 40 pro Minute) |
Quelle: Baenkler H, Bals R, Goldschmidt H, Hahn J, Hinterseer M, Knez A, Möhlig M, Pfeiffer A, Schäfer J et al., Hrsg. Kurzlehrbuch Innere Medizin
Die Behandlung bei leichtgradigen AV-Blocks besteht hauptsächlich im Absetzen von Medikamenten, die die Überleitung verzögern, wie Beta-Blocker. In schweren Fällen ist die Implantation eines Zwei-Kammer-Schrittmachers erforderlich.
Schenkelblock
Als Schenkelblock bezeichnet man eine Erregungsleitungsstörung, bei der die Reizweiterleitung im Bereich der Tawara Schenkel eingeschränkt oder komplett unterbrochen ist. Man unterschiedet einen kompletten Schenkelblock (unterbrochene Reizleitung) von einem inkompletten Schenkelblock, bei dem die Reizweiterleitung nur leichtgrasig gestört ist. Durch die faszikuläre Aufteilung des linken Ventrikels kann es links auch zu einem Hemiblock kommen, bei dem nur einer der Faszikel unterbrochen ist (linksanterior oder linksposterior). Der Schenkelblock an sich ist meist asymptomatisch und kann auch als dauerhafte Nebendiagnose im EKG auftreten. Bei neu auftretenden Schenkelblocks muss man jedoch auf Ursachensuche gehen. Die gestörte Erregungsleitung kann durch viele unterschiedliche Grunderkrankungen ausgelöst werden:
- Hypertrophie
- Fibrose
- Koronare Herzkrankheit (KHK)
- Infarkt
- Intoxikation (beispielsweise durch Medikamente)
- Lungenembolie
- Myokarditis
Dabei machen die Ursachen selbst meist vermehrt Symptome.
EKG Diagnostik und -Interpretation
Die Weiterleitung der Erregung in die Herzkammern lässt sich im EKG (Elektrokardiogramm) am QRS-Komplex erkennen. Beim negativen Ausschlag der Q-Zacke wird die Erregungsausbreitung durch das Septum, durch die R-Zacke anschließend die eigentliche Kammerregung dargestellt. Ein Schenkelblock lässt sich am verbreiterten QRS-Komplex erkennen.

Der Rechtschenkelblock zeigt sich im EKG meist in den Ableitungen V1 und V2, manchmal auch noch in V3. Hier formt sich der Komplex zu einem „M“ (bei positivem Ausschlag) oder zu einem „W“ (bei negativem) und ist auf eine Zeit von über 120 ms verbreitert. Ein Linksanteriorer Hemiblock kann sich beispielsweise durch die Veränderung des Lagetyps des Herzens zu einem überdrehten Linkstyp hin zeigen. Darüber hinaus kann die S-Zacke in Ableitung II, III und aVF stark vertieft sein, während die R-Amplitude in V1 bis V3 eher niedrig erscheint. Beim Linksposterioren Hemiblock kommt diese rS-Konfiguration eher in Ableitung I und aVL vor.
Außerdem kann eine Rechts- beziehungsweise Linksverspätung auftreten, bei der der QRS-Komplex (und damit die Erregungsausbreitung der die Tawara Schenkel) zwar später auftritt, aber in Form und Breite normal aussieht.
- Hamm C, Willems S, Hartmann J, Mathew S. Schenkelblock. In: Hamm C, Willems S, Hrsg. Checkliste EKG. 5., überarbeitete Auflage. Stuttgart: Thieme; 2023
- Horacek T. Grundlagen. In: Horacek T, Hrsg. Der EKG-Trainer. 3. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2013
- Hoth M, Wischmeyer E. Erregungsbildung und Fortleitung. In: Behrends J, Bischofberger J, Deutzmann R, Ehmke H, Frings S, Grissmer S, Hoth M, Kurtz A, Leipziger J et al., Hrsg. Duale Reihe Physiologie. 4., unveränderte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2021
- Schmitz F. Kammerschenkel (Crus dextrum und Crus sinistrum). In: Aumüller G, Aust G, Conrad A, Engele J, Kirsch J, Maio G, Mayerhofer A, Mense S, Reißig D et al., Hrsg. Duale Reihe Anatomie. 5., korrigierte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2020




