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In der frühen Schwangerschaft passt sich die Gebärmutterschleimhaut an die Bedürfnisse des Embryos an, um eine erfolgreiche Einnistung und Entwicklung zu ermöglichen. Diese spezialisierte Form des Endometriums wird als Dezidua bezeichnet. In diesem Artikel geht es um den Aufbau, die Funktion und klinische Bedeutung der Dezidua.
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Dezidua – Definition
Die Dezidua ist die während der Schwangerschaft hormonell umgewandelte Gebärmutterschleimhaut (Endometrium), die das implantierte Ei aufnimmt und den mütterlichen Anteil der Plazenta bildet. Sie entsteht unter dem Einfluss von Progesteron nach dem Eisprung und ist entscheidend für die Einnistung, Ernährung und Immunmodulation des Embryos.
Dezidua – Anatomie
Während der Schwangerschaft existieren drei sogenannte Eihäute um das Embryo herum: eine innere, eine mittlere und eine äußere. Die äußere Eihaut stellt das Amnion dar, die der Embyroblast bildet und für die Produktion des Fruchtwassers (Amnionflüssigkeit) zuständig ist. Bei der mittleren handelt es sich um das Chorion.
Die innere Eihaut ist die Dezidua, welche in drei Teile gegliedert ist:
- Dezidua basalis: Sie liegt direkt unter dem implantierten Trophoblasten, zwischen Embryo und Myometrium. Deshalb ist sie durchdrungen von Chorionzotten und am Aufbau der intervillösen Räume sowie an der Versorgung des Embryos beteiligt.
- Dezidua capsularis: Sie umgibt den Embryo auf der dem Myometrium abgewandten Seite, also zwischen Embryo und Uteruslumen. Im späteren Verlauf der Schwangerschaft verschmilzt sie mit der Dezidua parietalis und bildet so die komplette Auskleidung der Gebärmutterhöhle.
- Dezidua parietalis: Sie bedeckt die übrige innere Uteruswand, unabhängig vom Ort der Implantation. Außerdem tritt sie in Kontakt mit der Dezidua capsularis, wenn das heranwachsende Chorion den gesamten Uterus ausfüllt.

Dezidua – Funktion
Die Dezidua übernimmt während der Schwangerschaft zentrale Aufgaben für die Ernährung, Immunregulation und strukturelle Verankerung des Embryos. Als hormonell umgewandelte Gebärmutterschleimhaut bildet sie das mütterliche Pendant zur Plazenta und ist damit maßgeblich an der Implantation und dem Erhalt der Schwangerschaft beteiligt. Eine ihrer Hauptfunktionen ist die Kontrolle der Trophoblasteninvasion: Sie begrenzt das Eindringen des embryonalen Gewebes in das Endometrium, um eine geordnete Plazentabildung zu gewährleisten. Durch die hohe Zelldichte und Gefäßversorgung unterstützt sie außerdem die frühe Ernährung des Embryos, bevor die Plazenta vollständig funktionsfähig ist. Darüber hinaus erfüllt sie eine Barriere- und Schutzfunktion gegenüber pathogenen Keimen oder mechanischen Einflüssen.
Insgesamt stellt die Dezidua ein dynamisches und multifunktionelles Gewebe dar, das für eine erfolgreiche Schwangerschaft unverzichtbar ist.
Dezidua – Klinik
Die Dezidua ist klinisch relevant, da Störungen in ihrer Entwicklung oder Funktion mit verschiedenen Schwangerschaftskomplikationen assoziiert sind. Eine unzureichende Dezidualisierung kann zu Implantationsstörungen, Plazentainsuffizienz oder Frühaborten führen. Besonders bedeutsam ist die Dezidua auch bei Plazentaerkrankungen wie der Plazenta accreta, bei der der Trophoblast die Dezidua basalis nicht ausreichend begrenzt vorfindet und zu tief in das Myometrium eindringt – was bei der Geburt zu schwer kontrollierbaren Blutungen führen kann. In der Pathologie lassen sich Reste der Dezidua nach Fehlgeburt oder Geburt als sogenannte Deziduapolypen nachweisen, die mit Blutungen oder Infektionen einhergehen können.
Häufige Fragen
- Was ist die Dezidua und wie entsteht sie?
- Welche Anteile der Dezidua gibt es und wo liegen sie?
- Welche Funktion hat die Dezidua während der Schwangerschaft?
- Welche klinische Relevanz hat die Dezidua?
- Was passiert mit der Dezidua nach der Geburt?
Die Dezidua ist die während der Schwangerschaft hormonell umgewandelte Gebärmutterschleimhaut (Endometrium). Sie entsteht unter dem Einfluss des Hormons Progesteron nach dem Eisprung im Rahmen der sogenannten Dezidualreaktion.
Die Dezidua basalis liegt direkt unterhalb des implantierten Embryos, zwischen Trophoblast und Myometrium. Die Dezidua capsularis umschließt den Embryo an der dem Myometrium abgewandten Seite. Die Dezidua parietalis bedeckt die übrige Gebärmutterschleimhaut außerhalb des Implantationsbereichs.
Sie ermöglicht die Einnistung des Embryos und reguliert die Trophoblasteninvasion, um eine kontrollierte Plazentabildung zu gewährleisten. In der Frühschwangerschaft versorgt sie den Embryo mit Nährstoffen und wirkt als Schutzbarriere gegen mechanische und infektiöse Einflüsse. Durch die Produktion von Botenstoffen und Enzymen spielt sie eine aktive Rolle im komplexen Zusammenspiel zwischen mütterlichem Organismus und Embryo.
Die Dezidua hat eine wichtige klinische Relevanz, da Störungen in ihrer Entwicklung oder Funktion mit verschiedenen Schwangerschaftskomplikationen verbunden sind. Eine unzureichende Dezidualisierung kann die Einnistung beeinträchtigen und zu Frühaborten oder Plazentainsuffizienz führen.
Nach der Geburt wird die Dezidua zusammen mit der Plazenta und den Eihäuten als Teil der Nachgeburt (Placenta und Decidua) abgestoßen. Dabei löst sich die funktionelle Schicht der Gebärmutterschleimhaut, insbesondere die Dezidua basalis, von der Uteruswand. Reste der Dezidua können in den ersten Tagen postpartal als Teil des Wochenflusses (Lochien) ausgeschieden werden.
- Ulfig, Norbert: Kurzlehrbuch Embryologie, Thieme, 3. Auflage, 2017
- Plazenta, https://next.amboss.com/... (Abrufdatum: 18.07.2025)




