
Inhaltsverzeichnis
Österreich ist für deutschsprachige Studieninteressierte eine der naheliegendsten und attraktivsten Alternativen, wenn der Medizinstudienplatz im Heimatland nicht geklappt hat – oder wenn man bewusst eine internationale Erfahrung in einem deutschsprachigen Land sucht. Die österreichischen Medizinuniversitäten genießen einen exzellenten Ruf, sind international anerkannt und bieten eine praxisnahe, wissenschaftlich fundierte Ausbildung auf höchstem Niveau. Hinzu kommt: Österreich ist kulturell und sprachlich eng mit Deutschland verbunden, die Lebenshaltungskosten sind moderater als in der Schweiz und das Studium ist – dank EU-Mitgliedschaft – für alle EU-Bürger zugänglich. Der Haken: Der Zugang ist streng geregelt und der Aufnahmetest (MedAT) gilt als einer der anspruchsvollsten Eignungstests im deutschsprachigen Raum.
Inhaltsverzeichnis
Studienstruktur: Wie ist das Medizinstudium in Österreich aufgebaut?
Das Medizinstudium in Österreich dauert 6 Jahre und gliedert sich in drei Abschnitte:
- 1. Abschnitt – Vorklinik (2 Jahre): Grundlagenfächer wie Anatomie, Physiologie, Biochemie, Histologie und medizinische Physik; Abschluss mit dem Bachelor of Medicine
- 2. Abschnitt – Klinik (3 Jahre): Klinische Fächer wie Innere Medizin, Chirurgie, Pädiatrie, Psychiatrie, Gynäkologie u. v. m.; erste intensive Patientenkontakte und Famulaturen in Lehrkrankenhäusern
- 3. Abschnitt – Klinisch-Praktisches Jahr (1 Jahr): Das sogenannte „Klinisch-Praktische Jahr” (KPJ) – vergleichbar mit dem deutschen Praktischen Jahr – mit Rotationen durch verschiedene Fachbereiche
Der Abschluss ist das „Diplom-Studium Humanmedizin” mit dem akademischen Grad Dr. med. univ. – ein in der gesamten EU anerkannter Arztabschluss.
Zulassungsvoraussetzungen: Was brauche ich für das Medizinstudium in Österreich?
Allgemeine Voraussetzungen für ein Medizinstudium in Österreich:
- Allgemeine Hochschulreife (Abitur, Matura oder gleichwertiger Abschluss)
- Österreichische Staatsbürgerschaft oder EU-Bürgerschaft (Nicht-EU-Bürger haben stark eingeschränkte Kontingente)
- Teilnahme am MedAT (Medizinischer Aufnahmetest Österreich)
Quotenregelung für ausländische Bewerber
Österreich hat eine gesetzlich geregelte Quotenregelung:
- 75 % der Studienplätze sind für österreichische Staatsbürger reserviert
- 20 % der Studienplätze für EU-Bürger (inkl. Deutscher und anderer EU-Staatsangehöriger)
- 5 % der Studienplätze für Nicht-EU-Bürger
Für deutsche Bewerber bedeutet das: Man konkurriert ausschließlich untereinander um die 20 %-Kontingent-Plätze. Das erhöht die Chancen im Vergleich zum offenen Wettbewerb erheblich.
Der MedAT – Medizinischer Aufnahmetest Österreich
Der MedAT ist das zentrale Zulassungsinstrument für ein Medizinstudium in Österreich und findet einmal jährlich im Juli statt. Er besteht aus zwei Teilen:
- BMS – Basiswissen Medizinische Wissenschaften: Biologie, Chemie, Physik, Mathematik
- KFF – Kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten: Figuren zuordnen, Zahlenfolgen, Implikationen, Texte verstehen, Fakten lernen und merken
Die Gesamtpunktzahl aus beiden Teilen entscheidet über die Zulassung. Eine professionelle Vorbereitung von mindestens 3 bis 6 Monaten wird dringend empfohlen.
Welche Universitäten bieten Medizin in Österreich an?
In Österreich gibt es vier medizinische Universitäten sowie einige Universitäten mit medizinischer Fakultät:
| Universität | Stadt | Besonderheit |
|---|---|---|
| Medizinische Universität Wien | Wien | Größte und traditionsreichste Medizin-Uni Österreichs; eng vernetzt mit dem AKH Wien |
| Medizinische Universität Graz | Graz | Forschungsstark, hochmoderne Infrastruktur (Med Campus) und innovatives Curriculum |
| Medizinische Universität Innsbruck | Innsbruck | Alpines Flair mit starker Universitätsklinik; führend in der Transplantationsmedizin |
| Johannes Kepler Universität Linz (JKU) | Linz | Neuestes öffentliches Medizinstudium in Österreich mit Fokus auf Medizintechnik |
| Paracelsus Med. Privatuniversität (PMU) | Salzburg | Privatuniversität: Studium in nur 5 Jahren, eigenes Auswahlverfahren und Studiengebühren |
Die Medizinische Universität Wien (MedUni Wien) ist die mit Abstand größte und international bekannteste Institution – sie zählt zu den führenden Medizinuniversitäten im deutschsprachigen Raum.
Sprachvoraussetzungen: Kein Problem für Deutschsprachige
Da das Medizinstudium in Österreich vollständig auf Deutsch unterrichtet wird, haben deutschsprachige Bewerber einen natürlichen Vorteil. Formale Sprachnachweise werden in der Regel nicht verlangt, sofern das Abitur oder die Matura auf Deutsch absolviert wurde.
Für internationale Bewerber ohne deutschsprachige Schulausbildung wird ein Nachweis über Deutschkenntnisse auf C1-Niveau (z. B. DSH, TestDaF oder Goethe-Zertifikat C1) gefordert.
Studienkosten und Lebenshaltungskosten
Das Medizinstudium an österreichischen staatlichen Universitäten ist für EU-Bürger weitgehend kostenfrei – es fallen lediglich geringe Semesterbeiträge an:
| Universität | Kosten (ca.) |
|---|---|
| MedUni Wien | 363,36 € / Semester |
| MedUni Graz | 363,36 € / Semester |
| MedUni Innsbruck | 363,36 € / Semester |
| JKU Linz | 363,36 € / Semester |
| Paracelsus Privatuni (PMU) | 14.000 – 18.000 € / Jahr |
Die Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Salzburg ist eine kostenpflichtige Alternative mit eigenem Aufnahmeverfahren – für Bewerber interessant, die beim MedAT nicht erfolgreich waren.
Lebenshaltungskosten
Das Leben in Österreich ist günstiger als die Schweiz, aber teurer als viele osteuropäische Studienstandorte:
| Kostenpunkt | Betrag / Monat (ca.) |
|---|---|
| Miete (WG-Zimmer) | 500 – 900 € |
| Lebensmittel & Haushalt | 200 – 350 € |
| Transport (mit Semesterticket) | 30 – 80 € |
| Freizeit, Handy & Sonstiges | 100 – 200 € |
| Gesamt (ca.) | 830 – 1.530 € |
Wien ist die teuerste Stadt, während Innsbruck, Graz und Linz etwas günstiger sind. Studentenwohnheime bieten oft erschwinglichere Alternativen zum freien Wohnungsmarkt.
Bewerbungsprozess: So bewirbst Du Dich
Die Bewerbung zum Medizinstudium in Österreich ist klar strukturiert:
- MedAT anmelden – Anmeldung über die jeweilige Universitätswebsite, Frist meist März bis April
- Unterlagen einreichen – Reife-/Abiturzeugnis, Lichtbildausweis, ggf. Sprachnachweis
- MedAT absolvieren – Findet zentral im Juli statt (gleicher Test, aber separate Anmeldung pro Universität)
- Ergebnisse abwarten – Zulassungsbescheide folgen in der Regel im August
- Einschreiben – Immatrikulation bei Zulassung bis spätestens September
Wichtig: Du musst Dich separat an jeder Universität anmelden, an der Du den MedAT ablegen möchtest. Es ist möglich, an mehreren Universitäten gleichzeitig den Test abzulegen und die besten Ergebnisse zu nutzen.
Anerkennung des Abschlusses in Deutschland und der Schweiz
Der österreichische Abschluss Dr. med. univ. ist dank der EU-Berufsanerkennungsrichtlinie (2005/36/EG) in allen EU-Mitgliedsstaaten automatisch anerkannt:
- Deutschland: Direkte Anerkennung – Approbation kann unmittelbar beantragt werden
- Schweiz: Individuelles Anerkennungsverfahren erforderlich (da kein EU-Mitglied), in der Praxis aber problemlos möglich
- Alle anderen EU-Staaten: Automatische Anerkennung über die EU-Richtlinie
Viele deutsche Absolventen österreichischer Medizinuniversitäten kehren nach dem Studium nach Deutschland zurück oder bleiben in Österreich – wo Ärzte ebenfalls sehr gut verdienen und das Gesundheitssystem hochentwickelt ist.
Tipps für ein erfolgreiches Medizinstudium in Österreich
- MedAT-Vorbereitung ist entscheidend – Investiere mindestens 3–6 Monate intensive Vorbereitung; nutze spezialisierte Kurse und Übungstests (z. B. von MedAT.at oder Medizin Studieren)
- Anmeldefristen beachten – Die MedAT-Anmeldung schließt oft schon im April – nicht zu spät beginnen!
- Mehrere Universitäten wählen – Melde Dich an mehreren Standorten an, um Deine Chancen zu maximieren!
- Wohnheimplatz früh sichern – Besonders in Wien sind günstige Wohnheimplätze heiß begehrt (frühzeitig bewerben!).
- Quotensystem verstehen – Als deutscher Staatsbürger konkurrierst Du nur gegen andere EU-Bürger, nicht gegen Österreicher – nutze diesen Vorteil.
- Praktische Erfahrung sammeln – Krankenpflegepraktika, Sanitätsdienst oder Krankenhauserfahrung stärken nicht nur die Bewerbung, sondern auch die persönliche Motivation.
- Communitys nutzen – Es gibt viele deutschsprachige Studierendengruppen in Wien, Graz und Innsbruck, die beim Einstieg helfen
Mit dem richtigen Partner zum Medizinstudium im Ausland
Du interessierst Dich für ein Medizinstudium im Ausland? Dann findest Du in futuredoctor einen kompetenten Ansprechpartner für die Planung und Durchführung deines Auslandsstudiums. Von der Erstinformation über die zielführende Auswahl der Bewerbungsuniversitäten, der Begleitung bei gewünschten Vor-Ort-Terminen zur Gewinnung persönlicher Eindrücke, der Betreuung beim Bewerbungsverfahren, der Vorbereitung und Begleitung bei Eignungstests bis hin zur Orientierung am Studienort einschließlich Wohnungssuche und behördlicher Anmeldeverfahren begleitet Dich futuredoctor zu Beginn Deiner Arztkarriere.
Fazit: Lohnt sich das Medizinstudium in Österreich?
Für deutschsprachige Bewerber, die in Deutschland keinen Medizinstudienplatz erhalten haben, ist Österreich eine der besten Alternativen überhaupt: Kein Sprachkurs nötig, EU-anerkannter Abschluss, günstige Studiengebühren und ein hervorragendes Ausbildungsniveau machen das Medizinstudium in Österreich extrem attraktiv.
Der entscheidende Faktor ist die Vorbereitung auf den MedAT – wer hier gut abschneidet, hat sehr gute Chancen auf einen der begehrten Studienplätze. Mit der richtigen Strategie, frühzeitiger Planung und einer realistischen Einschätzung der eigenen Möglichkeiten ist das Medizinstudium in Österreich ein absolut erreichbares und lohnendes Ziel.
Häufige Fragen zum Medizinstudium in Österreich
- Können Deutsche in Österreich Medizin studieren?
- Was ist der MedAT und wie bereite ich mich darauf vor?
- Wird der österreichische Medizinabschluss in Deutschland anerkannt?
Ja, Deutsche Staatsbürger können sich als EU-Bürger für das Medizinstudium in Österreich bewerben. Sie konkurrieren dabei ausschließlich um das 20-%-Kontingent, das für EU-Bürger reserviert ist – und damit nicht gegen österreichische Bewerber. Voraussetzung ist die Teilnahme am MedAT, dem zentralen Aufnahmetest, der jährlich im Juli stattfindet.
Der MedAT (Medizinischer Aufnahmetest Österreich) ist das zentrale Zulassungsinstrument für das Medizinstudium in Österreich. Er besteht aus zwei Teilen: dem Basiswissen Medizinische Wissenschaften (BMS) mit Biologie, Chemie, Physik und Mathematik sowie dem Teil Kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten (KFF). Experten empfehlen eine intensive Vorbereitung von mindestens 3–6 Monaten, idealerweise mit spezialisierten Kursen und Übungstests.
Der österreichische Abschluss Dr. med. univ. ist dank der EU-Berufsanerkennungsrichtlinie (2005/36/EG) in allen EU-Mitgliedsstaaten automatisch anerkannt. In Deutschland kann die Approbation damit direkt beantragt werden.








